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Wie Jungfer Agnes verführt wurde

BeitragVerfasst am: 09.09.2011, 09:04
Wie Jungfer Agnes verführt wurde
Es begab sich, dass Jungfer Agnes eines Sommersonntags das elterliche Haus verließ. Sie war jung und schön, das Haus nicht, die Eltern auch nicht mehr. Agnes war gewillt, einer grünen Wiese Blumen zu entnehmen und diese zu einem Strauß zu binden. Diesem heiteren Tun sahen sieben Kühe muhend zu. Auch ein junger Mann, der zwischen ihnen stand: der Cowboy.
Seine Aufmerksamkeit galt nun Agnes, die die gepflückten Blumen zu einem bunten Strauß vereinte. Frohen Sinnes sang sie ein Lied dabei. Das vernahm eine über ihr flatternde Lerche. Da Lerchen nur den eigenen Gesang mögen, war Agnes’ Liedchen für sie ein irdischer Missklang.
Nicht so empfand der Cowboy. Er näherte sich der lieblichen Maid und ihrem singenden Munde. Mit einem zarten Kuss brachte er das Liedchen zum Verstummen.
Agnes rang nach Luft. Noch nie hatten die Lippen eines Cowboys die ihren berührt. Immer nur die mütter- oder väterlichen.
„Was hast du getan?“ fragte Agnes. Ihr Gesicht nahm die Farbe des Klatschmohns in ihrem Strauße an.
Der Cowboy glaubte, es sei die Farbe der Liebe. Doch nein, es war jungfräuliche Entrüstung.
„Wie kannst du es wagen?“ wollte Agnes wissen, worauf er zu antworten wusste: „Du sangest so schön.“
Das vernahm die Lerche, die in geringer Höhe über dem Haupte der Beiden flatterte. Entrüstet verließ sie den Luftraum über der Wiese und flog dem nahen Dorfe zu. In diesem ließ sie sich auf einem Taubenhaus nieder, wissend, dass dessen Bewohner von lockerem Schnabel sind. Kaum hatten die Schwatzhaften die Kunde vernommen, wurde diese von Dach zu Dach getragen. Noch ehe die Sonne im Zenit stand, war jeder dorfansässige Vogel informiert.
Katze Mimi, die einer Spätzin den Nachwuchs nehmen wollte, wurde gebeten, das nicht zu tun. Weil Mimi an ihrem Vorhaben festhielt, griff die Spätzin zum letzten Mittel mütterlicher Liebe. Sie werde Mimi eine hochinteressante Neuigkeit mitteilen, wenn diese den Spätzlein das Leben lasse. Alsbald wussten sämtliche Katzen von dem Unglaublichen. Mimi drängte es, die überaus wichtige Information auch an die Hunde weiterzugeben. Da die Kläffer tagsüber an der Kette lagen, fiel ihr das leicht. Lediglich das Schoßhündchen Bello eilte ihr bellend und zähnchenfletschend nach. Es war zu verhätschelt, um den brisanten Inhalt der Mitteilung zu begreifen. Aber dessen Frauchen hatte ihn erfasst, unvollständig jedoch. Mechthild Wagner, betagt und schwerhörig, gab das verstümmelte Wissen an die Nachbarin weiter. Die behielt es nicht für sich, und so gelangte es noch verzerrter dahin, wo es hingelangen sollte.
Agnes’ Eltern waren seit Stunden schon in Sorge um den Verbleib der Tochter. Die hatte das Haus am frühen Morgen in edler Absicht verlassen. Nun, da sich der Tag in den Nachmittag senkte, war sie noch nicht zurückgekehrt. Die elterliche Kümmernis wuchs. Als der Herr Papa die Absicht aussprach, nach ihr zu suchen, drang die in aller Munde befindliche Kunde an sein Ohr.
Hereingebracht hatte sie die geistig beschränkte Adelheid, die für ihre aufdringliche Mitteilungsbereitschaft bekannt war. Ihr empfangenes Wissen umfasste folgenden Wortlaut:
‚Agnes ist von einem Cowboy entführt worden. Die Entführung erfolgte auf dem Rücken einer Kuh. Begonnen habe das Vertrackte mit einem Kuss beim Blumenpflücken.’
Wie entsetzten sich Agnes’ Eltern, als sie durch Adelheid erfuhren, dass ihr Töchterchen von einem Cowboy verführt worden sei. Die Verführung sei aus freien Stücken auf einer Kuh erfolgt. Begonnen habe das nackt mit einem Schuss beim stummen F… -
Als Agnes’ Mutter aus der Ohnmacht erwacht war, schauten sie die bekümmerten Augen ihrer Tochter an.
„Was ist dir, lieb’ Mütterlein?“ fragte das brave Mädchen und reichte der Mutter zwecks seelischer Stärkung den Blumenstrauß.
Die Mutter schloss erneut die Augen. Sie verstand nicht, dass Agnes so unschuldig dreinblickte.
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  Detlef Schumacher 
 
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BeitragVerfasst am: 09.09.2011, 10:00
Diese stille Post bringt mich zum Schmunzeln. Wink

Nur wie die Information vom Hündchen zu Frauchen kommt, da fehlt mir irgendwie die Phantasie. Crying or Very sad

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  Grit 
 
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BeitragVerfasst am: 09.09.2011, 10:20
Danke für dein Schmunzeln, liebe Grit.
Eine betagte Frau versteht die Sprache ihres Hündchens - kraft meiner Phantasie auch trotz Schwerhörigkeit.
LG,
Detlef
 
  Detlef Schumacher 
 
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BeitragVerfasst am: 09.09.2011, 10:54
Eine amüsante Geschichte und ein hintergründiges Spiel mit Worten.
Mich stört da lediglich das Wort " Cowboy".
Kuhhirte wäre vermutlich besser gewesen.

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BeitragVerfasst am: 09.09.2011, 11:00
Max, da gebe ich Dir recht. thumb up

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  Grit 
 
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BeitragVerfasst am: 09.09.2011, 12:02
Ursprünglich hatte ich an Stelle "Cowboy" Kuhjunge (nicht "Kuhhirte") notiert. Da die neuere deutsche Sprache reich an Anglizismen ist, wollte ich ein urdeutsches Wort somit verständlicher machen.
 
  Detlef Schumacher 
 
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