Welten erschaffen

Welten erschaffen

Der Hamburger Kreativitäts- und Innovationstrainer Peter Pakulat offenbart im Interview mit BoD, wie seine Buchprojekte entstehen und was ihn motiviert.

Allgemein, Autoren, Portraits | Max Hänecke

„Sich Geschichten ausdenken, Figuren entwickeln, die irgendwo reinwerfen und gucken, was passiert.“ Das antwortet Peter Pakulat auf die Frage, was ihn am Schreiben fasziniert. Aber nicht alles läuft beim Hamburger Autor nach dem Prinzip „Mal gucken, was passiert“. Der freiberufliche Texter und Kreativ-Coach weiß ganz genau, was er tut, wenn er ein neues Buchprojekt startet, und ebenso weiß er um die mächtigen Einflüsse des kreativen Laissez-faire und wie er diese effektiv nutzt. „Ich möchte unterhalten, aber nicht nur. Ich möchte der Welt etwas erzählen, was eine Bedeutung hat.“ Dieser Anspruch an das eigene Geschriebene begründet seine Motivation als Autor. Und die hat eine lange Geschichte hinter sich.

Emily Bold

Peter Pakulat

Mit 12 Jahren beginnt Pakulats Autorendasein als Gewinner eines Autorenwettbewerbs der BILD-Zeitung. Es folgen Jahre des Lesens und Schreibens in der Autorenwohngemeinschaft und ganze Schreiburlaube. Nach dem Germanistik- und Philosophie-Studium nutzt der gebürtige Kieler seine Talente als Texter und Kreativdirektor in der Werbung. Seit 2004 arbeitet Pakulat freiberuflich als Kreativitäts- und Innovationstrainer.

Peter Pakulats Bücher im Shop

Alles begann mit selbstgemachten Gedichtbänden, die in der späten Abizeit per Bauchladen verkauft wurden. Das klingt noch sehr weit von echtem Self-Publishing entfernt, doch steckt darin genau der gleiche Kern: das eigenständige und unabhängige Veröffentlichen und Vermarkten. Bisher hat Pakulat fünf Titel veröffentlicht – drei davon als Self-Publisher bei BoD. Angefangen hat es 1983 mit „Verkehrte Welt“ – seiner Perspektive auf die Stationierung amerikanischer Pershing-Raketen in Deutschland, die Rowohlt in sein Programm aufnahm. Es folgte ein Gemeinschaftsprojekt mit zwei weiteren Autoren, dem ein Marius Müller-Westernhagen-Bildband entsprang, welcher 1985 bei Hoffmann und Campe erschienen ist. Jahre später, 2001, veröffentlichte Pakulat zwei Sachbücher unter eigener Regie bei BoD – einen Kreativratgeber und ein Werk über das Phänomen der Genialität. Sein aktuelles Buch, „Die dunklen Gäule hinter der Vernunft“, ist ein 2013 bei BoD erschienener Roman.

„Recherche ist unglaublich wichtig …“

„… Wenn es geht, sollte man natürlich auch vor Ort sein, wenn es um bestimmte Schauplätze geht. Google-Recherchen sind verlockend, aber einfach nicht das Gleiche“, beschreibt Pakulat sein Vorgehen bei der Arbeit an einem neuen Buch. Das Schreiben ist für ihn kein bloßes Hobby, sondern eine Leidenschaft. Es ist nicht so, als ginge er zum Tennisspielen oder als würde er das Billardqueue in die Hand nehmen; es ist ein weitaus professionellerer Prozess. Besonders wichtig neben der Arbeit am Text ist die Professionalisierung als Autor selbst. Austausch mit Gleichgesinnten, Fortbildungen, Übungen: All das hilft ungemein, das eigene Schreiben zu verbessern. Einen wesentlichen Stellenwert nimmt zudem die Recherche ein. Nur so lassen sich authentische und glaubwürdige Situationen rekonstruieren.

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Die Arbeit an neuen Projekten ist intensiv

„Ich brauche Bildschirme, ich brauche Papiere, ich breite mich aus – vertikal und horizontal.“ Und das sieht man. In seinem Büro umgibt sich Pakulat mit einer Vielzahl inspirierender Gegenstände – häufig Mitbringsel von Reisen in exotische Länder. Auf dem Billardtisch liegt ein Flipchart mit Zeichnungen, Karten und Notizen, neben dem Computer steht ein Karteikasten mit Charakterbiografien und weiteren Ideen. „Euphorie entsteht beim Schreiben, wenn man spürt, dass man eine starke, faszinierende Figur entworfen hat oder eine sprachliche Wendung gelungen ist, die wahre Emotion bei den Lesern auslöst“, sagt Pakulat und betont, wie wichtig die Arbeit am Text ist. Immer wieder gegenlesen, immer wieder nach kreativen Sprachwendungen für scheinbar Alltägliches suchen – das ist sein Rezept für packende Texte. Diese werden anschließend probegelesen. „Der Kontakt zu fremden Testlesern ist viel wert“, berichtet Pakulat. Im Gegensatz zu Familie, Freunden und Bekannten verirren unabhängige Personen den Eindruck vom Geschriebenen nicht mit gefälligen Rückmeldungen. Für diesen Zweck gibt es z. B. professionelle Autorenberater und freie Lektoren. Der Kontakt zu solchen Partnern lässt sich über Netzwerke wie Montségur oder große Self-Publishing-Foren herstellen. Die Optimierung des Geschriebenen ist nicht nur inhaltlich, sondern auch rein formal sehr wichtig.

Die Arbeit an neuen Projekten findet nicht nur am Computer statt. Flipchart und Karteikasten sind für Peter Pakulat unabdingbar.

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„Meine Bücher werden über das Internet gefunden.“ Pakulat kennt seine Zielgruppe und weiß, wo er sie erreicht.

Große Freiheit und viel Verantwortung

Pakulat orchestriert seine Buchprojekte bei BoD im Zusammenspiel mit eigenen Kontakten – Lektor, Coverdesigner und Setzer verweben jene losen Enden, die er nicht allein bewältigen kann und möchte. Er betont, dass einem Self-Publishing-Autor bewusst sein muss, dass die Gefahr, Fehler zu machen, steigt, je mehr man selber übernimmt. Im Gegenzug zu dieser besonderen Aufmerksamkeit und Eigenverantwortung belohnt einen allerdings die Freiheit, seine Bücher exakt so umsetzen zu können, wie man es sich selbst vorstellt. Würde er nicht auf seine eigenen Kontakte zurückgreifen, ließen sich alternativ die erweiterten Premiumservices von BoD in Anspruch nehmen, welche jegliche Extras wie Korrektur, Lektorat und Design umfassen und in beliebiger Kombination zur Verfügung stehen.

Zum Thema der Sichtbarkeit im Buchhandel nimmt Pakulat eine realistische Perspektive ein. Seine Titel müssen nicht mit den internationalen Bestsellern im begrenzten Sortiment des stationären Buchhandels konkurrieren. Seinen Absatz forciert er über seine Auftritte in beruflicher Mission oder über Websites. Auch Interviews mit der Regionalpresse, passende E-Mail-Abbinder und das Verteilen von Flyern im eigenen Stadtteil spielen eine Rolle in seiner Vermarktungsstrategie. Zusätzlich bietet er seine Werke als E-Book an, um jedem Leser das Medium liefern zu können, welches dieser favorisiert.

  1. Peter Pakulat am 22.01.2015, 12:03 :

    Ist sehr schön geworden, ich bedanke mich beim ganzen Team! Paku

  2. Annette am 23.01.2015, 04:50 :

    “Nie zufrieden sein und bevor man formuliert, erstmal einen interessanten Gedanken haben”.

    Schön gesagt und I totally agree, Paku!

  3. Peter Pakulat am 04.02.2015, 13:19 :

    Oder einen herkömmlichen Gedanken aus einer anderen Perspektive neu denken… das hilft auch.

  4. Bengez am 06.02.2015, 11:54 :

    Zu Zeit, schreibe ich neues Buch, aber ich brauche noch, mit Sicherheit 6 Monaten bis ich fertig bin

  5. Dieter Past am 08.03.2015, 12:11 :

    Ich habe festgestellt, dass das Manuskript des Sachbuchs immer besser wurde, wenn ich es etwas liegen ließ und mit Abstand wieder bearbeitete. Mit jeder Runde gewann es.

  6. Peter Pakulat am 10.04.2015, 08:17 :

    Dieter, noch ein Tipp: Beim Schreiben auch das Exposee immer wieder prüfen (ruhig mehrfach). Das hat immer Auswirkungen auf die Story, auf die Figurenentwicklung, etc. Ein Exposee deckt gnadenlos Fehler auf, es ist ein Begleiter, nicht nur eine Zusammenfassung.

    Paku

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