 | The Saint of the Sinners: 1 (Keine Fantasyinhalte) | Verfasst am: 29.03.2009, 22:58 |
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Hier ein Auszug aus meinem religiösem Fantasybuch: The Saint of the Sinners. Die ersten 90 Seiten behandeln das Leben der beiden obdachlosen Freunde Trash und Max (Max von Maria) und hat bis dato keine fantastischen Inhalte. Später - aber nicht hier- folgt ein Auszug mit Fantasygeschehen.
Würde gerne wissen, was ihr davon haltet: Grammatik, Schreibstil, Inhalt- das übliche eben.
P.S: Wen die Atmosphäre nicht interressiert und lieber Handlung und Dialoge liest, kann den ersten Absatz überlesen.
Wir sind an unserem momentanen Schlafplatz angekommen.
Es ist nach elf. Die meisten Häuser im Stadtteil Angolin, einst als Plattenbausiedlung für fünftausend Menschen konzipiert, sind heute größtenteils verlassen und verwahrlost. Nur die Alten und Arbeitslosen leben noch hier. Und Obdachlose wie wir, denn die leer stehenden Wohnungen in den Platten sind windgeschützt und in der Regel ruhig. Was die Sicherheit angeht, ist es, in einer Wohnung mit zersplitterter Eingangstür zu schlafen, nur bedingt empfehlenswert. Aber wir sind nicht wählerisch. Das Haus dreizehn ist mit Brettern vernagelt. Das wäre nicht nötig gewesen, denn es gibt nichts mehr zu stehlen. Das Haus ist, wie viele andere, ausgeplündert. Sogar die Wände sind aufgerissen, um die alten Kupferleitungen herauszuholen. Trash und ich steigen durch ein Fenster, das uns wie eine tote Augenhöhle anstarrt. Die Scheibe wurde schon vor langer Zeit zerschlagen und niemand hatte sich die Mühe gemacht, es großartig zu zunageln. Wir steigen ächzend über Dreck und Schutt vergangener Bewohner. Zuerst aus der Wohnung im ersten Stock, dann die Betontreppe, von der schon vor Jahren das Linoleum abgezogen wurde, hinauf. Es gibt natürlich keine Beleuchtung, doch immer wieder fällt das Licht der Straßenlaternen durch Fenster und Türrahmen auf die Wände. Die Punker, die dieses Gebäude schon vor Jahren in Besitz genommen und wieder verlassen haben, besprühten alle Wände mit Graffitis. Kunstvolle Schriftzüge, schnell hin Geschmiertes, abartig unheimliche Sprüche und gewalttätige Zeichnungen wie aus den Albträumen eines Irren entsprungen, prangen an den Wänden.
Wir gehen in eine Wohnung im zweiten Stock.
Die Tür hängt nur noch an einer Angel im Rahmen und knarrt als Trash sie öffnet. In der gesamten Wohnung stinkt es zum Gotterbarmen, weil manch Obdachloser, der hier schläft, die Toilette benutzt, obwohl das Wasser bereits lange abgestellt ist. Ich schließe die offenstehende Toilettentür um den Geruch für die Nacht wenigstens ein bisschen abzuhalten und folge Trash ins ehemalige Wohnzimmer. Dort, auf einer großen ranzigen Matratze liegt bereits ein Schatten. Trash bleibt im Türrahmen stehen, doch ich erkenne den Haufen Scheiße an seiner roten Bommelmütze, die ich nicht einmal tragen würde, wenn ich tot wäre. Kleine Standards in Sachen Geschmack muss man sich erhalten. Ich komme näher und tippe Emil mit der Schuhspitze an. Emil ist halb Deutscher, halb Türke, was aber nichts zu sagen hat und nur an seinen schwarzen Läuse zerfressenen Haaren unter der Bommelmütze erkennbar ist. Emil ist erst zwanzig doch bereits ein solches Frack, dass er wie vierzig aussieht. Er ist ein Junkie, doch sein Stoff ist nicht Heroin. Das Meth wird ihn töten. Emil weiß es und tut nichts dagegen. Ich kicke ihn noch mal an, etwas heftiger diesmal.
„Hey, Emil! Wach auf, du Assi.“
Der Schatten mit der roten Bommelmütze schnieft und brummt, bewegt sich aber dann doch und blinzelt uns aus trüben Augen an. Zuerst bin ich nicht sicher, ob er uns überhaupt noch erkennt, weil man jeden Tag damit rechnen muss, dass der Stoff die letzten grauen Zellen in seinem Hirn zum Auszug gezwungen hat. Doch dann leuchtet etwas in seinen Onixaugen auf.
„Häh?“ grunzt er fragend.
Ich blicke ihn tadelnd an, was er im trüben Licht wahrscheinlich gar nicht sehen kann.
„Weißt du, dass det unser Platz is? Du musst Eins höher.“ Wir haben schon vor Wochen mit Emil ausgemacht, dass er im dritten und wir im zweiten Stock schlafen. Klare Regeln sind das A und O. Aber das hat er wohl schon vergessen. Er dreht verwirrt den Kopf. Seine erschreckend eingefallenen Wangen fangen die Schatten.
„Echt? Dachte, ich wär schon im Dritten. Hätt`s gar nich mehr höher geschafft.“ Er deutet mit seinen krummen Fingern auf die Alufolienstückchen neben ihm. Das Christal Meth raucht er schon seit sechs Jahren so. Aber viel häufiger spritzt er es sich. Neben der Alufolie, auf dem schmutzigen Boden, liegt eine benutzte Spritze. Es ist anzunehmen, dass er die noch einmal benutzen wird, wenn er den Spritzkanal wieder sauber kriegt. Sein ganzer rechter Arm, wo er sich die Nadeln rein jagt, ist zerstochen und es ist ein Wunder, dass ihm der Arm noch nicht abgefault ist.
„War voll auf Turkey.“ erklärt er unnötigerweise. Er hatte es nicht mal mehr in sein Loch im Dritten geschafft. Emil scheint seine Dröhnung immer häufiger zu brauchen. Trotzdem bleibe ich hart.
„Jetzt geht’s dir aber wieder besser. Also verpiss dich nach oben oder du findest meinen Schuh in deinem Arsch wieder.“
Emil glotzt mich an, er blinzelt abwechselnd mit beiden Augenlidern und sucht nach Erbarmen. Da hat er bei mir Pech. Also erhebt er sich, wobei sein Arsch als erstes hoch kommt und Emil mühsam ächzend seinen Oberkörper und Kopf nach hievt. Plötzlich beginnt er zu würgen (ungefähr zwei Sekunden lang) und kotzt im hohen Bogen durch das Zimmer. Ich springe gerade noch zur Seite in Trashs Arme um der wässrigen, stinkenden Brühe zu entgehen. Emil wirft sich wieder auf die vollgekotzte Matratze.
„Oh, Scheiße, “ murmele ich angewidert und Trash meint ganz objektiv:
„Mmh, anscheinend gab`s heute Abend Bier.“
„Ich fühl mich voll Kacke.“ jammert Emil.
„Voll kotze wohl eher.“ sagt Trash. Emil versucht sich trotzdem wieder aufzusetzen. An seiner Wange tropft Erbrochenes herab. Ich drücke ihn mit der Schuhspitze wieder nach unten.
„Ne Emil, lass mal. Hab`s mir anders überlegt. Bleibt du nur hier. Hast ja quasi… schon dein Revier markiert.“
„Danke“, brummt Emil piepsend und hat, trotz seiner Unterlage, schon wieder die Augen zum Schlafen geschlossen. Eigentlich unterdrückt Christal Meth Hungergefühl, Schmerz und Müdigkeit. Doch Emil nimmt das Zeug schon so lange, dass das alles nicht mehr zutrifft. Auch sein Selbstvertrauen wird nicht mehr gesteigert. Er nimmt das Zeug nur noch um nicht auf Entzug zu sein.
Das was geblieben ist, sind Gedächtnisverlust, Persönlichkeitsveränderungen, Paranoia und die eine oder andere Psychose.
Und der körperliche Verfall, der unübersehbar ist.
Trash und ich gehen aus der Wohnung und lassen den unverständlich wimmernden Emil zurück. Wir gehen nach oben in den dritten Stock.
„Sollten wir uns nich um ihn kümmern? Ich meine, vielleicht braucht er Hilfe. Er sah echt Kacke aus.“
„Emil sieht immer Kacke aus. In letzter Zeit ist er ständig so drauf. Und was meinst du, sollen wir tun?“
„Naja, einen Krankenwagen rufen, zum Beispiel.“
„Und was werden die mit ihm im Krankenhaus machen?“
„Keine Ahnung, ihm helfen?“
Ich lache bitter auf.
„Ach Trash. Emil hat keine Versicherung, kein Geld. Die im Krankenhaus können ihn zwei Tage von der Straße weghalten, ihm, wenn`s hoch kommt, mit Ersatzstoff vollpumpen aber dann kicken sie ihn wieder in die Kälte. Dann holt er sich wieder neues Zeug. Emil kann nicht mehr damit aufhören und keiner kann ihm helfen wenn er sich nicht selbst helfen will. Erst recht weil er keine Familie hat, die sich für ihn einsetzt und ihn zurück auf die rechte Bahn bringt. Emil hat nichts was ihn in dieser Welt hält außer dem Stoff, der ihn aus der Welt reißen wird.“
„Sehr philosophisch. Darum macht er immer weiter.“
„Bis zum Ende. Und lange wird’s nich mehr dauern.“
Ich stelle die aufgehebelte Wohnungstür so gut wieder in den Rahmen wie es geht und schlurfe in das Wohnzimmer. Hier sind alle Wohnungen gleich geschnitten. Die Toilette im Dritten stinkt nicht so sehr, wie die unten, doch dafür gibt es hier nicht mal ne Matratze. Emil hat sich um nichts gekümmert. Der Boden ist vermüllt und das einzige Anzeichen, dass hier jemand lebt, sind die Alufolienstückchen und die Zigarettenstummel, die Emil hier vergessen hat. Ich trete den größeren Müll beiseite, achte dabei auf etwaige benutze Spritzen und schaffe somit für Trash und mich einen halbwegs erträglichen sauberen Fleck, wo wir unsere Isomatten ausrollen.
„Ich mache mir trotzdem Sorgen um ihn. Ich könnte es mir nicht verzeihen, wenn er heute Nacht abnippelt und ich nichts getan hab obwohl ich die Möglichkeit dazu hatte.“ hackt Trash nach.
Ich stöhne genervt, als ich mich auf meine Isomatte niederlasse.
„Ich sag dir was. Wir werden hier heute Nacht schlafen. Und morgen, wenn wir aufstehen, werden wir als erstes nach Emil sehn. Wenn er weg ist oder wenn er noch lebt ist alles O.K.. Und wenn er nicht ganz so Okay ist-„
"Das heißt, wenn er über Nacht abgekratzt ist-.“
„- dann ist eben nicht alles O.K...“
„Hört sich nich, nach dem besten Kompromiss an.“
„Is es auch nicht. Aber wir können nicht jedes Mal n` Krankenwagen rufen, wenn es einem Kerl, den wir kennen, mies geht. Da kämen wir ja zu nix anderem mehr.“
„Is schon wahr.“ Er klappt den Pizzadeckel auf und warmer würziger Geruch dringt mir in die Nase. Fürs erste vergesse ich Emil und das Erbrochene. |
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Zuletzt bearbeitet von Kris. K. am 04.04.2009, 19:20, insgesamt einmal bearbeitet |
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Kris. K. |
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 | | Verfasst am: 29.03.2009, 23:05 |
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Hi auch,
ich habe früher mal Fantasy gelesen. Stehe nicht mehr so darauf. Aber der Text gefällt. Vor allem das mit dem Religiösen ist mal was anderes.
Gruß
Tim |
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womanizer |
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 | | Verfasst am: 30.03.2009, 13:28 |
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Hi Kris,
ich hab mir deinen Text durchgelesen. Ziemlich hartes Thema hast gewählt. Finde aber, du has es sehr realistisch umgesetzt. Auch der Schreibstil gefällt mir.
Bei solchen Themen bevorzuge ich prinzipiell die gefühlskalte schiene, und du kommst dem sehr nahe.
Auszusetzen gibt es eigentlich nichts, ausser vielleicht: MEHR WILL! |
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frauGeier83 |
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 | | Verfasst am: 04.04.2009, 18:50 |
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Der Text ist nicht wirklich mein Thema, aber er liest sich flüssig und du beschreibst auch die Atmosphäre recht gut. Wenn der Stil sich duch das ganze Buch zieht, wirst du sicher einige sehr zufriedene Leser finden
(Nur die Rechtschreibung und Zeichensetzung solltest du vorher korrigieren lassen, vielleicht von Freunden oder ehemaligen Deutschlehrern ...)
Liebe Grüße,
Theresa |
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 | | Verfasst am: 11.06.2009, 19:14 |
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Also erstmal finde ich die Wahl deiner Zeit und Perspektive mutig, da das nicht grad einfach umzusetzen ist.
Ansonsten kann man ja nach dem kleinen Auszug noch nicht viel sagen, außer das es sicher lohnt weiter zu machen, damit ich mehr lesen kann .. |
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_________________ Alles über meine Romanreihe "Liebe auf Eis" unter www.liebeaufeis.jimdo.com |
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kathischeichenost |
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 | | Verfasst am: 14.06.2009, 21:38 |
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Mich spricht der Text an, auch wenn ich gewöhnlich eher andere Genres lese. Trotzdem bin ich rundum zufrieden und hoffe, dass ich noch mehr davon zu Gesicht bekomme.
Deine Charaktere hast du in einem sehr glaubwürdigen Ton beschrieben und man kann sie auch gut als das identifizieren, was sie darstellen.
Wäre froh, wenn ich mehr davon lesen dürfte... |
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Myra |
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 | | Verfasst am: 14.06.2009, 22:06 |
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Würde auch gern mehr davon lesen! Knallhart beschrieben, erinnert mich ein wenig an den grad gestern zum dritten mal gesehenen Film "Jim Carroll, in den Straßen von New York".
Ein Aussenseiter Thema, welches immer gern gelesen wird
Mir gefällt Dein Geschriebenes sehr gut!  |
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_________________ Gewalt beginnt da, wo Wissen aufhört. |
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Kyra Anderson |
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 | | Verfasst am: 14.06.2009, 22:40 |
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Dankeschön, vielen Dank, muss aufpassen wenn ich mit dem vielen Honig im Bart unter dem Bienenstock vor den Haus durchlaufe- lol- --- Auf alle Fälle ist diese Underdog Atmoshphäre nur die ersten 80 Seiten und dann nur noch temporär zu spüren weil der Rest Fantasy ist und sich meine Figur quasi in die High Society hochentwickelt- muss mal sowas einstellen.  |
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Kris. K. |
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