Win-win mit Self-Publishing

Viele Self-Publisher träumen davon, ihr Buch im stationären Buchhandel zu verkaufen. Dieser Wunsch stößt bei Sortimentern oft auf wenig Gegenliebe, dabei birgt der Vertrieb selbst veröffentlichter Titel auch für sie Chancen. Ein Kommentar von BoD-Geschäftsführer Dr. Florian Geuppert.

Nicht nur der Online-Buchhandel und das Geschäft mit E-Books boomen, auch das Self-Publishing floriert. In den USA wird bereits fast jedes zweite Buch in Eigenregie publiziert, hierzulande zeigt der Trend in dieselbe Richtung. Doch bisher profitieren neben Autoren und Self-Publishing-Anbietern vor allem die Onlinebuchhändler von diesem Trend, allen voran Amazon. Viele Sortimenter überlegen zwar, wie sie am E-Book-Markt teilhaben können, aber wie sie sich auch ein Stück vom Self-Publishing-Kuchen abschneiden können, fragen die wenigsten.

Buchhandlungen profitieren von engagierter Buchvermarktung

Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Viele Bücher mit lokalem oder regionalem Bezug erscheinen im Selbstverlag und können für Kunden aus der Umgebung ein wichtiger Grund sein, die Buchhandlung aufzusuchen. Zweitens: Viele Self-Publisher vermarkten ihre Bücher extrem engagiert und professionell. Sie trommeln im Social Web, machen gute Pressearbeit, organisieren Lesungen und werben um Zuhörer– was kann einer Buchhandlung Besseres passieren? Drittens: Self-Publishing-Titel gibt es zu so gut wie jedem Thema. Eine passende Auswahl kann das eigene Sortiment gegenüber dem einheitlich-unübersichtlichen Angebot im Internet abheben und den Kunden einen echten Mehrwert bieten.

BoD-GF-Dr-Florian-Geuppert

Self-Publisher professionalisieren sich

Doch zahlreiche Buchhändler stehen Self-Publishing-Titeln nach wie vor skeptisch gegenüber, nicht zuletzt wegen ihrer vermeintlich minderen Qualität. Doch die Ansprüche der Self-Publishing-Autoren steigen. So nutzt mittlerweile ein Großteil unserer Kunden Dienstleistungen wie Lektorat, Satz und Coverdesign. Auch die Ergebnisse der Self-Publishing-Studie von BoD, bei der mehr als 1.700 Self-Publisher in Europa befragt wurden, zeigen diese Professionalisierung: Mehr als ein Drittel der deutschen Befragten hat bereits ein Buch in einem traditionellen Verlag veröffentlicht. Für rund 17 Prozent ist das Schreiben Hauptbeschäftigung und -einnahmequelle, und weitere 9 Prozent nutzen Self-Publishing beruflich, indem sie mit Sach- und Fachbüchern ihren Expertenstatus untermauern.

Auch was die Bestell- und Lieferwege betrifft, gibt es kaum Unterschiede. So sind beispielsweise BoD-Titel nicht nur im VLB gelistet, sondern auch über die führenden Buchgroßhändler zeitnah zu beziehen und bei Bedarf im Rahmen der jeweils vereinbarten Konditionen voll remissionsfähig.

Perlen abseits des Mainstreams

Sicher, allein die Massen an Verlagsvorschauen sind kaum zu bewältigen. Sich auch noch mit Self-Publishing-Titeln zu befassen, erscheint da fast unmöglich. Doch ist es wirklich ratsam, diese riesige Fundgrube per se außen vor zu lassen? Fachkundige Beratung und profilierte Sortimente werden zukünftig die wichtigsten Gründe sein, eine Buchhandlung aufzusuchen. Dabei kann es nur von Vorteil sein, auch abseits des Mainstreams nach Perlen zu suchen. Viele Leser wissen es zu schätzen, wenn sie auf Besonderes aufmerksam gemacht werden. Und viele Self-Publisher sind engagiert und geschäftstüchtig. Buchhändler sollten es ausprobieren, am besten zuerst mit Autoren aus ihrer Nähe.

 

Text: Dr. Florian Geuppert, Geschäftsführer BoDTM – Books on Demand GmbH

Gastspiel Beitrag | Börsenblatt