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BeitragVerfasst am: 22.08.2011, 18:01
Anke Höhl-Kayser hat Folgendes geschrieben:
Auszug aus Friedrich Schiller,

Die Glocke

Und drinnen waltet
Die züchtige Hausfrau,
Die Mutter der Kinder,
Und herrschet weise
Im häuslichen Kreise,
Und lehret die Mädchen
Und wehret den Knaben,
Und reget ohn' Ende
Die fleißigen Hände,
Und mehrt den Gewinn
Mit ordnendem Sinn,
Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden,
Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden,
Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein
Die schimmernde Wolle, den schneeigen Lein,
Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer,
Und ruhet nimmer.

Und der Vater mit frohem Blick
Von des Hauses weitschauendem Giebel
Überzählt sein blühendes Glück,
Siehet der Pfosten ragende Bäume,
Und der Scheunen gefüllte Räume,
Und die Speicher, vom Segen gebogen,
Und des Kornes bewegte Wogen,
Rühmt sich mit stolzem Mund:
Fest, wie der Erde Grund,
Gegen des Unglücks Macht
Steht mir des Hauses Pracht!
Doch mit des Geschickes Mächten
Ist kein ew'ger Bund zu flechten,
Und das Unglück schreitet schnell.


Bin mal wieder zu spät, aber hier noch meine Variante dazu...

Mühsam atmete er aus. Es war immer noch schrecklich heiß. Vorsichtig setzte er einen Fuß vor den anderen um ja nichts zu übersehen. Jeden Schritt quittierten seine schweren Stiefel mit einem dumpfen Knirschen. Jedes Mal nahm ihn das Ganze schrecklich mit. Er konnte sich einfach nicht daran gewöhnen. Dieser Job war grausam.

Vor ihm blinkte plötzlich etwas Helles auf. „Hell“ war vielleicht etwas übertrieben, zumindest war es heller als der Rest drum herum. Er beugte sich vor und hob das Etwas vorsichtig auf. Es war ein Stück Papier, sehr verdreckt, aber man konnte die Handschrift darauf noch erkennen. Er schluckte. Er hasste es, wenn er mit persönlichen Dingen konfrontiert wurde. Dennoch, es gehörte zum verdammten Job.

Der Zettel schien noch intakt zu sein, es waren keine Rissränder zu erkennen. Zögernd begann er zu lesen:

Schatz,

hoffe, Du hast Zeit, heute Mittag zu Hause zu essen (ist was im Kühlsachrank).

Bin unterwegs, um Irmi zum Karate-Training zu bringen, danach muss Lisa zum Reiten. Wenn Ole kommt, dann sag ihm, dass sein Essen in der Mikrowelle steht. Er muss dann schnell machen, weil sein Fußballtraining heute eine Viertelstunde früher anfängt.
Solltest Du noch da sein, wenn der Getränkemann kommt, dann gib ihm bitte die leeren Kästen wieder mit. Geld liegt auf dem Küchentisch. Muss noch zur Reinigung, komme vielleicht noch mal kurz heim. Bin heute Abend beim Elternabend von Lisa. Svenja kommt um 17.00 Uhr zum Babysitten. Kannst Du noch kurz mit Bella raus?

Hoffe, Deine Ortstermine auf den Baustellen waren erfolgreich, erzähl mir später, wie es lief. Wie war der Termin mit dem Brandschutzbeauftragten? Was sagt der Statiker?

Eiliger Kuss, ich liebe Dich – Betty“



Langsam ließ er die Hand mit der Notiz sinken. Ihm war übel. Speiübel. Er hasste den Job. Das Leben war so ungerecht! Noch heute Abend würde er kündigen, es ging einfach nicht mehr!

Es war 18.43 Uhr. Mit gesenktem Kopf ging er in den Vorgarten und nahm den Helm ab. In einem Brei aus Blumenerde, Wasser und zermatschten Blumen blieb er stehen, während seine Kollegen routiniert den Feuerwehrschlauch zusammenlegten.

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Annette.

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BeitragVerfasst am: 22.08.2011, 18:43
Siegfried hat Folgendes geschrieben:
Original:

    Lesen Sie weiter...
    Wo beginnt die Geschichte?
    Eigentlich gibt es nur wenige Anfänge. Natürlich hat es oft den Anschein, als finge etwas an. Der Vorhang geht auf, der erste Bauer wird bewegt, der erste Schuss abgefeuert.* Aber das ist nicht der Anfang. Das Bühnenstück, die Schachpartie und der Krieg... Es sind nur kleine Glieder in einer Kette von Ereignissen, die sich Tausende von Jahren weit in die Vergangenheit erstrecken. Es gibt immer ein Vorher. Und immer kann man den Hinweis 'Lesen Sie weiter' anbringen.

    * Vermutlich auf den ersten Bauern.


Terry Pratchett - Lords und Ladies



Variation:

In den altertümlichen Kulturen Nordafrikas, Asiens und Europas, wie beispielsweise bei den Ägyptern und im antiken Griechenland, waren Brettspiele schon früh bekannt, wie bildliche Darstellungen und andere Quellen belegen (…); hierbei handelt es sich jedoch nicht um Schach. (…) Dieses Spiel fand vermutlich seinen Ursprung erst in frühchristlicher Zeit, wohl im 5. Oder 6. Jahrhundert, (…) in Indien, was aus persisch-arabischen Erzählungen, aber auch aus indischen Quellen (…) selbst hervorgeht. Eine große Anzahl von Legenden rankt sich um die Entstehung des Spiels, die bereits in den ersten Jahrhunderten verklärt wurde (…) Im Gegensatz zu dem hier behandelten Zweischach gab es auch noch das einfachere Würfelvierschach (…) als eine sehr frühe Spielform, wobei umstritten ist, welche Form des Schachspiels sich zuerst entwickelte und welche daraus abgeleitet wurde. (…)

Schach (Zweischach) ist die Versinnbildlichung zweier gegenüberstehender Heere mit ihren verschiedenen Rängen (Positionen), die die Aufgaben haben, den gegnerischen Führer zu bedrängen und gleichzeitig die eigene Macht zu schützen. Dabei hat jeder Rang eine vorgeschriebene Art der Fortbewegung auf dem in 8 x 8 Quadrate eingeteilten Spielfeld; ein Strategiespiel, bei dem es auf bedachtes Handeln und weite Voraussicht ankommt. Hier ist im Gegensatz zum Würfelspiel nichts dem Zufall überlassen, der Spieler handelt aus voller Eigenverantwortung, wobei der Anführer, der Herrscher des jeweiligen Heeres, im Mittelpunkt steht.

Den Namen des Spiels entlehnte man der Bezeichnung der indischen Armee, die in der damaligen Zeit aus vier Abteilungen bestand und in Sanskrit tschaturanga (vier Abteilungen) genannt wurde. (…) Die einzelnen Figuren erhielten ihre Bezeichnung nach der Rangordnung im Heer. (…)

(Zitat aus: Annette Hillringhaus, Die Schachfiguren von Lewis. Stand der Forschung und Diskussion, 1996)



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Jules Verne: Zwanzigtausend Meilen unter'm Meer - Erster Band


Ein seltsames Ereigniß, ein unerklärtes, und eine unerklärbare Naturerscheinung, die sich im Jahre 1866 begab, ist ohne Zweifel noch unvergessen. Nicht allein die Bevölkerung der Hafenstädte war durch Gerüchte beunruhigt, im Binnenlande der öffentliche Geist aufgeregt, besonders die Seeleute geriethen in Bewegung. Die Kaufleute und Rheder, Schiffsherren, Patrone und Kapitäne in Europa und Amerika, Officiere der Kriegsmarine aller Länder, und dann die Staatsregierungen der beiden Welttheile widmeten der Sache im hohen Grade ihr Interesse.
Die Thatsache ist, daß seit einiger Zeit manche Schiffe auf hoher See einem »enormen Gegenstand« begegneten, lang, spindelförmig, mitunter phosphorescirend, unendlich größer und rascher als ein Wallfisch.
Die Angaben über diese Erscheinung, wie sie in den Schiffsbüchern verzeichnet wurden, betrafen mit ziemlicher Genauigkeit die Structur des fraglichen Gegenstandes oder Geschöpfes, die unerhörte Schnelligkeit und erstaunliche Kraft seiner Bewegungen, die besonderen Lebensäußerungen, welche ihm eigenthümlich schienen. War es ein Thier von der Wallfischgattung, so übertraf es an Umfang weit alle von der Wissenschaft bisher verzeichneten. Cuvier, Lacépède, Dumeril, Quatrefages – hätten sicher die Existenz eines solchen Ungeheuers nicht gelten lassen – sofern sie es nicht selbst gesehen, d. h. mit eigenen kundigen Augen gesehen.

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