Buchcover-Design: Die 3 wichtigsten Merkmale

Buchcover-Design: Die 3 wichtigsten Merkmale

Wie sticht mein Buch aus der Masse hervor? Mit einem optisch ansprechenden Buchcover ist ein erster großer Schritt getan. BoD-Buchcover-Design-Experte Max Hänecke stellt seine persönliche Herangehensweise bei der Covergestaltung vor.

Wie gestalte ich als Autor ein Aufsehen erregendes und werbewirksames Buchcover, das zum Lesen verführt? BoD-Designexperte Max Hänecke kennt die Antworten und gibt in seinen Vorträgen und Webinaren wertvolle Empfehlungen rund um die handwerkliche, ästhetische und inhaltliche Gestaltung von Buchcovern.

Für diejenigen, die an seinen Vorträgen oder den bisherigen BoD-Webinaren zum Thema Buchdesign nicht teilnehmen konnten, haben wir die wichtigsten Erkenntnisse in einer Bildpräsentation anhand konkreter Beispiele zusammengefasst. Mit dieser „Anleitung“ möchten wir Ihnen ein Gefühl und einen Ansatz dafür liefern, wie Sie die Gestaltung Ihres Buchcovers angehen können.

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Max Hänecke hält auf der Leipziger Buchmesse einen Vortrag zum Thema Buchdesign.

Schritt für Schritt zu Ihrem professionellen Buchcover

1. Die drei Merkmale beim Buchcover-Design

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Es gibt drei Merkmale, die beim Buchcover-Design eine wesentliche Rolle spielen. Häufig liegt bei der Gestaltung Buchcovers der Schwerpunkt auf einem dieser Merkmale, jedoch empfiehlt sich ein Zusammenspiel aus allen drei.

Inhalt: Die Geschichte oder ein Teil der Handlung wird in dem Buchcovermotiv aufgegriffen.

Ästhetik: Die Aufmerksamkeit des Betrachters wird mithilfe eines kosmetischen Reizes, z.B. durch den Einsatz einer auffälligen Schrift oder Farbe geweckt.

Handwerk: Die fachliche Qualität und Umsetzung der Gestaltung ist eine wichtige Basis für ein professionelles Ergebnis und sorgt für Vertrauen beim Betrachter.

Die folgenden drei Beispiele zeigen, wie Inhalt, Ästhetik und Handwerk sich bei der Gestaltung vereinen und welche Bedeutung sie für die Wahrnehmung und Entscheidung des Betrachters haben.

2. Beispiel zum Merkmal Inhalt

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Bei diesem Buchcover liegt der Schwerpunkt auf dem ersten Merkmal, dem Inhalt. Ohne dass der Betrachter den Inhalt des Buches kennt und unabhängig vom Titel des Buches, entstehen in dessen Kopf unmittelbar Bilder und er fragt sich vermutlich: Wohin laufen die Menschen? Wovor flüchten sie?

Die Illustration stellt offensichtlich eine Fluchtsituation dar. Doch wodurch wird dies deutlich? Die Menschen laufen „aus dem Bild heraus“. Im Hintergrund liegt eine brennende Stadt. Visuell unterstützt wird die Gefahrensituation durch die Kombination der Signalfarbe Orange mit Schwarz und Weiß.

3. Beispiel zum Merkmal Ästhetik

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Hier liegt der Schwerpunkt auf dem ästhetischen Merkmal. Auf dem Buchcover befindet sich nicht wie beim vorigen Beispiel eine Illustration oder ein Motiv, welches etwas über den Inhalt des Buches verrät. Minimalismus und Kontraste sind in diesem Fall die stilistischen Mittel. Es wurden keine Farben verwendet. Stattdessen gibt es einen schlichten, weißen Hintergrund. Die schwarze Typografie steht dazu optisch im deutlichen Gegensatz.

Um der Bedeutung und den im Buchtitel enthaltenen inhaltlichen Gegensätzen (sinngemäß: Wir=gut, Gier=böse)  mehr Gewicht zu verleihen, wird mit unterschiedlichen Schriftgrößen gearbeitet. Das Wort Gier scheint gar unter dem Wir zu „zerbrechen“.

4. Beispiel zum Merkmal Buchcover-Design Handwerk

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Bei diesem Beispiel wird das handwerkliche Merkmal und Können des Gestalters besonders deutlich. Offensichtlich handelt es sich bei dem Bild um eine Fotomontage, die sich aus mehreren Bildern zusammensetzt. Eine solche zu erstellen setzt fortgeschrittenes handwerkliches Können des Gestalters voraus.

Das Motiv auf dem Buchcover verleitet den Betrachter dazu, Vermutungen zum Inhalt des Buches anzustellen. Das Motiv steht im deutlichen Zusammenhang zum Titel des Buches: „Der Tod und der Träumer“. Im Vordergrund sieht man einen Mann von hinten, auf einer höher gelegenen Plattform stehend und auf eine Skyline blickend. Möchte er womöglich in den Tod springen? Der angedeutete Schatten verbreitet etwas Bedrohliches (Tod), dazu im Kontrast steht der helle Himmel, der positive Assoziationen (Träumer) weckt.

Natürlich interpretiert jeder Betrachter das Motiv auf dem Buchcover individuell und auf seine Weise. Aber das genau ist das Spannende und das Ziel des Autors. Das Buchcover soll auffallen und zum Nachdenken anregen.

5. Ihr Buchcover als Leinwand

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Sie möchten mit der Gestaltung Ihres Buchcovers beginnen und haben sich für ein bestimmtes Buchformat entschieden. Zunächst einmal völlig unabhängig vom Gestaltungsprogramm. Was benötigen Sie?

Betrachten wir das weiße Buchcover als Leinwand und fangen damit an, unsere Elemente wie Werkzeuge zurechtzulegen.

6. Ihre Buchcover-Elemente

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Wir möchten das Buchcover für einen Abenteuerroman gestalten. Wir haben ein Foto, das wir verwenden möchten. Hierbei handelt es sich um eine Landschaftsaufnahme mit einer ansprechenden Farbwelt (Ästhetik). Das Motiv hat durch den weiten, blauen Himmel und das Meer etwas Mystisches. Es weckt Assoziationen. Es soll für das Setting der Geschichte stehen (Inhalt).

Wir legen uns weitere Elemente zurecht, mit denen wir die Leinwand befüllen möchten. Folgende Informationen sollen später auf dem Buchcover zu sehen sein:

  • Vorname
  • Nachname
  • Titel
  • Ein Roman (Untertitel/Genre)

7. Der Einsatz des Buchcover-Motivs

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Wir setzen das Foto großzügig als Hintergrund ein. Das Motiv eignet sich ideal für ein Buchcover, denn es gibt schon eine gewisse Aufteilung vor. Es gibt den Himmel, das Meer und die Berge. Der Horizont bewirkt eine optische Teilung des Buchcovers. Der Himmel ist weit und zurückhaltend, im unteren Bereich wird das Bild lebendiger, die Farben kräftiger.

8. Wo findet der Buchtitel Platz?

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Das Buch soll „The Quest“ (englisch: das Abenteuer) heißen. Der Buchstabe Q bietet sich aufgrund seiner exotischen Beschaffenheit dafür an, hervorgehoben zu werden.  Wir setzen den Buchstaben prominent ein, auf einer Höhe, in der er sich harmonisch in den Hintergrund einfügt. Das in dem Q enthaltene O könnte für eine Wolke stehen. Der Schweif, der aus dem O ein Q macht, erinnert an eine Welle. Der Buchstabe dient also nicht nur als Teil des Buchtitels, sondern auch als ästhetisches Element, das mit dem inhaltlichen Merkmal korrespondiert.

9. Der Titel und Autorenname „suchen“ sich ihren Platz

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Der sehr groß eingesetzte Buchstabe Q gibt uns in diesem Fall fast von alleine vor, wo wir die übrigen im Buchtitel enthaltenen Buchstaben platzieren. Auf dem Schweif des Qs bietet sich der ideale Platz dafür.

Die Reihenfolge, in der die Buchstaben eingesetzt werden, widerspricht der eigentlichen Leserichtung. Korrekt wäre, wenn das „The“ vor dem Q stehen würde. Aber in diesem Fall spielt das keine Rolle. Wir brechen ganz bewusst eine Konvention, um für Aufmerksamkeit und Spannung zu sorgen.

Die oberhalb des Buchtitels liegende freie Fläche bietet sich an, um dort den Autorennamen einzusetzen. Um diesen optisch vom Buchtitel abzusetzen, verwenden wir eine andere Schriftart sowie eine dezente Farbe als zusätzlichen Kontrast. Mit der Platzierung des Autorennamen im oberen Bereich des Fotos entsteht ein optischer Abschluss des Himmels. Wenn wir noch einen Schritt weitergehen, könnte der Betrachter in dem Namenselement sogar einen Vogelschwarm sehen… Alles eine Frage der Fantasie.

Bei der Schriftart des Namen „Quest“ handelt es sich übrigens um Trajan Pro, eine Art Keilschrift, die nur aus Großbuchstaben besteht.

10. Der Untertitel/das Genre

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Häufig kann man bei belletristischen Titeln bereits dem Buchcover das Genre des Buches entnehmen.

Auch wir möchten das Wort Roman auf dem Buchcover platzieren. Es handelt sich im Vergleich zum Buchtitel um eine zweitrangige Information, der daher optisch eine geringere Gewichtung zukommen soll. Die dunkle, freie Fläche im unteren Bereich des Fotos ist dafür prädestiniert. Damit das einzelne Wort sich nicht auf dem dunklen Hintergrund verliert, ziehen wir eine Linie von jeder Seite des Wortes bis hin zum Rand. Während der Autorenname das Buchcover optisch „eröffnet“, dient dieses Element als Abschluss.

Bei der Schriftart für die Elemente Name, Genre und „The“ handelt es sich um Avenir.

11. Das fertige Buchcover – mögliche Gestaltungssoftwares

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Um ein Buchcover zu gestalten, können verschiedene Softwares verwendet werden, häufig sogar im Zusammenspiel miteinander. Natürlich verfügt nicht jeder über professionelle Designprogramme. Buchcover lassen sich auch mit Office-Programmen wie z.B. PowerPoint oder mithilfe von Tools wie BoD easyCover gestalten.
In Falle dieses Beispiel-Buchcovers haben wir das Foto mit Adobe Photoshop bearbeitet und das Cover mit Adobe InDesign gestaltet. Letzteres bietet ideale Möglichkeiten, um die Vorder-, Rücken- und Rückseite eines Buches zu bemessen und unter Einsatz von Bildern und verschiedener Schriftarten professionell zu gestalten.

  1. Peter Hakenjos am 16.06.2015, 13:28 :

    Gute Artikel … aber: Supe-Bildbearbeitungsprogramm – das kostet ja nicht viel und mit ein paar verkauften Romanen hat man als Selfpublisher das Geld für Adobe Photoshop wieder eingespielt … oder etwa nicht?

    • Peter Hakenjos am 16.06.2015, 13:32 :

      Oups … beim BoD-Forum fehlt offensichtlich der Link für nachträgliches Bearbeiten: “GuteR Artikel … aber SupeR-Bildbearbeitungsprogramm …” Habe ich heute ein Problem mit den R???

  2. Anja Meiners am 16.06.2015, 14:00 :

    Hallo Peter,
    danke für das Feedback!
    Es muss natürlich nicht immer Adobe Photoshop sein. Zur Bildbearbeitung eignen sich auch kostenlose Softwares wie z.B. GIMP.
    Viele Grüße
    Anja von BoD

  3. Gerd Pechstein am 18.06.2015, 11:54 :

    Hallo Anja,
    sehr hilfreich und verständlich.
    Deine Tipps sind sehr wichtig, um kreativ eine gute Lösung zu finden, obwohl ich und andere meist auch keine Spezialisten sind.
    Ich habe aber schon Probleme mit Easycover, da ich keine Beschreibung finde, wie man die vorgegebenen Muster (z. B. Schrifttyp, Farbhintergrund Einteilung auf Rückseite) entsprechend den eigenen Vorstellungen verändern kann. Mein Buch ist ein Reisebericht und auch ich will ein Foto verwenden. Mal schauen, ob BOD mir helfen kann.
    Danke und beste Grüße
    Gerd

  4. Wolfgang Baier am 15.07.2015, 14:24 :

    “…die stillistischen Mittel” richtig: “stilistischen Mittel”;
    3. Beispiel Merkmal Ästhetik; Beschreibung, Zeile 3

    Wie schaffe ich es, eine Abbildung (Foto, Zeichnung, etc.) auf Druckqualität zu bringen (300 psi), um nicht über easycover den Bucheinband gestalten zu müssen?

    • Max Hänecke am 16.07.2015, 11:45 :

      Hallo Wolfgang,

      sofern deine Abbildungen analog, also z. B. als Ausdruck oder Original auf Papier, vorliegen, kannst du sie einscannen. Die meisten Drucker oder Scanner digitalisieren die Vorlage mit einer ausreichenden Qualität, um die empfohlenen 300 dpi zu gewährleisten. Die Auflösung des Scans lässt sich vor dem Scannen auswählen. 300 dpi ist aber ein häufig definierter Standardwert.

      Ich rate allerdings dazu, die eingescannte Vorlage im Nachgang in einer Bildbearbeitungssoftware zu bearbeiten oder bearbeiten zu lassen, um die Qualität zu steigern. Das betrifft vor allem die Farben, den Kontrast und das Entfernen von Staubpartikeln. Letztlich sollte die Vorlage geschärft werden, um im gedruckten Buch optimal zu wirken.

      Ich hoffe, das hilft dir weiter und ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg bei deinem Buchprojekt!

      Schöne Grüße
      Max

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