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Parodie von Personen des öffentlichen Lebens

BeitragVerfasst am: 03.06.2011, 01:19
tag auch,

nach ner ewigkeit hab ich mein buch fertiggestellt - was ich aber nie losgeworden bin, ist eine ziemlich entscheidende frage. dazu vorweg aber vielleicht eine erläuterung.

bei meinem buch handelt es sich um eine art nonsens-roman - einen wirklichen roten faden gibt es nicht und das ganze werk setzt sich eigentlich aus kleinen ereignissen zusammen. dabei ist eine gruppe obdachloser der wichtigste bestandteil des buches.

und genau das ist auch der springende punkt - denn jeder der obdachlosen trägt den vornamen einer person des öffentlichen lebens und weist auch markante charakteristika dieser person auf. so streiten sich jens und olli am laufenden band, während klaus ausrastet und franz eine schwierige beziehung zu seinem vater hat.

die frage ist nur: kann das so bleiben? zum einen hab ich gelesen, dass personen des öffentlichen lebens in ein buch gepackt werden dürfen, aber wie siehts mit solchen parodien aus?

danke im vorfeld

gruß
 
  bela_spencer 
 
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BeitragVerfasst am: 03.06.2011, 06:24
So viel ich weiß, herrscht noch Meinungsfreiheit in Deutschland cheezy grin als Glosse darfst Du Politiker ohne Probleme zu Pennern machen, sofern allfällige Taten nicht in den Strafbereich abrutschen. Du darfst Berlusconi Brot aus dem Mülleimer klauben lassen aber nicht ihm eine Vergewaltigung oder einen Bankraub unterstellen. Allerdings darf er davon Träumen Napoleon zu werden oder sich heimlich in Polen Viagra kaufen cool Das Angie Merkel ihre Anzüge im Secondhandladen für Obdachlose kauft, darüber diskutiert jeder bei FB der nicht zu faul dazu ist. Das die Angie die Mama Beimer aus der Berlinstraße ist, gehört zum öffentlichen Allgemeingut cheezy grin

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  SandraR 
 
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BeitragVerfasst am: 03.06.2011, 08:37
„Eventuelle Übereinstimmungen mit realen Personen wären rein zufälliger Natur.“
Solange deine Texte in ihrer Schreibweise und möglichen Auslegung als fiktiv oder karikaturhaft erkennbar sind, solltest du da eigentlich keine Probleme erwarten müssen.
Wenn ein Carl-Theodor in einer deiner Geschichten „rein zufällig“ dieselben Charaktereigenschaften wie eine lebende Person besitzt, so ist die Tatsache, dass er „rein zufällig“ genau so heißt, nicht gleichbedeutend, dass er auch wirklich gemeint ist. Denn wer sagt uns, dass es nicht tausende anderer mit demselben Vornamen gibt, die ebenfalls diese expliziten Charaktereigenschaften besitzen? Eine exakte Übereinstimmung wäre also rein zufällig und läge absolut nicht deine Absicht.
Oder z.B. eine „rollende Apokalypse“ ist eben nicht gleichbedeutend mit einer Person, solange sie nicht in einem Atemzug namentlich vergleichend ohne beweiskräftige Begründung erwähnt wird.
Wenn eine derartige satirische Schreibweise nicht „erlaubt“ wäre, könnten alle Satiriker in Deutschland ihre Manuskripte in den Papierkorb werfen.
Du kannst darfst und sollst in der Satire über alles schreiben. Unterscheide dabei aber immer die Direkte (beweispflichtige) und die Indirekte.
Natürlich ist das trotz aller Freiheiten auch in Deutschland immer noch in gewisser Weise ein Tanz auf dem Drahtseil. Wenn du also irgendwelche Zweifel hast, solltest du dich absichern.
Obgleich finde ich es sehr mutig, gewisse Personenkreise genau in dem Milieu auftreten zu lassen, welches von ihnen erst erschaffen wurde. Stellt sich doch die Frage, wer sich da eigentlich „asozial“ verhält. Es ist halt immer eine Frage der Auslegung.
Gruß von
Klaus

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BeitragVerfasst am: 03.06.2011, 11:44
alles klar, danke. ;D

blieben mir aber noch zwei fragen:

1. wenn das ganze als fiktiv oder karikaturhaft erkennbar sein muss, dann müsste es doch eben durch die tatsache, dass sich das ganze im obdachlosen-milieu abspielt, gesichert sein, oder?

2. dieser satz "eventuelle übereinstummungen mit realen personen wären rein zufälliger natur" - empfiehlt es sich, dass ich den irgendwo im buch anbringe, um auf der sicheren seite zu sein?

übrigens: ein "karl" kommt sogar tatsächlich vor, als er in einem traum in der schule beim abschreiben erwischt wird... Very Happy
 
  bela_spencer 
 
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BeitragVerfasst am: 03.06.2011, 13:31
Hallo bela_spencer,

bela_spencer hat Folgendes geschrieben:
dieser satz "eventuelle übereinstummungen mit realen personen wären rein zufälliger natur" - empfiehlt es sich, dass ich den irgendwo im buch anbringe, um auf der sicheren seite zu sein?


Der Satz schadet nichts, aber juristisch ist er belanglos. Behaupten darfst du alles. Im Streitfall geht es dann nur darum, ob jemand wiederzuerkennen ist, und nicht, ob du es bestreitest.

Dass dieser Satz trotzdem häufig in Büchern zu finden ist, hat eher den psychologischen Hintergrund, dass die Leser sich keine Gedanken machen sollen, ob die Geschichte vielleicht doch auf wahren Begebenheiten beruht.

Beste Grüße

Heinz

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BeitragVerfasst am: 03.06.2011, 15:32
alles klar, danke für die antworten. Very Happy

und wie siehts mit personen aus, die es nicht mehr gibt? da hätt ich z.B. einen sehr exzentrischen klaus im buch, der zwischendurch an einem einbruch beteiligt ist...
 
  bela_spencer 
 
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BeitragVerfasst am: 03.06.2011, 16:19
Och, es gibt so viele Persönlichkeiten des nicht öffentlichen Lebens, die gleiche und ähnliche Dinge unternehmen, wie es Prominente tun. Da sollte es schon merkwürdig vorgehen, wenn sich ein solcher Star in einem kleinen Buch wiedererkennen sollte.

Ich denke da an meinen Daniel Braun. Über den hat sich auch niemand aufgeregt. Es grinsen mich bloß ganz viele Leute so komisch an, wenn sie die Geschichte gelesen oder gehört haben.

Verstehe ich gar nicht.
cheezy grin

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BeitragVerfasst am: 06.06.2011, 14:45
Alles klar, danke für die Antworten. Very Happy

Eine (hoffentlich letzte Wink Frage hätt ich dann aber doch noch: Wie sieht es mit berühmten Zitaten aus? Bei mir kommt da noch jemand vor, der ausschließlich in "Faust"-Zitaten spricht...
 
  bela_spencer 
 
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BeitragVerfasst am: 06.06.2011, 15:16
Kein Problem:
Gib ihm doch einfach den Namen Faust oder Faustus. Erwähne, dass er stets mit Faust-Zitaten antwortet, und deshalb diesen Spitznamen bekommen hat. Oder lass es einen deiner Prots erklärend einflechten.
„Warum redet der immer so geschwollen?“
„Er hält sich für Faust.
Oder noch schlimmer:
„Mensch, erkennst du ihn nicht? Das ist Faust.“
Oder:
„Das ist Faust. Unser wandelndes Nachschlagewerk.“

Faust meldete sich zu Wort …
Der Einwand von Faust …
…entgegnete Faust
Faust hob mahnend den Finger …

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BeitragVerfasst am: 06.06.2011, 15:19
Hmm, stimmt, das wär eine Lösung. Und wenn ich ihn einfach Johann nenne? Very Happy
 
  bela_spencer 
 
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BeitragVerfasst am: 06.06.2011, 15:35
bela_spencer hat Folgendes geschrieben:
Hmm, stimmt, das wär eine Lösung. Und wenn ich ihn einfach Johann nenne? Very Happy


Faust ist Goethe und Goethe ist Faust. Wer kennt schon Johann, geschweige denn Wolfgang von ... Bei den heutigen Gehirnamputierten würde sich deine Leserzahl extrem minimieren, weil sie den Vornamen nicht einordnen können. Es sei denn, du willst ausschließlich die intellektuelle Schiene bedienen. Wink Und das wage ich zu bezweifeln.

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BeitragVerfasst am: 06.06.2011, 17:45
Hmm doch, in dem Fall schon eher. Razz Das ganze Buch besteht zu weiten Teilen aus solcherlei Anspielungen - deswegen scheint es mir fast schon zu direkt, wenn ich den Kerl Faust nenne. Die Frage wäre eben nur, ob Johann mir da rein rechtlich keine Probleme macht - wenn denn überhaupt jemand die Rechte für die Zitate hat und die nicht als allgemeines Kulturgut oder sowas in der Art gelten. Ansonsten würde ich wohl zur Faust-Lösung greifen müssen.
 
  bela_spencer 
 
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BeitragVerfasst am: 06.06.2011, 18:26
Johann ist schon mehr als 70 Jahre unter der Erde cheezy grin du darfst ihn auch Faust nennen cool

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BeitragVerfasst am: 06.06.2011, 21:08
SandraR hat Folgendes geschrieben:
Johann ist schon mehr als 70 Jahre unter der Erde cheezy grin

Ok, dem entnehm ich jetzt mal, dass es wohl eine Regelung nach dem Motto "70 Jahre vorbei und du kannst damit machen was du willst" gibt. Razz
 
  bela_spencer 
 
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BeitragVerfasst am: 18.06.2011, 07:45
Heute gelesen:

http://unterhaltung.t-online.de/guenther-jauch-klagt-gegen-einen-buchtitel/id_47275850/index
 
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