Mehr als eine Lesung

Mehr als eine Lesung

Ihre Leseabende vereinen Auszüge aus ihrem Chick-Lit-Roman, erheiternde Dialoge, Glamour und Musik. Schauspielerin Stefanie Kock besticht durch ihre erfrischende Art und Herangehensweise an ihr Erstlingswerk und dessen Vermarktung.

Autoren, Tipps, Vermarktung | Anja Meiners

Bereits im Grundschulalter prophezeite man Stefanie Kock, sie würde später Schriftstellerin werden. Zu der Zeit verfolgte sie jedoch einen ganz anderen Traum: Sie wollte Schauspielerin werden. Dieser Traum ging in Erfüllung, so ist sie heute ausgebildete Schauspielerin und Sängerin und Solistin bekannter Musical-Tourneen. An das Schreibtalent jedoch, das andere schon früh bei ihr erkannten, wollte die Schauspielerin selbst nicht so recht glauben. Zu groß war der Respekt davor, ein Buch zu schreiben, geschweige denn, zu veröffentlichen. Schließlich waren Schriftsteller doch die Superhelden ihrer Kindheit.

Wieso Bridget Jones letztlich der Auslöser war, sich an ihr erstes Buchprojekt zu wagen und wieso es ihr Ziel ist, mit ihrem Buch Single sucht Cover und Lesungen Menschen zum Lachen zu bringen, verrät Stefanie Kock im spannenden Interview.

Über Umwege zum eigenen Buch

In Ihrem Erstlingswerk Single sucht Cover geht es um eine junge Sängerin, die für ihren Traum einer großen Karriere kämpft und nicht nur den Sonnenseiten des Showbiz begegnet. Sie selbst sind Musicaldarstellerin, da liegt die Vermutung nahe, es könnte sich bei Ihrem Roman um eine Autobiografie handeln. Sie sprechen aber ganz klar von Chick-Lit, sind dennoch auch persönliche Erfahrungen in Ihre Handlung mit eingeflossen?

Obwohl „Single sucht Cover“ ganz klar ein fiktives Werk ist, plaudere ich darin auch immer wieder aus dem Nähkästchen … Es gibt also durchaus autobiographische Bezüge, wobei ich die entsprechenden Situationen stark verfremdet, überzeichnet und in einen anderen Kontext gesetzt habe. Allerdings finden sich in meinem Buch auch einige Szenen, die sich tatsächlich fast genauso zugetragen haben. Welche das sind, werde ich aber nicht verraten. Und sollte es doch jemand herausfinden, bleibe ich ganz cool: Es würde ihm sowieso niemand glauben.

Wie entstand Ihre Idee, ein Buch zu schreiben?

Ich habe schon immer gern und viel geschrieben. In der Grundschule war ich bekannt für meine fantasievollen Aufsätze. Schnell wurden daraus Abenteuergeschichten, die den üblichen inhaltlichen und zeitlichen Rahmen jeder Klassenarbeit sprengten.

Im Grunde wollte ich schon immer ein Buch schreiben. Was mich hemmte war der Heidenrespekt. Schriftsteller waren die Superhelden meiner Kindheit. Mein eigener Anspruch war so groß, dass ich es schlichtweg nicht gewagt hätte, überhaupt nur daran zu denken, selbst einmal etwas zu veröffentlichen. Mochten meine frühen schriftstellerischen Ergüsse recht lustig und fantasievoll sein, mit Astrid Lindgrens Ronja Räubertochter, Michael Endes Jim Knopf oder Erich Kästners Emil und die Detektive konnten sie definitiv nicht mithalten. Und so folgte der großspurigen Prophezeiung des Rektors meiner Grundschule „Na, und aus dir wird sicherlich mal eine berühmte Schriftstellerin“, meine nicht minder großspurige Antwort „Nee, ich werde Schauspielerin!“ Schauspieler, so dachte ich damals, hätten das perfekte Leben.

STEFANIE KOCK

Stefanie Kock

ist Schauspielerin und Sängerin. Ihre Ausbildung erhielt sie am Wiener Max-Reinhardt-Seminar und an der Stella R1-Academy für Musical in Hamburg. Ihre Engagements führten sie u. a. ans Deutsche Schauspielhaus, Thalia-Theater, Ernst-Deutsch-Theater, an die Hamburger Kammerspiele und das Schmidt’s Tivoli. Im Musiktheater spielte sie zahlreiche Hauptrollen. Bis heute ist sie Solistin bekannter Musical-Tourneen und regelmäßig in TV-Formaten zu Gast. Stefanie Kock lebt in Hamburg und Berlin. »Single sucht Cover« ist ihr erster Roman.

Das Leben eines Schauspielers schien alle Vorteile des Schreibens zu vereinigen, aber die Nachteile auszuklammern. Das Theater war für mich ein wohltemperierter Tummelplatz für fantasievolle Spinner, die ihre Kindheit in die Tasche gesteckt hatten und damit auf und davon gerannt waren, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen. Dieses berühmte und in den heiligen Räumen des Wiener Max-Reinhardt-Seminars in Stein gemeißelte Zitat des großen Regisseurs war es dann auch, das mich erfolgreich durch die Aufnahmeprüfung der legendären Wiener Schauspielschule katapultierte. An diesem Ort vibrierte die Luft vor Fantasie, waren Träume die tägliche Nahrung. Hier war ich genau richtig. Hier musste ich hin. Koste es, was es wolle.

„Mit Bridget Jones kann ich es aufnehmen“

Und so verlagerte sich meine Vorliebe für Geschichten auf die Bretter, die die Welt bedeuteten. Erst Jahre später und über viele Umwege fand ich wieder zum Schreiben zurück. Auf einer unerträglich langen Bahnfahrt von Norddeutschland ins südbayrische Nirvana, las ich Helen Fieldings Bridget Jones − Schokolade zum Frühstück. Vieles darin kam mir erschreckend bekannt vor. Auch ich hatte gelitten wie Bridget, war wie sie von einem Fettnäpfchen ins nächste gestolpert und aß mit Vorliebe Schokolade. Und das nicht nur zum Frühstück. Mit der Lektüre von Bridget Jones sah ich mein Leben zum ersten Mal aus einem völlig neuen Blickwinkel. Die letzten Jahre waren mir wie eine Aneinanderreihung furioser Missgeschicke vorgekommen, eine groteske Tragödie, wie sie Hollywood nicht besser erzählen könnte, mit mir selbst als tragischer Heldin.

Spontane Buchverkäufe und Signierwünsche: Ihr Buch „Single sucht Cover“ hat Stefanie Kock bei ihren Events stets mit dabei.

Inzwischen hatte ich begriffen, dass Schauspieler nicht nur träumen und spielen − wenn sie denn überhaupt mal spielen dürfen − sondern wie alle anderen Erwerbstätigen sehr hart arbeiten müssen, um auf dem Markt zu bestehen. Obwohl ich mich immer recht wacker geschlagen und auch einige hübsche Erfolgserlebnisse gehabt hatte, waren doch manche Hoffnungen auf der Strecke geblieben. Durch Bridgets Augen sah ich plötzlich die ganze Komik hinter der Tragik. Was hatte ich bloß alles Abstruses erlebt. Von meinen abstrusen Träumen ganz zu schweigen. Du musst es aufschreiben, sagte ich mir, du musst anfangen, selber ein Tagebuch zu schreiben. Vielleicht geht es dir dann auch wieder besser. Völlig aufgeregt bat ich den Schaffner um mehrere DIN A 4 Bögen, nahm mir einen Stift, eine große Tafel Schokolade und legte los. Der Vergleich mit Bridget Jones machte mir keine Angst. Bridget war keine dieser literarischen Lichtgestalten, die mich als Kind begeistert, aber auch immer ein wenig eingeschüchtert hatten. Bridget war weder Anna Karenina noch Madame Bovary oder Pippi Langstrumpf. Bridget war herrlich normal. Mit ihr konnte ich es aufnehmen. Zum ersten Mal seit langer Zeit vertraute ich wieder meinen eigenen Worten. Im Nachhinein weiß ich natürlich, dass es auch großer Kunstfertigkeit und sehr viel Disziplin bedarf, eine so leichte und scheinbar so einfache Geschichte wie die von Bridget Jones zu erzählen. Glücklicherweise war mir das damals nicht bewusst. Mit einer großen Portion Naivität und Enthusiasmus habe ich mich in das Abenteuer der Schriftstellerei gestürzt. Bridget sei Dank. Ohne sie wäre ich wohl immer noch die tragische Figur meines Lebens. Und hätte „Single sucht Cover“ nie geschrieben.

Lesungen mit Musik und Witz

Mit dem Schauspieler Alexander Kerbst haben Sie die Veranstaltungsreihe Lit-Comedy ins Leben gerufen, eine Mischung aus Lesung und Musik. Wie können wir uns solch einen Abend genauer vorstellen?

Lit Comedy

Alexander Kerbst und Autorin Stefanie Kock bei einer ihrer Lesungen mit Lachgarantie.

Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei unserer musikalischen „Lit-Comedy“ um eine Lese-Performance mit Musik. Wir wollten einfach etwas anderes machen als eine normale Lesung, der ja doch immer ein bisschen der Flair des Antiquierten anhaftet. In unserer Show lesen wir Auszüge aus meinem Buch, wobei Alexander, ein fantastischer Stimmenimitator, in diverse Rollen schlüpft, während ich den Part der Juni Lewitz übernehme, der Protagonistin meines Romans, die auch die Geschichte erzählt. Da es in „Single sucht Cover“ sehr viele Dialog-lastige Szenen und ebenso viele schillernde Charaktere gibt, ist das natürlich ein großer Spaß für die Zuschauer. Dazu kommt noch die Musik. Mein Roman spielt im Showbusiness, da liegt es nahe, selber ein paar Lieder zu singen.

Dabei spannen wir völlig schamlos einen großen Bogen von den Comedian Harmonists bis hin zu Lady Gaga. Es ist also völlig unmöglich, bei unseren Lesungen einzuschlafen. Das gilt für uns Akteure auf der Bühne genauso, wie für die Leute im Publikum. Unsere „Lit-Comedy-Veranstaltungen“ erwecken Scheintote zu neuem Leben und animieren hartnäckige Gesangsmuffel zum Mitgrölen. Versprochen.

Die Eventplanung

Einige dieser Abende fanden auf einem Theaterschiff statt. Wie wichtig ist Ihnen ein besonderes Ambiente und wie wählen Sie Ihre Veranstaltungsorte aus?

Generell singen wir überall und immer. Allerdings wissen wir den Charme eines hübschen und kuscheligen Plätzchens durchaus zu schätzen. Schöne Dekorationselemente, vorteilhafte Beleuchtung, schwere Samtvorhänge und plüschiges Mobiliar zum drin Versinken lassen unser Künstlerherz höherschlagen, sind aber keine unabdingbare Voraussetzung.

Konzipieren Sie Ihre Veranstaltungen zu zweit und wie lange im Voraus beginnen Sie mit deren Planung?

Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal kommen Anfragen ein Jahr vorher, manchmal relativ kurzfristig. Werbetechnisch arbeiten wir meistens mit dem Veranstalter zusammen. Je nachdem in welchem Rahmen die Lesungen stattfinden, gestalten wir sie dann auch ganz unterschiedlich. Soll heißen: In einem Second-Hand-Laden lesen wir andere Textpassagen, als in einem Altersheim, einem Club, oder einem Theater. Manchmal bauen wir auch tagespolitische Ereignisse in unsere Moderation ein, oder probieren einen neuen Song aus. Das ist ganz unterschiedlich. Wichtig ist uns, dass alles frisch und spontan bleibt und ein bisschen anarchisch.

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„Ein gelungener Abend ist ein Abend, der auch mir Spaß bringt.“

Verfolgen Sie bei Ihren Veranstaltungen ein persönliches Ziel und wann würden Sie selbst von einem gelungenen Abend sprechen?

Von einem „Ziel“ im klassischen Sinne würde ich nicht sprechen wollen, das klingt so absichtsvoll. Ein gelungener Abend ist ein Abend, bei dem viel gelacht wird – ich spreche von meinem aktuellen Buch – und bei dem man anschließend nach Hause geht und merkt, dass da doch noch ein bisschen mehr dahintersteckt als nur vordergründiger Humor. Natürlich möchte ich, dass die Leute nach Hause gehen und sagen: „Mensch, Herrmann, war das ein wundervoller Abend! Ich habe mich ausgesprochen gut unterhalten gefühlt. Du dich auch?“ „Ach, Inge, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin immer noch ganz überwältigt. Frag mich nachher noch mal.“ So in etwa würde ich mir das jedenfalls wünschen. Ein gelungener Abend ist auch ein Abend, der mir persönlich Spaß bringt. Ein Abend, bei dem man etwas Neues ausprobiert, ein bisschen ins Risiko geht und sich diebisch freut, wenn es dann klappt und die Leute so reagieren, wie man es sich wünscht. Das Schöne ist, dass eine solche Lesung ja auch wiederum ganz viel mit Schauspiel zu tun hat. Da schließt sich dann irgendwie der Kreis. Beides miteinander zu verbinden – das Schreiben und das Spielen – das finde ich großartig!

Die Pressearbeit: „Hallo, hier bin ich.“

Die Medienresonanz auf Ihr Buch sowie Ihre Veranstaltungsreihe war hoch. Wie haben Sie die Aufmerksamkeit der Presse gewinnen können?

Ich bin einfach zur Presse gegangen. Ich habe denen gesagt: Hallo, hier bin ich, vielleicht kennt ihr mich noch, das hier ist mein neues Projekt, dafür brenne ich und würde mich freuen, wenn ihr’s auch tätet. Manchmal springt der Funke über. In diesem Fall hat’s ganz gut geklappt. Aber ich habe mein Pulver ja noch gar nicht verschossen. Im Sommer spielen Alexander und ich im Musical „Ludwig hoch zwei“ in Füssen. Da werden wir dann auch wieder musikalische Lesungen machen! Und erstmalig auch mein Hörbuch „Single sucht Cover“ präsentieren. Und im Herbst gibt’s dann weitere Lesungen im Hamburger Raum.

Welche Leser möchten Sie mit Ihrem Titel ansprechen und was tun Sie, um diese zu erreichen?

Ursprünglich hatte ich eine recht junge Zielgruppe im Auge. So zwischen 18 und 28;-) Allerdings habe ich das Gefühl, dass junge Leseratten eine aussterbende Spezies sind. Auf meinen Tourneen mit „Musical Moments“ habe ich das Buch im Rahmen unserer Autogrammstunden daher auch meist an etwas reifere Frauen verkauft. Viele berichteten mir, dass sie ihren Ehemännern und Töchtern daraus vorlesen mussten und diese sich ziemlich amüsiert hätten. Ich kann mir daher gut vorstellen, mit dem Audiobook noch mal ganz andere Leute anzusprechen als mit der Printversion. Hörbücher sind ja gerade mächtig en vogue und die Audio-Version von „Single sucht Cover“ wird ein ganz spezielles Hörerlebnis: Rasant, abwechslungsreich und sehr sehr lustig. Ein großer Spaß für Jung und Alt!

 Sind weitere Bücher in Arbeit oder Planung?

Oh, ja! In der Tat. Meine kreative Schublade ist voller Ideen, Materialsammlungen und Notizen. Zwei größere Projekte sind in Arbeit. Aufgrund eines einschneidenden Erlebnisses habe ich das eine – ein 350 Seiten starkes und auch ganz sicher zu hundert Prozent fiktives Fantasy-Manuskript – vorübergehend auf Eis gelegt und einen Roman begonnen, der durchaus stärkere autobiographische Züge trägt. Obwohl es sich rein faktisch um ein schwer verdauliches Thema handelt, bleiben der Witz und die Fantasie auch bei diesem Werk nicht auf der Strecke. Allerdings wird der Humor deutlich schwärzer ausfallen als bei „Single sucht Cover“. Genauer gesagt: Rabenschwarz. Ich freu mich schon drauf. Diebisch.

Wir danken für das amüsante und zugleich inspirierende Interview.

Bilder: Stefanie Kock

Lesen Sie auch das Interview von Jason Sante, der eine ganze Lesereise durch Deutschland plant.

Zeitungen

Verschiedene Medien berichteten über die Veranstaltungsreihe Lit-Comedy.

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