 | wgbajohr: Karstadt und Literatur | Verfasst am: 26.06.2009, 11:27 |
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Verehrte Kolleginnen und Kollegen!
Im Zusammenhang mit dem Karstadt-Problem wurde von Ursula Prem kritisiert, dass sich die Angebote der Warenhäuser viel zu sehr angeglichen hätten, sodass es sich für einen potenziellen Käufer nicht mehr lohne, ein anderes Geschäft aufzusuchen.
Vor etwa einem Jahr schrieb Siegfried, seit er sich intensiver mit dem Aufbau von Krimis auseinandergesetzt habe, könne er den weiteren Verlauf eines Krimis schon nach kurzer Zeit vorhersagen.
Was ist beiden Aussagen gemein?
In beiden Fällen zeigt sich, dass die Norm oder das Übliche auch erwartet werden, sodass kein Platz mehr für Überraschungen ist.
Hat jemand einen Verkaufsschlager kreiert, wie zum Beispiel Schlager, Auto, Film, Buch, so finden sich sofort andere, die auf den fahrenden Zug aufspringen möchten.
Picasso hatte das Malen gelernt und hätte sicherlich auch gute konventionelle Bilder gemalt, doch er entschied sich anders. Er hatte vermutlich festgestellt, dass er manches viel intensiver darstellen kann, wenn er sich von der Realität entfernt.
Wer ein Schriftsteller werden will und von den Einnahmen sogar leben möchte, sollte das Handwerkliche beherrschen, aber er sollte sich auch hin und wieder darüber hinwegsetzen können.
Wer unter uns wagt es noch, eigene Wege zu gehen, wenn er auf der Suche nach einem Verlag ist? Müssen wir nicht damit rechnen, dass irgendwann Leser sagen, sie brauchten keine Bücher mehr, denn sie hätten schon eins gelesen?
Richtet sich jemand streng nach den Vorgaben der Verlage, hat er sicherlich eine bessere Chance, dass sein Manuskript von einem der angeschriebenen Verlage angenommen wird, jedenfalls eine bessere als der Mutige oder Leichtsinnige, der alles ignoriert. Also entscheidet sich die Mehrzahl für die Anpassung und denkt im Stillen: Wenn ich erst den Nobelpreis habe, dann kann ich meine Ideen bringen, und die Verlage werden sich darum reißen.
Zugegeben, die Verlage machen es einem Schreiber nicht gerade einfach. Es beginnt schon mit der Zuordnung zu einem Genre. Wer sich nicht daran hält, dass ein Krimi nur Elemente eines Krimis enthält, und ein Liebesroman ein reiner Liebesroman ist, der hat es zunächst einmal schwer, für seine Mischung einen Verlag zu finden.
Das sollte nur ein kleiner Denkanstoß sein.
Viele Grüße
Wolf-Gero |
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wgbajohr |
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 | | Verfasst am: 26.06.2009, 14:55 |
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| Wenn ich das Angebot bei Karstadt (alle Abteilungen) mit demjenigen einer großen Filialbuchhandlung oder einer kleinen in einer Kleinstadt im Hinblick auf Mannigfaltigkeit vergleiche, komme ich zu folgendem Ergebnis: Die Warenwelt bei Karstadt ist immer noch bunter als der Unterhaltungseinheitsbrei in diesen Buchhandlungen. Müsste es in einer vernünftig eingerichteten Welt nicht umgekehrt sein? Daraus lassen sich verschiedene Fragen ableiten, u.a.: Wie geistig ist unser Geistesleben noch? Welchen Bereich geistiger Nachfrage decken Buchhandlungen und Buchmarkt heute noch ab? Allerdings muss ich zugeben, dass mich die nähere Untersuchung solcher Fragen nur noch begrenzt interessiert. Markt und Kreativität, das sind zwei Welten, die sich nur hin und wieder berühren. Die Welt des Warenumsatzes scheint nicht vernünftig eingerichtet. Es mag sein, dass es eines Tages nicht nur keine Warenhäuser, sondern auch keine Buchhandlungen mehr geben wird. Möglich, dass der Austausch von Informationen wie die Weitergabe von Kunst und Literatur künftig vom Geldwesen völlig abgekoppelt wird. Würde das zu bedauern sein? - Arno Abendschön - |
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Arno Abendschön |
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 | | Verfasst am: 26.06.2009, 15:52 |
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Hallo, Arno!
| Arno Abendschön hat Folgendes geschrieben: |
Markt und Kreativität, das sind zwei Welten, die sich nur hin und wieder berühren.
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Ich fürchte, ich fürchte, ich muss dir in diesem Punkt zustimmen.
Die Damen und Herren Autoren, Schriftsteller und Dichter unter uns müssen sich meiner Ansicht nach fragen, inwieweit sie diese Entwicklung unterstützen, indem sie Gleichmacherei fördern.
Viele Grüße
Wolf-Gero |
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wgbajohr |
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