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Ottilie - Fernseh-Talk

BeitragVerfasst am: 26.03.2010, 10:41
Fernseh-Talk
Manchmal zeigt sich das Fernsehen von seiner nützlichen Seite. So vor zwei Tagen, als sich ein buntes Gemisch von Männern und Frauen über das Verhalten der heutigen Jugend unterhielt.
Vorsorglich befanden sich auch zwei Jugendliche unterschiedlichen Geschlechts am Gesprächstisch. Die kamen jedoch nur zu Wort, wenn sie Fragen zu beantworten hatten. Sie machten einen recht schüchternen Eindruck. Sicherlich, weil sie nicht so ordentlich gekleidet waren wie die erwachsenen Gesprächsteilnehmer. Die vier Frauen bei Tisch hatten sich in beste Schale geworfen. Die eine von ihnen allerdings gezwängt. Deren umfangreiche Brüste lagen fast auf der Tischplatte.
Meine Mama, die nebst Papa und mir an der Betrachtung dieser Talk-Show beteiligt war, interessierte sich ausschließlich für die Kostümierung der Damen. Dauernd störte sie unsere gespannte Aufmerksamkeit mit Hinweisen an Papa, dass sie bald wieder eine neue Bluse, ein neues Kleid, einen neuen Büstenhalter usw. brauche.
Papa reagierte wie jeder engstirnige Mann, dem das Outfit seiner Frau schnuppe ist. Statt zu erwidern: „Ja, mein Liebling, deine Wünsche sind mir Befehl“, schnauzte er: „Halt die Klappe!“
Dabei galt sein Interesse ebenfalls nicht dem Gesprächsinhalt. Seine Augen konzentrierten sich auf die dicken Möpse der Moppligen.
Zwischen den Frauen saßen drei Männer, zwei normal gebaute und ein dünner. Der tat mir leid, weil er neben der Dicken saß. Die haute ihm jedes Mal kräftig auf die Schulter, wenn ihr eine schlagkräftige Bemerkung gelungen war. Er rutschte dann jedes Mal fast unter den Tisch.
Ein Schlag war schließlich so heftig, dass er mit dem Gesicht auf die Tischplatte knallte.
Obwohl die Kamera rasch zu einer anderen Person schwenkte, konnte ich noch sehen, wie ein Zahn über den Tisch kullerte. Wahrscheinlich ein Schneidezahn.
Am weiteren Verlauf der Talkrunde nahm der Dünne nicht mehr teil. Der Talkmaster sagte, dass Herr Stange einen wichtigen Termin wahrnehmen müsse. Sicherlich beim Zahnarzt, dachte ich mir.
Wie bereits erwähnt, zog die Gesprächsrunde über die Jugend her, also auch über mich. Ein Uneingeweihter hätte den Eindruck gewinnen können, hier werde über Schwerverbrecher geurteilt. Die beiden Jugendlichen wagten nicht, Einspruch zu erheben. Die Dicke sah zu gefährlich aus.
Ich fürchtete mich nicht vor ihr und geigte ihr ordentlich die Meinung. Leider sind die Fernsehgeräte noch nicht so konstruiert, dass sie Gefühlsausbrüche direkt ins Fernsehstudio übertragen. Deshalb fütterte ich die Vollgefressene mit Ausdrücken, wie ich sie nicht einmal in der Schule gebrauchen würde.
Das behagte Papa nicht, weil er Gefallen an dem Klops gefunden hatte. Als er deshalb drohte, mir eine zu klatschen, wenn ich die intelligente Frau weiterhin mit Schmutz bewerfe, zog ich mich schluchzend in meine Kemenate zurück. Ich schluchzte natürlich nur zum Schein, um ihn zur Zurücknahme seiner Drohung zu bewegen. Vergebliches Hoffen. Auch Mama ließ meine gespielte Bedrückung kalt, weil ihre Aufmerksamkeit dem Fummel der Talkistinnen galt.
Hätten beide Elternteile zugehört, was gesagt wurde, wäre ihnen aufgefallen, dass an uns Jugendlichen kein gutes Haar gelassen war. Vielleicht hätten sie sich darüber erbost, weil ihre Tochter, also ich, mich hin und wieder von meiner besten Seite zeige. Fällt ihnen das nicht sofort auf, mache ich sie darauf aufmerksam. Zögern sie mit ihrer positiven Beurteilung, drohe ich, ihnen einen Schwiegersohn ins Haus zu bringen, für den sie sich schämen müssten. Mama fragt mich dann sofort, ob sie mir einen besonderen Wunsch erfüllen kann. Nur Papa grummelt, dass ihm ein Sohn lieber gewesen wäre. Der hätte ihm sicherlich eine hübsche und wohlerzogene Schwiegertochter beschert.
Ich bin zwar noch keine Schwiegertochter, dass ich aber hübsch und wohlerzogen bin, übersieht mein Vater glatt. Typisch für ihn.
 
  Detlef Schumacher 
 
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BeitragVerfasst am: 27.03.2010, 11:40
Liebe Ottilie,

bist Du sicher, daß Du nicht Otto heißt? Confused

Ich liebe deine Geschichten - sie bringen mich immer zum Lachen, auch wenn Du Deinen Bruder Otto zum Ghostwriter gemacht hast. thumb up

_________________
Barbara Zell
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  Engelworte 
 
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BeitragVerfasst am: 28.03.2010, 10:24
Liebe Barbara, heißen Dank für deine Zeilen. Mein Ghostwriter (Geisterrreiter - stimmt's?) heißt Detlef. Der arme Kerl muss laufend (auch sitzend) aufschreiben, was ich ihm zu Gehör bringe. Er mag mich trotzdem. Weil mich neulich dennoch Zweifel beschlichen, fragte ich ihn:
"Mogst mi?"
Wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort: "I mog di!"
Was bleibt ihm anderes übrig! Ohne mich wäre er als Möchtegern-Autor erschossen.
Ich wünsche mir, liebe Barbara, dass du an meinen Geschichten weiterhin Gefallen findest - und dir wünsche ich ein frohes, sonniges Osterfest.
Herzlichst,
Ottilie
 
  Detlef Schumacher 
 
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Ottilie - Fernseh-Talk
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