Social Marketing Teil 1: Die eigene Vernetzung

Social Marketing Teil 1: Die eigene Vernetzung

BoD im Gespräch mit Leander Wattig, der „Leute vernetzt, die ins Internet schreiben“.

Seit mehr als sechs Jahren beobachtet der studierte Verlagswirt Leander Wattig das Internet und hat sich als Blogger mit seiner Webseite und Aktionen wie „Ich mach was mit Büchern“ einen Namen gemacht. Er gehört zu den Social-Media-Pionieren in der Verlagswelt und wird als Experte gerufen, wenn Facebook und Co. als mächtiges Marketing-Instrument im Self-Publishing eingesetzt werden sollen. In Teil eins der dreiteiligen Interviewserie sprechen wir mit Leander Wattig über den Nutzen der Social Media für Selfpublisher.

Die Frage klingt fast schon überflüssig, aber was ist Social Media eigentlich?

Fragt man, was Social Media ist, dann sprechen die meisten über Plattformen wie Facebook, Twitter oder Blogs, auf denen man aktive Vernetzungen mit entsprechender Reichweite schaffen kann. Für mich ist Social Media ganz einfach das Internet, weil es per se die technischen Eigenschaften mit sich bringt. Auch die Blogs wurden für die Internetwelt gestaltet und optimiert. Schaut man sich aber heute eine Webseite an, hat sie alle Funktionen, die Blogs eingebracht haben. Manchmal ist es eher verwirrend, wenn man alles in Schubladen steckt. Aus meiner Sicht ist alles erst einmal Social Media, wenn man es so möchte.

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Social Media kann eine Chance für jeden sein

Macht es denn Sinn, dass jeder Self-Publisher Social Media nutzt?

Was macht man, wenn man überhaupt keine Affinität zum Internet hat? Ich denke schon, Social Media kann eine Chance für jeden sein. Aber es muss halt auch passen. Gerade in der Vergangenheit hatte jeder eine Meinung dazu, sich aber nicht wirklich schlau gemacht. Es ist völlig in Ordnung, wenn man feststellt: Internet ist nicht so meins, aber ich habe es mir mal angeschaut. Wenn ich eher der „Gerne-allein-Schreiber“ bin und nicht so gern soziale Kontakte habe, dann werde ich mich auch im Internet schwer tun. Also immer ergebnisoffen anschauen und erst dann feststellen: Ok, es ist nicht meins, oder – eben doch.

Und wie hilft Social Media dabei, meine Positionierung und letztendlich auch meinen Markterfolg zu stärken?

Zunächst muss man natürlich in allen Online-Shopsystemen vertreten sein. Eigentlich gibt es drei wesentliche Schritte, um die Wahrscheinlichkeit für die Kaufentscheidung der Leser zu erhöhen. Zunächst muss man viele Informationen zu dem Buch bereitstellen. Titel, Inhaltsbeschreibung, Leseproben, also eine Online-Entsprechung zur üblichen Offline-Welt der Buchhandlung finden. Dann heißt es Monitoring, um zu identifizieren, wer äußert sich denn über meine Bücher, und diese Ergebnisse auf meiner Webseite abbilden. Also unbedingt die Empfehlungsmöglichkeiten des Internets nutzen! Und letztendlich: Nicht jede Empfehlung ist gleichwertig. Leute, die eine Fachreputation haben, sind die besten. Noch besser ist es, einen Austausch von Leuten, die auf dem Feld meines Themas eine Expertise haben, auf meiner Webseite zu initiieren.

Wie komme ich an diese Experten ran?

Man kann sich Aktionen überlegen, die über das eigentliche Schreiben hinausgehen. Sich zum Beispiel in thematische Diskussionen begeben, egal ob online oder offline. Marketing mit Social Media heißt immer auch mitdenken, wenn man im normalen Leben unterwegs ist. Wenn ich Leute treffe, die sich mit bestimmten Themen beschäftigen, die zu meiner Positionierung passen, versuche ich das auch immer mit meinen Social-Media-Aktivitäten zu verknüpfen. Und wenn es ein Foto ist, das ich auf Facebook poste.

Themen finden und Verlinkungen schaffen

Selbst wenn man der Blogger-Logik folgt, eine thematische Webseite hat und diese mit allen Social-Media-Kanälen verlinkt, heißt das doch noch lange nicht, dass man in der Vielfalt des Internets auch wirklich auffällt. Wie macht man das?

Je näher die publizierten Inhalte an dem sind, wofür die Bücher stehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die sogenannte Conversionrate funktioniert. Wenn Red Bull eine Million Euro in die Hand nimmt und überall Werbung schaltet, dann ist das eher der unökonomische Weg. Der netzadäquate Weg ist, dass du dir überlegst, was dein Thema ist und ob es für das Thema eine Interessensgruppe, eine Community gibt. Findet man da einen Ansatz, greift ein relevantes Thema heraus und bietet den Leuten dann eine Plattform, dann wird man selbst darüber sichtbar, weil die Leute auf dieser Plattform aktiv werden. So schafft man viel mehr Reichweite, als mit Werbung möglich wäre.

Ein generelles Thema, über das Leute im Internet lesen und sogar kommentieren wollen, scheint bei Sach- und Fachbüchern leichter zu finden zu sein als für Autoren der Belletristik.

Im Fach- oder Sachbuchbereich ist es relativ deutlich. Schreibt man zum Beispiel über Gartenzwerge, gibt es alles Mögliche mit einem Nutzwerthintergrund. Im literarischen Bereich funktioniert die Logik aber genauso. Wenn ich Romane schreibe, gibt es vielleicht eine gemeinsame inhaltliche Klammer. Ich bin nicht nur Schriftsteller und beschäftige mich mit irgendetwas, sondern ich stehe für das Thema xy.

Zudem kann man zum Beispiel Bücher verlinken, Veranstaltungshinweise von Lesungen als News-Beiträge posten oder Gedanken aus dem Alltag hinterlassen. Lockt man die Leute über die immer frischen Inhalte an, wird dadurch die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie auch dein Buch kaufen. Das ist ja auch in der klassischen Autoren-Vermarktung nicht neu. Auch hier haben Verlage schon immer geschaut, wie kann man einen Schriftsteller positionieren.

Reicht das schon aus, um sich als Marke Autor für Sachbuch oder Belletristik zu etablieren?

In der Self-Publishing-Branche gehen wir ja immer noch davon aus: Wir haben jetzt ein fertiges Buch und dann gibt es das Internet als neuen Vertriebsweg. Wir gehen jetzt also nicht mehr zum Verlag, sondern versuchen selbst, uns sichtbar zu machen. Eigentlich heißt das aber nichts anderes, als dass man im Netz mit seinen Themen aktiv ist. Heute ist es aber möglich, dass man als nicht etablierter Schriftsteller ein Buch schreibt und dann „Social Marketing macht“. Die nachwachsenden Autoren bauen sich über diesen Weg ihre Marke oft erst auf. Anders als Schriftsteller, die bereits eine Marke über das klassische System geworden sind. Das wird sich meiner Meinung nach in Zukunft auch ändern beziehungsweise ausgleichen. Marken werden sich aus dem Internet heraus entwickeln. Man spricht heute schon von den „Hybrid-Autoren“. Die schreiben ins Internet UND Bücher. Es wird zwar immer noch den Einzelfall des Autoren geben, der im kleinen Kämmerlein sein Buch schreibt und dann sagt: Guck, hier ist es. Aber der wird anteilig geringer werden. Das lässt die bereits gigantische Zahl der Self-Publisher, die in Zukunft weiter wachsen wird, bereits erahnen.

Im zweiten Teil des Interviews mit Leander Wattig geht es um Zeit, Geld und Dienstleistungen im Zusammenhang mit Social Media.

Text: Ama Lorenz

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Leander Wattig

Seit 2007 unterstützt er Medienunternehmen und Kreativschaffende als freier Berater, hält Vorträge, engagiert sich seit 2010 als Vorstandsmitglied der Theodor Fontane Gesellschaft und ist seit 2012 Lehrbeauftragter der Universität St.Gallen. Mehr zu ihm, seiner Arbeit und seinen Aktionen gibt es im Internet unter www.leanderwattig.de und www.wasmitbuechern.de. Oder man folgt ihm auf Twitter oder Facebook oder trifft ihn bei seiner Stammtisch-Runde „Pub'n'Pub“ (#pubnpub).

Schlagworte:

  1. Hermann Karbe am 15.01.2014, 17:59 :

    Wie soll jemand, der keine Affinität zum Internet hat, diesen Artikel verstehen?

  2. Janni am 15.01.2014, 22:43 :

    Ich verstehe leider auch nicht viel, außer, dass im Internet “Werbung” möglich ist. Mir bleiben jedoch viele ??? wie ich das umsetzen kann. Wie hinterlasse ich meine “Unterschrift” im Netz, Hinweise, wie locke ich Leser auf meine Seite oder werbe für z.B. mein Buch?

  3. Marilyn White am 30.03.2015, 11:56 :

    Guten Tag!lieber Leander Watting!,
    wie kann ich da denn tun?
    LG Marilyn White

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