Von Löffeln und Lebenslust

Von Löffeln und Lebenslust

Welche Dinge möchte ich noch erleben, bevor ich „den Löffel abgebe“? Diese Frage stellten sich 13 Autorinnen und Autoren und hielten ihre Lebensträume in einer „Löffel-Liste“ fest.

Erzählen Sie uns, wie es zu dem gemeinschaftlichen Buchprojekt gekommen ist. Welche Idee steht hinter Ihrem Buch?

 

Ich hatte große Lust, noch einmal eine Anthologie herauszubringen. 2011 hatte ich mit „Krimis mit Fell und Schnauze“ schon einmal recht erfolgreich eine Anthologie bei BoD gemacht, seinerzeit als Charity-Projekt zugunsten der Deutschen Tiertafel e.V..

Der Film „Das Beste kommt zum Schluss“ mit  Jack Nicholson und Morgan Freeman, der im Herbst 2013 im TV wiederholt wurde, war der Auslöser, der Zündfunke, eine bis dahin latente Idee über Lebensträume, die mir im Kopf „herumgeisterte“ in die Tat umzusetzen. In den darauffolgenden Tagen habe ich das Konzept ausgearbeitet, es in verschiedenen Foren (Facebook, BoD-Autorenforum, Xing, Twitter, Mörderische Schwestern) vorgestellt und Autoren/innen zum Mitmachen eingeladen. Von den  Zusagen haben nicht alle bis zur Textabgabe durchgehalten, aber von den anderen habe ich 13 Geschichten für das Buch ausgewählt.

Für die Arbeit an der Anthologie habe ich eine geheime Gruppe auf Facebook eingerichtet. Das hat die Kommunikation und Zusammenarbeit enorm erleichtert. Jeder Teilnehmer war zu jederzeit im gleichen Informationsstand. Und wir hatten einen geschützten Bereich, in der man frei seine Meinung äußern konnte. Die Einbeziehung der Mitautoren in manche Entscheidungen durch Abstimmungen und Diskussionen machte aus dem Projekt ein Gemeinschaftswerk.
Da ich bereits mehrere Bücher über Books on Demand veröffentlicht habe, war denn schnell entschieden, dass „Die Löffel-Liste“ auch bei BoD veröffentlicht wird.

Buch_Die_Loeffel-Liste
dummyarticle

Manu Wirtz ist Jahrgang 1959 und gebürtige Solingerin. Seit Jahren arbeitet sie als freiberufliche Grafikdesignerin für Buchverlage und in der Werbung. Dazu ist sie Autorin von Katzenkrimis, Kurzgeschichten und Sachbüchern. Mehr Informationen unter: www.manuwirtz.de

Wann haben Sie sich das erste Mal über das Thema „Buch vermarkten“ Gedanken gemacht, schon im Entstehungsprozess oder erst als das Buch fertig war?

Die ersten Ideen zum Marketing hatte ich mir schon in der Korrekturphase gemacht. Ich wollte einen wirksamen Auftritt für unsere Anthologie haben und mir dafür die professionelle Hilfe einer PR-Agentur für Literatur sichern. Das sollte uns in den überregionalen Zeitschriften und Magazinen eine Bekanntmachung der Anthologie bringen. Weil die Kosten dafür enorm hoch sind, kam ich auf die Idee des Crowdfunding. Ich habe mich für die Crowdfunding-Plattformen visionbakery entschieden, weil dort der Schwerpunkt auf kulturelle Projekte liegt. Leider haben wir das gesteckte Ziel nicht erreicht, es wurden nur 32% der Summe eingenommen.

Aber anhand der eingegangenen Spenden hatte ich gesehen, welche Art der Gegenleistung am beliebtesten war: das von ALLEN 13 Autoren/innen signierte Buch. Das brachte uns auf die Idee, 10 der fertigen Bücher auf Rundreise durch ganz Deutschland zu schicken und  von jedem der Co-Autoren/innen unterschreiben zu lassen. Damit konnten wir unser Minimalziel – Platzierung auf der Frankfurter Buchmesse plus Werbematerial (Lesezeichen mit Löffel) – finanzieren. Inzwischen sind 7 Bücher zu einem Sonderpreis verkauft, die restlichen drei werden für einen guten Zweck zugunsten der Hilfsorganisation Make A Wish versteigert. Ich denke, eine Organisation, die Wünsche erfüllt, passt am besten zu unserem Buch.

Welche Maßnahmen zur Buchvermarktung haben Sie ergriffen?

Wir haben in unserer Arbeitsgruppe diskutiert und etliche Ideen, die von den Co-Autoren kamen, umgesetzt. Dazu gehört eine eigene Fanpage auf Facebook und natürlich die Promotion in den verschiedenen Literaturgruppen im Social Web. Jeder der Autoren hat aktiv mitgemacht und das Buch auf seiner Homepage und Facebookseite vorgestellt. Eine digitale Pressemappe steht auch jedem Autor zur Verfügung, um in seiner Umgebung Zeitungen anzuschreiben.
Die Möglichkeit, das Ebook zu 0,99 € für eine Woche anzubieten, habe ich in enger Abstimmung mit BoD genutzt, um Zeitgenau Werbung für die Aktion zu machen. Leider muss ich sagen, dass der Effekt nicht groß ist, die Downloads waren überschaubar.
Die Idee, Die Löffel-Liste zu lesen und mit dem Spielfilm Das Beste kommt zum Schluss in einem Kino aufzuführen, stammt von Gerrit Fischer. Ich konnte in meiner Region zwei Kinos dafür begeistern und so wird am 22.10. um 19:00 Uhr im Eifel-Kino in Prüm und am 26.10. um 15:00 Uhr im Kinocenter in Daun das Event stattfinden.
Sehr gut kommen auch die Give-Away-Lesezeichen mit Löffelchen – in den Buchhandlungen an. Sie fallen auf und machen neugierig. Zur Frankfurter Buchmesse habe ich einen ganzen Karton mitgebracht und erfolgreich unter die Leute gebracht.
Zur Zeit läuft eine Leserunde auf Lovelybooks, von der ich mir viele Rezensionen erhoffe und der meiner Beobachtung nach ein guter Multiplikator ist. Überhaupt sind Buchblogger sehr wichtige Instrumente. Ein paar Rezensionen sind dadurch bereits erschienen, weitere stehen zur Zeit noch aus.

Facebook_Loeffel-Liste
Löffel-Lesezeichen

Was würden Sie künftigen Autoren zum Thema Buchveröffentlichung – und Vermarktung empfehlen?

Ein Buchcover ringt neben vielen anderen um Aufmerksamkeit des Lesers, es hat dafür im Onlineshop oder in der Buchhandlung weniger als 1 Sekunde Zeit. Daher ist es sehr wichtig, für sein Buch ein Cover zu wählen, das sich von den anderen abhebt. Für Die Löffel-Liste habe ich eine Idee umgesetzt, die Überschriften der Kurzgeschichten als „Wunsch-Liste“ auf einen Notizzettel zu schreiben und das als Cover zu verwenden. Ein vergleichbares Cover gibt es nicht, das macht das Buch außergewöhnlich.
Die Standards für das Marketing sind Internet (Homepage, Fanpage, Social Media), Pressearbeit, Rezensionen (Amazon, Buchblogger) und Lesungen. Hinzu kommt inzwischen auch die Beteiligung an Buchmessen, von denen Frankfurt und Leipzig die größten sind. Es gibt aber auch jede Menge regionaler kleiner Buchmessen, auf denen sich Selfpublisher mit einem Büchertisch vorstellen können, Beispiele sind:

UnKown in Essen, die Hombuch im Saarland, die Rheinland-Pfalz Buchmesse in Mainz, Münchner Bücherschau, Stuttgarter Buchwochen, oder auch themenbezogene Messen wie BuCon oder FeenCon, uvm.. Die Selbstvermarktung nimmt sehr viel Zeit und Arbeit in Anspruch, mindestens genau so viel, wie das Schreiben an sich. Das darf man nicht vergessen. Ich habe eine Selfpublisherin, die sehr viele Lesungen macht, gefragt, wie sie an die vielen Termine gekommen ist. Die Antwort war: „Einfach 3.000 Anfragen pro Jahr aussenden“. Autoren sollten auch ein Werbebudget für das Buch vorsehen für Flyer, Plakate, Lesezeichen, Postkarten o.a. Sich hier etwas Kreatives einfallen zu lassen, ist aber die eigentliche Kunst (siehe Beispiel Lesezeichen mit Löffel).

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>