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Normalität

BeitragVerfasst am: 08.05.2008, 17:24
Normalität

Die Familie.
Wäre ihre kleine Familie nicht, würde sie aufgeben. Nur ihr Mann und die drei Kinder, das Jüngste gerade mal fünf Jahre alt, gaben ihr die verzweifelte Kraft zum Durchhalten.
Lisa war es gewohnt bescheiden zu leben.
Jeglicher Luxus war ihr fremd. Sie träumte weder von teuren Autos, noch von Designerkleidung. Ihre Wünsche und Träume bewegten sich um andere Dinge. Wichtige Dinge.
Normalität.
Sie wünschte sich ihre Kinder nicht mehr vor einem leeren Kühlschrank stehen zu sehen.
Sie wünschte sich nie wieder die ihr verhassten Worte „wir haben kein Geld“ sagen zu müssen.
Wären Lisa und ihr Mann faul gewesen, ja, dann würde sie es verstehen. Aber das Gegenteil war der Fall. Gerade hatte ihr Mann eine Umschulung hinter sich gebracht, suchte nun nach einer neuen Stelle. Sie selbst arbeitete in Teilzeit, versuchte Überstunden zu schieben.
Auf so vieles verzichteten sie.
Kein abendliches Ausgehen.
Keine Ausflüge mit den Kindern.
Keine Lebensmittel aus den oberen Regalen.
Nichts.
Nichts was etwas Freude machte. Ständiges verzichten, verhasste Worte trotz Widerwillen sagen , die Blicke ihrer Kinder ertragen, die gespannte Stimmung aushalten müssen.
Lisa war oft kurz davor dem ein Ende zu machen, weg zu laufen.
Doch sie blieb. Kämpfte weiter.
Gab Trost, den sie selber gebraucht hätte.
Verströmte Hoffnung auf Besserung, die in ihr längst gestorben war.
Lachte mit ihren Kindern, obwohl es ihr zum Weinen war.
Lisa.
Am meisten litt sie unter dem erdrückenden Gefühl versagt zu haben. Was sie auch unternahm, nie war es genug. Genug, Normalität zu erreichen. Genug, ihren Mann und die Kinder glücklich zu sehen.
Sie kämpfte einen Kampf den sie nicht gewinnen konnte. Den Kampf gegen die Existenz bedrohende Armut und Hoffnungslosigkeit.

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BeitragVerfasst am: 08.05.2008, 17:46
Leider ist das, was man sich als Normalität wünscht, bei vielen Familien heute schon Luxus. Der Text geht unter die Haut. Die, die das nicht erleben müssen, was Lisa und ihre Leidensgenossinen ertragen, wissen um diesen auch psychisch krank machenden Lebensalltag dieser, und doch berührt es sie nur dann, wenn sie mit der Nase darauf gestossen werden. Leider haben diese (Lisa und Co.) keine Lobby in der Gesellschaft. Diesen Text zu lesen, ist besonders "unangenehm", wenn man ihn serviert bekommt, während man gerade damit beschäftigt ist, Reste eines üppigen Mittagessens wegzuschütten, weil am Abend die nächste Üppigkeit folgt.

Klasse Text. thumb up

LG

Lorenz
 
  LOFI 
Gast 
 
 
   
   

BeitragVerfasst am: 08.05.2008, 22:31
@Lorenz

Vielen Dank für dein Lob redface

Es ist pure Realität, die allerdings die wenigsten sehen möchten..
Und noch weniger eingestehen..
Armut ist zu einem Tabuthema geworden und Hauptsache der außere Schein wird gewahrt.
Warum ist das so, frage ich mich?!

Lieber Gruß vom Bodensee

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