Social Marketing Teil 2: Kosten und Chancen

Social Marketing Teil 2: Kosten und Chancen

Im zweiten Teil des Interviews mit Leander Wattig geht es um den richtigen und maßvollen Einsatz von Zeit und Geld in den Social Media.

Seit mehr als sechs Jahren beobachtet der studierte Verlagswirt Leander Wattig das Internet und hat sich als Blogger mit seiner Webseite und Aktionen wie „Ich mach was mit Büchern“ einen Namen gemacht. Er gehört zu den Social-Media-Pionieren in der Verlagswelt und wird als Experte gerufen, wenn Facebook und Co. als mächtiges Marketing-Instrument im Self-Publishing eingesetzt werden sollen.

Social Media bietet für Self-Publisher und klassische Autoren die Chance zur Markenbildung. Zahlt sich die auch real aus?

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Das ist so im Netz: Man kann einen Euro investieren und der schlägt ein wie eine Bombe – oder eine Million und die verpufft, wenn du den Nerv der Community nicht triffst. Viele Autoren schreiben Bücher und sind dann „auch“ im Internet aktiv. Sie schreiben dort über alles Mögliche, ihr Mittagessen zum Beispiel. Das ist völlig legitim, hat aber mit ihren Büchern wenig zu tun. Idealerweise sollte das jedoch eine Einheit sein. Das heißt, will ich als Autor meine Zeit in Social Media investieren, sollten alle meine Aktivitäten auch einen Bezug zu meinen Büchern haben. Nutze ich zum Beispiel für Facebook oder meine Webseite Alltagsbeobachtungen aus der Buchentstehung heraus oder die damit verbundenen Rechercheergebnisse, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich potentielle Buchkäufer anspreche, viel größer. So kann sich Social Media auch für mein gedrucktes Buch durchaus auszahlen.

Du hast es schon angesprochen, man muss Zeit investieren. Nicht nur für einen Autoren ist die immer knapp und kostet ja letztendlich auch Geld. Wie findet man da das richtige Maß?

Wenn er die Zeit für Social Marketing selbst investiert, hat jeder Self-Publisher die Chance, mit relativ wenigen Leuten ein relevantes Einkommen zu erzielen. Woran die Diskussion oft krankt, ist, dass suggeriert wird, das bestehende Verlagssystem wäre super toll. Schaut man sich aber an, was Autoren im bisherigen klassischen System verdienen, ist das relativ wenig. Nach Angaben der Künstlersozialkasse verdient ein professioneller Autor im Durchschnitt 17.000 Euro im Jahr. Da bietet das Internet eine relevante Quelle für Zusatzerlöse. Kevin Kelly geht in seiner These „1.000 wahre Fans“ davon aus, dass bereits 1.000 echte Internet-Fans, also diejenigen, die jedes Buch von dir kaufen und zu Lesungen kommen, bereits ausreichen, um als Autor gut über die Runden zu kommen. Das ist doch das Ziel eines Autoren – möglichst viel Zeit zum Schreiben zu haben. Dafür braucht er aber erst einmal Geld. Will man also mit Social Media einen Effekt erzielen, braucht man auch eine gewisse Vorlaufzeit, in der man viel Zeit investieren muss, ohne genau zu wissen, ob auch viel dabei rauskommt. Es gibt eine riesige Informationsflut im Internet, die täglich steigt. Wenn man es überhaupt schafft, nur einen Gedanken im Kopf der Leute zu manifestieren, ist das schon ein Erfolg. Deshalb sage ich immer wieder, dass die persönliche Entscheidung, ob Social Media ja oder nein, eine ganz bewusste sein muss.

Social-Media

Social Media als Dienstleistung

Was, wenn mir trotz aller Vorteile von Social Media das Marketing doch nicht liegt oder ich mich gegen den damit verbundenen Zeitaufwand entscheide? Sollte ich es dann lieber lassen oder macht es Sinn, jemanden dafür zu beauftragen?

Natürlich kann man nach wie vor sein Buch schreiben und klassisch zum Verlag gehen. Die Frage ist eben immer die der Erfolgswahrscheinlichkeit. Ist man der Schriftsteller, der sagt, ich schreibe jetzt mein Buch und mache sonst gar nichts, ist man plötzlich in einem Wettbewerbsumfeld, in dem alle, die literarisch ebenso gut sind, aber im Internet aktiv sind, im Nachteil. Die Wahrscheinlichkeit, dass du zu deinem Publikum durchdringst, ist dann eben geringer. Auch der Verlag wird immer den Autoren präferieren, für den der Erfolg am wahrscheinlichsten ist.

Entscheidet man sich für das Self-Publishing, heißt das auch, man muss sich selbst intensiv um die Selbstvermarktung kümmern. Natürlich kann man sich diese Dienstleistungen hinzubuchen. Man kann sich ja heute alles einkaufen, vom Lektorat bis zum Marketing. Allerdings: Je mehr man an Leistungen einkauft, desto höher ist die Zahl der notwendigen Leser, um relevant Geld zu verdienen. Die Frage ist also nicht, entweder oder, sondern schau’, wie deine Präferenzen sind. Jeder Weg ist der richtige, so lange er dir als Autor entspricht.

Wo finde ich diese Dienstleister, die mir Social-Media-Marketing anbieten?

Es gibt noch keine richtig entwickelte Plattform mit einer Übersicht für solche Dienstleistungen. Aber Freelancer-Plattformen wie „Das Auge“ bieten da vielleicht eine Möglichkeit. Oder man vernetzt sich auf Facebook. Es gibt dort eine Gruppe zum Self-Publishing, die sehr aktiv ist. Bei Autorenforen wie „Montségur“ kann man sich auch Unterstützung holen. Die Verlage selbst gehen ja auch immer mehr in die Richtung Dienstleister. Self-Publishing-Anbieter wie BoD bieten da gute Hilfestellung. Man lässt seine Bücher bei BoD veröffentlichen und die schaffen die Verfügbarkeit über ihre Plattformen und Shoplösungen. Zudem bieten sie aber auch vermehrt Marketingdienstleistungen im Modulsystem an, aus denen man dann wählen kann. Doch Eigeninitiative und Self-Marketing sind wichtige Voraussetzungen, um sein Buch erfolgreich zu verkaufen.

Social Marketing als Erfolgsfaktor

Man könnte meinen, das ist eine Kampfansage an die klassischen Verlage.

Nicht unbedingt. Self-Publishing und Social Media sind ja eigentlich „Buzz“-Worte. Das entscheidend Neue, das uns das Internet gebracht hat, ist: Jeder kann ohne großen Kostenaufwand reinschreiben. Quasi gratis. Viele erfolgreiche Blogger erhalten Buchangebote. Wenn man sich über die Zeit Reichweite aufbaut, die Abonnenten von 5 auf 10.000 wachsen, dann ist man plötzlich auch für einen Verlag hochattraktiv – man bringt dann nämlich seine Zielgruppe schon mit. Die klassischen Verlage stehen selbst vor der Frage, wie sie Geld verdienen sollen. Viele von ihnen entdecken neue Geschäftsfelder wie das Corporate Publishing. Das Unternehmen macht Self-Publishing und nimmt sich dann den Verlag als Dienstleister dazu.

Das bedeutet in Zukunft wohl für viele Autoren umdenken, vor allem was Social Media und die damit verbundenen Formate betrifft?

Ich wünschte, dass diese Formate-Diskussion endlich in den Hintergrund tritt. Buch versus E-Book, Self-Publishing versus klassische Verlagsveröffentlichung … das sind Debatten von gestern. Wichtig ist doch, wie wir es schaffen, möglichst gute Verfahren als Filtermechanismen zu etablieren, um das qualitativ Wertvolle zu finden und sichtbar zu machen. Das ist eine Funktion, die Social Media schon heute erfüllt. Schaut man sich Plattformen wie Facebook und Co. an, sind die nichts anderes als der uns momentan beste zur Verfügung stehende Filtermechanismus für Inhalte. Ganz gleich ob Twitter, Google+ oder Facebook, mit ihnen kann man analysieren, wie Menschen mit Inhalten interagieren und was besonders werthaltig ist. Niemals auf die Gesamtheit bezogen, sondern bezogen auf dein Thema, dein Buch, deine Marke. Wer liest denn meine Bücher? Was passiert denn da? Früher gab es nur Buchverkaufszahlen oder Lesungen. Jetzt habe ich zudem die Chance zu sehen, was ich bei den Menschen mit meinem Buch auslöse. Social Marketing hat also einen wirklichen Wert für mich als Autor. Deswegen glaube ich, wenn man sich seinen Lesern durch Social Marketing zu erkennen gibt und die Informationslogik des Internets nutzt, dann wird man zukünftig als Autor erfolgreich sein.

Im dritten Teil des Interviews mit Leander Wattig geht es um ihn selbst – der Social Media-Experte und wie er dazu wurde.

Text: Ama Lorenz

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Leander Wattig

Seit 2007 unterstützt er Medienunternehmen und Kreativschaffende als freier Berater, hält Vorträge, engagiert sich seit 2010 als Vorstandsmitglied der Theodor Fontane Gesellschaft und ist seit 2012 Lehrbeauftragter der Universität St.Gallen. Mehr zu ihm, seiner Arbeit und seinen Aktionen gibt es im Internet unter www.leanderwattig.de und www.wasmitbuechern.de. Oder man folgt ihm auf Twitter oder Facebook oder trifft ihn bei seiner Stammtisch-Runde „Pub'n'Pub“ (#pubnpub).

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