 | Vermisst... | Verfasst am: 09.06.2009, 22:20 |
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"Vermisst: Abrechnung auf Karpathos" ist der Titel meines ersten Buches, welches ich im April über BoD veröffentlicht habe.
Nachdem ich nun knapp 50 Exemplare (*Stolz*) verkauft habe (...Freunde, Arbeitskollegen und Verwandte sind abgeklappert ) , hätte ich gerne ein paar Meinungen zu der ein-oder anderen Textpassage. Habe alles soweit alleine gemacht, nur von einem Freund Korrektur lesen lassen und erst jetzt so nach und nach gemerkt, dass da ein paar Fehler drin sind (z.B. Interpunktion!?).
O.K., aber auf die Rechtschreibung kommt es mir eigentlich weniger an, sonder eher, wie mein Schreibstil wirkt, Ausdruck usw.
Also, hier ein Kapitel daraus:
Die Bucht von Tristomo
Ioannis zog genüsslich an seiner Zigarette. Das hatte sich gelohnt! Die weite Fahrt hier rauf taten sich nur wenige Fischer an. Zum Vorteil für ihn. Ioannis stand am Bug seines kleinen Fischerbootes und betrachtete den üppigen Fang. Einige Rotbarben und Brassen, vor allem aber Sardellen, Kalamar und Octopus in großer Zahl. Er nahm seine schwarze Baseballkappe mit dem „Kreta“-Schriftzug ab und kratzte sich an seiner faltigen, tief-braunen Stirn. Wie oft hatte seine Frau ihn gebeten doch dieses zerfetzte alte Ding nicht mehr aufzusetzen. Sie vergaß dabei jedes Mal, dass er Kreter war, und das zeigte er gerne und voller Stolz, sei es auch nur mit so einer alten Kappe. In seinem dicken, grau-blauen Wollpullover und dem von den vielen Jahren auf See sonnengegerbtem Gesicht stellte er das typische Bild eines griechischen Fischers dar. Hier oben in der Bucht von Tristomo war er sicher der einzige, der seit Tagen, wahrscheinlich gar seit Wochen seine Fangnetze und Körbe ausgelegt hatte. Mit seinem zweiten, viel größerem Boot wäre er wohl wie die anderen und somit wie jeden Tag weit raus gefahren. Aber nicht heute!
Heute Morgen ganz früh, noch vor allen anderen und nur Gott weiß warum, war er hier hinauf nach Tristomo gefahren.
Die Fjordartige Bucht war in der Antike einer der wichtigsten Häfen von Karpathos und stark besiedelt.
Heute wohnte hier niemand mehr und nur die verlassenen Häuser und kleinen Kapellen zeugten von menschlichem Einfluss in dieser wohl einsamsten Gegend der Insel.
Es rankten sich immer wieder schaurige Geschichten um diesen Ort, und da der Aberglaube zumindest unter der Landbevölkerung noch sehr verbreitet war, mieden die meisten Einwohner die Gegend. Lediglich zu bestimmten kirchlichen Festen wagte man sich hier raus. Touristen traf man hier auch nur selten an.
Wenn, dann nur in den Sommermonaten den ein - oder anderen Wanderer. Bis vor wenigen Jahren hatte ein Schäfer mit seiner Frau eines der alten Häuser bewohnt, doch als die Frau starb zog auch er weg. Nein, kein wirklich einladender Ort. Und doch faszinierend schön, selbst in den heißen Sommermonaten. Die kahlen Felsen, welche die Bucht umschlossen, bildeten dann ein sanftes Farbenspiel aus beigen, hellbraunen und erdig-grauen Tönen, nur hier und da von einigen niederen Pflanzen bewachsen. Einige der Sträucher schafften es im Sommer sogar der Tag für Tag gnadenlos brennenden Sonne zu trotzen und einige grüne Blätter zu behalten. Jetzt im Frühling allerdings waren weite Teile der Felsen mit einem satten Grün übersäht, durchbrochen von bunten Blüten. Aus der Luft betrachtet boten die zerklüfteten Felsen einen harmonischen Kontrast zu dem von türkis-grün nach dunkelblau schimmernden Wasser, welches die Bucht und die am Eingang gelegenen zwei Felseninseln umspülte.
Aber für diese so ursprüngliche und reine Naturschönheit hatte Ioannis jetzt kein Auge. Er musste vorsichtig sein Boot durch eine der drei Durchfahrten manövrieren, welche durch die Felseninseln gebildet wurden.
Draußen auf dem Meer hatte es drei Tage und Nächte hindurch gestürmt. Erst letzte Nacht war es ruhiger geworden und die Fischer waren froh, endlich wieder mit ihren Booten rauszukommen. Jetzt im April wurde das Wetter zwar schon langsam beständiger, aber trotzdem war es nicht weniger gefährlich. Das Meer um Karpathos und seine beiden Nachbarinseln Kassos und Saria erreicht Tiefen bis fast 2500 Meter und weist gefährliche Strömungen auf, nur erfahrene Seeleute wagten es hier bei der oft unruhigen See zu fischen.
Ioannis war begeistert von der überdurchschnittlich großen Menge Meeresbewohner, die er hochgeholt hatte. Es war noch früh, nicht einmal Mittag, und eigentlich könnte er ja kurz an Land gehen. Ja genau, er würde in die kleine Kapelle gehen und Gott für diesen Fang danken. Christos, sein Sohn, sowie dessen Schwager Georgios würden sich sicher freuen wenn er zurück kam und ihnen den Fang zeigte. Die beiden besaßen zwei gut gehende, beliebte Tavernen in Arkassa und Finiki, und schon jetzt im April zum Saisonbeginn waren viele Stammgäste da, die ihre frischen, schmackhaften Fischgerichte zu schätzen wussten.
Ioannis versorgte seine Familie mit dem Fischfang solange er zurückdenken konnte, so wie sein Vater und dessen Vater davor. In den letzten Jahren war das wieder einfacher geworden. Die Gewässer hier in der südlichen Ägäis hatten sich vom jahrelangen Dynamitfischen erholt und galten sogar wieder als Fischreich. Nur wenige Male in all den Jahren konnte er nicht hinausfahren. An diesen Tagen saß er wie ein Fisch auf dem Trockenen. Vor ein paar Jahren war sein Boot defekt gewesen und er hatte auf Getriebeteile aus Kreta warten müssen. Es wurden vier langweilige Tage für ihn. Er war es nicht gewohnt, so lange untätig rumzu-sitzen. Auf See, ja auf See da hatte er immer zu tun. Und als er das einzige Mal krank gewesen war, betete er vor Glück, als er wieder rausfahren durfte, denn krank sein bedeutete keinen Verdienst zu haben. Und so verlief halt jeder Tag gleich für Ioannis. Nur der jetzige nicht. Er war nicht rausgefahren. Er hatte keinen seiner beiden Gehilfen mitgenommen. Nein, diesmal war er alleine mit dem Boot hier rauf in den Norden der Insel gefahren.
Er wollte gerade sein Boot vertäuen, als er aus dem Augenwinkel heraus oberhalb der von den brachliegenden Jahren gezeichneten Anlegestelle eine Bewegung wahrnahm. Eine Bergziege? Nein, dafür war es zu schnell und zu groß. Er blickte hoch auf die An-höhe über dem kleinen Naturhafen, aber da war nichts. Da hatten ihm die Sinne wohl einen Streich gespielt.
Wer sollte um diese Jahreszeit auch schon hier sein?
Niemand!
Also war da auch nichts!
Der Dieselmotor des Bootes machte immer noch einen Höllenlärm. Ioannis stellte ihn ab und ging von Bord.
Gerade als er sich zu dem Seil bücken wollte welches das Boot hielt, bemerkte er oben am alten Schäferhaus wieder eine Bewegung, einen Schatten.
„Hallo!“ Das Rufen brachte natürlich nichts, denn der Wind pfiff recht kräftig und bis zum Haus hätte man ihn nie rufen hören.
Trotzdem, jemand lief da oben rum. Ioannis packte die Neugier. Seine seit mehr als 40 Jahren ablaufende tägliche Routine trieb ihn zusätzlich an. Nie hatte er was spannendes, etwas außergewöhnliches erlebt. Er, der bei allen beliebt war und den man auf der ganzen Insel kannte, hatte nur seine Arbeit über die er berichten konnte. Heute nach der Rückkehr würde er am Dorfplatz sitzen und von seinem Abenteuer in Tristomo erzählen. Und diesmal ging es nicht um die Fischerei! Nein. Diesmal ging es um einen Kerl, der in dieser einsamen Gegend herumschlich und anscheinend nicht gesehen werden wollte und er würde zum Teufel noch mal herausfinden wer das war!
Er ging den schmalen Pfad die Anhöhe hoch zum alten Schäferhaus.
„Hallo?“, rief er, nun nur noch wenige Meter vom Haus entfernt. „Wer ist da?“ – Keine Antwort.
Ein Windstoß setzte eine der Schlagläden in Bewegung, laut schlug sie gegen die Hauswand. Zum ersten Mal wurde es Ioannis etwas mulmig. Seine Hand griff zum Messer, das er an seinem Gürtel trug. Der frische Wind fuhr ihm unangenehm durch die Kleidung. Eigentlich bemerkte er so etwas sonst gar nicht.
Er ging weiter auf das Haus zu. Das recht große Bruchsteingebäude passte nicht so richtig in diese Gegend.
Klobig und beinahe wie eine Festung wirkte es, anders als die kleineren Häuser drum herum, deren restliche weiße Farbe von den gekalkten Wänden abblätterte.
Ioannis hatte das Haus erreicht. Die Eingangstür stand einen Spalt breit auf. Er schob die Tür mit der rechten Hand kräftig an so dass sie weit aufflog und die Sicht ins Innere des Hauses freigab. Er trat drei Schritte hinein. Sein Blick wanderte durch den Raum. Nur durch die Tür hinter ihm fiel Licht in den Raum ein. Gerade genug um zu erkennen, dass der Raum fast leer war. Lediglich ein alter dunkler Schrank und ein morscher Tisch standen auf dem staubigen Holzboden. Nichts. Da war nichts. Sein Blick wanderte zur Tür, die wohl in den hinteren Teil des Hauses führte. Ein scharfer Windzug heulte durch jede Ritze.
Ioannis bemerkte es spät.
Zu spät, um noch reagieren zu können.
Er hörte noch ein kurzes Knarren der Bodendielen hinter sich. Der Schlag traf ihn hart!
Er stürzte auf die Knie, fiel nach vorne und stützte sich mit seinen Händen am staubigen Fußboden ab. Er versuchte seinen Kopf aufzurichten, aber es ging nicht. Das konnte doch nicht sein. Nicht jetzt. Nicht hier. Etwas Warmes lief über seinen Nacken das Kinn entlang und tropfte auf den Boden.
Blut. Wie versteinert und völlig hilflos hockte er da auf allen Vieren, wie ein kleines Kind. Er, der stets so voller Stolz war.
Der zweite Schlag folgte im selben Moment als er den Schatten, der sich über ihn beugte, auf dem Boden sah.
Dann wurde es dunkel um ihn. |
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Frank K. |
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 | | Verfasst am: 10.06.2009, 09:45 |
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hallo frank k.
ich glaube, NACH der veröffentlichung ist es ein bisschen zu spät zum Fehlerlesen, es sei denn, du hast vor, es in einer zweiten auflage herauszubringen. habe bei meinem ersten buch auch den fehler gemacht und es alleine durchgezogen und mich nachher über fehler geärgert. deshalb habe ich mir jetzt einen lektor gesucht. dann bist du echt auf der besseren seite.
lg
ruth |
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Ruth |
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 | Re: Vermisst... | Verfasst am: 10.06.2009, 12:35 |
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Hallo Frank,
wie Du ja ausgeführt hast, geht es ja nicht um Rechtschreibfehler.
| Zitat: |
| Ioannis zog genüsslich an seiner Zigarette. Das hatte sich gelohnt! Die weite Fahrt hier rauf taten sich nur wenige Fischer an. |
Es hat sich also gelohnt, an der Zigarette zu ziehen. Sorry, etwas überspitzt zusammengefasst, aber so kommen für mich die Einleitungssätze rüber. Ich denke, Du verstehst, was ich meine. Die beiden Sätze einfach vertauschen.
Rauffahren - ich nehme an, in nördlicher Richtung. Sagt man das in der Seemannssprache? (Der Ausdruck kommt später nochmals.)
| Zitat: |
| Er nahm seine schwarze Baseballkappe mit dem „Kreta“-Schriftzug ab und kratzte sich an seiner faltigen, tief-braunen Stirn. Wie oft hatte seine Frau ihn gebeten doch dieses zerfetzte alte Ding nicht mehr aufzusetzen. Sie vergaß dabei jedes Mal, dass er Kreter war, und das zeigte er gerne und voller Stolz, sei es auch nur mit so einer alten Kappe. |
Das Argument, dass seine Frau nach den vielen Jahren Ehe (der Sohn ist ja bereits erwachsen) vergisst, dass er Kreter ist, finde ich zu schwach. Es hätte meiner Meinung nach ausgereicht, seinen Stolz als Grund anzugeben.
"Tief-brau" könnte weg, das kann man sich bei jahrelanger Tätigkeit an der frischen Luft selbst ausmalen, außerdem kommt ja im Folgesatz das sonnengegerbte Gesicht.
"Alt" bei Ding könnte weg, steht ja später bei der Kappe.
| Zitat: |
| In seinem dicken, grau-blauen Wollpullover |
"Dick" könnte weg, Wollpullover sind das meist.
| Zitat: |
Touristen traf man hier auch nur selten an.
Wenn, dann nur in den Sommermonaten ... |
Da gehört kein Absatz hin, es ist da die direkte Weiterführung des Satzes.
| Zitat: |
| Draußen auf dem Meer hatte es drei Tage und Nächte hindurch gestürmt. |
wohl nicht nur auf dem Meer
| Zitat: |
| Es war noch früh, nicht einmal Mittag, und eigentlich könnte er ja kurz an Land gehen. Ja genau, er würde in die kleine Kapelle gehen und Gott für diesen Fang danken. Christos, sein Sohn, sowie dessen Schwager Georgios würden sich sicher freuen wenn er zurück kam und ihnen den Fang zeigte. |
Das passt nicht hintereinander. Er hat Zeit, Gott zu danken, aber die Jungs freuen sich, wenn er zurückkommt. Ich weiß schon, wie es gemeint ist. Den Teil "wenn er zurückkam" einfach weglassen.
Christos und dessen Schwager, da musste ich erst einmal überlegen. Vielleicht wäre es einfacher für den Leser, wenn Du die Familienverhältnisse vereinfachst. Sein Sohn und der Mann seiner Tochter, o.ä. Oder nur die Namen? Die Erklärung kommt sicher später noch im Text.
| Zitat: |
| Und so verlief halt jeder Tag gleich für Ioannis. Nur der jetzige nicht. Er war nicht rausgefahren. |
"Halt" ist ein typisches Füllwort, sollte unbedingt entfernt werden.
Natürlich ist er rausgefahren, nur an eine andere Stelle.
| Zitat: |
| ... eine Bewegung wahrnahm. Eine Bergziege? Nein, dafür war es zu schnell und zu groß. |
Wer ist "es"? Eine Bewegung zu schnell und zu groß? Eine Bergziege kann doch schneller als ein Mensch sein.
| Zitat: |
Wer sollte um diese Jahreszeit auch schon hier sein?
Niemand!
Also war da auch nichts! |
Den letzten Satz weglassen, den Vorletzten eventuell auch.
Oups, muss zur Arbeit. Noch ganz schnell:
Warum geht er gerade zu diesem Haus??
| Zitat: |
| Ein Windstoß setzte eine der Schlagläden in Bewegung, laut schlug sie gegen die Hauswand. |
Sie?
| Zitat: |
| Der frische Wind fuhr ihm unangenehm durch die Kleidung. Eigentlich bemerkte er so etwas sonst gar nicht. |
Den letzten Satz weglassen.
| Zitat: |
| Nichts. Da war nichts. |
Klar war da was, nur eben kein Mensch.
| Zitat: |
| Blut. Wie versteinert und völlig hilflos hockte er da auf allen Vieren, wie ein kleines Kind. Er, der stets so voller Stolz war. |
An dieser Stelle würde ich den Stolz weglassen. Wenn man gerade eins auf die Rübe bekommen hat, ist der wohl unwichtig. |
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_________________ Liebe Grüße
Christel
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Bärentante |
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 | | Verfasst am: 10.06.2009, 14:32 |
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@Ruth
...stimmt...aber ich bin leider erst nach meiner Veröffentlichung auf diese herrliche Seite gestoßen
Ansonsten Danke an Bärentante, auch wenn ich nicht 100%ig konform mit allen Punkten bin.
lieben Gruß,
Frank |
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Frank K. |
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