Social Marketing Teil 3: Der Experte

Social Marketing Teil 3: Der Experte

Im dritten und letzten Teil des Interviews spricht Leander Wattig über seinen eigenen Werdegang und seinen derzeitigen Leitsatz im Umgang mit Social Media.

Seit mehr als sechs Jahren beobachtet der studierte Verlagswirt Leander Wattig das Internet und hat sich als Blogger mit seiner Webseite und Aktionen wie „Ich mach was mit Büchern“ einen Namen gemacht. Er gehört zu den Social-Media-Pionieren in der Verlagswelt und wird als Experte gerufen, wenn Facebook und Co. als mächtiges Marketing-Instrument im Self-Publishing eingesetzt werden sollen.

Leander, „du machst was mit Büchern“. Wie kam es dazu?

Mein Interesse, irgendetwas mit Büchern zu machen, wurde durch meinen Großvater geweckt. Der war noch ein Buchhändler der ganz alten Schule.

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Irgendwann stand meine Entscheidung für ein Studium der Buchhandel/Verlagswirtschaft in Leipzig. Im Prinzip ein BWL-Studium mit Branchenausrichtung, das neben den wirtschaftlichen Grundlagen des traditionellen Verlagsgeschäftes vor allem einen sehr praktischen Ansatz hat. Zu der Zeit, um 2007 herum, hat sich im Internet sehr viel verändert, gerade für die Verlagswelt. Nach mehreren Projekten während und nach dem Studium, vor allem im Marketing- und Vertriebsbereich, war mir klar: Ich möchte nicht in einem Unternehmen feststecken. Also bin ich ins kalte Wasser gesprungen und habe mich selbstständig gemacht.

… und bist inzwischen zu einem gefragten Berater für Social Media in der Buchbranche geworden.

Nachdem ich mich 2008 intensiv mit dem Internet und dessen Verknüpfung mit der klassischen Buchbranche beschäftigt habe, bin ich zunächst als Blogger eingestiegen. Ich wollte erst einmal verstehen, was passiert denn da mit dem Internet? Also habe ich über interessante Fundstücke, neue Internetseiten geschrieben, Übersichten und Listen veröffentlicht. So habe ich mir das Thema Social Media erschlossen. Mein Fokus war damals: Fakten, Fakten, Fakten. Von Anfang an wollte ich nutzwertige Inhalte zur Verfügung stellen, Themen der Buchbranche abdecken, mich aber auch parallel dazu mit der Blogger-Szene auf Augenhöhe vernetzen. Für die Buchbranche war ich mit meiner Aktion „Ich mach was mit Büchern“ und meinem Blog leanderwattig.de relativ früh dran. Der gehörte recht bald zu den 100 meistverlinkten Blogs in Deutschland. Damit hatte ich meinen Status als „Social-Media-Typ in der Buchbranche“ weg.

Zeit-ist-Geld

Wertvolle Zeit sinnvoll investieren

Wenn ich mich als Autor entscheide, Social Media zu nutzen, was ist das Minimum, um wirkungsvoll im Netz präsent zu sein?

Momentan probieren alle ein bisschen herum und manche sind damit auch erfolgreich. Man sollte jedoch mit einem Konzept beginnen. Das heißt, ich würde mir immer erst überlegen, wofür will ich eigentlich stehen?

Also einen Claim, eine Art Leitsatz für das eigene Schaffen finden. Kannst du uns deinen eigenen als Beispiel geben?

Der hat sich im Laufe der Zeit verändert. Mir war immer klar, dass  sich „Buchbranche“ und „Social Media“ als Claim auf Dauer irgendwann einmal verbraucht haben. Mein momentaner Leitsatz ist „Vernetzung von Leuten, die ins Internet schreiben“. Der deckt Social Media, die digital werdende Buchbranche oder auch meine Offline-Aktivitäten wie die Stammtisch-Reihe „Pub’n’Pub“ (#pubnpub) oder den Marketingpreis ab.

Gut, ich habe jetzt also meinen Leitsatz und begebe mich damit auf Facebook?

Facebook geht auch, aber ich würde eher meine eigene Internet-Plattform zum Zentrum machen, die ich auch selbst kontrollieren kann. Man investiert wertvolle Zeit auf Facebook und dann ist es eines Tages nicht mehr kostenfrei oder gar ganz weg. Man weiß nie, wo die Reise bei diesen Anbietern letztendlich hingeht. Also lieber eine eigene Webseite, die Social-Media-adäquat auf Facebook vorbereitet ist. Autoren sind prädestiniert dafür, auch im Internet Geschichten zu erzählen. Also bitte keine statische Webseite, wie das viele Autoren haben, sondern eine, die wie ein Blog funktioniert.

Für alle Nicht-Blogger musst du das erklären.

Die Webseite kann ganz klassisch aussehen, sollte aber eine vernünftige Informationsarchitektur haben. Die Grundlogik dahinter ist ganz einfach: Man braucht ein generelles Thema, bringt regelmäßig Inhalte dazu und das möglichst auf einer Plattform, die man regelmäßig kontrolliert und in deren Umfeld man seine Produkte präsentiert. Man muss die Seite empfehlen und kommentieren können. Gerade die Kommentarfunktion ist wichtig. Wer bei Facebook aktiv ist, ist Teil einer der größten Kommentarseiten. Das führt dazu, dass Facebook oft die primäre Anlaufseite wird, weil da die Aktion stattfindet. Ich würde mich bemühen, das auf meiner eigenen Präsenz stattfinden zu lassen.

Text: Ama Lorenz

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Leander Wattig

Seit 2007 unterstützt er Medienunternehmen und Kreativschaffende als freier Berater, hält Vorträge, engagiert sich seit 2010 als Vorstandsmitglied der Theodor Fontane Gesellschaft und ist seit 2012 Lehrbeauftragter der Universität St.Gallen. Mehr zu ihm, seiner Arbeit und seinen Aktionen gibt es im Internet unter www.leanderwattig.de und www.wasmitbuechern.de. Oder man folgt ihm auf Twitter oder Facebook oder trifft ihn bei seiner Stammtisch-Runde „Pub'n'Pub“ (#pubnpub).

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