Self-Publishing & Verlag: Das Beste aus beiden Welten

Self-Publishing & Verlag: Das Beste aus beiden Welten

Die Freiheit, seine Bücher nach eigenen Vorstellungen umzusetzen, sieht sie als einen wesentlichen Vorteil beim Self-Publishing. Ob Umsetzungsphase, Veröffentlichung oder Vermarktung – im Interview spricht Anna Schneider von ihren Erfahrungen als Verlagsautorin und Self-Publisherin.

Autoren, Portraits, Self-Publishing | Anja Meiners

Bereits in ihrer Kindheit entdeckte Anna Schneider ihre Leidenschaft für das Schreiben. Erst Jahre später packte sie der Ehrgeiz, ihr Hobby professioneller anzugehen – mit dem klaren Ziel, innerhalb von drei Jahren ein Verlagsangebot zu erhalten. Was sie in ihrer Entscheidung bestärkte, weiter Krimis und Thriller zu schreiben, und welche Gründe bei ihren neuesten Veröffentlichungen für Self-Publishing sprachen, erzählt Anna Schneider im Interview.

Sie sind promovierte Betriebswirtschaftlerin und waren jahrelang als Personalberaterin tätig. Wie kamen Sie zum Schreiben?
Geschrieben habe ich schon seit meiner Kindheit. Die erste, sogar selbst illustrierte Geschichte dachte ich mir im Alter von neun Jahren aus. Dann führte ich Tagebuch, schrieb Briefe an Freunde in aller Welt. Später veröffentlichte ich einige Gedichte, hörte damit aber irgendwann auf, als Studium und Job mehr Zeit in Anspruch nahmen.
Vor ein paar Jahren hatte ich erstmals den Mut, eine Story wegzuschicken und mich dem Urteil völlig fremder Menschen zu stellen. Relativ naiv habe ich daraufhin beschlossen, fortan als Autorin zu arbeiten. Ich gab mir drei Jahre, um einen Buchvertrag zu ergattern. Das hat geklappt und so übe ich heute meinen Traumberuf aus.

2013 wurden Sie auf LovelyBooks.de zur besten deutschsprachigen Debütautorin gewählt, zuvor erhielten Sie verschiedene Auszeichnungen wie den Women´s Edition Kurzkrimiwettbewerb-Preis. Was bedeutet Ihnen ein solches Feedback?
Der Preis bei LovelyBooks bedeutet mir immer noch sehr viel. Genauso wie die Nominierung der jungen Leser Monheims für den UH!-Preis. Beide Auszeichnungen werden direkt von den Lesern verliehen und zeigen, dass meine Art, Geschichten zu erzählen, bei einer gewissen Zahl von Menschen ankommt. Es könnte keine schönere Bestätigung geben, um weiter Figuren und Geschichten zu erfinden.

Nachdem einige Ihrer Werke über Verlage erschienen sind, haben Sie nun drei Ihrer Bücher bei BoD in Eigenregie veröffentlicht. Welche Vorteile sehen Sie im Self-Publishing?
Ein klarer Vorteil des Self-Publishings liegt ganz eindeutig in der Freiheit, alles so umzusetzen, wie ich es mir wünsche. Eines der Bücher, das gerade bei BoD erschienen ist, war zuvor bereits in einem Verlag erschienen, trägt jetzt jedoch erstmals den Titel, den ich mir für das Buch gewünscht habe. Die Auswahl des passenden Covers, die Farbgestaltung, kleine Besonderheiten im Satz – all das hat mir große Freude gemacht. Großes Glück hatte ich aber auch bei der Auswahl meiner Partner, denn der „Autorendienst“ hat mich in allen Phasen großartig unterstützt.
Ein weiteres Plus ist für mich die Schnelligkeit bei der Publikation. Es gibt keinen Vorlauf für Vertrieb und Buchhändler, vielmehr kann ich das Buch herausgeben, wenn es für mich gut passt. Bei großen Verlagen ergeben sich hingegen Vorlaufzeiten von bis zu einem Jahr. Dafür kann sich der Self-Publisher keines großen Vertriebsnetzes bedienen, sondern muss alles rund um die Werbung selbst organisieren. Das kostet Zeit und auch Geld.
Beide Veröffentlichungsformen haben insofern für mich Vor- und Nachteile, weshalb ich auch künftig beide verfolgen werde.

Bettina Kuebler

VITA

Dr. Anna Schneider wurde 1966 in Bergneustadt geboren und lebt nach längeren Stationen in Trier und Frankfurt heute mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in der Nähe von München. Die promovierte Betriebswirtin arbeitete an einer Universität, in einem Stahlwerk, bei einer Großbank und war außerdem als Dozentin und Coach tätig. Seit 2008 schreibt und veröffentlicht sie Krimikurzgeschichten. Ihr erster Kurzkrimi „Wer zuletzt lacht“ gewann auf Anhieb 2008 den ersten Preis des Women´s Edition Kurzgeschichten-Wettbewerbes. Weitere Auszeichnungen folgten.
www.schneideranna.com

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„Ein Lektorat ist enorm wichtig.“

Sie sind als Verlagsautorin gestartet. Wie unterscheidet sich die Herangehensweise von Buchprojekten als Self-Publishing-Autor und die Zusammenarbeit mit Experten – angefangen beim Lektorat bis hin zur gestalterischen Umsetzung?
Die ist für mich nicht unterschiedlich. Bei jedem Manuskript überlege ich mir zuerst, über welches Thema ich schreiben möchte und starte mit dem Schreiben, sobald ein Grundgerüst für den Plot steht. Auch bei den Folgearbeiten habe ich mich stark an der Arbeit der Verlage orientiert. Ein professionelles Cover ist ebenso wichtig für die individuelle Kaufentscheidung wie auch dafür, überhaupt im Buchmarkt aufzufallen. Ein Lektorat ist ebenfalls enorm wichtig und hebt die Qualität jedes Textes und gibt den Feinschliff. Es sollte deshalb von einem erfahrenen Lektor durchgeführt werden, damit die Käufer einen flüssigen Text vorfinden, in dem möglichst keine Fehler mehr sind, um ein ungestörtes Lesevergnügen zu bereiten.

Leser- und Pressestimmen als Ergänzung zum Klappentext sind eine effektive Möglichkeit, Kaufinteresse bei potenziellen Lesern zu wecken. Welche weiteren Maßnahmen haben Sie bisher zur Vermarktung Ihrer Titel unternommen?
Ich bin seit Jahren bei Facebook, um mit den Lesern in Kontakt zu bleiben. Daneben pflege ich für beide Autorennamen, unter denen ich schreibe, Websites. Für Gewinnspiele habe ich ein paar Werbemittel eingekauft, die ich durch Blogger verlosen lasse. Leserunden bei neuen Büchern wird es auch immer geben. Daneben freue ich mich, dass BoD durch die Autorenservices auch die Möglichkeit bietet, meine Bücher auf der Frankfurter Buchmesse einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Ich liebe es, aus meinen Büchern zu lesen und mit dem Publikum zu diskutieren. Durch meine langjährige Tätigkeit als Dozentin bin ich das Sprechen vor Menschen gewöhnt und liebe den direkten Austausch. Insofern freue ich mich, dass viele Buchhändler und Bibliotheken, bei denen ich einmal zu Gast war, mich beim folgenden Buch erneut eingeladen haben.

„Zum Schreiben brauche ich Ruhe und Zeit.“

Beschreiben Sie Ihre perfekte Schreibumgebung. Wie und wo erhalten Sie Inspiration?
Bei meiner Schreibumgebung bin ich recht anspruchslos. Ich sitze am liebsten an meinem Schreibtisch in einem eigenen Zimmer. Die einzige Ablenkung besteht aus Kaffee und Schokolade, ansonsten brauche ich nur Ruhe und Zeit.
Inspirationen begegne ich hingegen immer und überall: Das kann ein Gesprächsfetzen sein, ein Name, ein Foto, ein Thema in einem Zeitungsartikel und schon entsteht ein Charakter oder manchmal gleich eine ganze Geschichte in meinem Kopf. Ich notiere, fotografiere und sammele deshalb viele Dinge, um sie später in Büchern zu verwenden.

Wie wichtig ist Ihnen der Austausch mit Ihren Lesern und wo treten Sie mit ihnen in Kontakt? Sind Sie beispielsweise auf Messen aktiv oder halten Sie Lesungen?
Der Kontakt zu meinen Lesern ist mir enorm wichtig und mit einigen hat sich sogar mittlerweile eine Freundschaft entwickelt. Überhaupt tausche ich mich gerne mit Büchermenschen aus: Mit Buchhändlern und Buchhändlerinnen genauso wie mit Mitarbeitern von Bibliotheken oder Bloggern. Ich bin deshalb regelmäßig auf Messen, aber auch bei Lesungen von Kollegen und kommuniziere sehr gerne auf Facebook oder via Mail mit anderen Interessierten. Dies erleichtern die modernen Medien enorm, worüber ich sehr froh bin.

„Als Autor braucht es nicht nur Fantasie und Disziplin.“

Sind schon konkrete weitere Buchprojekte in Planung?
Immer! Derzeit arbeite ich am ersten Teil einer neuen Krimiserie, die im kommenden Jahr in einem großen Publikumsverlag erscheinen wird. Ab Herbst beginne ich mit dem nächsten Projekt, bin aber derzeit noch nicht sicher, ob es ein All-Age-Titel oder ein neuer Psychothriller sein wird.

Sie haben jetzt erste Erfahrungen mit Self-Publishing sammeln können. Gab es für Sie besondere Erkenntnisse oder haben Sie einen Tipp, den Sie Self-Publishing-Neulingen mit auf den Weg geben können?
Es braucht als Autor nicht nur Fantasie und Disziplin. Auch Geduld und eine große Portion Frustrationstoleranz sind wichtig. Die wenigsten Autoren landen mit dem Debüt einen großen Erfolg, vielmehr erweitert man mit jedem neuen Buch den Bekanntheitsgrad und verbessert den eigenen Stil. Wer diesen langen Atem mitbringt, wird allerdings einen wunderbaren Beruf haben und vielleicht eines Tages sogar davon leben können.

  1. Herwig Silber am 23.08.2017, 16:43 :

    Dass der Beruf des Schriftstellers erfüllend ist, würde ich sofort unterschreiben, davon Leben zu können ist aber eher wenigen vergönnt. An meinem (einzigen) Roman habe ich mehrere Jahre geschrieben. Die Kritiken waren ansehnlich, der wirtschaftliche Erfolg blieb dennoch aus. Jetzt schreibe ich nur noch kurze Geschichten, zusammen mit Freunden, die sich als Mitglieder eines Literaturkreises leidenschaftlich mit anspruchsvollen Texten auseinander setzen. Mittlerweile befinden wir mit der 24. Staffel unserer Themensammlung im achten Jahr unseres Schreibvergnügens. Einige von den Geschichten haben wir im Team bereits bei BoD als Buch veröffentlicht. Da noch sehr viel lesenswertes Material vorliegt, wird es sicherlich bald eine Fortsetzung mit Geschichten aus Berlin geben.

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