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» Schneeflocken Methode

BeitragVerfasst am: 12.05.2009, 22:08
N´abend in die Runde!

Ich muss gestehen, dass ich mit Nicoles Entwicklung weitaus größere Schwierigkeiten habe, als ich bisher dachte.

Gut, Manni könnte der angesehene Mann mit viel Charme sein, den ich weiter oben beschrieben habe.
Doch bei Nicole zerbreche ich mir ein wenig den Kopf, welcher Grund vorhanden sein könnte, weswegen sie weiter ausnahmslos zu ihm steht, wenn sie bereits über seine üblen Machenschaften informiert ist. Und ich komme nicht weiter, wie am Ende ihre Stärke bröckelt und sie mit Manni untergeht.
Was ich bisher habe:


Name: Nicole Schönauer
Alter: 36 Jahre
Wohnort: Berlin
Beruf: Leiterin der Kreditabteilung einer Bank (Evtl. wird im späteren Plott Geld transferiert oder gewaschen? Dafür könnte man es brauchen)

Größe: 1,71 m
Haarfarbe: brünett
Augenfarbe: braun
Frisur: lange Haare
äußere Erscheinung: Nicole ist eine sportliche Frau, die auf Aussenstehende stets wie eine unnahbare Frau wirkt

Charakterzüge/ Merkmale: verschlossen/ eigentlich zurückhaltend - doch wer sie besser kennen lernt, erlebt sie als eine Person, mit der man Pferde stehlen kann/ tritt als starke Karrierefrau auf/ in Verhandlungen ist sie eine gefürchtete Diskussionspartnerin/ Workoholic

Hobbys: Pferderennen (ihre einzige, augenscheinliche Schwäche), Oldtimer, reisen

Auto: weißer Alfa Romeo Giulietta 750 Spider 1.3 Baujahr 1956 (Das Auto ist ein Erbstück ihres Vaters und sie hegt und pflegt es


Ich dachte mir, dass Nicole und Manni sich wegen ihrer gemeinsamen Leidenschaft, der Oldtimer, kennen lernen.
Nicole verliebt sich in ihn.
Manni macht ihr den "Hof", benimmt sich wie ein Gentlemen, doch er hegt nicht die gleichen Gefühle für sie. Ihm imponiert ihr Interesse an Oldtimern - und er findet sie attraktiv.



So, und hier ist ein Punkt erreicht, an dem ich ein bisschen Hilfe gebrauchen könnte ...

Zum einen ist Manni noch lange nicht "perfekt" charakterisiert, zum anderen "hänge" ich hier bei Nicole.

Zu Hüüüüllllfffe!


LG, Conny

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  Conny 
 
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BeitragVerfasst am: 12.05.2009, 22:40
Gründe, weshalb sie zu ihm steht:
Manni ist ihre erste feste Beziehung auf die sie sich eingelassen hat.
Zurück in die Einsamkeit will sie nicht.
Außerdem ist sie schon 36 und an einem Punkt, wo sie merkt,
dass Karriere nicht alles ist. Sie kommt so langsam in Panik,
weil alle Freundinnen längst Ehemann und zwei Kinder haben, die schon zur Schule gehen.
Sie hat in Manni viel Gefühl, Hoffnung und Zeit investiert, außerdem liebt sie einige seiner guten Seiten, die er unbedingt auch haben sollte.

Ihre Stärke bröckelt, weil es nur eine gespielte Stärke ist, die lediglich aus ihrer Professionalität im Job erwachsen ist. Außerhalb ihres beruflichen Rahmens ist sie ängstlich, verschlossen, unsicher ...
Manni zu halten, geht an die Substanz, ihr unterlaufen Fehler in der Bank,
ihr Lieblingspferd (kann ja ihr eigenes sein) bricht während eines Turniers tot zusammen,
sie verursacht mit ihrem heiligen Auto einen Unfall, bei dem ein Mensch zu Schaden kommt,
Sie begeht Fahrerflucht. Manni, als hohes Tier bei der Polizei, vertuscht die Angelegenheit.
Er hat sie in der Hand ...

Wenn das nicht funktioniert, erbarmt sich vielleicht ein männlicher Kollege, uns eine schicke Nicole zu basteln? So, wie Manni sie braucht? cheezy grin

LG Grete
 
  g.c.roth 
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BeitragVerfasst am: 12.05.2009, 22:53
Was mir bei den beiden (Manni und Nicole) auffällt: sehr viel Äußerlichkeiten, sehr wenig Innenleben. Vielleicht ist das der Punkt, woran es hakt.

Ich stelle hier mal meinen Fragenkatalog vor, mit dem ich eine Hauptfigur eines Romans entwickle:

    A. Die Fakten

    Name / Vorname / Spitzname
    Alter / Geburtsort / besonderes Ereignis bei der Geburt
    Geschlecht / Nationalität / Beruf
    Wohnort / Besonderheiten bei der Erreichbarkeit (Pieper

    B. Das Erscheinungsbild

    Größe / Gewicht
    Hautfarbe / Hautbeschaffenheit
    Haarfarbe / Haarwuchs / Bartfarbe / Bartwuchs
    Augenfarbe / Augenform
    Gesichtsform (Kinn, Mund, Nase, Stirn, Ohren)
    Hände, Finger
    Körperform / Körperhaltung / Körperzeichen (Narben, Tattoo, Piercings)
    Gebrechen / Behinderungen
    Allergien / Krankheiten
    Stimmlage
    Körperliche Reaktionen (Rot werden, Schwitzen)
    Nervöse Ticks / Gesten
    Sexuelle Neigungen / Erfahrungen
    Selbstbild

    C. Die Sozialisation

    aktuelle Gesellschaftsschicht / Milieu der Kindheit
    Umgang mit Spielkameraden / Geschwister
    Ausbildung (Schule / Beruf / Studium)
    Politische und Religiöse Ansichten / eigener Glaube
    Soziales Engagement
    Mit wem will er/sie nichts zu tun haben? Warum?
    Wer sind die Eltern (Beruf, Herkunft etc.)?
    Was hielten die Eltern von Geld / Sex / Karriere?
    Wie wurde er/sie von den Eltern erzogen?
    Freunde / Ehe / Partner(in) / Kinder
    Wie fühlt er/sie sich in seinem Umfeld?

    D. Die Psyche

    Vorlieben (Essen, Trinken, Kunst, Literatur, Musik, Kleidung, Einrichtung)
    Hobby
    Rückzugsort zur Erholung / bevorzugte Art der Erholung
    Intelligenz / Ehrgeiz
    Hemmungen (Komplexe, Manien, Ängste, Phobien, Schuldgefühle)
    Sehnsüchte / Phantasien
    Was wünscht er/sie sich am meisten?
    Sprache / Ausdruck / Stil / Tempo
    Worüber kann er/sie (nicht) lachen?
    Was regt ihn/sie auf?
    Was macht ihn/sie unruhig/verwirrt/kopflos/zufrieden/glücklich?
    Größte Stärke / Schwäche
    Größte Leidenschaft
    Schmerzhafteste Enttäuschung / Abweisung
    Schönstes Erlebnis
    Haltung zu Leben / Tod
    Persönliche Lebensphilosophie

    E. Sonstige Details

    Was hat ihn/sie in der Kindheit am stärksten geprägt?
    Gibt es Rituale?
    Was würde er/sie niemals zugeben (gegenüber Fremden/Eltern/Freunden)?
    Wem will er/sie was beweisen?
    Was würde er/sie niemals tun?
    Was würde er/sie tun, um das Ziel zu erreichen?

    F. Funktion in der Handlung

    Welches Ziel hat die Figur?
    Welche Motive hat die Figur?
    Was steht für die Figur auf dem Spiel?
    Welche Entwicklung macht die Figur durch?
    Welche Verbindung gibt es zum Gegenspieler?
    Was soll der Leser von der Figur denken?



So, das wär's ... Vielleicht hilft es ja ... cheezy grin
Auf jeden Fall sollten wir dann unsere beiden Hauptfiguren sehr genau kennen.

LG
Siegfried

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Siegfried

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BeitragVerfasst am: 12.05.2009, 23:06
shocked eyes ööhhm, was ich mich gerade frage:

Schreiben wir einen 500-Seiten-Wälzer oder einen Krimi, der in ein gängiges Kiosk-Heftchen passt???

angle
LG Grete
 
  g.c.roth 
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BeitragVerfasst am: 12.05.2009, 23:27
g.c.roth (Moderator) hat Folgendes geschrieben:
shocked eyes ööhhm, was ich mich gerade frage:

Schreiben wir einen 500-Seiten-Wälzer oder einen Krimi, der in ein gängiges Kiosk-Heftchen passt???

angle
LG Grete


Ich gehe bei so etwas immer von 160 Seiten (Untergrenze eines handlungsorientierten Romans, BoD-Preis 8,95 €) bis etwa 240 Seiten aus (BoD-Preis 12,95 €), was einem mittleren Taschenbuch entsprechen würde.

Von einem "Kiosk-Roman" (64 Seiten Heftroman, entsprechend ca. 100 Standard-Manuskriptseiten) war eigentlich nicht die Rede. Oder doch? Wenn ja, dann ziehe ich die Standard-Dramaturgie aus der Schublade. cheezy grin

LG
Siegfried

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BeitragVerfasst am: 13.05.2009, 06:57
g.c.roth Very Happy

Nicole hat mit 36 ihre erste feste Beziehung???
Zuvor hatte sie bereits Torschlusspanik???
Sorry, dann kann sie unmöglich attraktiv sein... Very Happy Very Happy Very Happy


LG
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BeitragVerfasst am: 13.05.2009, 07:01
AmberStuart hat Folgendes geschrieben:
g.c.roth Very Happy

Nicole hat mit 36 ihre erste feste Beziehung???
Zuvor hatte sie bereits Torschlusspanik???
Sorry, dann kann sie unmöglich attraktiv sein... Very Happy Very Happy Very Happy


LG
AmSt


Das muss nicht unbedingt sein. Sie hatte vielleicht jede Menge oberflächliche Beziehungen, aber nie den Mut, sich fest zu binden Very Happy

LG Grete
 
  g.c.roth 
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BeitragVerfasst am: 13.05.2009, 11:13
Ich habe jetzt mal Siegfrieds Liste an einem Beispiel abgearbeitet. Das ist echt schwer, man widerspricht sich und muss nachbessern. Spätestens bei der letzten Frage: "Was soll der Leser von der Figur denken?" wirft man alle Charakterisierungsversuche in die Ecke. Laughing

Ich bin mir jetzt nicht mehr sicher, ob man mit der Festlegung der Figuren beginnen kann. Zuerst muss ich doch wissen, wer den Text / das Buch eventuell lesen würde, also die Zielgruppe. Gehen wir davon aus, dass Nicole die Hauptfigur ist, dann wären das Frauen "im frühen Mittelalter". Dann darf ich Nicole aber wieder nicht sooo attraktiv machen, dass bei den Leserinnen eine Schadenfreude aufkommen könnte: "Schön und reich, ich wusste doch, dass das nicht gutgehen konnte." Die Hauptperson muss so rüberkommen, dass man mit ihr leidet, sich mit ihr freut und die Situationen bzw. Entscheidungen selbst nachvollziehen kann.

Manni ist ein ähnlicher Fall. Wird er als Traummann eingeführt, denkt sich die Leserin sofort: "Und wo ist bei dem der Haken? Und wenn er keinen hat, warum habe ich ihn nicht vor Jahren getroffen?" Wink

Wenn ich keinen Plan habe, wer die Sympathie des Lesers haben soll, kann ich auch noch keine Macken, etc. festlegen.

Ach, ist das alles kompliziert und komplex.

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Liebe Grüße
Christel

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BeitragVerfasst am: 13.05.2009, 11:20
Na gut... Very Happy Oberflächliche Beziehungen sind auf jeden Fall besser
als gar keine. Als Leser will man schließlich ein bissl spannen. Oder geht's
bloß mir so? grins Laughing



LG
AmSt

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BeitragVerfasst am: 13.05.2009, 12:01
Hallo!

Siegfrieds Liste ist wirklich beeindruckend!

Gut, dann werde ich die beiden auch mal daraufhin einfügen, schaffe das heute aber nicht (hab gerade nur Mittagspause ...).

Bis Morgen dann!!

LG, Conny

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BeitragVerfasst am: 13.05.2009, 16:13
Bärentante hat Folgendes geschrieben:
Die Hauptperson muss so rüberkommen, dass man mit ihr leidet, sich mit ihr freut und die Situationen bzw. Entscheidungen selbst nachvollziehen kann.


Mitleiden geht nur, wenn in der Figur ein Konflikt abgeht, den wir als Leser nachvollziehen können, weil wir ihn auch kennen - aber normalerweise diesem Konflikt aus dem Weg gehen und deshalb andere dafür bewundern, wie konsequent sie sind.

Wenn diese Nicole aus einem reichen Hause kommt und ihr alle Probleme von Papi aus dem Weg geräumt wurden, dann wird der Leser wohl kaum Zuneigung zu ihr entwickeln. Also brauchen wir eine andere Lösung - und zwar eine, die Nicole in eine Situation bringt, wo sie durch die Beziehung zu Manni wirklich etwas zu verlieren hat und sich letztlich entscheiden muss, was sie denn nun will.

Folglich: Soll der Leser mitleiden oder Schadenfreude empfinden?

Wenn der Leser mitleiden soll, dann muss Nicole "eine von uns" werden. Also eine Frau, die sich gegen alle Widerstände etwas aufgebaut hat und nun irgendwie zu der Einsicht kommt, dass da mehr sein muss als Eigen- oder Selbstständigkeit, mehr als gesellschaftliche Reputation, finanzielle Sicherheit, wirtschaftlicher Erfolg.

Reiche Eltern im Hintergrund, das ist kein Problem. Aber die liebe Nicole war bereits in der Schule genau deshalb eine Außenseiterin ("Dein Papi kann dir ja alles kaufen!"). Also sucht Nicole den Erfolg ohne Papis Einfluss, fängt hart arbeitend an, jobbt im Studium in der Kneipe, um das Studium zu finanzieren. Und schafft schließlich den wirtschaftlichen Erfolg. Aber sie zahlt einen Preis dafür: schnell bröckelnde Partnerschaften, kein Kind, keine Familie. Sie leidet (was sie schon mal sympathisch macht). Sie wird sich klar darüber, dass sie - nun Ende 30 - entscheiden muss, wie die nächsten Jahrzehnte weitergehen sollen (Entscheidungsnotstand, weil die bilogische Uhr tickt, und: alleine oder in einer Beziehung). Was also soll Nicole tun? Hier springt der Leser (besser: die Leserin) auf.

Nun kommt Manni ins Spiel. Wir wissen um den inneren Konflikt bei Nicole und fühlen mit ihr. Und je nach Charakterisierung von Manni handelt er so, wie wir es befürchten: Er spielt mit Nicole, betrachtet sie vielleicht als Mittel zum Zweck, als Geldquelle. Aber (und das ist jetzt wichtig!): Er hat irgendwo im Innern einen guten Kern. Dieser gute Kern ist kaputt - und den will Nicole reparieren. Und je stärker sie sich um diesen Kern kümmert, desto mehr gerät sie von ihrem eigenen Weg ab. Sie verrät ihre eigenen Ziele, um Manni zu helfen. Und verliert am Ende alles.

All das muss aber in den Figuren charakterlich angelegt sein, nicht in der Handlung. Figuren handeln, weil sie so sind, weil ihre Erfahrungen sie so geprägt haben. Nicht, weil irgendetwas gerade geschieht, weil es geschehen soll. Das ist bei einer Romanhandlung das Prinzip von Ursache und Wirkung. Die Ursache einer Handlung liegt in der Person. Die Handlung löst eine Wirkung aus, die dann wieder zur Ursache wird, weil ein Figur durch die Handlung in seiner Charakterisierung davon betroffen ist. Die Handlungen sind also verkettet, und die Gründe für die Verkettung liegt in den Figuren begründet.

Ganz nebenbei: Der Personalbogen oben muss nicht vollständig und erschöpfend ausgefüllt werden, aber je besser man seine Figuren kennt, desto schlüssiger ist ihr Verhalten, und desto besser kann man ihnen Knüppel zwischen die Beine werfen! cheezy grin

LG
Siegfried

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Grüße
Siegfried

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BeitragVerfasst am: 13.05.2009, 20:19
Siegfried, Hut ab!!!

Sollte ich jemals einen Roman mit Vorplanung schreiben wollen, werde ich mir deine Ausführungen nochmal genau durchlesen.

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Liebe Grüße,
Theresa
 
  Thesken 
Gast 
 
 
   
   
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