Auf Leserfang mit Geocaching

Auf Leserfang mit Geocaching

Spurensuche per GPS spielt eine zentrale Rolle in Charly Essenwangers Freizeit und in seinem packenden Thriller. Ob Promo-Aktion im Supermarkt oder Werbegeschenke für Buchkäufer – mit welchen innovativen Maßnahmen der Autor auf Leserfang geht, verrät er im Interview.

Autoren, Spotlight, Tipps | Anja Meiners

Der gelernte Industriemechaniker Charly Essenwanger bezeichnet sich selbst als „Leseratte“, hatte schon immer Freude am Schreiben und seit längerem eine große Leidenschaft für Geocaching. Dieses Hobby war es schließlich, das ihn auf die Idee für sein erstes Buch „First to Find“ brachte. Anders als man vermuten könnte, handelt es sich nicht um einen Ratgeber, sondern um einen packenden Thriller, in dem der Protagonist Geocaching für die Umsetzung seines heimtückischen Mordplans nutzt. So spannend und außergewöhnlich wie die Handlung seines Buchs, so individuell sind auch die Maßnahmen, die der Self-Publisher zur Vermarktung ergriffen hat. Lesen Sie jetzt das spannende Interview mit Charly Essenwanger.

Erzählen Sie uns, was hinter ihrem Buchprojekt steht, bzw. aus welcher Motivation ist der Thriller „First to Find“ entstanden.

Es war schon immer ein Traum von mir, Autor zu werden. Aber erst die Möglichkeit des Selfpublishings hat bei mir den Ausschlag gegeben, es zu versuchen. Aber zunächst benötigte ich eine Story, die erzählt werden sollte. Ich bin begeisterter Geocacher, eine Art Schnitzeljagd per GPS. Dieses Hobby birgt großes Potenzial für Romane, aber es gibt erstaunlich wenige Romane bisher darüber. Ich habe vor geraumer Zeit einen Bericht darüber im TV gesehen, wo es um Immobilienbetrug, vor allem in den neuen Bundesländern kurz nach der Wende, ging. Es gab Immobilienmakler, die Wohnungen in den neuen Bundesländern völlig überteuert verkauften. Die Käufer wurden dermaßen eingelullt, bis sie sich plötzlich als Eigentümer einer Wohnung wiederfanden. Oft kapierten die Käufer erst nach Jahren, dass sie massiv über den Tisch gezogen worden waren. Es gibt abertausende solcher Fälle, die in private Pleiten führten. Was müssen die Betrogenen für einen Hass auf den damaligen Verkäufer bekommen haben? Und wir reagiert ein betrogener Mensch, der nach über 20 Jahren nach überstandener Pleite diese dubiose Person wiedertrifft und derjenige mit seinem Reichtum angibt? In meinem Buch wird der brave, nette Familienvater zum Mörder und fühlt sich plötzlich, wie befreit. Ich wollte einen neuen Ansatz für den Mord und hatte die Idee, mein Opfer mittels Geocaching in den Wald zu locken, um ihn zu töten.

Charly Essenwanger

Charly Essenwanger

wurde 1967 geboren und lebt mit seiner Frau Ruth, zwei bis drei Katzen und einem Mischlingshund im Allgäu. In seinem Debütroman lässt er nicht nur regionale Aspekte einfließen, sondern auch sein Hobby, das Geochaching, spielt eine zentrale Rolle. Mit witzigen Anekdoten bindet er das Thema Veganismus in die Handlung ein, er selbst und der Kommissar in seinem Buch sind Veganer.
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Wer nicht wagt, der nicht gewinnt … Mit seiner Idee, seinen Thriller im örtlichen Supermarkt zu promoten, traf der Self-Publisher ins Schwarze: Viele Kunden kauften spontan sein Buch.

Wann haben Sie sich das erste Mal über das Thema „Buch vermarkten“ Gedanken gemacht, schon im Entstehungsprozess oder erst, als Ihr Buch fertig war?

Über das Marketing habe ich mir im Vorfeld lose Gedanken gemacht. Ich hatte ein paar Ideen, die ich auch umgesetzt habe. Doch die besten Ideen hatte ich zusammen mit meiner Frau, als das Buch bereits fertig und über BoD erschienen war.

Wie plant man die Buchvermarktung? Welche Erfolge hatten Sie? Gehört auch eine Portion Glück dazu?

Juni 2017: In einem Supermarkt in unserer Stadt stehen im Vorraum immer wieder Firmen, die ihre Artikel anbieten. Ich habe mir mit meiner Frau überlegt, was dagegen spricht, ebenfalls einen Stand aufzubauen und meine Bücher zu verkaufen. Schließlich handelt es sich bei meinem Buch um einen Regionalkrimi eben aus dieser Stadt. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, ob die Kunden mein Buch kaufen würden. Denn so etwas gab es meines Wissens noch nicht, dass jemand sein Buch vor dem Supermarkt verkauft. Ich habe ein Standbanner in Auftrag gegeben, Flyer und Lesezeichen. Dann habe ich jedem Kunden einen Flyer in die Hand gedrückt und ihnen gesagt, dass ich hier als Autor mein Buch verkaufe. Die Kunden hatten während dem Einkauf Zeit den Flyer zu lesen. Nach dem Einkauf mussten die Kunden wieder an mir vorbei und überraschend viele Leute haben mit mir über das Buch gesprochen und auch gekauft. Der Erfolg war grandios und die Resonanz auf die Aktion ebenfalls. Es gab nur positive Reaktionen darauf.

August 2017: Bei einem großen Geocachertreffen mit über 4.000 Teilnehmern, habe ich zusammen mit meiner Frau einen Stand aufgebaut. Das Standbanner, ein dekorierter Tisch, Lesezeichen, Flyer etc. und 200 Bücher wurden ausgestellt. Als spezielles Goodie gab es noch für jeden Käufer einen Geocache geschenkt, ein Röhrchen mit Logbuch, um selbst einen Cache zu verstecken. Ich habe versucht, eine Strichliste zu führen, wie viele Bücher ich verkaufe. Doch schon nach 11 Strichen hatte ich gar keine Zeit mehr dafür. Die Geocacher standen zeitweise mit 15 Menschen hintereinander, um ein Buch mit Signatur, Geocache und Lesezeichen zu bekommen. Nach etwa sechs Stunden waren alle Bücher verkauft und immer noch wollten Kunden mein Buch kaufen. Ich musste die Menschen vertrösten und habe eine Warteliste erstellt. Von Zuhause aus habe ich dann die bereits bezahlten Bücher verschickt.

Ich habe auf einschlägigen Seiten bei den sozialen Medien Seiten aufgesucht und dort bei den Zielgruppen (in meinem Fall Geocaching) meine signierten Bücher angeboten. Mit den Goodies Lesezeichen und Geocacheversteck wurden sie sehr gerne genommen. Ich war tagelang damit beschäftigt, Bücher einzupacken und an die interessierten Leser zu versenden.

Wie wichtig ist Ihnen der Austausch mit Ihren Lesern und wo treten Sie mit ihnen in Kontakt? Sind Sie beispielsweise auf Messen aktiv oder halten Sie Lesungen?

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Passend zu Thema und Zielgruppe seines Buchs, hat Charly Essenwanger ein großes Geocachertreffen als Vermarktungsplattform genutzt. Toller Anreiz: Bei jedem Buchkauf gab es für die Leser ein Lesezeichen, Geocache sowie ein Röhrchen mit Logbuch geschenkt!

Der Austausch mit Lesern ist mir sehr wichtig. Ich hatte bisher sehr viele ergiebige Gespräche mit meinen Lesern. Einige hatten konstruktive Vorschläge für künftige Projekte, hatten Anregungen und haben auch kritisiert. Dafür bin ich den Lesern sehr dankbar. Auch Lesungen habe ich schon gehalten. Vor allem bei der Zielgruppe der Geocacher, die gerne zuhören, wenn es um ihr Hobby geht.

Welche Marketingmaßnahme halten Sie für Autoren für zwingend notwendig?

Ich finde es sehr wichtig, dass man seinen Namen und sein/e Werk/e bekannt macht. Ich habe 5.000 Flyer und ebenso viele Lesezeichen drucken lassen. In meinem Heimatdorf habe ich in jeden Briefkasten einen Flyer gesteckt. Dort kennt man mich und einige haben daraufhin mein Buch gekauft. Meine Flyer verteile ich auch in Restaurants, Bäckereien, Supermärkte etc. Natürlich muss man vorher den Besitzer, Betreiber, Filialleiter fragen, ob man seine Flyer auslegen darf.
Gerne nehmen die Kunden Lesezeichen. Mit einem Bändchen garniert ist so ein Lesezeichen ein sehr gern genommenes Geschenk. Auch in den Buchläden meiner Heimatstadt habe ich diese Lesezeichen großzügig verteilt, um Interesse am Kauf meines Buches zu erzeugen. Erhalten sie dann auch noch ein signiertes Exemplar, sind die Leser glücklich.

Gab es einen ganz besonderen Moment in der Buchvermarktung? Welches positive Feedback ist Ihnen hier in guter Erinnerung?

Mit Buchplakaten wollte ich mich in einem Buchladen in unserer Stadt vorstellen. Ich wollte die Betreiberin fragen, ob sie mein Buch in ihr Programm aufnehmen würde. Doch sie kam mir zuvor. Kaum hatte ich den Laden betreten, sagte die Dame zu mir, dass ich doch dieser Autor dieses Buchs da sei und zeigte auf das Buchregal, wo einige Exemplare meines Buches in prominenter Nachbarschaft standen. Ich war entsprechend verdutzt. Doch damit nicht genug, sie sagte zu mir, dass ja an diesem Tag mein Buch in der regionalen Zeitung vorgestellt worden sei. Auch das ließ mich perplex den Mund aufklappen. Selbstverständlich durfte ich meine Plakate aufhängen und Lesezeichen hinterlassen. Die Buchhandlung hat bis heute vier Mal nachbestellt. Ich habe natürlich die Tageszeitung von damals gekauft und grinsend den Bericht über mein Buch gelesen.

Was können Sie künftigen Autoren zum Thema Buchvermarktung empfehlen?

Lassen Sie sich etwas Besonderes einfallen. Sehen Sie zu, dass Sie ins Gespräch kommen. Hat Ihr Buch eine bestimmte Zielgruppe? Suchen Sie diese Klientel bei den Sozialmedien und bewerben Sie dort Ihr Buch. Suchen Sie das Gespräch mit Ihren Lesern.

Wir danken für das äußerst inspirierende Interview!

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Auf verschiedenen Veranstaltungen bringt der Autor dank persönlichen Austauschs und toller Werbegeschenke seine Bücher erfolgreich unter die Leser.

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Mehr Infos zum Spotlight-Konzept

BoD sucht erfolgreiche Autoren und honoriert kreative Ideen zur Buchvermarktung. Profitieren Sie davon und schicken uns ganz einfach Bilder, Videos und/oder eine kurze Beschreibung Ihrer Vermarktungsaktivität an: spotlight@bod.de. Mit etwas Glück meldet sich BoD bei Ihnen mit einem kostenlosen Angebot zur weiteren Buchvermarktung! Folgende Voraussetzung müssen erfüllt sein, um Spotlight-Autor zu werden:

  • Umsetzung einer ausgefallenen Idee zur Buchvermarktung
  • Parallel prüft BoD die Buchverkaufszahlen
  • BoD recherchiert und bewertet auch positiven Presse- und Leserstimmen zum Werk

  1. Hans Sachs am 24.11.2017, 19:46 :

    Ja, wer eine Frau hat, die ihm zur Seite steht, und dazu noch gute Ideen…. Viel Erfolg weiterhin.

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