 | "Seelengift" Leseprobe | Verfasst am: 22.03.2010, 22:10 |
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Auszug Kapitel 12 - teilweise gekürzt
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Roven hatte sein Schlafgemach mit bebenden Schritten verlassen, und Selene blieb allein zurück, schockiert und vor allem allein. Allein in einer anderen Welt, eine Welt, die sie sich noch vor kurzem so herbeigesehnt hatte, doch die ihr jetzt so fürchterlich verwirrend und fremd erschien.
Was er vorgab zu sein, konnte ihr Verstand nicht verarbeiten, was sie soeben gesehen hatte, wollten ihre Augen leugnen, doch was sie dabei fühlte, ließ sich aus ihrem Herzen nicht verbannen. Dieser Mann – Roven – löste in ihr solch ein Gefühlschaos aus, dass sie fürchtete, nur in seinen Armen noch zur Ruhe kommen zu können. Seine Nähe brachte ihren Organismus komplett durcheinander, verdrängte ihren gesunden Menschenverstand und arbeitete sich stetig weiter in ihr Herz vor, ohne Unterlass, ohne Gegenwehr.
Weder sein animalischen Knurren, sein angespanntes Gesicht, noch seine leuchtenden Augen konnten ihre Zuneigung vertreiben. Es war verrückt, absurd und lag doch klar auf der Hand.
Sie wollte ihn.
Sie wollte ihn so sehr, dass sie fürchtete sich selbst dabei aufzugeben, sich in seinen mächtigen Armen zu verlieren und unter seiner köstlichen Last in selige Ohnmacht zu fallen.
Er konnte ihr keine Angst einjagen, auch wenn er es versuchte. Jeder seiner Blicke fühlte sich auf ihrem Körper wie eine greifbare Berührung an. Seine Küsse nahmen ihr den Atem, und selbst seine Worte vibrierten gewaltig durch sie hindurch und verloren jegliche erschreckende Bedeutung, wenn sie an ihre Ohren drangen – waren nur noch Liebkosung und Verlockung. Er war von anderer Art, und es störte sie nicht, nicht im geringsten. Neugier, Lust und Sehnsucht beherrschten ihr Herz und mittlerweile auch ihren Verstand – sie wollte alles von ihm, und würde ihm alles schenken, vielleicht sogar ihr Blut... Bei Gott, was dachte sie sich eigentlich? Sie war gerade dabei, einem durchaus beängstigendem Wesen ihr Lebenselixier zu versprechen. Hatte sie denn solche Todessehnsucht, dass das alles für sie keine Rolle mehr spielte? Dass sie nichts fürchtete, und was es auch koste, sich diesem Mann ganz und gar ergeben würde, selbst wenn das hieß, dabei vielleicht ihr Leben zu verlieren – für einen Moment vollkommenen Glücks? Sie wusste die Antwort auf diese Frage nicht. Ihr Herz schrie Ja, doch es gab noch einen Funken Verstand, der krampfhaft versuchte ihr einzureden, dass das Leben kostbar war – und dass sie dankbar sein sollte.
Selene schüttelte all die Fragen ab, wollte sich selbst keine Rechenschaft oder eine Antwort schuldig sein. Immerhin war sie im schottischen Highland – und in seiner Heimat. Das ließe sich nicht ändern, also musste sie sich auch nicht entscheiden. Ihr eigenes Heim stellte fortan eine Gefahr für sie dar, es musste also eine andere Lösung gefunden werden. Und solange es keine gab, würde sie die Zeit hier bei ihm... genießen so gut es eben ging – und die Fragen verdrängen. Nichts war für ewig.
Im schulterfreien, schwarzen Kleid kombiniert mit weichen Plüschhausschuhen erhob sie sich von seinem königlichen Bett und ging langsam zu den nachtblauen Vorhängen hinüber, die in ihrer Schwere und Starrheit beinahe so wirkten, als müssten sie alles in diesem Raum vor der Außenwelt beschützen. Als sie eine der unnachgiebigen Bahnen mühsam beiseiteschob, stockte ihr der Atem angesichts der unglaublichen Schönheit dieser nächtlichen, weiten Landschaft. Rovens Burg musste auf einem Hügel stehen und gab damit einen Ausblick auf kilometerweite Natur in ihrer vielfältigsten Pracht frei. Selbst die Schwärze der Nacht konnte den ursprünglichen Glanz Schottlands nicht trüben – vom Mondlicht erhellt, wirkte das Tal wie in milchigen Nebel gehüllt und zauberte eine schaurig schöne Atmosphäre auf die Oberflächen der Weiden, Lochs und Berge. Es war einfach atemberaubend schön.
Selene entdeckte, dass sich links von diesem Fenster eine große Terrasse befand und schob die Stoffe noch weiter zur Seite, bis sie die gesamte Glasfront enthüllt hatte. Mit einem antiken Knarren öffnete sie die Balkontür und trat hinaus in die eisige Nacht. Hier im Norden Groß Britanniens war die Luft bereits auf Winter eingestimmt – kalt, klar und naturrein. Nachdem sie zwei tiefe Atemzüge genommen, ging sie ins Zimmer zurück und wärmte sich am Kamin auf.
Was sie anfangs gar nicht wahrgenommen hatte, zeigte sich nun nach und nach immer deutlicher – es gab kaum persönliche Dinge hier. Ohne Zweifel war Rovens Schlafgemach wunderschön gemütlich und vor allem prachtvoll eingerichtet, doch Gegenstände von ideellem Wert fand sie hier keine. Sie vermisste Bilder, vielleicht antike Gemälde oder gar Fotographien, auch dekorierende Objekte oder Schatullen fehlten, nichts, das auf sein Leben oder gar seine Vergangenheit deutete, konnte ihr dieser doch eigentlich sehr persönliche Raum zeigen.
Selene ging ins angrenzende, ebenso prunkvoll gestaltete Badezimmer und schaute auf die zerschlagenen, italienischen Fliesen, die der Marmorierung nach zu urteilen ein Vermögen gekostet haben mussten. Das war also das Geräusch von vorhin gewesen – er hatte mit seiner Faust durch den Fliesenspiegel geschlagen. Aus Wut, Frustration – vielleicht weil Selene ihn zurückgewiesen hatte, oder gar, weil sie ihm zur Last fiel. Auf den Scherben befand sich diese leuchtende, goldene Flüssigkeit, und sie erinnerte sich, dieselbe an seiner Wunde gesehen zu haben.
Die Schönheit, die Blut besaß, wenn es golden war, konnte man nicht in Worte fassen. Es gewann in dieser königlichen Farbe beinahe eine gänzlich andere Bedeutung.
Dieser Raum glich einem Badetempel. Mit warmen, orientalischen Farben gesättigt, lud er zu allem ein, was man sich vorstellen konnte. Es gab eine geräumige Dusche, und eine noch größere Badewanne, beides aus dem feinsten Material. Geld schien in Rovens Leben keine Rolle zu spielen. Sie fragte sich, ob es Liebe je getan hatte oder ob tatsächlich nur Gewalt und Tod sein Handeln beherrschten.
Als Selene ihr Spiegelbild erblickte, erschrak sie. Sie hatte sich verändert. Ihre Wangen glühten in kräftigem Rosa, Augenringe gab es keine mehr, doch ihre Pupillen wirkten dunkler als sonst, beinahe rötlich. War es das, was mit ihr passierte, sie veränderte sich?
Sie fühlte diese Macht, die sie nicht haben wollte, fühlte Stärke, die sie sich sonst einreden musste und Lebendigkeit tief in sich erwachen.
Es muss die Lust gewesen sein, die ihr vorgaukelte, mehr Energie zu haben. Die Lust, die Roven ihr bereitete, allein wenn er sie ansah, und die jedes Mal wie eine leidenschaftliche Brise über ihren nackten Körper streichelte.
Der Akkadier saß kraftlos auf der breiten Treppe zum Erdgeschoss und hatte seinen dröhnenden Schädel in die Hände gestützt. Seit einer viertel Stunde versuchte er nun schon sich zu beruhigen, versuchte dieses ganze Dilemma, das er ihr aufgebürdet hatte irgendwie rückgängig zu machen. Doch seine Eingeweide zogen sich weiter unwillkürlich zusammen, unter dem Hunger den er nach Selene verspürte. Was für ein Monster war er bloß geworden?
„Roven?“ Jasons Stimme erklang zögernd von unten. „Alles ok?“
Als Roven aufblickte, zeigte sich Verwunderung in Jasons Gesicht, doch er wich nicht zurück, sondern kam langsam die Treppe hoch und setzte sich schließlich in zwei Meter Entfernung auf dieselbe Stufe, auf der Roven sich niedergerungen hatte.
„Ich bin kein guter Akkadier mehr.“ Seine Stimme klang beschämt und müde. Hatte er tatsächlich die Kraft verloren, sein Tier zu beherrschen?
„Ach, das ist doch Blödsinn, Alter! Jeder hat mal nen schlechten Tag. Du willst halt jemanden beschützen, und das sollst du doch auch. Das ist doch richtig so. Ju kann das ab, der musste schon wesentlich schlimmere Prügel einstecken. Mach dir mal keinen Kopf, das wird schon wieder.“
„Jason, versteh doch... Ich verliere langsam die Kontrolle über die Bestie in mir. Und damit bringe ich hier alle in Gefahr.“ Dass er so etwas jemals zugeben müsste, hätte er nie gedacht. Und plötzlich nahm es in seinem Kopf Gestalt an, die Realität holte ihn ein, und machte ihm deutlich, dass er keinen Ausweg mehr kannte. Dass er nur weiter versuchen konnte, sich im Zaum zu halten und dem Hunger zu widerstehen – solange es eben gut ging, solange es ihm gelang.
„Hey.“ Ihre sanfte, helle Stimme erklang hinter ihnen und Rovens Magen verkrampfte sich von neuem. Jason sprang überrascht auf.
„Hey, wow! Ich mein, hey!“ Er stolperte die Stufen nach oben und reichte ihr seine Hand. Roven erhob sich langsam und biss die Zähne zusammen. „Ich bin Jason“, lächelte er aufgeregt und für Rovens Geschmack viel zu freundlich.
„Freut mich, ich bin Selene.“ Als sich ihre Hände berührten, musste der Akkadier ein Knurren unterdrücken.
„Ich wusste gar nicht, dass wir Besuch haben. Das ist toll!“ Jason drehte sich zu Roven um, und sein erfreutes Grinsen wich einem schüchternen Lächeln, doch seine Verwunderung stand ihm weiterhin ins Gesicht geschrieben.
Als Roven Selene ansah, und sie seinen bohrenden Blick erwiderte, scheuten ihre Augen überraschenderweise nicht zurück. Sie lächelte zuversichtlich und ehrlich, weder Angst noch Vorwürfe waren zu erkennen. Wäre sein Verstand nicht gerade völlig vernebelt gewesen, hätte er schwören können, sie wollte ihm damit sagen, dass alles okay sei, und er sich keine Sorgen machen brauchte.
„Ich schätze, ich bleibe ein paar Tage hier“, sagte sie zu Jason doch in seine Richtung gewandt. Roven drehte sich weg, ignorierte ihre offenkundige Vergebung seines Fehlverhaltens und stapfte grummelnd die Stufen hinab.
„Sie bekommt alles, was sie braucht, ist das klar, Jason?“ Eine Drohung hätte er nicht warnender aussprechen können.
„Sicher, Großer. Ich kümmere mich um alles.“ Roven ignorierte Jasons Freundlichkeit und ging schnellen Schrittes weiter in die Trainingshalle. Er brauchte mehr Abstand und eine kalte Dusche.
...
Seine Pranken an die kalten Fliesen gestützt hielt der Akkadier sein Haupt unter den eiskalten Wasserstrahl und versuchte, seine innere Hitze herab zu kühlen, versuchte, seinen auf Hunger eingestellten inneren Mechanismus wieder auf Normalität zu bringen und das Krampfen seiner Eingeweide zu unterdrücken.
Was ihn am meisten beunruhigte, war die Tatsache, dass es nicht seine Bestie war, die mit diesem Hunger kämpfte – es war der Mann, der Mensch in ihm, der sich so sehr nach Selene, ihrem zarten Leib, ihrem... Blut sehnte, dass er ihre Nähe kaum noch ertrug. Zwar hatte er seine körperliche Reaktion mit dem eisigen Wasser wieder zurückzwingen können, doch sein Innerstes blieb heiß und konnte nur an diese eine Frau denken.
Hätte sie doch bloß nichts gesagt, konnte er nur immer wieder denken. Dann hätte sie all das noch nicht gesehen, und er würde sich jetzt nicht so schrecklich fühlen – wie ein Monster, müsste sich vielleicht noch nicht diese elenden Vorwürfe machen.
Er stellte das Wasser ab, wickelte sich ein Handtuch um seine schmalen Hüften und hoffte, die überschüssige Energie im Training abbauen zu können. Als er den Duschraum verließ, um sich umzuziehen, erstarrte er, als er Selene am Eingang zum Umkleideraum stehen sah.
„Oh Gott“, hauchte sie und wirbelte erschrocken herum. „Das tut mir leid, ich hatte gerufen, aber es kam keine Antwort. Gott, ist das peinlich...“
Rovens Lenden zuckten schon wieder gierig. Seine Gedanken schweiften ab, befahlen ihr, sich langsam umzudrehen. Er wollte zu gern sein Handtuch zur Seite schleudern und ihr zeigen, was er ihr zu bieten hatte. Reiß dich zusammen, verdammt nochmal! Du hast nur ein Handtuch um!
„Kann ich dir irgendwie helfen?“ Er klang nicht gerade erfreut, musste sich voll und ganz darauf konzentrieren, nicht gleich wieder seine Stimme zu verlieren.
Selene wippte unruhig von einem auf das andere Bein und präsentierte ihm dabei aufreizend ihr strammes Hinterteil. „Äh, naja, wenn ich also dann hier – bei dir – übernachte, dann bräuchte ich ein paar Sachen von zu Hause. Und da wollte ich fragen, ob wir vielleicht noch einmal nach London, ähm... reisen könnten? Wenn du Zeit hast.“
Sie brauchte Sachen von zu Hause – daran hatte er gar nicht gedacht. Er hatte bloß seine Gier im Kopf und sollte ihr doch eigentlich eine sorgenfreie Zuflucht bieten.
„Ja, natürlich“, sagte er mit monotoner Stimme. „Ich ziehe mich um, dann können wir los.“
Sie drehte leicht den Kopf und sagte über ihre wunderschöne, nackte Schulter hinweg, „Ist gut, vielen Dank! Ich, ähm, warte dann draußen...“ Damit ging sie in ihren süßen, flauschigen Hausschuhen zurück durch die Trainingshalle, wieder nach vorn, und Roven noch einmal für zehn Minuten unter die kalte Dusche – nur um sicher zu gehen.
Selene saß auf der alten, gemütlichen Couch in dem kleinen Raum, der an die Eingangshalle angrenzte und schaute bedächtig durch die Fenster nach draußen. Sie hatte die Füße angezogen und die kuschelige Decke, die so schön zusammengefaltet auf dem Dreisitzer gelegen hatte, über ihrem Schoss ausgebreitet. Eigentlich fand sie es richtig schön hier. Wenn ihr Verstand nicht durch all diese Probleme belastet würde, könnte sie den Aufenthalt hier sicher genießen – wunderschöne Burg, atemberaubende Landschaft... und ein halber Vampir, der soeben in schwarzer, aggressiver Kampfmontur und anscheinend bis zum Stehkragen bewaffnet, in anmutender Schönheit und einem atemberaubend geschmeidigen Gang auf sie zugeschlendert kam. Was für ein Mann!
Doch seine Miene war wie eingefroren – es war nichts mehr zu sehen von der sehnsüchtigen Glut, die noch vor kurzem in seinen Augen gebrannt hatte. Jetzt wirkten sie nahezu eisblau.
Er blieb im Torbogen stehen und lehnte sich mit verschränkten Armen dagegen. Das Leder seines Mantels knarrte unter der Last seiner breiten Muskeln. Als der schwarze Umhang weiter aufklappte, konnte Selene Dolche und Granaten erkennen, die an seiner schmalen Hüfte befestigt waren. War das denn wirklich notwendig? Er musterte sie intensiv und doch verrutschte seine Miene um keinen Millimeter.
„Können wir?“ Dass sein tiefer Bass ihr mittlerweile jedes Mal eine Gänsehaut bereitete, konnte sie akzeptieren, aber ob sie diesem wenn auch kühlen Blick weiterhin widerstehen konnte, wusste sie nicht. Sie fürchtete, bei der nächsten Gelegenheit die Kontrolle über ihren Verstand zu verlieren und ihm willig ausgeliefert zu sein – zu allen Schandtaten bereit. Wie günstig, dass sie für die bevorstehende Teleportation ganz nah an seinen warmen Körper durfte.
„Ja.“ Und diese Einwilligung hätte sie am liebsten auf all die Fragen gegeben, die er ihr mit seinem ewig grüblerischen Blick zuwarf, auch wenn es ihm gerade nicht bewusst war, weil er versuchte, es zu unterdrücken. Selene konnte es sehen, konnte es fühlen.
Sie erhob sich von der Couch, ließ die Decke dort liegen und ging langsam auf ihn zu, unsicher, was sie jetzt machen sollte. Er rührte sich nicht, sondern schaute sie weiter unverwandt an.
„Wie nah...“ Er fing an zu lächeln und stoppte ihre Worte. Statt einer Antwort hielt er ihr seine große, starke Hand hin. Sie ergriff sie – wie schon so oft zuvor, und er zog sie – der Himmel möge ihr gnädig sein – in seine herrlich kraftvolle Umarmung.
„So nah wie möglich, Süße“, flüsterte er heiser an ihr Ohr und jagte ihr weitere Schauer über den Rücken bevor sie ihre Augen schloss und ihren Verstand für seine warme Nacht öffnete.
Als der goldene Nebel verschwunden war, stand der Akkadier mit seiner kleinen Selene in den Armen wieder in ihrer dunklen, einsamen Wohnung. Seine Augen suchten wie wild und in wieder aufkeimender Wut die gesamte Umgebung ab, sein Instinkt war auf die Vibrationen einer schwarzen Aura eingestellt – doch nichts, er fand keine Bedrohung. Sie waren allein.
Sie auf die Couch zu legen, war eine Möglichkeit, doch er behielt sie lieber in seinen Armen, hier war sie sicherer. Bloß kein Risiko eingehen, nicht die geringste Chance würde er einem Angreifer lassen. Da er vermutete, sie würde ihre Sachen sicher aus dem Schlafzimmer holen wollen, ging er mit der bewusstlosen Schönheit in seinen Armen langsam aus dem Wohnraum hinaus und auf die Treppe zu. Die Bruchteile des Geländers beachtete er nicht weiter. Als er die Stufen bedächtig nach oben schritt, knisterte Erregung in ihm hervor. Er trug das Objekt seiner unkontrollierten Begierde geradewegs in ihr Schlafgemach. Dass er in diesem Augenblick überhaupt nur an Sex denken konnte, zeigte, wie kaputt er mittlerweile war. Sie rekelte sich an seinem Hals und stöhnte leise vor sich hin. Gleich würde sie aufwachen, und der intime Moment wäre wieder vorbei, verdammt.
Als er in ihr Schlafzimmer trat, kontrollierte er als erstes die Ecke, in der der Taryk verendet war. Die Asche war fort, hatte sich letztendlich wie sonst auch in schwarzen Rauch aufgelöst. Göttin! Wenn er könnte, wie er wollte, dann...
„Roven?“ Er verdrängte seine Mordlust und blickte hinunter auf das süße Wesen, in dessen Stimmfarbe sich sein Name wie eine verlockende Einladung anhörte, und erwiderte ihren liebevollen, neugierigen Blick. „Nicht, dass es mich stört, aber... du darfst mich auch gern hinunterlassen“, schmunzelte sie.
Er schluckte seinen Unmut hinunter und setzte sie vorsichtig ab.
„Ich... suche schnell ein paar Sachen zusammen, okay?“ Roven nickte grimmig und lauschte doch ständig in die Ferne, suchte die Umgebung nach Gefahren ab und wartete unter höchster Anspannung auf einen möglichen Angriff aus dem Hinterhalt.
Selene wollte es sich nicht anmerken lassen, doch er konnte ihre aufsteigende und immer deutlicher werdende Angst spüren – wie ein Strick schnürte es ihr die Kehle zu und brachte sie dazu, ihre Sachen immer panischer zusammenzupacken. Sie wühlte in den Schränken, und stopfte ihre schwarze Reisetasche immer voller, ohne zu merken in welche Hast sie geraten war. Als sie aus dem Schlafzimmer ins Bad stürmte, folgte er ihr und behielt sie weiter im Blick. Plötzlich und mit ruheloser Atmung blieb sie vor dem Badezimmerschrank stehen und starrte vor sich her ins Leere, als ob sie einen Ort sah, der sich außerhalb ihrer Wahrnehmung befand, der sie zu sich lockte. Roven näherte sich ihr mit lautlosen Schritten und ohne dass sie es bemerkte. Als er ganz dicht bei ihr stand, hob er seine raue Hand und streichelte über ihre Wange, wischte die Tränen fort, die sich in ihren Augen gebildet und einen Weg in die Freiheit gesucht hatten. Sie schaute zu ihm hoch, und ihr leidvoller Blick zerriss ihm das Herz. Als sie anfing zu zittern, schloss er sie in seine Arme und hielt sie fest, ganz fest, solange sie weinte. „Du bist in Sicherheit“, flüsterte er immer wieder, „Ich lasse nicht zu, dass dir etwas passiert, Selene.“
Und aus demselben Grund, den er schon Tage zuvor gespürt hatte, machte er sich Vorwürfe, fühlte sich verantwortlich – für ihre Trauer, ihre Angst und alles, was ihre Augen mit diesem unbeschreiblichen Elend füllte. |
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die_jolie |
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 | | Verfasst am: 24.03.2010, 20:49 |
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hmm, wenn jetzt gar keiner was schreibt, ist es entweder grottenschlecht oder es gibt nix zu meckern...?
ich würd mich wirklich über ne kurze kritik freuen...  |
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die_jolie |
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 | | Verfasst am: 24.03.2010, 22:58 |
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Hallo JOLIE?
Ich nutze einfach mal meinen ersten Beitrag in diesem tollen Forum, um Dir meine persönliche Kritik zu Kapitel 12 zu geben.
Also, was fällt mir auf:
1. Du schreibst sehr fantasievoll.
2. Rechtscheibung und Grammatik heben sich deutlich positiv von so vielen anderen Buchvorstellungen/Textvorstellungen ab.
3. Mir fehlt aber ein bisschen die Spannung, die bei mir wohl dadurch leidet, dass Du zuviele Adjektive an die Subjektive knüpfst und auch gehäuft einzelne Subjektive verwendest. Dein Text wäre besser, flüssiger und damit auch spannender zu lesen, wenn Du mehr Verben und weniger Adjektive einfügen würdest.
4. Manchmal sind die Sätze zu verschachtelt, das hindert den Lesefluss.
Ein Beispiel:
Als Roven aufblickte, zeigte sich Verwunderung in Jasons Gesicht, doch er wich nicht zurück, sondern kam langsam die Treppe hoch und setzte sich schließlich in zwei Meter Entfernung auf dieselbe Stufe, auf der Roven sich niedergerungen hatte.
Vorschlag: Roven blickte auf. Jason wunderte sich, wich aber nicht zurück. Langsam kam er die Treppe hoch und setzte sich schließlich zwei Meter entfernt auf dieselbe Stufe wie Roven.
Habe nun leider keine Zeit mehr, aber der Text wird sicher noch von anderen kritisiert.
LG
Peter |
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Liebe Grüße
Peter |
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Peter Cokü |
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 | | Verfasst am: 25.03.2010, 03:21 |
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Hallo,
ich mache mich jetzt wahrscheinlich unbeliebt bei Dir. Ich kann nicht schlafen, wegen eines Schächter Films hier im Forum und habe mich deshalb durch Deinen Text gequält. Todlangweilig! Wenn Du in diesem Tempo weiterschreibst, muss ich fragen wie dick Dein Wälzer werden soll? Und das Kapitel ist ja schon, nach Deiner Aussage, gekürzt. Du beschreibst viel zu viel Details und lässt Deine Leser nicht selber entscheiden was gemütlich, süß oder kuschelig ist. Dann vermisse ich den Dreiakter. Egal wie lang eine Szene ist, sie sollte mindestens aus drei Akten bestehen. Das ist wie mit der Börse: Es gibt einen Jahreschart, einen Monatschart, Wochenchart, Tageschart, ja sogar einen Stundenchart. Sorry, aber eine Aktie ist spannender zu beobachten als Deinen Text zu lesen. Die Story hat mich einfach nicht hineingezogen. Das ganze hätte man auch in der Länge dieses Textes schreiben können. Also, weiter dranbleiben.
Gruß Thomas |
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Thomas Becks |
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 | | Verfasst am: 25.03.2010, 07:44 |
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moin
hmm, zu viele details? die leser, die die bisher veröffentlichten kapitel online auf meiner seite lesen, sagen immer, dass es gerade die genauen beschreibungen sind, die sie gut finden...
kap 12 gehört wohl auch zu den kapiteln, wo inhaltlich nicht viel passiert... das sieht bei den anderen meist anders aus, aber ich kann hier leider nicht jedes verhalten der protagonisten veröffentlichen ^^
ich werd erstmal versuchen, die adjektive einzuschränken, vllt kommt dadurch schon etwas schwung rein...
vielen dank! |
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die_jolie |
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 | | Verfasst am: 25.03.2010, 10:19 |
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Hi,
Du schreibst in sehr langen Sätzen; ich liebe lange Sätze, aber bei Dir kommen mir zu viele davon vor. Irgendwie liest sich der Text auch extrem zäh und trocken. Vielleicht kannst Du das alles auch etwas kürzen, um mehr Spannung aufzubauen.
Der Titel gefällt mir gut.
Deine Homepage ist "Gift"!
Die Passwortabfrage verärgert den Betrachter.
Grüße |
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malschaun |
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 | | Verfasst am: 25.03.2010, 14:18 |
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danke malschaun, bin dabei meinen schreibstil anzupassen
das mit dem passwort mache ich aus sicherheitsgründen, jugendliche dürfen nicht ran, wg sexuellen inhalts...  |
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die_jolie |
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