 | Zwei hübsche junge Damen | Verfasst am: 03.10.2011, 12:32 |
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Zwei hübsche junge Damen
Wieder einmal befand ich mich in geistigem Leerlauf. Seit Tagen suchte ich verzweifelt nach einem nützlichen Sujet für eine unterhaltsame Erzählung. Die Weidefläche meiner Phantasie hatte ich abgegrast. Sie musste erst wieder nachwachsen. Der Redakteur der Monatsschrift „Leseratte“ drängte mich, schnellstens einen weiteren Lektürebeitrag zu liefern. Die beste Fundgrube für realitätsnahe Erzählungen sei das tätige Leben. Ich solle gehen und sehen. Ich tat danach.
Zwei hübsche junge Damen fesselten meinen Blick. Sie saßen im Schatten eines großen Kaufhauses auf einer Bank. Ihr luftiges Kleidchen war dem warmen Sommertag angepasst. Manche der dahineilenden Passanten sahen zu ihnen. Allerdings nur flüchtig. Ich wollte es konstant tun. Deshalb scherte ich aus dem Menschenstrom auf dem Einkaufsboulevard aus. Im Schatten des Kaufhauses befand sich eine weitere Bank, die ebenfalls besetzt war. Auf ihr saßen drei greise Männer, unbeeindruckt von der verführerischen Nachbarschaft.
Als erste Erkenntnis des tätigen Lebens resümierte ich, dass nicht nur ein Kaufhaus eine Schattenseite hat. Bei solcher Logik konnte ich es aber nicht bewenden lassen, denn eine Erzählung verlangt mehr als einen lapidaren Geistesblitz.
Da ich jünger als die drei Senioren war, drängte es mich, sie von ihrem Platz zu drängen. Mit lauterer Methode versteht sich. Antrieb erhielt mein Ansinnen durch die Aufmerksamkeit beider Grazien. Sie schauten interessiert, ob es mir gelingen würde, die Alten zum Verlassen ihres Platzes zu bewegen. Denn nichts anderes konnte ich im Sinn haben, da ich sie ständig umschritt. Runde um Runde spähte ich nach einer Lücke, in die ich mich zwängen könnte. Sollte mir das gelingen, würde sich das Weitere ergeben. Ich würde den Überfall auf die Städtische Rentenbank kundtun, um mich zum Besitzer dieser Bank zu machen. Beide Dämchen würde die Neugier zu mir treiben, wie mir die Vertreibung gelungen war. Sollte mir die Seniorenbeseitigung so nicht gelingen, würde ich mich eines kräftigen Darmwindes bedienen. Eines leisen, aber ruchbaren. Sogleich ließ ich diese Möglichkeit aber fahren, da der Geruchssinn älterer Menschen ebenso beeinträchtigt ist wie deren andere Sinne.
Nachdem ich die Senilenbank schon mehrere Male umrundet hatte, ohne dass sich einer ihrer Besatzer veranlasst fühlte, mir seinen Platz anzubieten, riefen mir die Schönen zu, bei ihnen zu platzen.
Mein Herz begann so rasch zu schlagen, dass meine Gefühlssprünge Mühe hatten, diesem Tempo zu folgen. Mit triumphaler Gebärde kehrte ich mich von den Alten ab, zeigte ihnen zuvor aber noch den erhobenen rechten Daumen. Das bewog einen, mir mit zitternder Hand den linken Stinkefinger zu zeigen. Diesem unschönen Beispiel folgten die beiden anderen.
Für mich ergab sich als nächste Realitätserkenntnis, dass eine bestimmte Daumenstellung auf eine bestimmte Gefühlslage eines Menschen schließen lässt.
Die Weibchen empfingen mich freundlich. Würde sie die Empfängnis ebenso freudvoll stimmen, überlegte ich und ließ mich zwischen ihnen nieder. Der Duft ihres wohlriechenden Parfüms beeinträchtigte die Vernunft meines Denkens, das sofort von lasterhafter Lust erfasst wurde. Ich schämte mich, weil ich glaubte, das Abgleiten in die Abgründe männlicher Begierde würde schnell erkannt sein. Das schüchterte mich ein. Die Reizenden fanden das reizend, weil sie ahnten, was mich schamhaft machte.
Noch war kein Wort gewechselt, und so machten sie auf Tuchfühlung, um mich zu stimulieren. Wohltuend spürte ich die wohlgeformten Konturen ihres Oberkörpers. Meine Sinne gerieten in Zwiespalt. Zu gern hätte ich mich jeder einzeln zugewandt, doch ließ ihr gemeinsames Körperspiel das nicht zu. So ließ ich es mit mir geschehen. Genährt wurde mein Erdulden durch die freie Sicht in den Ausschnitt jedes Kleides. Mein Blick pendelte zwischen beiden Busen und machte mir die Entscheidung schwer, welcher der schönere sei. Meine Unruhe kam zur Ruhe, als Beide geruhten, ihr verlockendes Körperspiel einzustellen. Es folgte die Frage der einen, ob ich mehr wolle als nur Gucken. Weil ich nicht zu antworten wusste, fragte die andere, ob ich schon einmal Sex gehabt hätte. Ich verneinte, ließ aber wissen, dass mir ein Sechser im Lotto sehr lieb sei.
Beide lachten ein herzliches Lachen. Ich fiel in dieses ein.
Die senilen Alten auf der Nachbarbank teilten unseren Frohsinn nicht. Weshalb auch? Sie wussten ja nicht, weshalb wir lachten.
Die beiden Schönen fragten wie aus einem Munde, ob ich schon einmal Lotto gespielt hätte. Ich antwortete, dass ich das regelmäßig tue. Erfolglos bislang, obwohl stets mit hohem Ein-satz gewagt.
Nachdem ich weitere sehr persönliche und zum Teil finanziell gehaltene Fragen beantwortet hatte, meinten die Berückenden, wir sollten zu mir nach Hause gehen, um gemeinsam einen Tippschein auszufüllen. Ein Sechser sei mir nach gründlichem Sex gewiss.
Ich freute mich. Fortunas Gehilfinnen würden mir gewiss Glück bringen.
Als wir in dieser Absicht die Bank verließen, zeigten mir die drei Alten mit zittrigem Zeigefinger den Vogel. Ich konterte und zeigte stabil die Zunge.
Dritte Realitätserkenntnis: Alte Menschen können das Glück junger Menschen nicht teilen. Vergnügt schritt ich mit den Bezaubernden, eine links und eine rechts am Arm, davon.
Innerlich dankte ich dem Redakteur der "Leseratte" für seinen guten Rat. Ich schalt mich einen Narren, das nicht selbst erkannt zu haben. Die Monatsschrift „Leseratte“ würde bald eine vergnügliche Erzählung veröffentlichen können. Den zu erwartenden Sechser im Lotto würde ich natürlich verschweigen. Es gibt zu viele Neider.
Als ich am nächsten Tag völlig ausgelaugt erwachte, schwor ich, nie wieder Sex haben zu wollen. Auch die Geldreserven in meiner Brieftasche waren ausgelaugt. Den Redakteur der „Leseratte“ würde ich um Vorschuss bitten müssen, mit dem Versprechen, recht bald wieder einen Beitrag aus dem Reich der Phantasie zu liefern.
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Zuletzt bearbeitet von Detlef Schumacher am 03.10.2011, 18:32, insgesamt einmal bearbeitet |
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Detlef Schumacher |
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 | | Verfasst am: 03.10.2011, 15:25 |
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Warum hast du nicht einfach auf den letzten Abschnitt verzichtet ???
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Max |
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 | | Verfasst am: 03.10.2011, 17:52 |
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Auf den letzten Abschnitt habe ich deshalb nicht verzichtet, weil er den Übergang zu einer Folgeerzählung schafft.
Außerdem: Der Leser wäre in die Vorstellung versetzt, ich hätte mich mit beiden Hübschen (Hübschlerinnen) köstlich amüsiert. Die beabsichtigte Schlusspointe hätte ihr Ziel verfehlt.
Danke für Deine Überlegung, Max.
Mit besten Grüßen,
Detlef |
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Detlef Schumacher |
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