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Prolog (Kritik und Feedback immer gerne gelesen)

BeitragVerfasst am: 02.02.2009, 16:58
Edit: Neue Fassung gepostet, auf Seite 2 des Threads


Zuletzt bearbeitet von noteingang am 19.02.2009, 18:35, insgesamt 2-mal bearbeitet
 
  noteingang 
 
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BeitragVerfasst am: 03.02.2009, 17:37
Na kommt schon, habe es absichtlich gekürzt.
Ich weiß ja, dass das Lesen immer viel Zeit kostet, aber ich erwarte keine Textanalyse bzw eine auf kleinste Kleinigkeiten eingehende Hilfe.

Mir reicht völlig ein kurzes 1 Satz Feedback. Die Menge der subjektiven Eindrücke und deren Querschnitt sind, was mich wirklich interessiert.

Biete als Gegenleistung ausführliche Kritik zu jedem Kritisierenden hier, bei seinen Texten an Wink.

Und ja ich bin ungeduldig und und mir fehlt es an jeder Etiquette, nach mind 6 Feedbacks gelobe ich Bessserung und lese den neusten Knigge.
 
  noteingang 
 
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BeitragVerfasst am: 03.02.2009, 17:52
Hallihallo, ich bin zwar ganz neu hier. Aber ich hab mir die Zeit genommen
und deinen Text durchgelesen. Ein einfaches Feedback wird mir wohl
noch gelingen.



Ich kann mich mit dem Text identifizieren und viele andere bestimmt auch.
Ich finde ihn sehr gut geschrieben. Ein toter Moment inmitten des Alltags,
die Angst zu vergessen und nach dem Tod eines geliebten Menschen
wieder "normal" zu werden. Ich würde bestimmt weiterlesen wollen. Nein,
ich will gerne weiterlesen und möchte wissen wie es dazu gekommen ist.
Wer war dieser Mensch und in welcher Verbindung steht er zu der Person,
welche am Grab steht.... thumb up
 
  Amy Brügger 
 
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BeitragVerfasst am: 03.02.2009, 18:05
kommt mir irgendwie bekannt vor. Hast du den Text schon mal gepostet?
Andererseits gleichen sich Texte dieser Art sehr oft.
Als Einleitung für meinen Geschmack etwas zu lang, zu viele Klischees*. Du solltest den Text raffen und einige von den Dingern* rauswerfen.
Als Einstieg für eine Story ansonsten sicher gut nutzbar.
Gruß von
Klaus
 
  Klaus D. Klimke 
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BeitragVerfasst am: 03.02.2009, 18:07
Hallo Noteingang
Ich bin bestimmt nicht der geeignetste um eine Analyse zu machen.
Aber meine Meinung kann ich abgeben.
Es liest sich flüssig,keine Kanten,man ist drin,will weiterlesen.
Also 2+
Alfred

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Erwachsen wirst du nicht mit dem alter,sondern erst dann wenn du die Fehler zuerst bei dir suchst. http://uae-alfred.blogspot.com/
 
  cosmopolit 
 
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BeitragVerfasst am: 03.02.2009, 18:35
@cosmopolit

danke dir, flüssig war mir sehr wichtig, wenn das so aufgenommen wird, dann ist das schon einmal viel wert.

@klaus

Ja du hast recht, vor etwa einem Monat, aber dort war es noch relativ anders (habe es komprimiert) und dort war es fast der Schluss.
Bezüglich Klischees, hm ja mag sein, ich finde es eher Nah am Kitsch, bzw glaube ich durch das Vage, wenig Spezielle, glaubt man darin Klischees zu erkennen.
Weiter kürzen funktioniert kaum, weil fast jeder Satz ein (versteckter narrativer Haken ist und Sinn macht, der nicht für Erstleser ersichtlich ist.). Aber ich schaue mal ob ich das noch irgendwie komprieren kann/mag. Danke dir dennoch für deine Mühe.

@amy

Auch für deine Mühe hier ein ehrliches Danke. Ich hatte die Befürchtung es ist etwas zu kitschig und zu vage, aber wie geschrieben, es ist eigentlich das allerletzte Kapitel und meine größte Mühe war, das so umzuschreiben, dass es nichts verrät, sondern eher Spannung entstehen lässt.
 
  noteingang 
 
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Re: Prolog (Kritik und Feedback immer gerne gelesen)

BeitragVerfasst am: 03.02.2009, 19:05
Hi!

Habe mir deinen Text durchgelesen und meine Kommentare in Blau dazwischen gehauen.



Es ist bitterkalt und überall liegt eine noch zarte Schneeschicht. Dass der weiße Schleier sich erst einen Tag nach Weihnachten auf die Welt legt, ist wieder eines dieser amüsanten Geschehnisse, die uns in unserem Leben so widerfahren. Als ob jemand sehr Mächtiges einen wirklich komischen Humor hat. [Den ersten Absatz komplett wegwerfen. Neben dem - mal wieder - obligatorischen Wetterbericht zum Einstieg bringt der erste Absatz für die Geschichte meines Erachtens gar nichts. Zudem sind diese erste Zeilen geradezu klassisch für ein "Tell" und nicht "Show"]
Ich bücke mich, ziehe meine Handschuhe aus und wische Schnee beiseite[,] bis ich den Grabstein sehe. [Genau das ist jetzt "Show, Don't Tell": Handschuhe - es ist kalt. Schnee - es ist Winter. Wer braucht da noch die Beschreibung der schneebedeckten Landschaft?] Einen kurzen Moment überkommt mich die Trauer, die ich aber mit einem Zittern davon schüttle. [Trauer davon schütteln? Ich kenne in dem Zusammenhang nur "abschütteln"] Den Blumenstrauß, den ich gerade eben gekauft habe, entlasse ich aus seinem Papiergefängnis [das klingt geknstelt, artifiziell] und lege ihn bedächtig [streichen] auf den freigelegten [streichen] Grabstein.
Wir werden dich nie vergessen – denke ich mir im Namen meiner Freunde. [hier musste ich lachen - wie denkt man im Namen von Freunden? Laughing Gemeint ist wohl mehr, dass der Ich-Erzähler auch in Namen der Freunde des Toten gedenkt. Umformulieren!]
Erinnerungen kommen in mir hoch, krabbeln langsam meinem [Akkusativ bitte, nicht Dativ] Nacken empor, dringen von hinten in meinen Kopf ein und Tränen scheinen Ausgleich schaffen zu wollen, wie ein Wasserfall spülen sie das schlechte Gewissen aus mir heraus. [Darf ich diesen Satz mitnehmen und meiner Schreibgruppe vorstellen? Manche mögen so einen Stil, ich finde ihn nur grauslich. Das ist für mich wie schlechte Lyrik: Man stelle banale Dinge in ungewöhnlichen Zusammenhang und schon glaubt man, künstlerisch zu schreiben. Wäre der Text in einem Buch, würde ich das Buch spätestens an dieser Stelle wieder ins Regal stellen und mir was anderes suchen]
Ich ziehe mir wieder meine Handschuhe an und wische mit diesen ["mit diesen" streichen, überflüssig] die salzige, flüssige Erinnerung einfach weg. [auch hier: Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. Salzig und flüssig, das sind Attribute von Tränen. Aber was sind salzige Erinnerungen? Oder flüssige Erinnerungen? Es klingt einfach total überkontruiert. Tränen sind nun mal Tränen, warum also so drumherum schreiben? Ich als Leser muss allerspätestens an dieser Stelle befürchten, dass sich dieser Stil durch das ganze Buch zieht. Wie heißt dann z. B. "Auto" bei dir? Personenselbstbeweger?]
»Habe ich eben wieder ein Stück von dir verloren?«[,] Flüstere [flüstere] ich kaum hörbar zum Grabstein.
Immer seltener bin ich hier, immer häufiger sind die Phasen des Vergessens, doch bekomme ich nur hier ein schlechtes Gewissen, bedauere, dass die Flut des Alltäglichen langsam den Platz der Trauer einnimmt. [an diesem Satz habe ich echt geknabbert. Was wäre, wenn die Trauer nicht durch das Alltäglich ersetzt wird? Versaufen wir dann nicht in Trauer?]Doch dann stehe ich hier, weine obligatorische Krokodilstränen und wieder zu Hause angekommen, spiele ich das Leben. [Hier hast du den Ich-Erzähler moralisch und empathisch umgebracht. Mein erster Gedanke: So ein Drecksack! Er weint Krokodilstränen - er heuchelt also nur. Und erzählt mir dann was von schlechtem Gewissen! Der Ich-Erzähler ist spätestens jetzt für mich erledigt ... Es sei denn, der Autor hat sich in der Vokabel vergriffen und ein völlig daneben liegenden Bild geschaffen]
»Ich soll dich von den anderen grüßen. Wenn du mich irgendwie hören solltest, dann sei dir bewusst [diesen Einschub ersatzlos streichen], wir vermissen dich so unendlich. Wärest du doch bei uns geblieben.« Diese Worte sage ich etwas lauter, sollen andere mich doch hören. Etwas verwirrt werden manche denken [da fehlt ein Komma - oder denken die Leute verwirrt?], andere werden nur schnell außer Reichweite gehen um dann kichern zu können.
Ich schaue einmal um mich herum [Vorschlag: Ich schaue mich einmal um - damit wäre dieses gestelzte "um mich herum" weg], aber niemand ist da. Ganz alleine stehe ich hier und lediglich der schwarze Grabstein schafft einen Akzent im sonst trostlosen Weiß. Die Blumen scheinen förmlich in den Abgrund zu stürzen [das mit dem Abgrund habe ich nicht verstanden. Im ersten Moment dachte ich, das Grab sei noch offen, aber dann wäre da kein Grabstein], kämpfen mit unbändiger Farbe des Frohsinns gegen die Dualität des Daseins. [Das klingt nach Grundlagenseminar Philosophie, aber nicht nach unterhaltende Literatur]
Ich verspreche dir, ich werde ihn lieben und immer auf ihn acht geben - denke ich und breche dann wieder auf, in die Welt der Lebenden, in die Welt der Verdrängenden und in die Welt der Liebenden.


Ganz generell: Mir gefällt dieser Text überhaupt nicht. Vor allem durch diesen gewollt-künstlerischen Sprachstil. Ich weiß, es gibt Leser, die so etwas toll finden. Auf solche Leute stößt man in Germanistik-Seminaren oder bei der öffentlichen Lesung von Texten im Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb auf 3Sat. Inhaltlich kann ich nichts sagen, da der Text zu kurz ist; ebenso wenig zur Figurenzeichnung.

Würde ich so einen Text weiterlesen? Definitiv nicht. Wie ich oben schon schrieb: An der einen Stelle hätte ich das Buch zurückgelegt. Es packt mich nicht, Sprachstil und benutzte Bilder liegen weit neben der Spur, die für mich akzeptabel ist. Nichts für mich. Und schon gar nichts für meine Brieftasche.

LG
Siegfried
 
  Siegfried 
 
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BeitragVerfasst am: 03.02.2009, 19:28
Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, gerade in solch einem Ausmaß.
In handwerklichen Belangen hast du ausnahmslos Recht, die Verbesserungsvorschläge werde ich einarbeiten, in den künstlerischen und figurenbetreffenden Punkten, sehe ich es anders. Dennoch schätze ich deine ausführliche Kritik.

EDit: und den Satz kannst du gerne vorführen. Stell ihn als den Inbegriff von schlechter Lyrik dar, kein Problem Wink
 
  noteingang 
 
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Re: Prolog (Kritik und Feedback immer gerne gelesen)

BeitragVerfasst am: 04.02.2009, 00:41
Hallo nochmal Siegfried,

ich habe mir das noch einmal durch den Kopf gehen lassen und keine Ahnung ob du hier drauf noch einmal antwortest, schreiben möchte ich es dennoch. Ich kenne ja diese "show don't tell" und über manche Formulierung kann man sicher vortrefflich streiten. Aber das ist mein Stil, ich könnte es relativ routiniert/pragmatisch runterschreiben (zumindest einfacher als so schreiben) aber ich mag gerade manche "artifizielle" Bilder.
Und weißt du weshalb? Mein show "don't tell" soll auf einer anderen Ebene funktionieren (soll, ob es das tut, keine Ahnung, bei manchen ja, bei manchen nein, soweit ich das nun von Probelesern mitbekam).

Machen wir es mal beispielhaft. "Krokodilstränen" sind natürlich gewollt, es ist eine ICH-Erzählerin, die ihre Trauer nicht anerkennt. Das Gewissen zermürbt sie, sie hat ein schlechtes Gewissen wegen ihres Gewissens. Sie macht sich fertig und erkennt nicht, dass diese Vorbehalte gegen sich selbst, Teil ihrer Trauer sind. Gerade dass sie ihre Trauer/Tränen Krokodilstränen nennt, zeige (show Wink ) ich, wie sie über sich denkt. Ich schreibe nicht, ich erkenne meine Trauer nicht an und glaube alle meine Tränen sind hier gespielt, die Tränen sind aber echt, weil ich so viel Selbsthass verspüre durch die Trauer, weil ich mir eine Mitschuld gebe....
Auch lässt sie nicht zu, dass man normalerweise einfach irgendwann nicht mehr trauert und vergisst, dies zeugt sehr davon, wie sie den Tod interpretiert....
Dass was andere Schreibwütige mit Bildern/Handlungen tun, versuche ich wie eben dargelegt mit der Art des Denkens.

Ich wollte/will, bin ja gerade beim Überarbeiten, eine Geschichte schreiben mit einem ICH-Erzähler, der nicht durch Handlungen zeigt, sondern durch die ART des Denkens.

Mein Hauptkonflikt der Geschichte besteht immer darin, was glauben die Menschen über sich zu wissen (tell) und was ist denn nun die "Wahrheit". Ich kaue dem Leser nicht vor, er glaubt es irgendwie vielleicht, aber eigentlich möchte ich drauf hinaus, dass man gerade das vermeintlich Paradoxe erkennt und neu sortiert. In dieser Geschichte kommen viele Handelnde zu ihren selbstreflektiven verschrieenen Tellpassagen, wobei aber das Denken immer aber ein Konflikt ist. Fast jede meiner Aussagen hat ein Kalkühl anhand psychologischen Konstrukt des Menschen, der spricht und denkt.

Manche holprige Formulierung nutze ich absichtlich, um einen gewissen Denkrhythmus darzustellen.

Und normalerweise interpretiere ich nicht für andere (Krokodilstränen), und eventuell verrenne ich mich total. Sinn macht das alles schon, und einige Dinge, die du glücklicherweise angemerkt hast, da war ich betriebsblind, änder ich mit Freude. Oft kann man bestimmte Sätze wirklich streichen. Manchmal, unter meiner Schreibprämisse eben nicht.

Und ich schreibe ja nicht, damit es sich verkauft, ich schreibe für mein kleines Publikum und am meisten für mich, dennoch ich will ja dazu lernen.
 
  noteingang 
 
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BeitragVerfasst am: 05.02.2009, 15:31
Hallo,

also ich habe mir den Text durchgelesen und muss zugeben dass ich eine sehr gespaltene Meinung habe.
Ich bin der Ansicht, dass du zwar die Situation und die Gefühle der Hauptperson gut (sehr gut) rüber bringst und diese Situationen einen guten Einstieg hat. Allerdings lässt sich jetzt noch nicht darauf schließen, worum die Geschichte handelt (also deine Sorge, dass du für den Prolog zu viel verrätst, ist somit unnöttig).
Was ich allerdings etwas bedenklich finde ist die Situation an sich die du schaffst. Es handelt sich um jemanden, der vor einen Grabstein steht und um einen anderen Menschen trauert - und ich bin auch davon überzeugt, dass sich so gut wie jeder Mensch mit einem solchen Erlebnis in seinem Leben identifizieren kann. Allerdings weiß ich nicht, ob es speziell genug wird um einer Kurzgeschichte würdig zu werden - warum sollte ausgerechnet über deine Hauptperson geschrieben werden? Was macht die Situation, in der deine Hauptperson steckt so lesenswürdig, wenn doch so gut wie jeder Mensch schonmal so etwas hat durchmachen müssen? Und das solltest du dich auch fragen (wie gesagt, ich weiß ja nicht, wie die Gesichte weitergeht, aber achte darauf, dass es wirklich nicht zu einer Daily-Soap wird - also dass es voller Klischees wird ohne das wirkliche Spannung aufkommt, oder etwas geschieht, was den Leser wirklich fesselt).
Andere haben ja bereits gesagt, dass sie den Einstieg in die Geschichte gut finden - ich gehöre auch zu denen, was ich allerdings an deinem Schreibstil festmache - nicht an der Situation die du umschreibst.

MfG
Chris
 
  chris_master 
 
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BeitragVerfasst am: 05.02.2009, 15:45
Hallo Chris,

danke für dein Feedback. Nein, ich hoffe es wird keine Daily Soap und es gibt einen recht starken Bruch. Wie geschrieben es ist eigentlich das allerletzte Kapitel und ein narrativer Haken soll ja sein, zu wissen, dass jemand stirbt, aber nicht wer.

Es ist relativ gefühlsschwülstig, das ist mit klar, aber auch gewollt. Gerade weil der Bruch zu Kapitel 1 sehr stark ist, dann entsteht nämlich das typische, stelle die handelnden Personen vor. Im idealfall schwingt nun immer das Interesse mit, wer denn nun stirbt und wer denn eigentlich die Person ab Grabstein ist.

Und Kurzgeschichte, ne eher Kurzroman, knappe 50.000 Wörter.

Grüße
 
  noteingang 
 
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Re: Prolog (Kritik und Feedback immer gerne gelesen)

BeitragVerfasst am: 05.02.2009, 16:33
noteingang hat Folgendes geschrieben:
Machen wir es mal beispielhaft. "Krokodilstränen" sind natürlich gewollt, es ist eine ICH-Erzählerin, die ihre Trauer nicht anerkennt. Das Gewissen zermürbt sie, sie hat ein schlechtes Gewissen wegen ihres Gewissens. Sie macht sich fertig und erkennt nicht, dass diese Vorbehalte gegen sich selbst, Teil ihrer Trauer sind. Gerade dass sie ihre Trauer/Tränen Krokodilstränen nennt, zeige (show Wink ) ich, wie sie über sich denkt. Ich schreibe nicht, ich erkenne meine Trauer nicht an und glaube alle meine Tränen sind hier gespielt, die Tränen sind aber echt, weil ich so viel Selbsthass verspüre durch die Trauer, weil ich mir eine Mitschuld gebe....


Bei den Krokodilstränen geht es nicht um die Technik des "Show, don't tell", sondern um den Hintergrund, der durch den Begriff "Krokodilstränen" beschrieben wird. Und dieses Bild der Krokodilstränen ist nach meinem Verständnis einfach schief.

Krokodilstränen heißt doch nicht, die Trauer in sich nicht zuzulassen oder sie zur Seite zu schieben, sondern Trauer vorzuheucheln, wo gar keine Trauer ist. Wenn also dein Ich-Erzähler am Grab steht und Krokodilstränen vergißt (oder vorgibt, Krokodilstränen zu vergießen), dann deutet das darauf hin, dass dem Ich-Erzähler der Tote (die Tote?) einfach völlig egal ist und die gezeigte Trauer nichts weiter als eine Inszenierung ist, um vor anderen gut da zu stehen. Letztlich wird der Ich-Erzähler dadurch mir als Leser völlig unsympathisch. Aber das hat überhaupt nichts mit der Schreibtechnik des "Show, don't tell" zu tun.

LG
Siegfried
 
  Siegfried 
 
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BeitragVerfasst am: 05.02.2009, 16:42
hi,

sicher hat es das, weil es nicht beschreibt (tell) ich weine Krokodilstränen sondern zeigt (show) wie sie ihr Verhalten bewertet. Sie nennt es Krokodilstränen, das heißt nicht, dass es diese sind. Damit wertet sie ihre eigene Trauer ab.

Ich zeige sozusagen anhand der Art des Denkens, wie sie wirklich denkt.

Ich finde gerade ein Ich-erzähler muss höchst subjektiv sein in seiner Beschreibung, und gerade ein Reiz kann durch Brüche entstehen, wie es beschrieben wird. Hier als klarer Bruch, wie sie selbst etwas nennt, aber was es denn wirklich ist.

Wie geschrieben, ich versuche eine Geschichte auf eine völlig andere Art zu erzählen als psychologische Geschichte. Ob das funktionieren kann? Keine ahnung bei dir anscheinend nicht. Nun wäre die Frage, was verändere ich, um dennoch es so zu machen? Soll ich eindeutiger werden? Dann wird es wirklich ein tell, oder soll ich damit leben, dass man so Geschichten nicht erzählen kann? Oder gibt es da geniale Kniffe?

Keine Ahnung, da knabbere ich auch gerade dran.
 
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BeitragVerfasst am: 05.02.2009, 22:46
Hallo noteingang,
auch ich habe den Text gelesen und gebe nun meinen Senf dazu ab. Was die Krokodilstränen betrifft, muss ich Siegfried uneingeschränkt Recht geben. Ich habe durch diesen Begriff vermutlich den kompletten Prolog missverstanden.
Was ich verstanden habe ist, dass die Person am Grabstein da steht, weil sie anderen Trauer vorheucheln möchte. Die Trauer ist nicht echt, und die Person hat etwas mit dem Tod des Verstorbenem zu tun. Dieser Eindruck ist nur entstanden, weil du eben das Wort "Krokodilstränen" benutzt hast.

Dein Schreibstil ist auch nicht so ganz mein Fall, ist mir zu philosophisch ... Aber lass dich nicht entmutigen. Das ist ja nur eine Meinung von vielen. Anderen gefällt der Stil ja offensichtlich sehr gut. Also, weitermachen!

LG, Conny

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BeitragVerfasst am: 06.02.2009, 04:20
noteingang hat Folgendes geschrieben:
hi,

sicher hat es das, weil es nicht beschreibt (tell) ich weine Krokodilstränen sondern zeigt (show) wie sie ihr Verhalten bewertet. Sie nennt es Krokodilstränen, das heißt nicht, dass es diese sind. Damit wertet sie ihre eigene Trauer ab.

Ich zeige sozusagen anhand der Art des Denkens, wie sie wirklich denkt.

Ich finde gerade ein Ich-erzähler muss höchst subjektiv sein in seiner Beschreibung, und gerade ein Reiz kann durch Brüche entstehen, wie es beschrieben wird. Hier als klarer Bruch, wie sie selbst etwas nennt, aber was es denn wirklich ist.


Wenn ich dich recht verstehe, dann willst du durch das Benutzen falscher oder schiefer Bilder eine Charakterisierung deiner Hauptfigur erzielen. Ich halte das für extrem schwierig, wenn nicht gefährlich. Weil du damit deine Hauptfigur nicht nur unverständlich machst, sondern sie auch der Lächerlichkeit preis gibst.

Die Krokodilstränen sind nun mal ein feststehendes Bild für jemanden, der nur so tut, als würde er trauern. Deine Figur schildert in ihren Gedanken aber die Verzweiflung, dass die Trauer um einen persönlich wichtigen Menschen durch die Alltagsereignisse zugedeckt wird. Das beißt sich aber völlig mit den Krokodilstränen. Ich glaube deiner Hauptfigur diese Gedanken nicht mehr, dass das Alltagsleben das Trauergefühl überdeckt, denn durch die Krokodilstränen wird mir ja symbolisiert, dass deine Hauptfigur gar nicht trauert, sondern nur so tut als ob.

Wenn mir so ein Widerspruch in einem Prolog präsentiert wird, was soll ich deiner Hauptfigur im Laufe der Geschichte dann überhaupt glauben? Wenn ein Bild aufgebaut wird, das tiefe Liebe oder echte Freundschaft betrifft, wird das dann so bebildert: "Ich liebe dich so sehr wie den Sack Reis, der in China umfällt"? Alternativ dazu das Würstchen, das in Hamburg platzt ...

Das funktioniert einfach nicht. Und wenn das auf diese Weise funktionieren soll, dann muss das sehr, sehr intelligent aufgebaut werden, um den Leser nicht in die falsche Richtung laufen zu lassen. Es muss dann nämlich für den Leser erkennbar sein, dass deine Hauptfigur aus charakterlichen Gründen völlig falsche Bilder und Metaphern benutzt. Da ist extrem schwer. Ein falsches Wort, eine falsche Satzstellung, und der ganze Effekt kippt ins Gegenteil.

Aber ich will dir diesen Gedanken nicht ausreden. Wenn das deine Absicht ist und dein Schreibstil, dann mach das. Allerdings halte ich das Risiko zu scheitern für extrem hoch.

LG
Siegfried
 
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