"Guten Tag, Frau Meiners", schmetterte ich unwirsch der hutzligen Alten entgegen, die sich gerade daran machte, ihren Ritzenpisser, wie ich diese Chihuahuas nannte, auf den Arm zu nehmen.
"Ähm, ja, guten Tag, junger Mann", krächzte sie verwirrt zurück. Die Alte hatte mich sicher nicht erkannt, und das, obwohl wir nun schon seit fünfzehn Jahren Nachbarn waren. Es wunderte mich, dass sie mich überhaupt gehört hatte, in der Regel bekam sie nichts mit, nicht einmal dass ich vorherigen Monat bis 5 Uhr morgens Party gemacht hatte. Naja, ganz hilfreich, wenn man nachts noch recht laut Pornos guckt oder selbst Sex hat, die Wände sind doch recht dünn. Für einen Moment hielt ich an, als ich sie passiert hatte. Sicher hebt sie das Mistvieh wieder zum Arschabputzen hoch?!
Richtig.
Was war das für ein Hund, dem man den Arsch abwischen musste?
Wäre dieser verfickte Brief heute Morgen nicht im Briefkasten gewesen, wäre mir dieses "Schauspiel" erspart geblieben. Ich würde erst in ein oder zwei Stunden meine Tour durch die Apotheken machen, so aber war ich gezwungen, an diesen verhassten Ort zu gehen. Die örtliche Dorfsparbank. Allein das Logo ließ mich aggressiv werden! DB stand in großen roten Lettern auf den Türen und prangte als Skulptur auf jedem Gebäude. DB = Dämliche Blödbeutel, sinnierte ich und hatte fortan ein fieses Grinsen im Gesicht.
"Hallo, Herr Schulz", begrüßte mich die Kioskbesitzerin, "das Gleiche wie immer?"
"Nein, heute mal 3 Brötchen", zischte ich, während ich schon mit der Zeitung beschäftigt war, die ich mir herübergezogen hatte, um zu sehen, ob es etwas Wichtiges gab.
"Sie nehmen doch schon seit einer Woche 3 Brötchen, langsam sollten Sie sich um ihre Linie Gedanken machen", witzelte sie und packte mir noch ein Croissant dazu.
"Das geht aufs Haus, ich hab heute gute Laune", sagte sie schnell, als sie meinen Blick bemerkte.
"Ja, ist ja richtig, man sollte in diesen Tagen keine gute Laune haben, haben Sie schon die Schlagzeile gelesen?"
"Welche? Die Wirtschaft ist im Arsch?"
"Die Tochter von unserem DB-Chef ist entführt worden. Ist das nicht traurig? 17 Jahre alt; hoffentlich klappt das auch mit dem Lösegeld."
Ich nickte betreten, warf ein paar Münzen auf den Tresen und sah zu, dass ich aus dem Kiosk kam, bevor sie anfangen würde mir zu erzählen warum sie „glücklich“ war.
Kaum dass ich außer Sichtweite war, dachte ich: „Geschieht dem Pisser ganz recht! Scheffelt Millionen und seine alten Freunde kennt er nicht mehr. Damals war er der Klassenprellbock, und wer hat ihn immer beschützt? Ich! Und was habe ich davon?“
Zwölf Jahre lang war ich der Hausmeister in seiner Bank gewesen und gleich an dem Tage, als er der Vorsitzende wurde, schmiss er mich hinaus. Der Patenonkel seiner Tochter war ich, dieses kleine "geile" Biest. Sie sah schon sehr früh verdammt gut aus wie ich fand.
Seitdem er mich hinausgeworfen hatte tat er auch so, als wenn er mich nicht kennen würde, und die Geschenke an mein Patenkind kamen stets zurück. "Mieser Pisser", hörte ich mich selber sagen.
Nichts gelang mir mehr, meine Frau verließ mich und Freunde hatte ich kaum noch.
Immerhin hatte ich hin und wieder eine Freundin, so auch gerade, sie war super im Bett. Aber dennoch, das würde er mir bezahlen! Das hatte ich mir geschworen. Allein schon wegen dieses Briefes!
Vorbei an den Plakatwänden, auf die ein Suchaufruf mit Sarah, meinem Patenkind, einfach wahllos über die bereits vorhandenen Plakate geklebt worden war. Neben zahlloser bekloppter Werbung wurden auch die Plakate der kleinen siebenjährigen Lisa überdeckt.
Was bildete sich dieser Pisser eigentlich ein? Meinte er, dass die anderen Eltern kein Recht darauf hätten, ihre Kinder wiederzusehen? "Arrogantes Arschloch!"
"Guten Tag!", sagte ich zornig zu der grenzdebil grinsenden Dame am Schalter. "Ist Herr Gründer da?"
"Oh das tut mir sehr leid, Herr Gründer ist aus persönlichen Gründen nicht im Haus, lesen Sie denn keine Zeitung?"
"Doch das tue ich, sogar immer sehr genau! Nur, wie kann er nicht im Hause sein und mir einen Brief schicken über eine nicht eingelöste Lastschrift? Ist die Geldgeilheit vielleicht wichtiger als seine Tochter?"
"Wie reden Sie eigentlich?", fuhr mich die bis dahin freundlich grinsende Dame an, bevor die Situation jedoch weiter eskalieren konnte, kam ein alter Bekannter an den Schalter.
"Herr Schulz", sagte dieser fröhlich, "Kommen Sie mit, wir besprechen das in meinem Büro."
"Wenn Sie das sagen, Herr Fritsch ...", hörte ich mich flüstern. Es ärgerte mich, dass ich nun so kleinlaut war.
Hey, komm zu dir, es ist schon lange nicht mehr dein Chef!!!! Versuchte ich den bitteren Nachgeschmack der gezeigten Schwäche zu unterdrücken.
"Der Grund meines Kommens ...", sagte ich nüchtern und kühl, als wir im Büro ankamen.
"Ja, ich weiß, Herr Schulz, die Lastschrift des Yiepiehya Baumarktes wurde nicht eingelöst. So leid es mir tut, aber Sie hatten zu dem Zeitpunkt kein Geld auf Ihrem Konto."
"Das weiß ich, aber genau einen Tag später kam wie schon das gesamte vergangene Jahr mein Arbeitslosengeld! Was also soll der Scheiß?", fuhr ich ihn übellaunig an.
"Ach, Herr Schulz", stöhnte er, "Sie wissen doch, wie die Regeln sind, und seit Herrn Gründers Tochter entführt ist, müssen wir uns noch mehr an die Regeln halten! Das sind wir ihm schuldig!"
"Ja ja. Schlimme Sache", log ich und musste innerlich grinsen.
"Nun, der Baumarkt wird sicherlich nochmal versuchen abzubuchen, darf ich fragen, was so wichtig war, es vor ihrem Geld kaufen zu müssen?"
"Dürfen Sie! Nur erwarten Sie keine Antwort!", sagte ich geradezu diabolisch grienend.
"Na schön, Herr Schulz, belassen wir es dabei, ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute!" Mit diesen Worten schob er mich mehr oder weniger aus seinem Büro.
Ich verließ die Bank mit einem eingemeißelten Grinsen
Warum sollte ich nun extra antanzen? Ich dachte den ganzen Weg zur Apotheke darüber nach, aber irgendwie ergab es keinen Sinn. Langsam war ich auch schon seit nahezu einer Stunde unterwegs. Länger als zwei Stunden wollte, nein, durfte ich auf keinen Fall wegbleiben.
Der Kaffee schmeckte auch so sicherlich schon beschissen!
"Grüne Apotheke" stand an dem alten Lehmziegelbau, der mitten in der Fußgängerzone lag.
Das zerknüllte Rezept, das ich aus meiner Hosentasche zog, dem Apotheker hinreichend, studierte ich die Kondomauswahl.
"Hmm, Himbeergeschmack ...das wird sie sicher lieben...", flüsterte ich vor mich hin.
"Die Kondome hier kommen dazu", sagte ich kleinlaut zum Apotheker.
"Gerne, das sind dann 8,95 €."
Grinsend zahlte ich. Gerade als ich gehen wollte, räusperte sich der Apotheker noch einmal.
"Hab ich etwas vergessen?"
"Nein, nein, Sie wissen sicherlich, wie sie mit dem Diazepam umgehen müssen?"
"Ja, natürlich"
Oh ja, und wie ich das wusste ...
Hab ihn nun nach der Auflösung hier mal eingestellt |
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LordKotz |
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