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BeitragVerfasst am: 05.09.2010, 19:33
CeKaDo hat Folgendes geschrieben:
Selbstdarstellung hat nichts mit der Kunst des Vortragens zu tun. Oder umgekehrt.

Ich denke, der Begriff "Selbstdarstellung" ist leider inzwischen recht negativ besetzt, und so ist mein Posting - unbeabsichtigterweise - falsch rübergekommen.
Ich glaube schon, dass ein guter Vortrag etwas mit Darstellung zutun hat, und man kann sich nicht besser selbst präsentieren, als wenn man die eigenen Werke liest. Denn auch in der Schauspielerei geht es um die Kunst des Sprechens und des Sich-Hineinversetzens in den Text.
CeKaDo hat Folgendes geschrieben:
Ich bin der Ansicht und Überzeugung, dass jeder Mensch erlernen kann, seine Produkte auch entsprechend zu präsentieren. Schüchternheit (die oft mit fehlendem Hang zur Selbstdarstellung verwechselt wird) lässt sich durchaus ablegen, das kann man recht schnell erlernen.

Das ist zweifellos richtig. Trotzdem gibt es sehr unterschiedliche Menschentypen - die einen haben überhaupt kein Lampenfieber und stehen da wie die oft zitierte "Rampensau", für die anderen ist es immer wieder aufs Neue Überwindung. Und das schlägt sich gelegentlich auch im Vortrag nieder. Aber das war natürlich nicht das, worauf du hinauswolltest, wie man im Folgenden sieht:
CeKaDo hat Folgendes geschrieben:
Ich empfinde es als schade und sehr schlecht, dass Autoren die Melodie ihres Buches, die sie in Gedanken hatten, nicht beim Sprechen ihres Textes präsentieren. So habe ich gerade gestern erneut ein unglaublich schönes Gedicht gehört, das vom Text her umwerfend war. Der Vortrag durch den Autoren selbst war die pure Katastrophe, denn das Gedicht war im Einheitston leise herunter geleiert. Es starb somit kurz nach der Geburt. Und das ist so unendlich schade.

Da kann ich dir nur uneingeschränkt recht geben. Damit killt man den eigenen Text. Hier hilft einfach stetes Üben vor dem Vortrag, im Zweifelsfall vor dem Spiegel und vor der Familie, bis diese sich nachdrücklich gegen die ständige Wiederholung verwahrt. Mit oder ohne Lampenfieber kann man lernen, einen Vortrag interessant zu gestalten:
CeKaDo hat Folgendes geschrieben:
Damit die Zuhörer Lust auf mehr bekommen und nicht einschlafen und gefrustet heimwärts gehen. Um nie wieder an einer Lesung teilzunehmen.

Ich hatte bei den Lesungen, die ich bisher besucht habe, immer das Glück, dass der Vortragende sich auf sein Metier verstand. Deshalb komme ich auch ohne Frust, hellwach und mit großem Interesse zu deiner Kölner Lesung. Ich freue mich schon sehr darauf!

Liebe Grüße,

Anke

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BeitragVerfasst am: 05.09.2010, 20:47
Anke Höhl-Kayser hat Folgendes geschrieben:
Deshalb komme ich auch ohne Frust, hellwach und mit großem Interesse zu deiner Kölner Lesung.


Danke schön!

Lampenfieber ist etwas, das ich sehr gut kenne (Auch dazu gibt es im neuen Buch einen Text, der an der "richtigen" Stelle Applaus erzeugte). Ich brenne, mir ist schlecht, ich zittere und ich würde am liebsten alles absagen, unmittelbar, bevor es losgeht.

Doch dann gibt es den Punkt, an dem es kein zurück mehr gibt und ich beginne damit, mich "warm zu sprechen". Eine Technik, die ich nur allerwärmstens empfehlen kann. Ich beginne frei mit den Worten, die ich mir unmittelbar vor dem Auftritt noch im Kopf zurecht gelegt habe. Damit teste ich die Akustik, korrigiere ggf. das Mikrofon, nehme Kontakt zum Publikum auf und verliere meine Angst.

Und dann kommt der erste Text. Diesen wähle ich gern so, dass er noch nicht allzu rasant ist und noch nicht alles von mir fordert. Danach bin ich "drin" und es geht los. Vorgestern musste ich unterbrechen, weil alle lachten, einschließlich mir. Das war das Beste an der ganzen Show.

So kommt es dann natürlich rüber, bleibt für das Publikum spontan und locker und sorgt auch mal für hübschen Beifall zwischendurch (mitten im Text).

Das alles musste ich lernen, was man kaum glaubt, wenn man es erlebt. Und ich gehe noch schwanger mit dem Gedanken, das in einem Autorenkreis zu vermitteln.

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BeitragVerfasst am: 05.09.2010, 20:51
CeKaDo hat Folgendes geschrieben:
Das alles musste ich lernen, was man kaum glaubt, wenn man es erlebt. Und ich gehe noch schwanger mit dem Gedanken, das in einem Autorenkreis zu vermitteln.

Das ist eine gute Idee. Ein Äquivalent zu den Schauspielschulen - ein Lesungskurs für Autoren. Ich bin dabei, wenn's soweit ist!

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