 | Verborgene Rituale - Eulenloch | Verfasst am: 04.02.2010, 14:48 |
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Guten Tag,
ich habe mal wieder was für einen Schreibwettbewerb ausgetüftelt und wollte um eure Kommentare bitten.
Es geht um verborgene Rituale und Rituale anderer Art. Dark Fantasy und Mystery sind erwünscht. Und wie immer - bin ich mit der Zeichenzahl am Anschlag!
Eulenloch
Marlene Geselle
Sie waren vollzählig. Zehn Männer umstanden auf dem Wanderparkplatz den elften, der gefesselt und geknebelt auf dem nassen Schnee lag. Er war dazu bestimmt, das große Opfer zu werden, das die Große Göttin aussöhnen und den Gläubigen Frieden und Wohlstand bringen sollte.
Die Große Göttin meinte es gut mit ihren Jüngern. Kein Wölkchen bedeckte den Himmel, ein strahlender Mond beleuchtete das verschneite Tal. Man würde dem Weg zur Höhle ohne große Anstrengungen folgen können.
Das Opfer bemühte sich, möglichst flach zu atmen. Mit gebrochenen Rippen und einer zerschlagenen Nase atmet niemand freiwillig tief durch. Der Knebel im Mund, fixiert durch mehrere Streifen Klebeband quer über die Lippen, verhinderte, dass er schrie.
Der Anführer schaute sich prüfend um. Der Parkplatz lag ein wenig abseits der Durchgangsstraße und mehrere Kilometer vom nächsten Ort entfernt. An einem Abend wie diesem floss der Verkehr ausgesprochen dünn. Zum Imbolg-Fest, Dieses Jahr zufällig vierzig Tage vor Ostersonntag, gaben sich die Ungläubigen den Vergnügungen ihrer Zeit hin. In närrischen Verkleidungen, volltrunken und im Rausch ihrer brünstigen Körper suchten sie andere Orte auf als diesen Parkplatz. Auch wäre niemand von ihnen auf die Idee gekommen, in der Höhle der Großen Göttin ein Opfer darzubringen.
Das jüngste Mitglied der Priestergruppe sprach die traditionelle Anrufung des Mondes. Die anderen Männer stimmten in den leisen Singsang ein. Als das Gebet endete, gab der Anführer das Zeichen zum Aufbruch. Sie zogen das Opfer vom Boden; der kräftigste Priester warf sich den Mann über die Schulter wie einen Kartoffelsack. Schweigend machten sie sich auf den Weg zur Höhle der Großen Göttin.
Sie hatten ihn von seinen Fesseln und dem Knebel befreit und in die Mitte gestellt. Fünf der Männer bildeten einen äußeren Ring, vier Männer bildeten den inneren Ring. Dem Anführer stand das Recht zu, gegen das Opfer den magischen Kampf auszufechten. Außerhalb der beiden Ringe umgaben zahllose Bündel Reisig und – ein Zugeständnis an das nasskalte Wetter – einige Benzinkanister die Szene wie die Seile eines Boxrings die Kämpfenden.
Das Opfer versuchte nicht, durch Schreie auf sich und seine trostlose Lage aufmerksam zu machen. Das Eulenloch, wie man die Höhle nannte, war zu weit fort von der nächsten menschlichen Behausung. Der Anführer zog aus seinem antik anmutenden Gewand einen Dolch, reckte ihn zum Himmel empor und beschwor die Große Göttin, die bescheidene Gabe ihrer treuen Diener anzunehmen. Ein Priester aus dem inneren Ring gab dem als Opfer ausersehenen Mann einen Stoß. Der Kampf mit dem feststehenden Ausgang fing an. Wieder erhob der jüngste Priester einen altertümlich klingenden Singsang, in den die anderen einfielen.
Er merkte sehr schnell, dass sein Gegenüber ihn nicht töten wollte. Das gehörte nicht zum Ritual. Aus möglichst vielen Wunden blutend und seine Seele in Verzweiflung gestürzt, war er ein wertvolleres Opfer für die Große Göttin. Als der Anführer mit ihm fertig war, gab dieser seinen Begleitern einen Wink. Der Gesang hörte auf. Vier Männer stürzten sich auf ihn, drückten Arme und Beine nach unten, während die anderen seine Schienbeine und Schenkel zertraten. Die Große Göttin gewährte ihm nicht die Gnade einer Ohnmacht.
Seine Peiniger zogen sich hinter die Reisigbündel zurück. Er konnte sie nicht sehen, aber das gluckernde Geräusch vergossenen Benzins ließ keinen Zweifel an dem aufkommen, was noch geschehen würde.
Der Brandbeschleuniger tat seinen Dienst, die Flammen loderten hell auf und begannen, die Reisigbündel zu verzehren. Die Priester der Großen Göttin verzichteten darauf, bis zum Niederbrennen des Scheiterhaufens an der Opferstätte zu bleiben. Das Opfer war dargebracht worden, nun war es an der Zeit, zu den Autos zurückzukehren und in die Kleidung des Alltags zu schlüpfen.
Alleingelassen im Flammenring, arbeiteten die Gedanken des Opfers so schnell und präzise wie noch nie. Der Mann blickte sich um. Nur wenige Schritte von ihm entfernt blinkte etwas Metallisches im Schnee. Er rollte sich auf den Bauch und robbte zu dem glänzenden Ding. Seine Finger umkrallten einen Anhänger aus Silber, nicht besonders groß. Das Schmuckstück war mit fremdartigen Gravuren bedeckt. Weder christlich noch germanisch-skandinavisch. Das Opfer lächelte. Darüber würde sich ein anderer Gedanken machen. An dem Anhänger befanden sich noch Teile der Schnur aus Menschenhaar.
Die Hitze wurde unerträglich, die Flammen waren nur noch einen halben Schritt von den Füßen entfernt. Der Mann öffnete seinen Mund, schob den Anhänger hinein und schluckte. Für einen Moment drohte der Würgereflex die Oberhand zu gewinnen, aber dann signalisierten unerträgliche Schmerzen in der Speiseröhre, dass der Versuch gelungen war.
An einem Sommertag hätte Hauptkommissar Müllerjahn die Kühle im Seziersaal des Rechtsmedizinischen Instituts als angenehm empfunden. Aber es war nicht nur die von draußen herein gebrachte Winterkälte, die ihm klamme Finger und kalte Füße bescherten.
„Tu dir keinen Zwang an“, begrüßte Dr. Bechtersheimer den langjährigen Freund. „Schlag ruhig mit der Faust auf meinen Stahltisch und sag ein paar Worte, die ich ganz bestimmt nicht ins Besprechungsprotokoll aufnehme.“
Müllerjahn zwang ein Lächeln auf seine Züge. Ingo Bechtersheimers hängende Mundwinkel und die roten Flecken im Gesicht verrieten mehr über den Gemütszustand des Rechtsmediziners als seine Worte. Je markiger das Vokabular, je klarer die Gedanken, je fester der Wille, den Menschen, die auf seinem Seziertisch landeten, den letzten und besten Dienst zu erweisen, den ein Mann seines Berufes einem Toten erweisen konnte.
Frank Müllerjahn ließ den Tisch mit der verbrannten Leiche in Ruhe. Er berührte nie die Toten, fasste die Beweisstücke nie an, nicht einmal, wenn diese bereits ordnungsmäßig in Plastikbeuteln verschweißt waren, sicher vor jedweder Form der Spurenübertragung. Wenn man den Tod zu nahe an sich herankommen lässt, dann fehlt die Kraft zum Leben, erklärte er stets, wenn die Kollegen ihn auf seine Manie ansprachen.
Dr. Bechtersheimer respektierte die Angewohnheit des Kommissars und breite für seinen Freund die Beweisstücke auf einem Rolltisch aus: ein Winterstiefel, zum größten Teil verkohlt und mit einer reparierten Schnalle, Reste von der Kleidung, zur Unkenntlichkeit verbrannt, ein Anhänger aus Silber, blutverschmiert, ein Stück Schnur aus Menschenhaar, ebenfalls blutverschmiert.
„Was ist mit den letzten beiden Stücken?“, erkundigte sich der Kommissar. „Als wir die Leiche bargen, war alles voller Ruß und Asche. Wir fanden keinen Tropfen Blut mehr. Das Feuer hatte den Schnee am Tatort fortgeschmolzen. Alles war bereits im Boden versackt.“
„Ich zog das Schmuckstück nebst Schnur aus der Speiseröhre des Toten. Das muss seine letzte Tat auf Erden gewesen sein“, antwortete der Rechtsmediziner leise.
Müllerjahn sprach kein Wort. Mit der Rechten deutete er auf den Plastikbeutel mit dem eingetüteten Anhänger. Dr. Bechtersheimer verstand. Aus der Tasche seines Laborkittels zog er eine winzige Kamera und reichte sie dem Kommissar.
Eine Scheibe Roggenbrot mit Lyoner, eine Scheibe Dinkelbrot mit Edamer, ein Becher Kaffe ohne alles. Professor Blankenhorst hatte feste Gewohnheiten. Kein Assistent des Instituts hätte es gewagt, den Archäologen bei seiner Frühstückspause zu stören. Unter normalen Umständen.
Die Email, die der Wissenschaftler überflog, machte ihm klar, dass heute kein normaler Tag war. Als Spezialist für keltische Götter und Riten war er an Gewalt gewöhnt. Aber die archaische Brutalität, mit der er es sonst zu tun hatte, ließ sich nicht mit dem vergleichen, was er auf dem Bild sehen musste. Dieses Opfer für die Große Göttin war keine vierundzwanzig Stunden tot. Blankenhorst musste für einen kurzen Moment die Augen schließen und schlucken, ehe sein Verstand erfasste, was er sah. „Elendes Pack! Die Große Göttin hasste jedes Blutvergießen. Na wartet, euch nachgemachte Druiden schnapp ich mir.“
Er fischte sein Handy aus der Jackentasche und wählte die Nummer, unter der Kommissar Müllerjahn um Rückruf gebeten hatte. Bereits nach dem zweiten Klingelton meldete sich der Kripomann.
Michael Mettharts Familie bestand darauf, den Toten in aller Stille zu bestatten, nach christlichem Ritus, auch wenn der junge Mann zu Lebzeiten freiwillig keinen Fuß in die Kirche gesetzt hatte. Es war Fastenzeit. Der Brauch verlangte, dass man für die Verstorbenen die Stationen des Kreuzwegs las, statt der üblichen Rosenkranzgebete. Kommissar Müllerjahn ließ den Rosenkranz, den er sich für den heutigen Kirchgang von einer Kollegin geliehen hatte, wieder in die Tasche gleiten. Seine Banknachbarin schlug für ihn die Seiten des Gebetbuchs auf, damit auch er die Verse beten konnte.
Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele Nichtgläubige mühten sich ähnlich wie Müllerjahn mit den fremden Riten ab, auch Professor Blankenhorst. Unmöglich, Personen ausfindig zu machen, die man als Verdächtige einstufen konnte. Selbst der ältere Libanese, der im größten Supermarkt der Kreisstadt seinem Broterwerb als Flickschuster nachging, erwies heute dem jungen Metthart die letzte Ehre. Bei seiner Vernehmung konnte er sich noch gut an den Kunden erinnern, der seine Stiefel bei ihm zur Reparatur abgegeben hatte. Noch besser erinnerte er sich an den klapprigen Geländewagen, den eine Politesse mit einem Strafzettel verziert hatte, während Metthart sich noch an seinem Stand befand. Der Rest erwies sich als Routine. Die Leute von der Spurensicherung verglichen die DNA auf der Zahnbürste mit der DNA, die man aus dem Backenzahn des verbrannten Toten extrahiert hatte. Nur in zweitklassigen Krimis folgten die Rechtsmediziner dem schaurigen Brauch, den verzweifelten Hinterbliebenen die verkohlten Überreste eines Toten zu präsentieren.
Die vierzehn Stationen des Kreuzwegs zogen sich hin. Müllerjahn zwang sich, nicht an die einzelnen Abschnitte des Leidens zu denken, das Michael Mettmann erdulden musste. Ein Foltertod im Namen einer Großen Göttin! Blankenhorsts Worte gingen dem Kripomann durch den Kopf. Vergessen Sie die keltischen Bräuche, Müllerjahn! Die Große Göttin war eine Göttin der Fruchtbarkeit und der Erneuerung des Lebens. Zwar trugen die Opferpriester ähnliche Amulette wie jenes, das Sie bei dem Toten gefunden haben. Die Anhängerschnur besteht immer aus den Haaren ihres Besitzers! Aber diese Neo-Druiden verfolgen ganz andere Ziele. Sie werden auf ein äußerst neuzeitliches Motiv stoßen, Kommissar, glauben Sie mir.
Müllerjahn seufzte leise. Seine Banknachbarin wertete dies als ein Zeichen der Trauer und lächelte ihm aufmunternd zu. Sie wusste, wer er war und aus welchem Grund er hier kniete und ihm fremde Gebete murmelte. Er war ein Ortsfremder, hatte den Toten nie lebend zu Gesicht bekommen – und stank vermutlich nach Bulle!
Ein Luftzug signalisierte dem Hauptkommissar, dass jemand die Kirche betreten hatte. Er drehte sich um. Eine junge Frau, blond, frisches Gesicht und sportliche Figur klopfte leise einige Schneeflocken von ihrer hellen Winterjacke. Hauptwachmeisterin Karoline Leininger roch nicht einmal dann nach Polizei, wenn sie Uniform trug. Ihr zufriedenes Gesicht und ihre eindeutigen Gesten ließen Müllerjahn für einen kurzen Augenblick lächeln. Endlich der ersehnte Erfolg. Zeit, zurück zum Büro zu fahren.
In Blankenhorsts Gesellschaft befand sich eine Frau mittleren Alters, deren gepflegte Erscheinung und die modisch-extravagante Aktentasche die Immobilienmaklerin verrieten. Der Archäologe ließ der Dame den Vortritt. Er hatte Zeit. Müllerjahn bat sie in sein Büro.
Frau Münsinger kam gleich zur Sache. „Ich bekam einen schönen Schreck, als ich in der Zeitung den Namen des Toten las“, begann sie ihren Bericht. „Sie müssen wissen, Kommissar, dass ich im Auftrag eines Klienten Kontakt aufgenommen hatte mit eben diesem Michael Metthart. Mein Kunde war interessiert an einem bestimmten Stück Wiese, direkt an der Lauchert gelegen.“
„Und weiter, Frau Münsinger. Sind Sie deswegen zu mir gekommen?“, hakte der Kripomann nach.
„Selbstverständlich nicht. Aber dieser Klient wollte das Grundstück nicht von Herrn Metthart direkt kaufen. Ich sollte die Wiese erwerben und danach an ihn weiterverkaufen.“
„Ist Ihr Kunde ein Superstar, Frau Münsinger? Doch wohl kaum“, murrte Müllerjahn ungehalten.
Die Immobilienmaklerin verzog ihr Gesicht zu einem kleinen Lächeln und gab zu verstehen, dass solche Klientel kaum Interesse an Landwirtschaft an der Lauchert habe. „Mein Klient interessierte sich für die Wiese, die direkt unterhalb des Eulenlochs liegt. Michael Metthart zeigte keinerlei Interesse an einem Verkauf des Grundstücks, obwohl mein Kunde bereit war, das Doppelte des üblichen Betrages auf den Tisch zu legen“, beantwortete sie Müllerjahns Frage.
„Können Sie mir Ihre Unterlagen überlassen, Frau Münsinger?“, erkundigte sich der Kommissar. „Und vielleicht sind Sie so nett und beschreiben unserem Phantomzeichner diesen Mann. Vielleicht habe ich ja heute ein wenig Glück.“
Die Maklerin zog einen Schnellhefter aus ihrer Aktentasche und ließ diesen achtlos auf Müllerjahns Schreibtisch fallen. „Ihren Zeichner brauchen wir nicht. Prof. Blankenhorst, neben dem ich in der Kirche saß, hat eine Menge Handyfotos gemacht. Mein Kunde ist auch dabei. Deshalb sind wir hier.“
Ein zweites Mal an diesem nasskalten Wintertag huschte ein Lächeln über die Züge des Kommissars.
Eine Woche später: Die zehn Männer, die mit Handschellen gefesselt auf dem Wanderparkplatz an der Lauchert standen, wandten ihre Blicke ostentativ der aufgehenden Sonne zu. Sie trugen heute keine Dolche an ihren Gürteln. Körbe mit Krokussen und Bergnarzissen standen zu ihren Füßen. Ein Blumenopfer für die Götter des Wassers und der Erde, das nun nicht mehr stattfinden würde.
Auf Befehl ihres Anführers weigerten sie sich, ihre Namen und Personalien anzugeben. Müllerjahn und auch die Uniformierten quittierten den Hochmut der Männer mit Schulterzucken. Auf dem Parkplatz standen die Privatwagen der Männer
Müllerjahn baute sich vor dem ranghöchsten Priester auf, leicht zu erkennen am neuen Silberamulett: „Warum, Wagenknecht? Warum musste Michael Metthart einen so grausamen Tod sterben? Wirklich nur wegen einer Wiese?“
Peter Wagenknecht schaute ihn belustigt an. „Quatsch, Müllerjahn! Die Wiese war mir schon wichtig, hier sollte unser neues Kulturzentrum erbaut werden. Was verstand dieser Bauerntölpel denn von solchen Dingen?! Klar, ich hätte ihm auch einfach eine Kugel in seinen dummen Schädel jagen können. Seine Eltern, die ja keinen anderen Erben haben, hätten mir die Wiese danach garantiert überlassen. Aber durch das große Opfer sollte der Versammlungsort am Eulenloch eine besondere Heilmächtigkeit erlangen.“
Der Kommissar ballte seine Hände zu Fäusten und steckte sie blitzschnell in die Manteltaschen. Die Worte des Archäologen fielen ihm ein. Ein Priester, der ein Menschenopfer vollzieht, steigt in den höchsten Rang auf. Seine Anhänger halten ihn selber für gottgleich und gehorchen ihm blindlings. Diese Neo-Druiden sind völlig durchgeknallt und eine leichte Beute für jeden cleveren Schurken! Glauben Sie mir, Kommissar Müllerjahn, Sie werden auf ein äußerst irdisches Motiv stoßen.
Eine blutrote Sonne erhob sich über dem Horizont. Bote eines wunderschönen Tages. Der Kripomann winkte einen Streifenbeamten zu sich. Es war schon immer das Vorrecht des jüngsten Polizisten, die offizielle Verhaftung vorzunehmen. Müllerjahns leidige Pflicht war es, die Familie des Toten zu besuchen. Michael Mettmann konnte endlich begraben werden. |
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_________________ Es gibt kein größeres Laster als Tugend im Übermaß.
www.marlenegeselle.de |
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MarleneGeselle |
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| Anmeldedatum | 09.02.2009 | | Beiträge | 961 | | Wohnort | Hettingen | |
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 | | Verfasst am: 04.02.2010, 15:11 |
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MarleneGeselle |
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 | | Verfasst am: 09.02.2010, 11:19 |
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Hallo,
nachdem mir unsere liebe Bärentante per PN einige wichtige Tipps gegeben hat, hier die zweite Version. Leider musste ich, wegen der Zeichenbegrenzung, immer dann an anderer Stelle etwas fortnehmen, wenn ich irgendwo etwas zugeschrieben habe.
Wer will nochmal, wer hat noch nicht.
Eulenloch
Marlene Geselle
Sie waren vollzählig. Zehn Männer umstanden auf dem Wanderparkplatz den elften, der gefesselt und geknebelt auf dem nassen Schnee lag. Er war dazu bestimmt, das Opfer zu werden, das die Große Göttin aussöhnen und den Gläubigen Frieden und Wohlstand bringen sollte.
Die Große Göttin meinte es gut mit ihren Jüngern. Kein Wölkchen bedeckte den Himmel, ein strahlender Mond beleuchtete das verschneite Tal. Man würde dem Fußweg zur Höhle ohne große Anstrengungen folgen können.
Das Opfer bemühte sich, möglichst flach zu atmen. Mit gebrochenen Rippen und einer zerschlagenen Nase atmet niemand freiwillig tief durch. Der Knebel im Mund, fixiert durch mehrere Streifen Klebeband quer über die Lippen, verhinderte, dass er schrie.
Der Anführer schaute sich prüfend um. Der Parkplatz lag ein wenig abseits der Durchgangsstraße und mehrere Kilometer vom nächsten Ort entfernt. An einem Abend wie diesem floss der Verkehr ausgesprochen dünn. Zum Imbolg-Fest, dieses Jahr zufällig vierzig Tage vor Ostern, gaben sich die Ungläubigen den Vergnügungen ihrer Zeit hin, statt den alten Göttern zu huldigen. In närrischen Verkleidungen, volltrunken und im Rausch ihrer brünstigen Körper suchten sie andere Orte auf als diesen Parkplatz.
Das jüngste Mitglied der Priestergruppe sprach die traditionelle Anrufung des Mondes. Die anderen Männer stimmten in den leisen Singsang ein. Als das Gebet endete, gab der Anführer das Zeichen zum Aufbruch. Sie zogen das Opfer vom Boden; der kräftigste Priester warf sich den Mann über die Schulter wie einen Kartoffelsack. Schweigend machten sie sich auf den Weg zur Höhle der Großen Göttin.
Sie hatten ihn von seinen Fesseln und dem Knebel befreit und in die Mitte gestellt. In den Eingangsbereich der Höhle hatte der Wind soviel Schnee hereingeweht, dass man das Gefühl hatte, auf einem weißen, dicken, schallschluckenden Teppich zu stehen. Fünf der Männer bildeten einen äußeren Ring, vier Männer bildeten den inneren Ring. Dem Anführer stand das Recht zu, gegen das Opfer den magischen Kampf auszufechten. Außerhalb der beiden Ringe umgaben zahllose Bündel Reisig und – ein Zugeständnis an das nasskalte Wetter – einige Benzinkanister die Szene wie die Seile eines Boxrings die Kämpfenden.
Das Opfer versuchte nicht, durch Schreie auf sich und seine trostlose Lage aufmerksam zu machen. Das Eulenloch, wie man die Höhle nannte, war zu weit fort von der nächsten menschlichen Behausung.
Der Anführer zog aus seinem antik anmutenden Gewand einen Dolch, reckte ihn zum Himmel empor und beschwor die Große Göttin, die bescheidene Gabe ihrer treuen Diener anzunehmen. Ein Priester aus dem inneren Ring gab dem als Opfer ausersehenen Mann einen Stoß. Der Kampf mit dem feststehenden Ausgang begann. Wieder erhob der jüngste Priester einen altertümlich klingenden Singsang, in den die anderen einfielen.
Er merkte sehr schnell, dass sein Gegenüber ihn nicht töten wollte. Das gehörte nicht zum Ritual. Aus möglichst vielen Wunden blutend und seine Seele in Verzweiflung gestürzt, war er ein wertvolleres Opfer für die Große Göttin. Als der Anführer mit ihm fertig war, gab dieser seinen Begleitern einen Wink. Der Gesang hörte auf. Vier Männer stürzten sich auf ihn, drückten Arme und Beine nach unten, während die anderen seine Schienbeine und Schenkel zertraten. Die Große Göttin gewährte ihm nicht die Gnade einer Ohnmacht.
Seine Peiniger zogen sich hinter die Reisigbündel zurück. Er konnte sie nicht sehen, aber das gluckernde Geräusch vergossenen Benzins ließ keinen Zweifel an dem aufkommen, was noch geschehen würde.
Der Brandbeschleuniger tat seinen Dienst, die Flammen loderten mehr als mannshoch auf und begannen, alles zu verzehren.
Jemand oder etwas anderes jedoch gewährte dem Opfer in diesem Moment sowohl die Gnade des klaren Denkens als auch des instinktiven Handelns. Alleingelassen im Flammenring, arbeiteten seine Gedanken so schnell und präzise wie noch nie. Der Mann blickte sich um. Nur wenige Schritte von ihm entfernt blinkte etwas Metallisches im Schnee. Er rollte sich auf den Bauch und robbte zu dem glänzenden Ding. Seine Finger umkrallten einen Anhänger aus Silber, nicht besonders groß. Das Schmuckstück war mit fremdartigen Gravuren bedeckt, weder christlich noch germanisch-skandinavisch. Das Opfer lächelte. Darüber würde sich ein anderer Gedanken machen. An dem Anhänger befanden sich noch Teile der Schnur aus Menschenhaar.
Die Hitze wurde unerträglich, die Flammen waren nur noch einen halben Schritt von seinen Füßen entfernt. Der Mann öffnete den Mund, schob den Anhänger hinein und schluckte. Für einen Moment drohte der Würgereflex die Oberhand zu gewinnen, aber dann signalisierten unerträgliche Schmerzen in der Speiseröhre, dass der Versuch gelungen war.
An einem Sommertag hätte Kommissar Müllerjahn die Kühle im Seziersaal des Rechtsmedizinischen Instituts als angenehm empfunden. Aber es war nicht nur die von draußen hereingebrachte Winterkälte, die ihm klamme Finger und kalte Füße bescherte.
„Tu dir keinen Zwang an“, begrüßte Dr. Bechtersheimer den langjährigen Freund. „Schlag ruhig mit der Faust auf meinen Stahltisch und sag ein paar Worte, die ich ganz bestimmt nicht ins Besprechungsprotokoll aufnehme.“
Müllerjahn zwang ein Lächeln auf seine Züge. Ingo Bechtersheimers hängende Mundwinkel und die roten Flecken im Gesicht verrieten mehr über den Gemütszustand des Rechtsmediziners als seine Worte. Je markiger das Vokabular, je klarer die Gedanken, je fester der Wille, den Menschen, die auf seinem Seziertisch landeten, den letzten und besten Dienst zu erweisen, den ein Mann seines Berufes einem Toten erweisen konnte.
Frank Müllerjahn ließ den Tisch mit der verbrannten Leiche in Ruhe. Er berührte nie die Toten, fasste die Beweisstücke nie an, nicht einmal, wenn diese bereits ordnungsmäßig in Plastikbeuteln verschweißt waren, sicher vor jedweder Form der Spurenübertragung. Wenn man den Tod zu nahe an sich herankommen lässt, dann fehlt die Kraft zum Leben, erklärte er stets, wenn die Kollegen ihn auf seine Phobie ansprachen.
Dr. Bechtersheimer respektierte dies und breitete für seinen Freund die Beweisstücke auf einem Rolltisch aus: ein Winterstiefel, zum größten Teil verkohlt und mit einer reparierten Schnalle, Reste von der Kleidung, zur Unkenntlichkeit verbrannt, ein Anhänger aus Silber, blutverschmiert, ein Stück Schnur aus Menschenhaar, ebenfalls blutverschmiert.
„Was ist mit den letzten beiden Stücken?“, erkundigte sich der Kommissar. „Als wir die Leiche bargen, war alles voller Ruß und Asche. Wir fanden keinen Tropfen Blut mehr. Das Feuer hatte den Schnee am Tatort fortgeschmolzen. Alles war bereits im Boden versackt.“
„Ich zog das Schmuckstück nebst Schnur aus der Speiseröhre des Toten. Das muss seine letzte Tat auf Erden gewesen sein“, antwortete der Rechtsmediziner leise.
Müllerjahn sprach kein Wort. Mit der Rechten deutete er auf den Plastikbeutel mit dem eingetüteten Anhänger. Dr. Bechtersheimer verstand. Aus der Tasche seines Laborkittels zog er eine winzige Kamera und reichte sie dem Kommissar.
Eine Scheibe Roggenbrot mit Lyoner, eine Scheibe Dinkelbrot mit Edamer, ein Becher Kaffe ohne alles. Professor Blankenhorst hatte feste Gewohnheiten. Kein Assistent des Instituts hätte es gewagt, den Archäologen bei seiner Frühstückspause zu stören. Unter normalen Umständen.
Die Email, die der Wissenschaftler überflog, machte ihm klar, dass heute kein normaler Tag war. Als Spezialist für keltische Götter und Riten war er an Gewalt gewöhnt. Aber die archaische Brutalität, mit der er es sonst zu tun hatte, ließ sich nicht mit dem vergleichen, was er auf dem Bild sehen musste. Dieses Opfer für die Große Göttin war keine vierundzwanzig Stunden tot. Blankenhorst musste für einen kurzen Moment die Augen schließen und schlucken, ehe sein Verstand erfasste, was er sah. „Elendes Pack! Die Große Göttin hasste jedes Blutvergießen. Na wartet, euch nachgemachte Druiden schnapp ich mir.“
Er fischte sein Handy aus der Jackentasche und wählte die Nummer, unter der Kommissar Müllerjahn um Rückruf gebeten hatte. Bereits nach dem zweiten Klingelton meldete sich der Kripomann.
Michael Mettharts Familie bestand darauf, den Toten in aller Stille zu bestatten, nach christlichem Ritus, auch wenn der junge Mann zu Lebzeiten freiwillig keinen Fuß in die Kirche gesetzt hatte. Es war Fastenzeit. Der Brauch verlangte, dass man für die Verstorbenen die Stationen des Kreuzwegs las, statt der üblichen Rosenkranzgebete. Kommissar Müllerjahn ließ den Rosenkranz, den er sich für den heutigen Kirchgang von einer Kollegin geliehen hatte, wieder in die Tasche gleiten. Seine Banknachbarin schlug für ihn die Seiten des Gebetbuchs auf, damit auch er die Verse beten konnte.
Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele Nichtgläubige mühten sich ähnlich wie Müllerjahn mit den fremden Riten ab, auch Professor Blankenhorst. Unmöglich, Personen ausfindig zu machen, die man als Verdächtige einstufen konnte. Selbst der ältere Libanese, der im größten Supermarkt der Kreisstadt seinem Broterwerb als Flickschuster nachging, erwies heute dem jungen Metthart die letzte Ehre. Bei seiner Vernehmung konnte er sich noch gut an den Kunden erinnern, der seine Stiefel bei ihm zur Reparatur abgegeben hatte. Noch besser erinnerte er sich an den klapprigen Geländewagen, den eine Politesse mit einem Strafzettel verziert hatte, während Metthart sich noch an seinem Stand befand. Der Rest erwies sich als Routine. Die Leute von der Spurensicherung verglichen die DNA auf der Zahnbürste des Vermissten mit der DNA, die man aus dem Backenzahn des verbrannten Toten extrahiert hatte. Nur in zweitklassigen Krimis folgen die Rechtsmediziner dem schaurigen Brauch, den verzweifelten Hinterbliebenen die verkohlten Überreste eines Toten zu präsentieren.
Die vierzehn Stationen des Kreuzwegs zogen sich hin. Müllerjahn zwang sich, nicht an die einzelnen Abschnitte des Leidens zu denken, das Michael Metthart erdulden musste. Ein Foltertod im Namen einer Großen Göttin! Blankenhorsts Worte gingen dem Kripomann durch den Kopf. Vergessen Sie die keltischen Bräuche, Müllerjahn! Die Große Göttin war eine Göttin der Fruchtbarkeit und der Erneuerung des Lebens. Zwar trugen die Opferpriester ähnliche Amulette wie jenes, das Sie bei dem Toten gefunden haben. Noch etwas: Die Anhängerschnur besteht immer aus den Haaren ihres Besitzers! Aber diese Neo-Druiden verfolgen ganz andere Ziele. Sie werden auf ein äußerst neuzeitliches Motiv stoßen, Kommissar, glauben Sie mir.
Müllerjahn seufzte leise. Seine Banknachbarin wertete dies als ein Zeichen der Trauer und lächelte ihm aufmunternd zu. Sie wusste, wer er war und aus welchem Grund er hier kniete und ihm fremde Gebete sprach. Er war ein Ortsfremder, hatte den Toten nie lebend zu Gesicht bekommen – und stank vermutlich nach Bulle!
Ein Luftzug signalisierte dem Kommissar, dass jemand die Kirche betreten hatte. Er drehte sich um. Eine junge Frau, blond, frisches Gesicht und sportliche Figur klopfte leise einige Schneeflocken von ihrer hellen Winterjacke. Hauptwachmeisterin Karoline Leininger roch nicht einmal dann nach Polizei, wenn sie Uniform trug. Ihr zufriedenes Gesicht und ihre eindeutigen Gesten ließen Müllerjahn für einen kurzen Augenblick lächeln. Eine wichtige SMS rief ihn zurück ins Büro.
In Blankenhorsts Gesellschaft befand sich eine Frau mittleren Alters, deren gepflegte Erscheinung und die modisch-extravagante Aktentasche die Immobilienmaklerin verrieten. Der Archäologe ließ der Dame den Vortritt. Den Kalender mit den keltischen Fest- und Opfertagen konnte immer noch abgeben.
Müllerjahn bat sie in sein Büro. Frau Münsinger kam gleich zur Sache. „Ich bekam einen schönen Schreck, als ich heute in der Zeitung den Namen des Toten las“, begann sie ihren Bericht. „Sie müssen wissen, Kommissar, dass ich im Auftrag eines Klienten Kontakt aufgenommen hatte mit eben diesem Michael Metthart. Mein Kunde war interessiert an einem bestimmten Stück Wiese, direkt an der Lauchert gelegen.“
„Und weiter, Frau Münsinger. Sind Sie deswegen zu mir gekommen?“, hakte der Kripomann nach.
„Selbstverständlich nicht. Aber dieser Klient wollte das Grundstück nicht von Herrn Metthart direkt kaufen. Ich sollte die Wiese erwerben und danach an ihn weiterverkaufen.“
„Ist Ihr Kunde ein Superstar, Frau Münsinger? Doch wohl kaum“, murrte Müllerjahn ungehalten.
Die Immobilienmaklerin verzog ihr Gesicht zu einem kleinen Lächeln und gab zu verstehen, dass solche Klientel kaum Spaß an Landwirtschaft an der Lauchert habe.
„Mein Klient interessierte sich für die Wiese, die direkt unterhalb des Eulenlochs liegt. Michael Metthart zeigte keinerlei Interesse an einem Verkauf des Grundstücks, obwohl mein Kunde bereit war, das Doppelte des üblichen Betrages auf den Tisch zu legen“, beantwortete sie Müllerjahns diesbezügliche Frage.
„Können Sie mir Ihre Unterlagen überlassen, Frau Münsinger?“, erkundigte sich der Kommissar. „Und vielleicht sind Sie so nett und beschreiben unserem Phantomzeichner diesen Mann. Vielleicht habe ich ja heute ein wenig Glück.“
Die Maklerin zog einen Schnellhefter aus ihrer Aktentasche und ließ diesen achtlos auf Müllerjahns Schreibtisch fallen. „Ihren Zeichner brauchen wir nicht. Prof. Blankenhorst, neben dem ich in der Kirche saß, hat eine Menge Handyfotos von einigen ihm bekannten Neo-Druiden gemacht. Mein Kunde ist auch dabei. Deshalb sind wir hier.“
Ein zweites Mal an diesem nasskalten Wintertag huschte ein Lächeln über die Züge des Kommissars.
Eine Woche später: Die zehn Männer, die mit Handschellen gefesselt auf dem Wanderparkplatz an der Lauchert standen, wandten ihre Blicke ostentativ der aufgehenden Sonne zu. Heute trugen sie keine Dolche an ihren Gürteln. Körbe mit Krokussen und Bergnarzissen standen zu ihren Füßen: ein Blumenopfer für die Götter des Wassers und der Erde, das nun nicht mehr stattfinden würde.
Auf Befehl ihres Anführers weigerten sie sich, ihre Namen und Personalien anzugeben. Müllerjahn und auch die Uniformierten quittierten den Hochmut der Männer mit Schulterzucken. Auf dem Parkplatz standen die Privatwagen der Leute.
Müllerjahn baute sich vor dem ranghöchsten Priester auf, leicht zu erkennen am neuen Silberamulett: „Warum, Wagenknecht? Warum musste Michael Metthart einen so grausamen Tod sterben? Wirklich nur wegen einer Wiese?“
Peter Wagenknecht schaute ihn belustigt an. „Quatsch, Müllerjahn! Die verkehrsgünstig gelegene Wiese war mir schon wichtig, hier sollte unser neues Kulturzentrum erbaut werden. Was verstand dieser Bauerntölpel denn von solchen Dingen?! Klar, ich hätte ihm auch einfach eine Kugel in seinen dummen Schädel jagen können. Seine Eltern, die ja keinen anderen Erben haben, hätten mir die Wiese danach garantiert überlassen. Aber durch das große Opfer sollte der Versammlungsort am Eulenloch eine besondere Heilmächtigkeit erlangen.“
Der Kommissar ballte seine Hände zu Fäusten und steckte sie blitzschnell in die Manteltaschen. Affektkontrolle gehörte für ihn zum Handwerk. Die Worte des Archäologen fielen ihm ein. Ein Priester, der ein Menschenopfer vollzieht, steigt in den höchsten Rang auf. Seine Anhänger halten ihn selber für gottgleich und gehorchen ihm blindlings. Diese Neo-Druiden sind völlig durchgeknallt und eine leichte Beute für jeden cleveren Schurken! Glauben Sie mir, Kommissar Müllerjahn, Sie werden auf ein äußerst irdisches Motiv stoßen.
Eine blutrote Sonne erhob sich über dem Horizont, der Bote eines wunderschönen Tages. Der Kripomann winkte einen Streifenbeamten zu sich. Es war schon immer das Vorrecht des jüngsten Polizisten, die offizielle Verhaftung vorzunehmen. Müllerjahns leidige Pflicht war es, die Familie des Toten zu besuchen. Michael Metthart konnte endlich begraben werden. |
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