Mit dem Debütroman zum Bestseller

Mit dem Debütroman zum Bestseller

Gleich mit ihrem ersten Buch „Die falsche Hostess“ stürmt Pea Jung die kindle-Bestsellerliste. Im Interview verrät die Newcomerin, warum sie sich für Self-Publishing entschieden hat, wie sie an die Erstellung und Vermarktung ihre Bücher herangeht und was ihr schönster Moment als Autorin war.

Frau Jung, Ihr Debütroman „Die falsche Hostess“ ist ein Bestseller. Seit mehr als drei Wochen ist das E-Book bereits in den Top 20 der Amazon-Verkaufscharts. Ein Start von dem jeder Newcomer-Autor träumt. Wie sind Sie überhaupt zum Schreiben gekommen?

Wie jeder andere Mensch auch: über die Schulpflicht. (lacht) Aber so richtig spannend fand ich die Schule leider nicht, weshalb ich schon immer viel Zeit mit eigenen Träumereien verbracht habe. Tagträumen hat ja einen leicht negativen Beigeschmack, ist aber jetzt vielleicht mein Vorteil.

Ansonsten kann ich nur sagen, dass meine Kindheit von Kreativität geprägt war. Zusammen mit meiner besten Freundin habe ich gemalt, gesungen, Filme gedreht, vorhandene Filme selbst nachsynchronisiert, Kurzgeschichten und Comics geschrieben. Wir haben sogar eine eigene Zeitung für unsere Freunde herausgebracht. Da auch meine Eltern Texte für die Presse schreiben, gehörte für mich „das, was mich bewegt, zu Papier zu bringen“ zum normalen Leben dazu und erschien mir nie ungewöhnlich.

1. Pea Jung

Wie kamen Sie zu der Idee, Bücher auch zu veröffentlichen und so eigene Leser zu erreichen?

Zuerst habe ich nur für mich geschrieben. Das war meine heimliche Beschäftigung und das Ergebnis war nur für mich bestimmt. Und obwohl es mich viel Überwindung gekostet hat, mit meinen Geschichten an die Öffentlichkeit zu gehen, entstand nach einiger Zeit doch genau dieser Wunsch. Ein entscheidender Moment war eine Kinovorschau, in der ich eine Idee wiederfand, die ich selbst schon einmal so ähnlich gehabt hatte. Da habe ich mir gedacht: „Hey, das wird sogar verfilmt. Dann können meine Ideen ja gar nicht so schlecht sein.“ Auf einmal überwog meine Neugier: Was sagen wohl andere Leute zu den Dingen, die mir hin und wieder im Kopf herumspuken. Interessiert sich überhaupt jemand dafür?

Haben Sie Ihr Buch auch bei Verlagen eingereicht oder haben Sie sich von Anfang an für Self-Publishing entschieden? Und welche Vorteile sehen Sie für sich im Self-Publishing?

Mit meinem immer noch geheimen Projekt einer ganzen Bücherreihe habe ich mich bei einigen Literaturagenturen beworben. Aber in den seltensten Fällen erhielt ich überhaupt eine Antwort. Auf die Idee, meine Bücher selbst herauszubringen, kam ich durch einen lieben Verwandten. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt bereits einige Bücher von Self-Publishern gelesen hatte, wäre ich alleine nicht auf die Idee gekommen.

Der größte Vorteil ist für mich eindeutig die Unabhängigkeit. Ich kann meine Geschichte von A bis Z selbst gestalten. Niemand redet mir in meinen Titel, mein Cover oder den Klappentext rein. Ich kann mir die Meinungen und Vorschläge „meines Teams“ zwar zu Herzen nehmen, letztendlich entscheide aber ich. Der Weg über einen Verlag ist für mich wie ein Umweg, der mich von interessierten Lesern trennt. Den muss ich nicht unbedingt gehen.

Welchen Anspruch haben Sie an Ihre Bücher und an sich als Autorin?

Auf jeden Fall wünsche ich mir, dass ich weiterhin so frei und unbedarft schreiben kann wie bisher, ohne mir über eventuelle Reaktionen anderer Gedanken machen zu müssen. Das möchte ich mir gerne erhalten. Wenn ich dann mit meinen Geschichten immer noch andere Menschen begeistern kann, wäre ich zufrieden.

Auch in Sachen Rechtschreibung und Stilverbesserungen will ich keine Kompromisse eingehen. Sicherlich kann immer mal wieder ein Fehler durchs System flutschen, aber im Großen und Ganzen sollte man eine ordentliche Arbeit abliefern. Das ist man als Autor den Lesern schuldig, wenn man etwas veröffentlicht. Und natürlich möchte ich mich als Autorin weiterentwickeln, damit meine Lektorin irgendwann kaum noch Arbeit mit mir hat.

Wer sind ihre Vorbilder und schauen Sie sich von diesen auch das ein oder andere ab?

Sophie Kinsellas Bücher lese ich sehr gerne. Das Abschauen passiert dabei eher unterbewusst durch bewussteres Lesen.

Pea Jung

Pea Jung

Pea Jung (Jahrgang 1977) ist mein Pseudonym. Ich bin eine deutsche Autorin und lebe mit meinem Mann und vier Kindern in der Nähe von München. Neben meiner Arbeit als Sozialpädagogin schreibe ich in meiner Freizeit romantische Liebesgeschichten mit Happy End. Ich freue mich über Leser-Feedback zu meinen Romanen. Besucht mich auf meiner Homepage www.peajung.de oder auf meiner Facebook-Seite: www.facebook.com/PeaJungAutor

Facebook_Pea-Jung-Autor

Erstellen und gestalten Sie Ihre Bücher komplett selbst oder greifen Sie auch auf die Hilfe von Lektoren und Grafikern zurück?

Glücklicherweise habe ich im Bekannten- und Verwandtenkreis die entsprechenden Berufsgruppen gefunden. Von daher bin ich froh, eine sehr gute Lektorin gefunden zu haben, deren wertvolle Unterstützung ich nicht mehr missen möchte.

Ein Cover, das die Aufmerksamkeit der Leser weckt, ist ebenfalls unverzichtbar. Deshalb würde ich die grafische Gestaltung niemals selbst in die Hand nehmen. Da braucht es schon jemanden, der das Material, das ich aussuche, in ein gutes Gesamtbild setzen kann und das ohne große Probleme am PC hinbekommt.

„Die falsche Hostess“ ist ein Bestseller. Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?

Die Geschichte war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das Cover, der Titel, der Klappentext scheinen in ihrer Gesamtheit zum Kauf anzuregen. Bei der Gestaltung habe ich mir selbst die Frage gestellt: Würde dich dieses Buch neugierig machen, wenn du es sehen würdest? So bin ich an die Sache herangegangen.

Natürlich ist der günstige Einstiegspreis beim E-Book nicht zu unterschätzen. Für die ersten sieben Wochen nach Erscheinen nutze ich einen Aktionspreis von nur 99 Cent, um neue Leser zu gewinnen. Bei Facebook habe ich zudem anhand meines Profilfotos etwas Werbung gemacht. Nach den ersten Verkäufen bin ich dann auch selbstbewusster auf andere zugegangen, wobei ich dabei immer versuche, nicht aufdringlich zu sein, weil das einfach nicht ich bin. Letztendlich gehört zum Erfolg aber auch das entscheidende Quäntchen Glück.

Die-falsche-Hostess

„Die falsche Hostess“ ist eine humorvolle Liebesgeschichte. Ihr zweites Buch „Die Wunschblase“ hat eher Züge eines fantastischen Romans. Sie lassen sich nicht auf ein Genre festlegen.

Ich glaube, dass ich es als Leser verkraften kann, wenn ein Autor unter dem gleichen Namen verschiedene Genres veröffentlicht. Wenn mir der Schreibstil gefällt, dann kann ich anhand des Klappentextes durchaus selbst entscheiden, ob ich das Buch lesen will oder nicht. Jetzt hoffe ich natürlich, dass es anderen Lesern auch so geht. Vielleicht verliere ich Leser und vielleicht gewinne ich dafür andere hinzu. Darauf habe ich es jetzt ankommen lassen.

Die-Wunschblase

Was können Ihre Leser als nächstes von Ihnen erwarten?

„Die Putzstelle“ erscheint auf jeden Fall noch in diesem Jahr. Bei dieser Liebesgeschichte geht es wieder etwas heißer her, aber nicht ganz so heiß wie in „Die falsche Hostess“.

Nach der Putzstelle möchte ich mich dann endlich der großen Idee zuwenden, die mich eigentlich zum Schreiben angeregt hat. Die Einkünfte aus den bisherigen Buchverkäufen werde ich also sofort in mein neues Projekt investieren – eine noch geheime Bücherreihe. Das erste Kapitel hierfür entstand bereits während meines Studiums vor über 15 Jahren. Ein weiteres Kapitel schrieb ich vor ungefähr 5 Jahren und vor einem Jahr hat mich dann von einen Tag auf den anderen die Schreibsucht gepackt.

Die Putzstelle

Mittlerweile habe ich schon zwei Bände vollendet und arbeite an dem dritten Teil. Zu Teil 4 habe ich bereits die Idee. Ich bin selbst gespannt, ob diese Geschichte Fans findet. Obwohl ich es mir sehr gut vorstellen kann, möchte ich bewusst keine Anspruchshaltung entwickeln. Das letzte Wort haben die Leser.

Eine letzte Frage: Was war Ihr bisher schönster Moment als Autorin?

Da muss ich nicht lange überlegen. Das war, als ich es in den Kindle-Charts unter die Top 100 geschafft habe. Das hatte ich mir insgeheim erhofft, aber niemals zu glauben gewagt. Ich sehe mich jetzt noch vor meinem PC sitzen, während mein ältester Sohn mich fassungslos ansieht. Und ich sage die ganze Zeit: „Das gibt es doch nicht. So was gibt es einfach nicht.“ Selbst, wenn jetzt niemand mehr meine Geschichten lesen wollte, könnte ich von diesem Moment noch lange zehren.

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