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Seiltänzer- Prolog & erstes Kapitel!

BeitragVerfasst am: 09.12.2008, 18:59
Hallo ihr Lieben,

ich habe diese Seite hier durch Zufall entdeckt und dachte mir, dass ich den Anfang meines Buches auch einmal on stellen könnte, um gegenfalls ein paar Tips zu bekommen.

Ich freue mich sehr über Feedback und begründete Kritik!

Lg
Anna (19)


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Seiltänzer


Prolog

Es war der biedere Geruch von altem Holz, der Daniel vertraut in die Nase stieg, als er die schwere Tür hinter sich schloss und leise atmend in dem großen, dunklen Flur stand.
Er hörte leise Stimmen aus der Wohnküche, seine Eltern schienen noch wach zu sein und redeten miteinander. Ein Stuhl wurde verrückt, der auf den Kacheln quietschte und Daniel hörte, wie der Kühlschrank geöffnet wurde.
Die Treppe die nach oben zu seinem Zimmer führte war dunkel, er würde womöglich über irgendwas stolpern und die Aufmerksamkeit seiner Eltern auf sich lenken, wenn er einfach hochging. Es lagen ständig irgendwelche Sachen auf der Treppe, meistens war es der große Wäschekorb, den seine Mutter ständig mitten im Weg platzierte.
Der Kühlschrank ging wieder zu und sein Vater setzte sich. Das erkannte Daniel an dem Knarren des Holzstuhls. Sie waren so ungemütlich, dass er jedes Mal kerzengerade da saß, damit sein wunder Rücken oder Hintern nicht zu arg an dem Holz rieben. Eine Tortur, die ihn kaum etwas essen ließ.
So leise wie möglich streifte er sich die Turnschuhe ab, stellte sie mit stark pochendem Herzen neben den Schuhschrank. Seine Eltern sollten denken, dass er schon längst zu Hause war, sollten ihn nicht sehen und am allerwenigsten anfassen. Daniel vermied jedes Zusammentreffen mit seinen Erzeugern, solange es nicht unausweichlich war.
Sein Vater war die Woche nicht zu Hause gewesen, er hatte eine Art Fortbildung besucht und für Daniel war diese Woche ein Geschenk gewesen. Er hatte versucht den Tag hinaus zu zögern, war jedes Mal ganz früh aufgestanden und spät ins Bett gegangen, nur damit die Tage länger dauerten, bis sein Vater wieder zurück kam. Doch jetzt war er wieder da und Daniel hatte Angst.
Während er dort im dusteren Flur stand und sein Herz so heftig gegen seinen Brustkorb schlug, das es fast schon schmerzte, wischte er sich fest über die Augen. Seine helle Haut glänzte im Dunkeln und er konnte Reste der Wimperntusche erkennen, die er heute über Tag aufgetragen hatte. Nur aus Spaß, wie es aussehen würde. Sein Haar war zu lang, sein Vater hatte ihm gedroht, ihn im Schlaf zu überraschen und seine Haare mit einer Heckenschere abzuschneiden. Schützend griff Daniel an den kleinen Zopf, mit dem er sein pechschwarzes Haar zurück gehalten hatte.
Plötzlich wurde es still in der Küche und Daniel traute nicht mehr zu atmen. Sein Herz pochte heftig gegen seinen zarten Brustkorb, er war viel zu schmächtig und schlank für sein Alter. Zwar groß, doch viel zu schlaksig. Es steckten keine Hoffnungen auf einen tüchtigen Bauern mit Stahlmuskeln in ihm. Man hatte ihn ausgeschlossen und ausgegrenzt, er war schon jetzt, mit gerade mal fünfzehn, eine Art Sündenbock in der Familie. Vielleicht weil er sich nie wehrte, vielleicht weil er so zerbrechlich wirkte. Man respektierte ihn nicht, er war da, aber er könnte genauso gut auch weg sein.
Man würde ihn nicht vermissen.
Die Angst seinem Vater zu begegnen war zum zerbersten groß, er musste so schnell wie möglich in sein Zimmer gelangen und die Tür verriegeln. Das zumindest bildete er sich ein, in Wirklichkeit hatte sein Vater seinen Zimmerschlüssel entwendet und Daniel musste sich bemühen, die Nacht durch zu schlafen, ohne Angstausbrüche aufzuwachen. Manchmal schlief er gar nicht erst ein, dann half auch Schäfchenzählen nichts mehr. Es war unausweichlich, die Angst, dass ihm jemand wirklich wehtun könnte, war einfach zu groß.
Daniel glaubte nicht mehr an sein Glück.
Das Licht ging an.
Mit einem Mal war der Flur schwach beleuchtet, wie ein Spotlight, der auf ihn gerichtet war. Auf sein feines, bildhübsches Gesicht, die dunklen, tiefen Augen die ganz zart mit Schminke umrandet waren. Er hatte es mal in einer Zeitschrift gesehen und nachmachen wollen. Jetzt zahlte er den Preis.
Es war wie immer, Daniel fühlte es nicht.
Erst schimpfte sein Vater, dann schlug er ihn. Fast konnte Daniel eine Art Reihenfolge feststellen, wie sein Vater vorging. Es war immer das Gleiche. Seine Mutter weinte. Seine kleine Schwester ebenfalls. Sie war erst vier und seine Mutter lief die Treppe hoch.
Daniel wollte ihr hinterher brüllen, dass sie feige war, dass er ihr Sohn war und sie ihn beschützen müsste. Doch das tat sie nicht. Das tat sie nie. Er war längst aus dem Familiennest ausgestoßen worden.
Er wehrte sich nicht einmal, als sein Vater ihn verprügelte. Ihn beschimpfte und bespuckte. Er hatte Alkohol getrunken, dass roch Daniel. Eine Ohnmacht umhüllte ihn. Er wollte das alles nicht mehr.
Sein Körper war geschunden, er sehnte sich nach ehrlicher Aufmerksamkeit, nach Liebe und einem Leben, das ihm gerecht wurde.
Als er regungslos auf dem Boden lag, wandte sich sein Vater von ihm ab. Er schwitzte wie ein Schwein, es war ekeleregend.
„Kleine, schwule Sau. Nicht mal wehren tust du dich. Du bist nicht mein Sohn, so etwas habe ich nicht gezeugt.“
Worte, die noch eine Stunde später in seinem Kopf wieder hallten. Worte, die ihn seit Jahren ständig begleiteten. Worte, die er in seinem Kopf ständig wiederholte, als er durch sein Zimmerfenster kletterte, sich dabei die Hand an einem Rosenbusch aufschnitt und über die Felder lief.
Worte, die ihn begleiteten, als er das Ticket an dem einsamen Bahnhof zog. Er hatte mal gehört, dass es in Köln schön sein sollte. Es würde sein Ziel sein. Den Dom hatte er mal in einer Zeitung gesehen, er war so mächtig, dass Daniel sich beschützt fühlen würde.
Er schaffte es nicht zu schlafen, als er im Zug saß. Zweimal musste er sich übergeben, seine Rippen schmerzten und sein Kopf brummte so heftig, dass er immer wieder gegen die Fensterscheibe fiel. Seine Tasche hatte er fest umklammert, alles, was er noch hatte. Man würde ihn nicht aufhalten, das wusste Daniel.
Er musste ein paar Mal umsteigen und als er in Köln einfuhr, ging die Sonne gerade auf.
Ein neuer Tag wartete, ein neues Leben. Und Daniel würde etwas draus machen, das schwor er sich.
Denn ab heute war er nicht mehr Daniel, sondern Dino.


1. Kapitel

Ruhig segelte die Asche der fast aufgerauchten Zigarettenkippe auf das Hochglanzmagazin, das aufgeschlagen vor Dino Dornelli lag und der Glanz im Schein der Straßenlaterne, die gelblich durch das offene Küchenfenster drang, reflektiert wurde.
Es war lauwarm und stockduster. Die Wolken hatten sich vor den Mond und die Sterne geschoben, bloß die hektischen Lichter der Großstadt spendeten das Licht, welches auf sein blasses, schmales Gesicht fiel, es in zwei Hälften teilte.
Unwirsch pustete Dino die Asche von dem Magazin, sie flog sanft nach draußen und verteilte sich in der Luft, bis sie nicht mehr zu sehen war. Die Zigarette führte er an seinen Mund, nahm einen kräftigen Zug und lehnte sich schließlich an das Holz des Küchenfensters. Er hatte von hier oben einen grandiosen Blick über Köln. Er konnte den Dom sehen, den hohe Funkturm und den Mediapark. Die Dachwohnung im künstlerischen belgischen Viertel in Ehrenfeld war seit fast zwei Jahren seine Heimat. So viele Quadratmeter konnte er sein Eigen nennen, mit Ausnahme seiner Freundin Lizzy. Es war ihr Reich, ihr Palast, den sie sich mühsam all die Jahre aufgebaut hatten.
Unter ihm auf der Straße wurde laut gehupt, Dino kümmerte sich nicht drum. In neun Jahren hatte er sich an den Lärm gewöhnt, an die vielen Lichter und die Eindrücke, die Tag für Tag auf ihn nieder prasselten. Er liebte es, es beruhigte ihn auf eine Art und Weise.
Ein kühler Windhauch fuhr sanft über seinen nackten Oberkörper, so dass sich eine feine Gänsehaut auf der blassen Haut bildete und Dino fröstelte. Schnell nahm er noch einen Zug von der Zigarette, ehe er den Stummel in dem Blumenkasten, den Lizzy gestern noch so lieblich bepflanzt hatte, ausdrückte. Sie würde es mit Sicherheit bemerken und ihn zur Rede stellen, was Dino zum schmunzeln brachte. Er mochte es, wenn sie sich aufregte und ihre Wangen sich rosa verfärbten, dass sah unheimlich niedlich aus und Dino wurde sich jedes Mal aufs Neue bewusst, dass er keine Frau so sehr liebte, wie Lizzy.
Er beugte sich nach vorne und griff nach dem Hochglanzmagazin. Angelina Jolie war vorne abgebildet, eine Zeitung, die wahrscheinlich überall in Deutschland in jedem Zeitungsregal steckte, bei Pärchen auf dem Klo lag oder sich in einer Frauen WG stapelte. Eine Zeitschrift, die Dino wenn dann nur aus Langeweile lesen würde, wenn Lizzy sie mitgebracht hatte. Sie war an den Seiten schon etwas zerschlissen und man sah ihr wahrhaftig an, dass sie schon gut zwei Jahre auf den Buckel hatte, nicht wenig an den Schoko- und Kaffeeflecken, die das Deckblatt zierten und Angelina einen großen Fettfleck an der rechten Augenbraue bescherte. Dino wusste nicht einmal, was diese Zeitschrift hier zu suchen hatte, normal lagerte er die Kataloge und Zeitungen, in denen er abgebildet war, in einem Karton. Ganz besonders schöne Bilder schnitt Lizzy aus und bastelte Collagen, doch Dino hatte sich immer gewehrt, sie irgendwo aufzuhängen. Die Zeitschrift allerdings war noch komplett, was wahrscheinlich daran lag, dass sie von dieser Auflage bestimmt fünf Exemplare besaßen, schließlich war es sein größter Job gewesen.
Während er das Magazin in den Händen hielt und es immer wieder gegen seine schmale, dennoch muskulöse Brust schlug, sah er schnaubend nach draußen und entschied sich dazu, noch ein wenig sitzen zu bleiben und noch eine zu rauchen. „Du rauchst viel zu viel!“, würde Lizzy sagen, als Dino sich die Zigarette zwischen die Lippen klemmte und sie anzündete. Das Feuerzeug schmiss er auf den schwarzen Küchentisch aus Marmor und entließ den Rauch durch seine Nasenflügel.
Gelangweilt schlug er die erste Seite des Magazins auf, und klappte sie schließlich wieder zu. Sogar im Inhaltsverzeichnis war ein Bild von ihm abgebildet, in einem silbernen, schicken Anzug, der im Kontrast zu seinem schulterlangen, schwarzen Haar und seinen dunklen Augen stand. Schließlich klappte er das Magazin wieder auf und blätterte auf die Seite, die Lizzy mit grünen und pinken Post-it Kärtchen markiert hatte.
„Heiß!“, stand auf einem grünen Zettelchen, was quer über seinem Gesicht klebte und Dino zum schmunzeln brachte. Er zog das giftgrüne, klebrige Zettelchen von der Seite ab und klebte es auf den Rand. Lizzy mochte das Shooting, es zeigte ihn auf genau zehn Seiten in verschiedenen, schicken Designeranzügen. Ein Anblick, den man selten zu sehen bekam, wenn man Dino sah. Er bevorzugte Lederjacke, Jeans und Boots, so dass jeder dachte, er wäre jeden Moment dazu bereit, mit seiner Rockband auf Tour zu gehen.
Nachdenklich blätterte er das Magazin weiter, erblickte sich immer wieder aufs Neue. Sein Gesicht blickte ihn an, seine Augen strahlten ihm entgegen, während seine schlanken Finger über die Seite fuhren. Er blätterte weiter und lachte leise vor sich hin. Lizzy hatte ihm einen Schnurbart und Teufelshörner gemalt, wahrscheinlich während sie am Tisch gesessen und telefoniert hatte. Dino konnte sich das bildlich vorstellen, wie Lizzy dort saß, sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht pustete und ihn grinsend mit Kugelschreiber verunstaltete. Dino gefiel das und wenn er ebenfalls einen Kugelschreiber hier gehabt hätte, dann hätte er sich noch Schlauchbootlippen und Steckdosen Haare gemalt. Ob es diese Zeitung auch im Süden Deutschlands gab? Es war sein erster richtig großer Job gewesen, nachdem jeder gewusst hatte, dass Dino es im Modelgeschäft ganz weit bringen würde. Allerdings hatte er es ruhiger angehen lassen, schließlich hatte er einen Job als Grafiker, den er mit Leib und Seele liebte. Mehr als das Modeln, trotzdem war er neugierig. Vielleicht hatte es diese Zeitschrift bis ins Saarland geschafft, bis auf den alten Holztisch in der Wohnküche. Vielleicht hatte sein Vater vor der Zeitung gehockt, sich grimmig die Bilder seines Sohnes angesehen und gebrummt: „Na dem scheint es ja gut zu gehen!“, und damit wäre die Sache dann gegessen. Dino wünschte es sich, dass sein Vater sah, was er erreicht hatte, dass er den kleinen Text unter den Bildern durchgelesen hatte, in dem stand: Dino Dornelli, 22, geboren in Saarbrücken, lebt seit sieben Jahren in Köln als Grafiker und Model. Seit sechs Jahren ist er mit der Autorin und Fotografin Elizabeth Ahrens (21), (‚Schwarze Dornen’, Sandberg Verlag, erschienen Ende 2006) liiert, Kinder haben die beiden keine.
Dino hatte keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern. Nachdem er vor neun Jahren gegangen war, hatte er nichts mehr von ihnen gehört, außer ein oder zwei Telefongesprächen, dass es ihm gut ging und er sich hier etwas aufbauen würde. Er hatte gelogen und seine Eltern in dem Glauben gelassen, dass er das schon schaffen würde. Aber sie hatten ihn gehen gelassen, genau wie Dino es sich ausgemalt hatte. Keine Polizei, kein Einschalten vom Jugendamt und wenn es so gewesen wäre, dann hatte weder das Jugendamt, noch die Polizei ihn je ausfindig gemacht.
Eine Weile blätterte Dino in der Zeitschrift herum, spielte mit seinem Zungenpiercing und rauchte die Zigarette. Der Frühlingswind, der um seine Nase wehte, kühlte ihn ab, so dass er seine Beine näher an sich zog und sie auf der Fensterbank abstellte.
Es war ein Poltern, was ihn zusammen zucken ließ. Er reckte seinen Hals und lachte leise, als er das Fluchen seiner Freundin hörte und diese kurz darauf etwas zerzaust und grimmig in der Küchentür erschien. Sie hielt sich ihren Zeh und jammerte leise.
„Ich habe dir heute Mittag gesagt, dass du endlich die Kiste mit den Büchern hochbringen sollst. Die steht so doof auf der Treppe!“
„Jetzt ja nicht mehr“, kommentierte Dino und zog eine Augenbraue hoch, während er einen prüfenden Blick in den Flur warf, in dem der Karton mit den Büchern ausgekippt lag.
„Ich habe mir wehgetan!“
„Es sind deine Bücher“, zuckte Dino mit den Schultern.
„Ich kann aber die Kiste nicht hoch tragen, die ist viel zu schwer!“, beschwerte sie sich und humpelte auf Dino zu, der das Magazin zuklappte und seine Hand nach Lizzy ausstreckte.
„Zeig mal“, sagte er lächelnd und griff nach Lizzys nacktem Bein. Sie hob es umständlich hoch und legte es auf seinen Oberschenkel. Dino beugte sich nach vorne und betrachtete ihre rot lackierten Zehnägel.
„Ach, da ist doch gar nichts.“
„Doch“, beharrte Lizzy und deutete auf ihren kleinen Zeh. „Guck mal, der ist ganz rot.“
„Na gut.“ Dino beugte sich weiter nach vorne und küsste ihren Fuß.
„Besser?“
„Ja“, seufzte Lizzy erleichtert und zog ihr Bein von Dino runter. Müde rieb sie sich über die großen, blauen Augen und gähnte. Ihr blondes, langes Haar war zerzaust und sie trug bloß eine Unterhose mit einem engen Top. Fröstelnd verschränkte sie die Arme vor der Brust, als der kühle Wind sie erreichte.
„Wieso bist du nicht im Bett?“, erkundigte sie sich und stellte sich näher an ihn ran. Sie stützte ihr Kinn auf seinem Kopf ab, während Dino einen Arm um sie legte und ihren Rücken streichelte.
„Es ist so kalt ohne dich.“
„Ich war nur kurz auf der Toilette und wollte noch schnell eine rauchen“, erklärte er und hielt die Zigarette in die Höhe, die zwischen seinem Zeige- und Mittelfinger klemmte.
„Hmm“, gab Lizzy von sich. „Jetzt stehst du sogar schon nachts auf, um eine zu rauchen?“
„Nein“, erwiderte Dino. „Ich war ja auf Klo.“
„Und anstatt wieder hochzukommen und dich zu mir zu kuscheln, dachtest du, hach, jetzt könnte ich noch grad ein Date mit meiner Zigarette einschieben…“ Sie verengte die Augen zu schmalen Schlitzen. „…da steckt nicht wirklich eine Kippe im Blumenkasten, oder?“
„Nein.“
„Lüg doch nicht!“ Sie schlug ihm gegen die Brust. „Warst du das?“
Dino zog die Schultern hoch und lächelte liebenswürdig. Lizzys Wangen verfärbten sich leicht rosa und sie stemmte die Hände in die Hüften. Wie sie es immer tat.
„Ich habe gestern den ganzen Tag an diesen blöden Blumen gesessen. Kannst du dir vorstellen wie schwer die Blumenerde war, die ich gekauft habe und wie lange ich mir darüber Gedanken gemacht habe, welche Farbe passen würde? Ich habe extra ein Kapitel aufgeschoben, nur um dieses blöde Teil zu bepflanzen und du steckst da einfach deinen Müll rein!“ Ihre Stimme klang empört und anklagend. Dino dagegen schlang seinen Arm um ihre Hüfte und zog sie näher zu sich.
„Ich mache es gleich weg, versprochen. Und ich finde die Blumen herrlich.“
„Ich nicht“, brummte Lizzy missmutig.
„Warum?“
„Ich hätte vielleicht doch die Roten nehmen sollen…“
„Das nächste mal.“ Er küsste ihren Hals, nahm einen letzten Zug seiner Zigarette und schnippte sie aus dem Fenster.
„Ich hab echt keinen grünen Zeh.“
„Daumen.“
„Hmm?“
„Grüner Daumen, Schatz“, grinste Dino und rutschte von der Fensterbank. Wenn er vor ihr stand, war er gut einen Kopf größer als sie. Lizzy lachte und schüttelte mit dem Kopf.
„Ich bin übermüdet“, gähnte sie und winkte unwirsch ab. „Von mir aus kann auch meine Nase grün sein.“
„Sähe bestimmt niedlich aus“, kommentierte Dino und schloss das Küchenfenster. Die Zeitschrift rutschte von der Fensterbank und kam mit einem Klatschen auf dem Marmorboden auf. Lizzy bückte sich und kicherte leise.
„Hast du mein Kunstwerk gesehen?“, fragte sie und schlug die Seite auf, auf der sie Dino dekoriert hatte.
„Natürlich“, nickte dieser. „Wo hast du die Zeitschrift ausgegraben, wenn ich fragen darf?!“
„Oh, die lag auf dem Klo. Irgendwo hinter der Klobürste.“
„Na lecker.“
„Ich glaube ich reiße mir das Bild raus und stecke es in den Geldbeutel“, überlegte Lizzy leise, als sie Dinos aufgemalten Schnurbart betrachtete. „Ich finde, dass sieht köstlich aus.“
„Ich finde auch, dass ich mir einen Schnurbart wachsen lassen sollte“, stimmte Dino zu.
„Oder ich male dir jeden Morgen einen.“
„Aber nur mit Kugelschreiber.“
„Natürlich!“
Die beiden lachten und küssten sich. Spielerisch biss Dino in ihre Unterlippe und knabberte leicht daran. Lizzy grinste, während sie Dino in die Augen sah. Sogar nachts sah er so unheimlich niedlich aus, ihm standen sogar die verpennten Augen und das verstrubbelte Haar. Dino war eine Person, die zum Leiden jeder Frau, immer gut aussah. Dieses Gesicht konnte man nicht zerstören, genauso wenig wie die treuen, dunklen Augen. Ganz im Gegensatz zu Lizzy, die sich immer zerzaust und fehlerhaft vorkam, wenn sie neben ihm aufwachte. Auch noch nach acht Jahren. Das Dino genau das Gleiche jeden Morgen dachte, war ihr nicht bewusst, zumindest nahm sie das nicht für voll.
„Aua!“, rief Lizzy empört, als Dino fester zugebissen hatte und sie ihm mit der Zeitung einen Klaps auf den Hintern gab. Sie umfasste fest sein Handgelenk, an dessen Innenseite ein L tatowiert war. Lizzy hatte an genau der gleichen Stelle ein D, ein Liebesbeweis den sie sich vor knapp einem Jahr stechen gelassen hatten. Auch wenn ihnen fast jeder davon abgeraten hatte, hatten sie es durchgezogen und keiner der Beiden hatte es je bereut.
„Wie weit bist du mit deinem Kapitel?“, erkundigte Dino sich, als er sie aus der dunklen Küche schob.
„Läuft ganz gut, du kannst es morgen haben“, antwortete Lizzy und drehte sich zu ihm um. Es war ganz angenehm, dass Dino genau in dem Verlag als Designer und Grafiker arbeitete, in dem Lizzy unter Vertrag war. So hatte sie gute Beziehungen und ihr erstes Buch war ein Knaller gewesen, womit niemand gerechnet hatte. Außer Dino natürlich. Im Moment arbeitete sie an dem zweiten Teil und Dino kümmerte sich um die Korrektur, wenn er gerade Zeit hatte.
Bis noch vor einem halben Jahr hatte Lizzy als Fotografin in einem kleinen Labor gearbeitet, allerdings hatte sie den Job an den Nagel gehängt. Die Bezahlung war lausig und die Arbeitszeiten lang. Gott sei Dank konnten sie es sich inzwischen leisten, dass sie ihren Job aufgegeben hatte, um sich voll und ganz auf das Schreiben zu konzentrieren, was nicht jeder Autor von sich behaupten konnte.
„Und wer hebt die Bücher jetzt wieder auf?“, fragte Dino, als sie an der kleinen Wendeltreppe standen, die in ihr Schlafzimmer im zweiten Stock, direkt unterm Dach, führte.
„Ich würde ganz spontan dich vorschlagen!“
„Ich würde ganz spontan sagen, dass du das schön selber machst. Auch wenn ich nicht weiß, was du mit alten Hanni und Nanni Büchern willst. Wir haben kein Platz mehr auf der Galerie.“
„Das sind Kindheitserinnerungen“, erklärte sie ihm knapp. „Ich habe Hanni und Nanni geliebt.“
„Ja, aber das bedeutet ja nicht, dass sie unsere Wohnung vollstauben müssen, oder?“
„Doch, ich glaube das bedeutet das“, grinste Lizzy und nickte eifrig.
„Na schön, solange du sie nicht mit ins Bett nimmst, ist mir das egal.“
„Nein, da gehören nur wir beide hin“, schnurrte Lizzy und schlang ihre Arme um seinen Hals. Dino lachte leise und küsste sie, ehe er ihr einen festen Klaps auf den Hintern gab und die beiden in ihrem Schlafzimmer verschwanden.


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Ich hoffe es hat euch gefallen und ich bekomme ein Feedback Smile
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  LadyGaga 
 
Anmeldedatum 09.12.2008
Beiträge 1
 
 
   
   
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