Self-Publisher werden immer professioneller

Self-Publisher werden immer professioneller

Die Zahl der Neuerscheinungen im Self-Publishing steigt rasant. Mit dem Boom geht eine zunehmende Professionalisierung der Autoren bei der Erstellung und Vermarktung ihrer Bücher einher. Das zeigt die aktuelle BoD-Self-Publishing-Studie.

Allgemein, Markt, Self-Publishing | Thorsten Simon

Egal ob neues Talent oder erfahrener Autor – immer mehr Menschen entdecken das verlagsunabhängige Veröffentlichen für sich und nutzen die neuen Freiheiten und Möglichkeiten, die ihnen das Self-Publishing bietet. Allein in Deutschland ist heute bereits jedes zweite E-Book und jedes vierte Printbuch selbstverlegt – Tendenz steigend.

Bereits 2013 erschienen 31.000 neuveröffentlichte E-Books im Self-Publishing. Bis 2017 ist mit einem jährlichen Anstieg um 54 Prozent auf etwa 175.000 zu rechnen. Im Printbereich wird ein jährliches Titelwachstum bei Neuveröffentlichungen von 34 Prozent erwartet – von 22.000 Titeln in 2013 auf über 71.000 Titel in 2017. 2018 wird die Titelneuproduktion von Printbüchern im Self-Publishing die Neuveröffentlichungen der klassischen Verlage voraussichtlich erstmals überflügeln.

Autoren im internationalen Vergleich

Das Ergebnis des Self-Publishing-Booms ist eine noch nie da gewesene literarische Vielfalt für den Leser. Um mehr über die handelnden Akteure und die Entwicklung von Self-Publishing im deutschsprachigen Raum und in Europa zu erfahren, hat BoD gemeinsam mit der Hochschule für angewandtes Management, Erding, nach 2013 eine zweite internationale Self-Publishing-Studie durchgeführt. Standen im vergangenen Jahr die Motive, Motivation und Perspektiven im Mittelpunkt, so sind es 2014 die Marketingaktivitäten und die Professionalisierung der Autoren.

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Über 2.700 Self-Publisher aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Dänemark, Schweden und Finnland nahmen an der Befragung teil – dies macht die BoD-Studie zur größten Befragung von Self-Publishing-Autoren in Europa.

Self-Publishing ist im Wandel

Ein zentrales Ergebnis der Studie: die Motivation zu Schreiben ist bei Self-Publishern zunehmend unternehmerisch geprägt. So verschieben sich bei den deutschsprachigen Self-Publishern die Anteile der drei Autorengruppen – weg von den Hobbyautoren, die Self-Publishing als leidenschaftliche Freizeitbeschäftigung betreiben, zunehmend hin zu den Berufs- und Expertenautoren. Diese nutzen das Schreiben vorwiegend als Hauptbeschäftigung und Einkommensquelle oder als Ergänzung zu ihrem Beruf als Journalist oder Freiberufler.

Zählt man die Berufs- und Expertenautoren zusammen, nutzen insgesamt 57,6 Prozent der deutschsprachigen Autoren Self-Publishing mit einem professionellen Interesse. Im vergangenen Jahr lag der Anteil noch bei 26 Prozent.
Europaweit ist das Schreiben und Veröffentlichen im Selbstverlag für ein Drittel der Autoren mittlerweile eine Hauptbeschäftigung und Einkommensquelle. 2013 gaben im Schnitt nur 12,5 Prozent der europäischen Self-Publisher an, dass sie mit dem veröffentlichen ihrer Bücher Einkommen generieren wollen.

Vor dem Hintergrund des anhaltenden Strukturwandels in der Verlagslandschaft und der Entwicklung, dass sich immer mehr Autoren bewusst für das verlagsunabhängige Veröffentlichen entscheiden, um ihre Bücher schnell, einfach und ohne inhaltliche Kompromisse an den Leser zu bringen wird sich dieser Trend in Zukunft sogar noch weiter fortsetzen.

Deutschsprachige Self-Publisher lassen sich in drei Gruppen aufteilen: Hobbyautoren, Berufsautoren und Expertenautoren.

Autoren gestalten und vermarkten immer professioneller

Mit dem gestiegenen unternehmerischen Interesse der Self-Publisher geht ein zunehmend professionelles Veröffentlichen einher. So nutzen die Autoren vermehrt Dienstleister bei der Erstellung sowie Gestaltung ihrer Bücher und investieren mehr Zeit und Geld in die Vermarktung.

Europaweit greift durchschnittlich jeder dritte Selbstverleger bei der Bucherstellung auf die Unterstützung Dritter zurück. In Schweden und Dänemark ist es sogar jeder zweite Autor. Vor allem beim Korrektorat und bei der Covergestaltung nehmen Self-Publisher Dienstleister in Anspruch. Auf die Hilfe eines Lektors legen mit 66,7 Prozent insbesondere französische Self-Publisher großen Wert. Insgesamt investiert knapp jeder zehnte europäische Self-Publisher bereits mehr als 1.000 Euro in die Erstellung und Gestaltung seines Buchs.

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Die Herausforderung der Buchvermarktung wird ebenfalls von den Autoren verstärkt angegangen. Verbrachten im vergangenen Jahr nur 30,8 Prozent der deutschsprachigen Self-Publisher mehr als eine Stunde pro Woche für Marketingmaßnahmen, so sind es aktuell schon 40,3 Prozent.

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Die Bereitschaft bei der Buchvermarktung auf die Hilfe von Dritten zurückzugreifen, fällt insgesamt aber noch hinter der Zusammenarbeit mit Dienstleistern bei der Bucherstellung zurück. Eine Ausnahme bildet die Gruppe der schwedischen Selbstverleger, deren Mitglieder mit 49,4 Prozent auch bereits bei der der Realisierung der eigenen Buchprojekte vermehrt auf externe Unterstützung setzen. So arbeiten 27,6 Prozent von ihnen bei der Vermarktung mit Dritten zusammen, um den Verkaufserfolg ihrer Bücher zu steigern.

Chance für den stationären Buchhandel

Einhergehend mit der Professionalisierung der Self-Publisher etabliert sich zunehmend eine Dienstleistungsbranche mit Lektoren, Grafikern und Marketingexperten, die ihre Serviceangebote für die Erstellung und Vermarktung von Büchern auf Selbstverleger ausrichtet.

Die Professionalisierung bietet zudem dem stationären Buchhandel eine große Chance, stärker vom Self-Publishing-Boom zu profitieren. Eine wichtige Rolle wird hier in Zukunft die Verbesserung des Informationsflusses spielen, sodass für Buchhändler das Handling mit selbstverlegten Titeln vereinfacht wird. Denn mit 80,4 Prozent setzt eine große Mehrheit der europäischen Self-Publisher auch in Zukunft auf das gedruckte Buch.

Die BoD-Self-Publishing-Studien liegen unter www.bod.de/studien zum kostenlosen Download bereit. In Kürze erscheint auch die Studie von 2014 in einer aktuellen Auflage mit allen internationalen Ergebnissen.

Cover
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