 | Überarbeiteter Textausschnitt bezügl. Schreibstil | Verfasst am: 23.01.2010, 13:36 |
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Nach Korrektur im Text, noch einmal das Posting
Ein freundliches Hallo in die Runde,
ich bin hier ganz neu und noch relativ "frisch", was den Büchermarkt angeht.
Meinen ersten Fantasyroman habe ich nun fertiggestellt und jetzt wo es aufs Eigentliche hinausgehen könnte, kommen Selbstzweifel *seufz*...
Ich habe mich hier im Forum ein wenig eingelesen und mir einige Leseprobe angesehen. Jetzt komme ich mir gerade erst recht wie ein „Kücken" vor und wage dennoch einmal den nächsten Schritt.
Mich würde zunächst einmal interessieren, was ihr von meinem Schreibstil haltet. Ist er vielleicht zu „bürgerlich" oder evtl. zu trocken?
Wo sollten Verbesserungen eingebracht werden? Beschreibe ich vielleicht zu deutlich oder liegt das im guten Rahmen???
Bin für Kritiken und gute Ratschläge sehr dankbar, denn Ziel ist es ja am Ende, die Seiten mit dem (Buch)deckel zu vereinen
Ich danke ganz herzlich
Hier dann einmal ein Auszug (einmal Prolog und ein weiterer Teil aus dem ersten Kapitel) aus meinem Fantasyroman:
Prolog
Diese verdammte Stadt treibt mich noch in den Wahnsinn, und wenn ich hier nicht bald herauskomme, werde ich für nichts mehr garantieren….
Die Wohnung, die Menschen, diese Stadt… alles Heuchler, die nicht imstande sind ohne die „ach so tolle Gesellschaft“ und ihren Grundsätzen, zurechtzukommen. Wen interessiert es schon, was sein Nachbar macht. Die Lebensphilosophie lautet „Jeder ist sich selbst der Nächste“ und baut auf einen wahren Egoismus auf.
Türen knallen über mir, weil ER mal wieder zu Hause ist und SIE ihm mal wieder Vorhaltungen macht, dass sein Job mit einem Familienleben nicht tragbar wäre. Nach weiteren 5 Minuten knallt schließlich die Haustür, SIE wird ins Auto steigen und für mindestens 2 Stunden wegfahren.
Ruhe wird einkehren und von oben erklingt dann laut das Fernsehprogramm. „Krückenmann“, der Nachbar unter mir, wird wahrscheinlich wieder neugierig am Fenster hängen und dem Geschehen folgen. Man darf ja bloß nichts verpassen, unabhängig davon ob es schon 23.40Uhr ist und die Mehrheit an diesem Donnerstag wahrscheinlich schon schläft, um sich wieder „fit“ am nächsten Tag ins Arbeitsleben zu stürzen. Ich könnte kotzen, wenn ich aus dem Fenster blicke und mir diese Graffiti verschmierten Häuser auf der gegenüberliegenden Seite ansehen muss. Der verschluderte Bahnhof mit seinem ganzen Müll und den Junkies, die regelmäßig ihre Spritzen dort wegwerfen und ihr Leben gleich mit.
Die Schornsteine der Fabrik arbeiten auf Hochtouren, und gelegentlich erstrahlt der Himmel durch die kurz geöffneten Hochdrucköfen in einem Hellen gelb- orangefarbenen Ton, so als ob die Engel persönlich auf die Erde herabsteigen und mit ihrem warmen Licht umgebend, den Menschen einen Besuch abstatten wollen. Gott sei Dank tun sie es nicht, denn sie wären fassungslos, wenn sie sehen würden wie schmutzig und boshaft diese Stadt geworden ist. Eine fabrikverseuchte Stadt umringt von Schmutz und Müll, in dem die Ratten ihr Neues zuhause gefunden haben, eine Stadt mit einer Mischkultur, in der Gewalt und Kriminalität schon lange nicht mehr unter Kontrolle sind, das umschreibt diese Stadt, die Stadt Hochfeld.
Aus dem Kapitel:
................Als er sich gerade wieder umdrehte und zur Tür wollte, um einen erneuten Versuch zu starten, vernahm er ein leises Wispern, fast so, als würde ihm jemand etwas zuflüstern, was entweder in einer anderen Sprache war oder aber so leise und undeutlich, dass er es nicht verstand. Er stockte in seiner Bewegung und tausend Gedankengänge machten sich neben seinem Herzrasen in ihm breit. Er fragte sich innerlich, ob er nun verrückt wird, ob er vielleicht nur träumt und das auf eine ziemlich realistische Art und Weise, oder ob da wirklich etwas war. Da war es schon wieder, dieses Wispern und plötzlich kam das ihm schon bekannte schrille Geräusch hinzu, aber diesmal nicht von drinnen, sondern von draußen, und es schien von irgendwoher immer näher und näher zu kommen, mit einer rasenden Geschwindigkeit.
Manuel wurde es schwindelig. In seinem Kopf kreiste alles, so als wäre er tausend Stresssituationen ausgesetzt und seine Atmung wurde mit einem Mal sehr schnell. Er wollte das Fenster schließen, gerade als in diesem Moment ca.50 Meter vor ihm ein Ding ein etwas Unbeschreibliches, auftauchte und kleiner als ein erwachsener Mensch aber größer als ein 10 jähriges Kind war. Es wirkte grazil in seiner Bewegung aber dennoch erschreckend in seiner Statur. Es kam näher und ihm folgten weitere dieser Kreaturen und auch das schrille Geräusch wurde immer lauter, so als seien es Echowellen, Signale, die sich diese Kreaturen untereinander übermittelten, um so zu kommunizieren. Das Ding kam immer näher und Manuel erkannte erst jetzt, dass es Flügel zu haben schien, die denen eines Engels glichen. Genau so, wie man sie ihnen immer wieder auf Bildern oder Figuren aufsetzt, nur einfach viel Gigantischer. Das Gesicht war sehr bleich, einerseits zart und doch wiederum markant, nicht zu erkennen ob weiblicher oder männlicher Natur und die Augen erstrahlten in einem unsagbar hellen Blau, wie Manuel es noch nie vorher gesehen hatte. Es wirkte als wollen diese Augen leuchten, gleich einer Taschenlampe, die im Dunkeln den Weg erhellt.
Er konnte sich nicht regen und stand wie versteinert vor dem Fenster, innerlich voller Angst vor diesem Wesen, dass wie er jetzt erkannte, von den anderen Kreaturen verfolgt wurde. Er erkannte auch sie nun deutlicher und blickte in eben-falls bleiche Gesichter, aber mit einer solchen Boshaftigkeit gespickt, wie man sie niemandem wünscht. Ihre Augen waren Blutrotunterlaufen und spitze Zähne spickten ihre eingefallenen Gesichter. Auch sie trugen Flügel von enormer Weite, dennoch anders, als die des voranfliegenden Wesens. Ihre Füße zierten Riesenkrallen und ihre schwarzen glänzenden Haare, die streng zurücklagen, wirkten als wären sie mit haufenweise Gel so angeklebt, dass sie schon glänzten und kein Wind sie hätte durcheinanderbringen können. Manuel schaltete erst jetzt so richtig, dass sie das voranfliegende Wesen scheinbar jagten und im gleichen Moment gewann er wieder die Kontrolle über sich und seinen Körper und wollte das Fenster schließen, als das erste Wesen, das zarte und grazile, hindurchgelangte und mit einer ihm fast kaum registrierbaren Schnelligkeit das Fenster schloss.
Er sah, wie die anderen Kreaturen näher kamen und schon fast vor seinem Fenster waren, als ein grelles Licht den Raum einfasste, so hell, dass er dachte, er müsse nun erblinden, doch im Gegensatz zu seiner Erwartung wurde ihm schwarz vor Augen, er spürte, wie erneut Schweiß in ihm aufstieg, ihm schwindelig wurde und fiel dann wie ein schwerer Sack zu Boden....... |
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Kordi |
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| Anmeldedatum | 23.01.2010 | | Beiträge | 1 | |
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 | | Verfasst am: 23.01.2010, 21:00 |
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Nabend Kordi,
habe mir einen Teil deines textes angesehen und mir sind wirklich ein paar sachen aufgefallen.
Bereits der erste Satz des Prologes- das was den leser gleich in eine Geschichte ziehen sollte, finde ich weder stilistisch noch inhaltlich ideal.
Diese verdammte Stadt treibt mich noch in den Wahnsinn (Das alleine hätte als einsteigesatz schon gereicht), und wenn ich hier nicht bald herauskomme, werde ich für nichts mehr garantieren…. (kann ich für nichts mehr garantieren, heißt es)
Die Wohnung, die Menschen, diese Stadt… alles Heuchler, (die Wohnung und die Stadt sind Heuchler - diese Schweine ey--- also ne nur die menschen können Heuchler sein- Stadt und Wohnung- - ja ich weiß nicht- hier könnte man ja einen Vergleich anstellen: Mir scheint es als seien alle Menschen dieser Stadt Heuchler, jede einzelne Straße mit Lügen gepflastert. (ein wackeliges Beispiel aber naja))
die nicht imstande sind ohne die „ach so tolle Gesellschaft“ und ihren Grundsätzen, zurechtzukommen. (Hier stellst du eine These auf ohne sie näher zu erläutern.
Wen interessiert es schon, was sein Nachbar macht. (Fragezeichen? )
Die Lebensphilosophie lautet „Jeder ist sich selbst der Nächste“ und (diese?- rückbezug muss vorhanden sein- wie hier aud die Philosophie)baut auf einen wahren Egoismus auf
Türen knallen über mir (hier ist der Welchsel von tell zu show) das sollte mann deutlicher machen), weil ER mal wieder zu Hause ist und SIE ihm mal wieder Vorhaltungen macht, dass sein Job mit einem Familienleben nicht tragbar(Nicht tragbar- wenn sie noch verheitratet sind ist es sehr wohl tragbar- vielleicht wäre unvereinbar besser- und nebenbei- finde diesen Streitpunkt eh nicht ideal) wäre.(2 mal Mal wieder- vermeide solche wiederholungen) Nach weiteren 5 Minuten knallt schließlich die Haustür (hier- ist es show- eine Aktion die Stattfindet- und danach wechelt man zu "wird"- also zukunft- das heißt er weiß schon dass sie wegfährt wenn sie noch die Treppe runtergeht? oder was?- mach lieber einen Punkt und/oder wechsle ins Konjunktiv), SIE wird ins Auto steigen und für mindestens 2 Stunden wegfahren.
Ruhe wird einkehren (wieder vermutung- da kann man doch gleich konjunktiv machen und von oben erklingt dann laut das Fernsehprogramm(wasn fürn Program). „Krückenmann“ (warum heißt der so?), der Nachbar unter mir, wird wahrscheinlich wieder neugierig am Fenster hängen und dem Geschehen folgen. Man darf ja bloß nichts verpassen, unabhängig davon ob es schon 23.40Uhr ist und die Mehrheit (mehrheit von was) an diesem(an diesem oder an jedem- gibt es ausnahmen) Donnerstag wahrscheinlich schon schläft, um sich wieder „fit“ am nächsten Tag ins Arbeitsleben zu stürzen.
Soweit erstmal - ich denke- da kann man (MUSS man) noch viel an dem text schrauben- Ich sehe gute Ansätze aber die ersaufen im stänigen Stil (zeitwechsel) mitten in den Sätzen (die oft auch zu lang sind)- übe kurze Sätze zu schreiben denn ein Buch besteht aus langen UND kurzen sätzen und bei einigen Kurzen kann man Sachen besser auf den Punkt bringen. Grammatik und zeichensetzung ist auch nicht der Hit aber ich habe schon schlimmeres gesehen (bei mir beispielsweiße )
Deine fragen:
Schreibstil- zu bürgerlich?- ne wirklich nicht- eher zynisch, beinahe depressiv- mit dieser art kann man sehr gut Atmossphäre erzeugen was du aber nur in Ansätzen schaffst- damit die negativen und schmutzigen Seiten zu beleuchten kann man eine Trashige Atmosphäre schaffen die ich sehr schätze und ich hoffe es gelingt dir irgendwann- so aber kommt mir alles nur wie eine kurze beschreibung vor- und nicht als wäre deine Figur ein Teil davon.
Trocken?- geht so- ist eben ein stadtmensch, dein Typ- man erfährt nicht viel über ihn selber nur eben das er zum Beispiel "kotzen" könnte- Figurenbeleuchtung sieht anders aus aber ich weiß ja nicht wie sich die Sache noch entwickelt.
zumindest größtenteils nicht zu deutlich beschreiben- ich hätte mehr gemacht weil vorallem am Anfang entweder atmossphäre erzeugt werden oder die Figur handeln muss.- beides gelingt dir nur im Ansatz- Deine Figur macht zu wenig für meinen geschmack- lass ihn in seiner Wohnung rumlaufen (vergleich- Tiger in einem Käfig wäre angenehm),
lass ihn eine Rauchen- lass ihn vor dem verdreckten badezimmerspiegel stehen und seinen dreitagebart im Spiegel ansehen- lass ihn mit den Fingern darüberfahren und das Knistern hören- bei dir hört man zu wenig, man kann kaum Bilder von deiner elt erzeugen- das wäre mein hauptkritikpunkt.- gib deiner Figur mehr leben und sei es auch negativ
So- das wäre es fürs erste- ich sehe wie gesagt gute tendenzen- aber es muss noch daran gefeilt werden:
Meine Tipps zusammengefasst:
-Kurze Sätze üben-
-teil deinen text anders auf-
-lies dir die Sache laut vorüben,
- show- dont tell- will heißen- bring mehr aktion rein.
- Bau eine Welt- was hört was sieht was riehct man- wie siehst in seiner Wohnung aus- voller aschenbecher auf dem Tisch?- Essenreste?
- sei in deinen Aussagen klarer und in deinen Zeiten und Stilen durchgängig.
-und das wichtigste- üben üben, üben.[/  |
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Kris. K. |
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| Anmeldedatum | 15.03.2009 | | Beiträge | 501 | |
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 | | Verfasst am: 27.01.2010, 18:55 |
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Hallo Kordi,
ich kann Kris nur zustimmen. Bereits der Prolog ist weder sprachlich noch inhaltlich ideal und „bürgerlich“ würde ich den Stil auch nicht nennen, sondern auch mehr depressiv/zynisch. Klingt nach einem jungen/jugendlichen Mann, eher aus den unteren Schichten, vielleicht sogar alleinlebender Hartz IV-Empfänger, der sich über die normalen Bürger aufregt. Thematisch klingt der Prolog sehr typisch expressionistisch (stilistisch allerdings weniger).
Wie Kris habe auch ich es so empfunden, als kommt der Prolog trotz deiner Bemühungen wie eine Beschreibung rüber, von der die Figur nicht so recht Teil davon ist. Und wie sie schon sagte: an Anfang solltest du entweder Atomsphäre erzeugen oder die Figur sollte handeln. Wenn du das Gewicht im Prolog auf die Atmosphäre legen willst, bedeutet das, du musst vor allem an deinen Sprachstil und den Details feilen: interessante, individuelle Wortkombinationen wählen, ungewöhnliche „Details“ beschreiben, es muss irgendwie individuell wirken. Bei dir wirkt es so 08/15, nach einem Aufwärmen expressionistischer Themen. Die Sprache muss irgendetwas haben, was den Leser einfängt. Am besten ist dir das hier gelungen, das geht schon in dir Richtung dessen, was ich meinte:
Die Schornsteine der Fabrik arbeiten auf Hochtouren, und gelegentlich erstrahlt der Himmel durch die kurz geöffneten Hochdrucköfen in einem Hellen gelb- orangefarbenen Ton, so als ob die Engel persönlich auf die Erde herabsteigen und mit ihrem warmen Licht umgebend, den Menschen einen Besuch abstatten wollen.
„kurze Sätze“ hätte ich dir allerdings weniger als Schreibtipp empfohlen, allerdings könnte es sein, dass konkret dieser Text dadurch an Atmosphäre gewinnen würde – aber eben vielleicht auch nicht. Hm, obwohl ... kürzere Sätze ... vielleicht doch. Es ist bis jetzt etwas am Aufbau, am Klang der Sätze drin, was nicht so optimal für die Atmosphäre ist. Kürzere Sätzen würden das Problem vielleicht lösen.
Ansonsten drohst du dir gerade bei dem intellektuelleren Publikum mit einem solchen Anfang die Sympathien für deinen Protagonisten zu verscherzen:
| Zitat: |
| Die Wohnung, die Menschen, diese Stadt… alles Heuchler, die nicht imstande sind ohne die „ach so tolle Gesellschaft“ und ihren Grundsätzen, zurechtzukommen. Wen interessiert es schon, was sein Nachbar macht. Die Lebensphilosophie lautet „Jeder ist sich selbst der Nächste“ und baut auf einen wahren Egoismus auf. |
Klar, das ist die Ansicht dieses Typen, aber die Frage ist, welcher Leser ein Buch mit einem solchen Protagnisten lesen wollen. Zumindest bei den literaturgebildeten Viellesern (einschließlich Verlagslektoren) punktest du mit solchen Schwarz-Weiß-Phrasen „tolle Gesellschaft“ vs. „Jeder ist sich selbst der Nächste“ keineswegs („Laien“-Leser, die kaum lesen, könnten es aber anders sehen). Als ich diesen Part las, hatte sich in mir Wut bereit gemacht und ich hätte deinem Protagonisten (zumindest halte ich ihn erstmal dafür) am liebsten einen ellenlangen Forenbeitrag geschrieben, was ich von seiner beschränkten Weltsicht halte und sie mit diversen Beweisen untermauert.
Auch das Kapitel ist nicht berauschend, was Stil/Atmosphäre betrifft. Um ehrlich zu sein, musst du noch sehr, sehr viel üben, ehe es ein wirklich lesenswerter Text wird. Ich fürchte, du bist nicht nur ein Frischling, was den Buchmarkt betrifft, sondern auch, was das Schreiben an sich betrifft. Eigentlich könnte ich jeden Satz von dir auseinandernehmen und begründen, was mir daran nicht passt, aber ich denke, Kris‘ Tipps könnten dir erstmal weiterhelfen.
Reichlich Schreibtipps findest du hier:
http://www.autorenforum.de/content/view/39/37/
Ansonsten will ich mir mal zwei Sätze von dir herauspicken, um an ihn exemplarisch einiges zu zeigen, worauf ein guter Autor achtet:
| Zitat: |
Er konnte sich nicht regen und stand wie versteinert vor dem Fenster, innerlich voller Angst vor diesem Wesen, dass wie er jetzt erkannte, von den anderen Kreaturen verfolgt wurde. |
„wie versteinert“ ist Standardstil (wenngleich „festgenagelt“ und „festgefroren“ auch zum Standardstil gehören). Versuche einen individuelleren Vergleich zu finden. Schon kleine Änderungen wie „ ... und stand, als wären seine Sohlen mit hundert Nägeln festgenagelt“ machen den Stil individueller. Dann das „Wesen“. Ein üblicher Schreibtipp lautet – und hier sollte er wohl Anwendung finden – dieses Wesen zu benennen. Ist es ein Drache? Ein Golem? Und selbst, wenn man es nicht beschreiben kann, „Bestie“ ist immer noch dramatischer als „Wesen“.
Statt „voller Angst“ kann man auch körperliche Reaktionen wie zitternde Beine, Herzklopfen usw. beschreiben. Manchmal passt „Er hatte Angst“ in Geschichten zwar ganz gut, aber an deiner Art Szene merke ich, dass hier mehr von diesem „show don’t tell“ reingehört.
Dann zur Sachlogik: Die Situation/seine Reaktion ist nicht ganz schlüssig. Voller Angst erstarrt, so was sagt man eher, wenn das Wesen einen selbst angreift. Aber sooo voller Angst zu sein, vor einem Wesen, das „von anderen Kreaturen verfolgt wird“ (also gejagt wird) ... also, da muss man sich fragen, ob seine Angst dem richtigen Wesen gilt ... Das Problem ist, du macht dieses Wesen einerseits „absolut“ groß, andrerseits machst du es durch die Gejagten-Rolle klein, wodurch du die Giganten-Atmosphäre kaputtmachst, die du doch aufbauen willst. – Ach nein, so meintest du das gar nicht, sehe ich jetzt. Aber das Missverständnis entsteht, wenn du „verfolgt“ sagst. „begleitet“ wäre wohl passender.
| Zitat: |
| Er erkannte auch sie nun deutlicher und blickte in eben-falls bleiche Gesichter, aber mit einer solchen Boshaftigkeit gespickt, wie man sie niemandem wünscht. |
Die Situation soll bedrohlich sein. „Er erkannte auch sie nun deutlicher“ klingt viel zu ruhig-nachdenklich und das liegt an nahezu jedem einzelnen Wort dieses Satzes („erkannte“ „auch sie nun“ „deutlicher“) Wenn du das so schreibst, klingt das, als verliert er sich in belanglosen Details. Das kannst du schreiben, wenn es um nette Segelschiffchen in weiter Ferne geht oder um die Brillenprozedur beim Optiker, aber angesichts seiner Angst ...
Dann das mit der „Boshaftigkeit, wie man sie niemandem wünscht“ ... So denkt man nicht in einer Gefahrensituation, nicht wenn man von eben diesem Wesen bedroht wird. Das klingt so nach „Mitleid für den Bösen“, aber Mitleid hat man nicht, wenn man Angst hat. Wenn man den Bösen besiegt hat (oder er erstmal weit weg in seinem Schloss brütet), kann man ihn im Nachhinein dermaßen bemitleiden, aber hier nicht.
Zweitens: Ist das denn für diese Szene wichtig, dass er „auch sie nun deutlicher“ erkennt? Weiter oben sagtest du doch schon: „Es kam näher und ihm folgten weitere dieser Kreaturen“. Das reicht als Info. Es sind dieselben Kreaturen, also ist es völlig unwichtig, von den hinteren Kreaturen noch einmal die Details erwähnen. Oder aber sind es nicht dieselben Kreaturen? Dann ist der Satz „Es kam näher und ihm folgten weitere dieser Kreaturen“ falsch.
Tja, wie gesagt, das war nur ein winziger Ausschnitt dessen, worauf man so achten kann und sollte, wenn man einen wirklich guten Text schreiben will.
Viele Grüße
Annorra |
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_________________ Mein Buch: "Profil, Professionalität und Kompetenz junger Verlage" (2011)
Meine Website zu "Studien zu Buch, Autor und Lesern" unter: http://sitekreator.com/buchstudien |
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Annorra |
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| Anmeldedatum | 10.07.2008 | | Beiträge | 33 | | Wohnort | Hamm/Münster | |
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