Mit Selbstmanagement zum Bucherfolg Teil 2/2

Mit Selbstmanagement zum Bucherfolg Teil 2/2

Wie weckt man die Motivation zum Schreiben und hält sie langfristig aufrecht? Experte Jürgen Wulff verrät, wie Autoren 6 typische „Buchprojekt-Fallen“ vermeiden.

Die Idee und der anfängliche Plan für ein Buch stehen. Doch was tut man, wenn der Kopf plötzlich wie leer gefegt ist? Jürgen Wulff, Experte im Selbstmanagement, teilte seine besten Strategien im Gespräch mit BoD. Im ersten Teil unseres Interviews verriet er Experte Tricks und Techniken, die Ihnen als Autor helfen, Ihren inneren Schweinehund zu überwinden und Ihr Buchprojekt aktiv anzugehen.
Lesen Sie nun im zweiten Teil des Interviews, wie Sie die „Angst vorm weißen Blatt“ überwinden, eine langanhaltende Motivation aufbauen und durch Strukturen Ihre Produktivität steigern können, um Ihr Buchprojekt erfolgreich abzuschließen.

Interview & Text: Hanna Meiners

Pierre Kurby

Jürgen Wulff

ist Unternehmensberater, Coach, Blog-, Buch- und Onlinekurs-Autor. Als Selbstmanagement-Experte hat er über 30 Jahren Erfahrung. Mit Leidenschaft und aus Überzeugung unterstützt er seine Klienten beim erfolgreichen Entwickeln und Umsetzen von Strategien.
www.juergenwulff.de

Als Autor von mehreren Sachbüchern und durch persönliche Kontakte zu vielen Autoren, ist Jürgen Wulff sehr gut mit den Herausforderungen vertraut, denen man im Laufe eines Buchprojekts häufig begegnet.
„Autoren haben die besondere Herausforderung, dass sie viel eigene Kopfarbeit leisten und viele Themen, Konzepte und Ideen nicht mit anderen diskutieren können. Als „Einzelkämpfer“ müssen sie in besonderer Weise auf ihren Energiehaushalt achten“, erklärt der Coach.
Wulff habe selbst schon einige Autoren erlebt, die das vernachlässigt hätten und in akuter Burnout-Gefahr waren.
„Selbstmanagement hilft nicht nur beim effektiven Arbeiten, sondern auch dabei, eine gesunde Work-Life-Balance zu finden“, ergänzt er.
Der Hamburger Berater und Coach weiß aus eigener Erfahrung auch, dass ein Buchprojekt immer mehr Arbeit bedeutet, als man anfänglich denken könnte.
Anfängern empfiehlt er daher, Rat von erfahrenen Autoren einzuholen. Um den Arbeitsaufwand realistisch einschätzen zu können, glaubt aber auch fest daran, dass nichts über Ausprobieren geht:

„Probieren geht über Studieren. Sich aufgrund der Erfahrungen anderer von vornherein für oder gegen das Schreiben eines Buches zu entscheiden, halte ich für falsch. Ein Buch zu schreiben ist auf jeden Fall eine sehr bereichernde Erfahrung. Einsteiger sollten einfach einmal ein Kapitel, einen Aufsatz oder eine Kurzgeschichte schreiben und erste Erfahrungen sammeln.“

Jeder Autor kennt Schreibblockaden und die Angst vorm weißen Blatt. Wie begegnet man diesen am besten?

„Albert Camus beschreibt in einem Roman, wie der Nachbar der Hauptfigur seit Jahren am ersten Satz seines Romans bastelt. Er kommt nie weiter. Der Grund? Er will den perfekten ersten Satz schreiben. Perfektionismus aber blockiert und unterbricht oder unterbindet gar den Schreibfluss “, warnt Wulff.
Viele der Autoren, die er persönliche kenne, würden daher erst einmal drauf losschreiben und ihre Ideen zu Papier bringen.

Doch um ein Buchprojekt erfolgreich umsetzen zu können, bedarf es neben einem anfänglichen Plan und dem ersten Motivationsschub auch einer täglichen Routine.
Wulff empfiehlt daher: „Bei Autoren sollte das Schreiben zur täglichen Routine dazugehören. Selbst wenn man jeden Tag nur 30 Minuten konzentriert schreibt, geht es konstant vorwärts.“
Durch seine Gespräche mit verschiedenen Autoren weiß Wulff auch, wie eine solche Routine aussehen kann: „Der auf Gran Canaria lebende Bestseller-Autor Eric Berg („Das Nebelhaus“) hat mir erzählt, dass er jeden Tag eine feste Anzahl von Standardseiten schreibt. Er startet um 9 Uhr und hört dann am Nachmittag auf, wenn er sein Tagesziel erreicht hat. Er arbeitet konzentriert, das Handy ist ausgeschaltet und Mails ruft er nicht ab.“

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Regelmäßig spricht Jürgen Wulff auch mit Autoren und coacht sie bei ihren Buchprojekten.

Wulff erinnert jedoch daran, dass es sich hierbei keineswegs um eine Pauschalanleitung handelt. Jeder Autor, erklärt er, finde sein eigenes System, was für sie oder ihn am besten funktioniert.
Eine Selbstverpflichtung sieht Wulff dabei als ein grundlegendes Erfolgsrezept: „Und diese Selbstverpflichtung sollte schriftlich erfolgen, mit Unterschrift. Die hängen sich Autoren dann gut sichtbar auf, um sich an das eigene Versprechen zu erinnern.“

Doch wie kann man eine langanhaltende Motivation aufbauen und am Ball bleiben?

„Langanhaltende Motivation kommt durch eine positive innere Einstellung und einer tragfähigen Vision, “ weiß der Hamburger Coach.
Das sei so ähnlich wie der Bau eines Hauses: „Man nimmt sich vor, ein Haus zu bauen, weil man es wirklich will. Die Vorstellung, wie schön alles aussehen wird oder wie man mit der Familie am knisternden Kamin sitzt bzw. auf der Terrasse beim Sonntagsfrühstück, trägt Bauherren dann auch durch die arbeitsintensiven und manchmal frustrierenden Zeiten.“
Die richtige Einstellung und eine tragende Vision können Autoren helfen, das eigene Buchprojekt erfolgreich anzugehen.
„Im Englischen spricht man treffend von einem „Mindset“, einer Ausrichtung des Geistes. Sie können sich zum Beispiel vorstellen, wie die Lieferung von BoD kommt und Sie Ihr eigenes Buch in den Händen halten, während Freunde Ihnen gespannt über die Schulter schauen, Ihnen gratulieren und Sie um signierte Exemplare bitten.“
Wulff, der sich selbst humorvoll als realistischen Optimist bezeichnet, verrät während des Interviews noch ein weiteres wichtiges Geheimnis:

Pierre Kurby

Hanna Meiners

ist Deutsch-Finnin mit einem Master-Abschluss in Germanistik von der Universität Helsinki. In der indischen Metropole Bangalore hat sie ihre Wahlheimat gefunden. Sie arbeitet als freiberufliche Texterin. Ihr Ziel ist es, mit ihrem Unternehmen Brücken zwischen verschiedenen Kulturen zu schlagen. Zu ihren großen Leidenschaften gehören neben Indien vor allem Sprachen und Reisen.
www.hannameiners.com

Äußere Ordnung schafft innere Ordnung

„Es ist häufig schön zu beobachten, wie durch einfache Maßnahmen die Produktivität viel höher wird und gleichzeitig die Motivation steigt und viel Freude entsteht“, berichtet Wulff.
Seine Beobachtungen belegen, wie kleine Veränderungen – wie etwa das Aufräumen des Arbeitsplatzes – eine weitreichende Wirkung auf die Produktivität haben können.
„Manchmal gibt es auch witzige Erlebnisse, wie die Kinderbuchautorin, der beim Aufräumen eines Schrankes in ihrem Arbeitszimmer – sie nannte ihn ihren „Giftschrank“ – durch alte Bildbände, Fotos und einen defekten Schirm zur Idee für eine neue Geschichte kam. Das ist schon fast wert, als eigene Kurzgeschichte festgehalten zu werden“, lacht Wulff.
Er selbst empfiehlt, regelmäßig den Arbeitsplatz und einmal jährlich sogar das gesamte Zuhause aufzuräumen und unnötiges Gerümpel zu entsorgen. Denn das Äußere, so hat Wulff erkannt, habe auch eine entscheidende Wirkung auf das Innere.

Doch was kann man tun, wenn der Kopf raucht oder gänzlich leer gefegt scheint?

Auch hierfür hat Wulff einen Ratschlag parat: „Kreativität lässt sich nicht erzwingen, sondern braucht Freiraum, um sich zu entfalten. Sehen Sie dies als Chance, statt sich selbst noch mehr unter Druck zu setzen.“ Stattdessen rät Wulff: „Machen Sie etwas Neues, lesen Sie viele Bücher, gehen Sie auf Reisen. Da kommen die besten Ideen.“

Einen besonderen Tipp möchte mir Jürgen Wulff am Ende unseres Gespräches noch mitgeben: „Ein mir bekannter Coach empfiehlt, einmal in Monat einen ganzen Tag mit sich selbst und nur mit Nachdenken zu verbringen. Eine interessante Idee, wie ich finde.“

Wir bedanken uns für das informative Gespräch!

So vermeiden Sie 6 typische Fallen bei Ihrem Buchprojekt

1

Fehlender Plan

Ein fehlender Plan ist oft der Anfang vom Ende. Planen Sie vom Groben zum Detail. Starten Sie mit Jahresplänen und gehen Sie dann über Monatspläne zu Wochen- und Tagesplänen.

2

Thema ausufern lassen

Umreißen Sie beim Sachbuch den Inhalt genau bzw. beim Roman den inhaltlichen Ablauf, um zu verhindern, dass das Thema „immer größer wird“.

3

Perfektionismus

Übermäßiger Perfektionismus kann zu einer Schreibblockade führen. Schreiben Sie erst einmal los – gestrichen und korrigiert werden kann später.

4

Fehlende Strukturen

Finden Sie heraus, welche Struktur und welche Arbeitsabläufe für Sie funktionieren. Legen Sie feste Arbeitsabläufe und tägliche Routinen fest.

5

Sich verausgaben

Achten Sie bei aller Begeisterung oder Disziplin auf Ihren Energiehaushalt und verhindern Sie, dass Sie ausbrennen. Wie viele Pausen brauchen Sie? Was tun Sie zum Ausgleich? Und wann ist ein Urlaub fällig?

6

Zu viele parallele Projekte

Verzetteln Sie sich nicht mit zu vielen parallelen Buchprojekten. Halten Sie neue Buchideen in Exposés und Notizen fest.


Professionalitätscheck

Gut verkäufliche E-Books und Bücher folgen einem klaren Veröffentlichungskonzept: Inhalt, Gestaltung und Preis sind sorgfältig ausgewählt und auf die Zielgruppe abgestimmt. Nehmen Sie sich vor Ihrer Veröffentlichung Zeit, Fragen rund um die Professionalität und Verkaufsbasis Ihres Titels für sich zu beantworten. Mit dem BoD-Professionalitätscheck gewinnen Sie eine wichtige Grundlage für Ihre Veröffentlichung und tragen langfristig zum Erfolg Ihres Titels bei.

  1. Diantha Stern am 03.03.2016, 16:09 :

    Wirklich hilfreiche Tipps.
    Man muss in der Tat auf sich selber achten, vor allen Dingen wenn man nicht den Luxus hat in Vollzeit schreiben zu können, da man die Zeit bei seinem Brotjob verbringt.

    Das Schreiben, plus die Vollzeitstelle, plus Familie unter einen Hut zu bringen ist ein Balanceakt an sich. In die beschriebenen Fallen tappt man schneller, als einem lieb ist.

    Da hilft nur Selbstdisziplin und beschriebenen Fallen aus dem Weg zu gehen.

    Liebe Grüße
    Diantha

    • Anja Meiners am 03.03.2016, 16:15 :

      Hallo Diantha,
      freut uns, dass die Tipps dir weiterhelfen.
      Viel Erfolg bei deinen Buchprojekten!

      Viele Grüße
      Anja von BoD

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