Beruf(ung): Reisen & Schreiben

Beruf(ung): Reisen & Schreiben

„Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“, lautet das Motto von Patrice Kragten. Mit ihrer Tochter verreist sie viel und weit – stets mit Reisetagebuch im Gepäck. Ihre langjährigen Reiseerfahrungen mit Kind gibt die Reisebüroinhaberin auch als Ratgeber-Autorin weiter.

Autoren, Buchideen, Portraits | Anja Meiners

Dass Fernreisen für Familien inzwischen ihre Kernkompetenz darstellen, entstand eigentlich aus einer Not heraus. Patrice Kragten reist von Kindheit an leidenschaftlich gern. Als ihre Tochter zur Welt kommt, muss sie feststellen, dass die Reiseplanung plötzlich einer völlig neuen Denkweise bedarf. Informationen und Tipps zum Reisen mit Kindern? Fehlanzeige! „Das muss sich ändern“, beschließt sie. Mit ihrer Tochter reist sie in den folgenden Jahren unaufhörlich, baut sich einen riesigen Erfahrungsschatz auf und eröffnet ihr eigenes Reisebüro. Aber nicht nur wer eine Reise bei ihr bucht, profitiert von ihren Reisetipps – auch die Leser ihrer zahlreichen Reiseratgeber. Im Interview verrät die Autorin, wie sie das Schreiben in ihren „Reisealltag“ einbaut, was ihre Reiseratgeber ausmacht und wie sie schon kleine Globetrotter zum Schreiben animiert.

Mit deinem Fernreiseangebot richtest du dich insbesondere an Familien mit Kindern. Was ist das Besondere am Reisen mit Kindern? 

Fernreisen und Kinder passen wunderbar zusammen. Trotzdem wird das Mitnehmen von Kindern zu exotischen Orten häufig kritisiert. Ich muss mich selbst oft rechtfertigen, warum ich meine Tochter Romy auf Fernreisen mitnehme. Irgendwie vergessen die Menschen, dass auch am anderen Ende der Welt Menschen leben, es Essen zu kaufen gibt und dass eine Infrastruktur vorhanden ist. Außerdem genießen wir unsere gemeinsame Zeit, die gemeinsamen Abenteuer, die Vorbereitungen und die Erzählungen nach unserer Reise. Natürlich ist es dabei egal, wohin die Reise geht. In China haben wir gleich viel Spaß wie in Rom.

Und Reisen bildet. Nicht nur die Erwachsenen lernen auf Reisen, wenn sie neuen Ländern und Kulturen begegnen. Auch Kinder lernen in neuen Ländern und Kulturen viele wichtige Dinge wie Anpassungsvermögen, Geduld, Selbstvertrauen, Allgemeinbildung usw.

Verrate uns drei Dinge, die du Eltern, die mit Kindern reisen, ans Herz legen würdest.

Ich möchte diese Frage nicht mit drei Dingen, sondern mit drei Worten beantworten: WENIGER IST MEHR! Wir Erwachsenen verarbeiten neue Eindrücke im Schlaf. Kinder verarbeiten beim Spielen, Malen, Schreiben. Ich muss sehr regelmäßig Kinder vor überenthusiastische Eltern schützen, indem ich ihre Reiserouten kürze, die Anzahl der Orte oder Länder reduziere oder die Aktivitäten einschränke. Das gibt zwar immer wieder Diskussionen mit meinen Kunden, aber das positive Feedback nach der Reise bestätigt meine Theorie, dass weniger mehr ist.        

PATRICE KRAGTEN

PATRICE KRAGTEN

wurde 1968 geboren. Sie ist vier Jahre alt, als sie mit ihren Eltern in einem vollbepackten Fiat 127 nach Spanien in den Urlaub fährt. Seither weiß sie, dass es mehr gibt als ihren Geburtsort Amersfoort in Holland und reist aus Leidenschaft. Nach ihrem Praktikum in einem Reisebüro fasst sie den Entschluss, Reisen zum Beruf zu machen. Heute betreibt sie ihr eigenes Reisebüro TRAVELKID in Österreich, mit dem sie sich auf Fernreisen für Familien spezialisieren hat. Ihre Erfahrungen über Reisen mit Kind gibt sie dort und als Autorin mehrerer Ratgeber weiter.

Auf deinen Reisen führst du stets Tagebuch. Welche Erlebnisse, Details und Anekdoten hältst du schriftlich fest?

Alles was ich unterwegs höre, sehe, rieche und schmecke halte ich fest. Vor allem Kleinigkeiten, die mir auffallen, muss ich gleich aufschreiben, damit ich sie nicht vergesse.

Ich notiere mir auch Hinweise und Tipps. So hatte ich bei meiner Reise nach Coasta Rica vorab nicht herausfinden können, welche Schuhe man beim Wasserfall in La Fortuna anziehen sollte. Überall konnte ich nur lesen, dass die Treppe steil und rutschig sei. Also stellte ich mich auf das Schlimmste ein und zog Bergschuhe an. Als ich die Treppe hinunterging, erkannte ich schnell, dass das ziemlich übertrieben war. Diesen Tipp kann ich jetzt meinen Kunden sowie Lesern weitergeben.

Pro Tag benötige ich etwa 1 bis 1,5 Stunden, um die Erlebnisse des Tages aufzuschreiben. Später zu Hause werden die Texte nochmals von mir übergearbeitet und mit Hintergrundinformationen versehen.

Bücherreihe-Patrice Kargten

Inzwischen hast du zahlreiche deiner Reiseberichte sogar als Bücher herausgebracht. Wolltest du ursprünglich das Erlebte für dich selbst festhalten oder war deine Intention von Beginn an, deine Reiseberichte später zu veröffentlichen?

Das Veröffentlichen meiner Reiseberichte hat für mich immer eine doppelte Funktion gehabt. Zum einen wollte ich das, was ich mit meiner Tochter erlebt habe, für meine Tochter festhalten. Anderseits schenke ich diese Bücher meinen Kunden. Die Informationen über Reisen mit Kindern sind rar. Durch meine Bücher sind meine Kunden bestens auf ihre Reise vorbereitet und finden Antworten auf die häufigsten Fragen.

Hast du dich bewusst für den Weg des Self-Publishings entschieden?

Ja, weil ich dank Print-on-Demand auch kleine Auflagen drucken kann. Es war eigentlich nicht mein primäres Ziel, dass meine Bücher in zahlreichen Buchhandlungen erhältlich sind – es ist eher ein schöner Nebeneffekt.

Würdest du sagen, dass du deine Bucherstellung heute anders angehst, als zu Beginn?  

Nein, ich bin immer noch zufrieden, auch mit BoD übrigens. Ich gestalte das ganze Buch selbst: Cover, Layout, Text, also alles. Im Grunde hat sich bei meiner Umsetzungsweise bis heute nichts verändert, nur einige alte Schwarz-/Weiß-Bilder habe ich inzwischen durch Farbaufnahmen ersetzt. Von meiner Sekretärin Sonja lasse ich mein Ausländer-Deutsch korrigieren. Aber es bleibt immer „mein“ Deutsch.

Hast du ein persönliches Ziel mit deinen Buchveröffentlichungen? 

Mein Hauptziel ist es, meine Gäste auf die große Reise mit Reisetipps und Erzählungen vorzubereiten und zu informieren. Wenn ich zusätzlich noch Familien für eine Fernreise begeistern kann, freut mich das irrsinnig, weil es meiner Meinung nach nichts Schöneres gibt, als die Welt mit Kind zu entdecken. 

Was unterscheidet deine Reiseberichte von denen anderer Reiseexperten?

Im Wesentlichen die Tatsache, dass ich alle beschriebenen Ziele selbst und vor allem mit Kind bereist habe. Wie auch in meiner Arbeit für TRAVELKID, spiegelt sich in meinen Büchern meine Reiseleidenschaft wider. Aber auch die Tatsache, dass viele anderen Reiseexperten mehr zur Kategorie Rucksacktouristen und „Low budget-Reisende“ zählen, unterscheidet mein Buch von anderen. Es gibt wenig Reiseliteratur über Rundreisen von Reiseveranstaltern. Ich schreibe ja aus der Perspektive eines Reiseveranstalters

Das Angebot von TRAVELKID spricht weniger eine Low Budget-Zielgruppe an, da wir eher ein höheres Preissegment bedienen. Auf meinen Reisen komme ich durchaus in gehobenen Hotels unter oder bin auch mal mit einem privaten Chauffeur unterwegs. In meinen Büchern gebe ich auch Einblicke hinter die Kulissen eines Reiseveranstalters und zeige die Vorteile einer Buchung über ein Reisebüro auf.

Deinen Reiseblog nutzt du auch, um deine Bücher vorzustellen. Welche Kanäle nutzt du noch für deren Vermarktung?

Wir haben ein sehr großes Werbebudget und verteilen es auf Print-, Social Media-, Reisejournal-Werbung sowie Newsletter- und Direct Mailings. Ich muss dazu sagen, dass ich in ersten Linie natürlich die Reisen vermarkte, aber dabei immer auf die Bücher eingehe, was sich letztlich positiv auf deren Verkäufe auswirkt.

Die „kleinen“ Globetrotter ermutigst du dazu, ihre Reiseerlebnisse zu dokumentieren, indem du ihnen bei erfolgter Buchung ein Reisetagebuch schenkst. Hast du deine Tochter auch schon mit dem Schreibfieber angesteckt oder unterstützt sie dich sogar bei deinen Veröffentlichungen?

Kinder verarbeiten neue Eindrücke in ihrer Freizeit, durch Spielen oder indem sie sich kreativ damit auseinandersetzen. Deswegen empfehlen wir Eltern, ihre Kinder beim Basteln, Lesen und Schreiben „runterkommen“ zu lassen. Deshalb schenken wir jedem Kind ein Reisetagebuch. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass Kinder meist die Unterstützung ihrer Eltern benötigen und es eher ein Gemeinschaftsprojekt wird. So war es bei meiner Tochter. Sie fing an zu schreiben, verlor dann aber irgendwann den Überblick und das Ganze verlief im Sande, was ich heute sehr schade finde. Jetzt ist Romy in einem Alter, in dem sie lieber vloggt, also Videos aufzeichnet.

Von welchem Reiseziel handelt dein nächstes Buch?

Mitte August fliege ich mit meiner Tochter erneut nach Costa Rica. Ich werde also das bestehende Buch Dschungelfieber aktualisieren und als Neuauflage veröffentlichen. Zum einen muss ich ohnehin alle 5 – 6 Jahre meine Bücher auf Aktualität prüfen, zum anderen werde ich dieses Buch durch unsere neue Reise in den Süden des Landes und Farbbilder ergänzen.

 

Wir dürfen gespannt sein …

Web

Ein starkes Reiseteam: Dass Patrices Tochter Romy die Abenteuerlust in die Wiege gelegt wurde, ist nicht zu übersehen.


TIPP

Sie haben auch Lust bekommen, einen Reisebericht zu veröffentlichen? Lesen Sie die wichtigsten Tipps zum Schreiben Ihres Reisetagebuchs.

Bildquellen: Travelkid / Patrice Kragten

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