Frischer Wind beim Buchmarketing

Frischer Wind beim Buchmarketing

In seinem Ratgeber „Das Pups Tabu“ behandelt Jan Rein ein Thema, über das zwar niemand gern spricht, das offenbar jedoch viele Menschen anspricht. Mit welchen Marketingmaßnahmen der Blogger und Autor seine Leser erreicht, verrät er im Interview.

Der Blogger und Autor Jan Rein erzählt im Interview, wie seine Idee entstand, ein Buch zu dem vermeintlichen Nischen- sowie Tabuthema Verdauungsprobleme zu schreiben. Zudem beschreibt er die Relevanz der sozialen Medien bei der Buchvermarktung und die Wichtigkeit, ein Netzwerk und Sichtbarkeit aufzubauen. Denn auch er stellt fest: Ein perfektes Buch bringt noch keine Leser, wenn diese nichts davon wissen.

Erzählen Sie uns, wie es zu diesem ungewöhnlichen Buchprojekt gekommen ist.

Ich wurde ungewollt zum Experten. Nachdem ich lange Zeit insbesondere mit heftigen Blähungen zu kämpfen hatte, die sogar alltägliche Dinge wie Einkaufen oder Verabredungen zur Tortur werden ließen, beschloss ich, darüber zu schreiben. Zusammen mit meiner Partnerin Laura Merten betreibe ich den YouTube-Kanal und Blog Semper Veganis, wo ich über die damaligen Probleme berichtete und seither täglich Fragen zum Thema Verdauung bekomme.

Ich erkannte, dass ich nicht der einzige Mensch war, der im Stillen leidet. Nachdem es mir wieder besser ging, teilte ich die Tipps, die mir auf meinem Weg geholfen hatten, und half damit etlichen Zuschauern und Lesern. Im Sommer 2014 fing ich vermehrt an, Blogartikel über Verdauung zu schreiben, die sehr häufig gelesen wurden, und ich erkannte, dass es Sinn machen würde, ein Buchprojekt ins Leben zu rufen. Das Pups Tabu war geboren.

Print und E-Book Pups Tabu

Nimmt kein Blatt vor den Mund: Mit seinem unverblümten Umgang mit dem „Tabuthema“ trifft Jan Rein den Nerv vieler Leser.

War Ihnen klar, dass Sie mit einem Pups Tabu-Buch Erfolg haben werden?

Durch die erwähnten Videos auf YouTube mit teilweise rund 100.000 Aufrufen pro Video wusste ich natürlich, dass es eine große potenzielle Leserschaft gibt. Auch die zahlreichen Mails und Kommentare, die mich täglich erreichten und immer noch erreichen, waren ein Indiz für den Erfolg des Buchs. Doch am Ende des Tages waren es nur Prognosen und Annahmen. Zugegebenermaßen sehr hilfreiche und positive.

Verdauung ist natürlich ein Tabuthema in unserer Gesellschaft und am Erfolg von Darm mit Charme lässt sich erkennen, dass es großes Interesse an der Thematik gibt. Doch ich wollte einen Schritt weitergehen und nicht bloß erklären, wie die Verdauung funktioniert, sondern tatsächlich einen Erfahrungsbericht liefern, der dem Leser zeigt: Du bist nicht alleine mit deinen Beschwerden und es gibt eine Lösung für dieses Problem.

Die Reichweite, die ich mit dem YouTube-Kanal und dem Blog bereits vor der Veröffentlichung aufgebaut hatte, war natürlich ein Segen für den Verkaufsstart.

War das Thema „Buch vermarkten“ schon im Entstehungsprozess aktuell oder erst, als das Buch im Januar fertig war?

Das Thema war für mich schon im Entstehungsprozess relevant, jedoch nur untergeordnet. An erster Stelle stand für mich die Qualität meines Buchs. Ich wollte damit einen Ratgeber schaffen, der unterhält, ermutigt, bildet und wirklich hilft. Erst als ich davon überzeugt war und die letzten Worte getippt hatte, rückte das Marketing in den Vordergrund. Ich überlegte mir einen geeigneten Titel, schaute mir die „Konkurrenz“ an und entwarf eine Strategie für die Bewerbung.

Schon bevor ich Das Pups Tabu geschrieben hatte, befasste ich mich mit Marketing und las dutzende Bücher zu dem Thema. Ich finde es wichtig, sich als Autor damit auseinanderzusetzen, denn man sollte nicht erwarten, dass man bloß ein Buch veröffentlichen muss und schon zum Bestseller-Autor wird. Der Name sagt es schon: Bestseller. Es geht darum, das eigene Werk gekonnt zu vermarkten, gerade wenn man – gewollt oder nicht – keinen großen Verlag im Rücken hat. Beim Selfpublishing ist man im Idealfall Autor und Marketingexperte in einer Person, was im Übrigen gar kein Hexenwerk ist.

Ich habe mich deshalb bewusst für das Selfpublishing bei BoD entschieden, weil ich diese angelesenen Fähigkeiten dem Härtetest unterziehen wollen.

Videodreh_Buchmesse

Die Kamera stets dabei: Seinen Besuch der Leipziger Buchmesse hält Jan Rein für seine Leser und Follower auf Video fest.

Sie haben gerade die Leipziger Buchmesse besucht. Welches Potenzial sehen Sie, als Autor die Buchmessen zu besuchen?

In meinen Augen ist es pure Inspiration, eine solche Messe zu besuchen. Auf dem Rückweg waren gleich drei Ideen für neue Buchprojekte in meinem Kopf, von denen ich aktuell eine umsetze. Es ist einfach schön zu sehen, welch eine Vielfalt es auf dem Buchmarkt gibt. Die Fülle der einzelnen Nischen ist einfach gigantisch. Außerdem war es toll zu sehen, dass sich so viele Menschen in unserer schnelllebigen Zeit des Informationsüberflusses für Bücher interessieren.

Am Stand von BoD war es supernett, die Gespräche mit den Mitarbeitern waren bereichernd und der Kaffee war lecker. Kurz gesagt: Ich freue mich schon auf die Frankfurter Buchmesse.

Welche Marketingmaßnahmen sind für Autoren ein Muss?

In meinen Augen ist es zwingend notwendig, die sozialen Medien und das Internet generell zu nutzen, da sich dort die potenzielle Leserschaft täglich tummelt. Dabei ist es unabdingbar, aktiv Werbung für das eigene Buch zu machen. Ein Buch kann noch so toll, hilfreich und wunderbar geschrieben sein – wenn es niemand kennt und davon Wind bekommt, wird es nicht gelesen. Ein schöner Leitsatz ist hierbei: Niemand wartet auf dein Buch!

Es schadet nicht, sich eine Reichweite im Internet aufzubauen, so wie ich es mit Semper Veganis getan habe. Jeder kann sich eine Facebook-Seite erstellen, Videos mit Mehrwert auf YouTube veröffentlichen, einen Blog starten oder Fotos auf Instagram posten. Auf welches Netzwerk man seinen Fokus legt, hängt natürlich maßgeblich von der Zielgruppe ab. Für Bianca, die ein Kochbuch schreibt und vermarkten möchte, würde ich Rezeptvideos auf YouTube und Bilder ihrer Leckereien auf Instagram empfehlen. Robert, der seinen Finanzratgeber vermarkten möchte, könnte zum Beispiel mit einem Blog starten, auf dem er seine besten Tipps in ausführlichen Beiträgen der Welt präsentiert und dabei hilfreiche Grafiken verwendet, die gerne geteilt werden.

Auch der direkte Kontakt zu Multiplikatoren wie Bloggern zahlt sich aus. Kein Autor, der auf Selfpublishing setzt, sollte geizig mit kostenlosen Exemplaren für Blogger umgehen, um mehr Reichweite und ausführliche Kritiken zu bekommen. Beim Anschreiben von Bloggern ist natürlich zu beachten, dass diese zum eigenen Thema passen. Es kann auch sinnvoll sein, nicht sofort die Top-3-Blogger der jeweiligen Nische zu kontaktieren, da diese wahrscheinlich sehr viele solcher Anfragen bekommen und womöglich keine Zeit oder kein Interesse haben. Man kann es natürlich auf diesem Weg versuchen, aber ich empfehle zunächst Blogger zu suchen, die zwar nicht zur Elite gehören, aber dennoch eine ansehnliche Reichweite haben und vielleicht sogar von einem der Top-Blogger der Nische gelesen werden.

Mein Top-Tipp zum Mitnehmen: Präsenz im Internet zeigen und ein Netzwerk aufbauen.

Gab es einen ganz besonderen Moment in der Buchvermarktung? Welches positive Feedback ist Ihnen hier in guter Erinnerung?

Die ersten Bewertungen auf Amazon haben schon sehr gutgetan. Diese geben dem Buch natürlich noch mal einen sogenannten Social-Proof. Am meisten freuen mich jedoch ganz klar die persönlichen Nachrichten, in denen Leser sich persönlich bei mir bedanken und schreiben. Gerade Verdauungsprobleme sind ein Tabuthema, über das viele Menschen nicht öffentlich sprechen möchten und deshalb eher eine E-Mail schreiben als eine öffentliche Rezension.

Was können Sie künftigen Autoren zum Thema Buchvermarktung empfehlen?

Haben Sie keine Angst vor dem Marketing. Schreiben Sie ein Buch, von dem Sie zu 100 Prozent überzeugt sind, und rühren Sie die Werbetrommel. Es ist nur die halbe Miete, ein tolles Werk abzuliefern. Dieses muss nun erfolgreich beworben werden, denn wie schon gesagt: Niemand wartet auf Ihr Buch. Es sei denn, Sie heißen Stephen King.

Mir hat es unheimlich geholfen, bei anderen erfolgreichen Marketingexperten Inspiration zu suchen – meist über Bücher. Ich empfehle jedem künftigen (Selfpublishing-)Autor, sich bewusst und intensiv mit dem Thema Marketing auseinanderzusetzen und das Gelernte auch wirklich anzuwenden. Dabei muss man das Rad nicht neu erfinden, sondern es reicht schon, bewährte Tipps zu beherzigen: Social Media ist fester Bestandteil des 21. Jahrhunderts und das Schaffen von Mehrwert durch einen Blog, Videos oder Interviews helfen immer dabei, die eigene Bekanntheit und den Expertenstatus von Sachbuch- oder Ratgeberautoren auszubauen. Doch auch Romanautoren profitieren von einer Internetpräsenz und einem starken Netzwerk.

Nicht nur beim Schreiben, sondern auch beim Marketing gilt: Nehmen Sie es selbst in die Hand. Überlegen Sie sich, wo sich Ihre Zielgruppe tummelt, nach welchen Inhalten sie sucht und welche Influencer (neudeutsch für: einflussreiche Person) für eine Kooperation interessant wären. Dabei sollten wir nie vergessen, dass Marketing im 21. Jahrhundert nichts mehr mit Marktschreiern zu tun hat, die einfach nur brüllen: „Hier bin ich. Kauft mein Buch!“ Niemand mag nervige Verkäufer oder? Viel besser ist es, dem potenziellen Leser einen echten Mehrwert zu bieten – gerne auch zunächst kostenlos über den eigenen Blog und damit Reziprozität zu triggern.

Wenn Sie diese leicht umzusetzenden Tipps beherzigen, sind Sie bereits auf Erfolgskurs. Ich wünsche Ihnen von Herzen ganz viel Erfolg!

Jan Rein

Jan Rein

ist 1992 geboren und Student der Ökotrophologie in Gießen. Nebenbei betreibt er zusammen mit seiner Partnerin Laura Merten den YouTube-Kanal Semper Veganis samt zugehörigem Blog und sonstigen Seiten. Seine Art komplizierte Sachverhalte in leicht verständlichen und unterhaltsamen Worten wiederzugeben, begeistert viele Leser des Pups Tabu und Zuschauer auf YouTube.
www.pups-tabu.de

Mehr Infos zum Spotlight-Konzept

BoD sucht erfolgreiche Autoren und honoriert kreative Ideen zur Buchvermarktung. Profitieren Sie davon und schicken uns ganz einfach Bilder, Videos und/oder eine kurze Beschreibung Ihrer Vermarktungsaktivität an: spotlight@bod.de. Mit etwas Glück meldet sich BoD bei Ihnen mit einem kostenlosen Angebot zur weiteren Buchvermarktung! Folgende Voraussetzung müssen erfüllt sein, um Spotlight-Autor zu werden:

  • Umsetzung einer ausgefallenen Idee zur Buchvermarktung
  • Parallel prüft BoD die Buchverkaufszahlen
  • BoD recherchiert und bewertet auch positiven Presse- und Leserstimmen zum Werk

  1. Gerd Pechstein am 12.04.2016, 16:40 :

    Ein sehr interessantes Interview, wobei zu bemerken ist, dass sich Jüngere im Sozial-Media-Bereich leichter zurecht finden als Ältere. Haben wenigen Berührungsängste und kennen sich oft besser mit der etwas lockereren Kommunikation aus. Trotzdem sollte es jeder versuchen, denn ich kann dem Satz aus eigener Erfahrung voll zustimmen: Niemand wartet auf Dien Buch. Ich ergänze – denn es weiß niemand von dessen Existenz. Es ist aber auch ein schmaler Grat zwischen erfolgreichen Marketing und “nervigen Anpreisen” und die Abwägung geeigneter Maßnahmen nicht leicht. Ich habe da mit meinem Reisebuch “Fuerteventura Insel unserer Träume” auch Erfahrungen gesammelt. Im Großen und Ganzen aber erstaunt über Interesse und vor allem über das positive “Feedback” wie es auch Jan Rein erlebte bzw. erlebt.

    • Anja Meiners am 12.04.2016, 17:07 :

      Hallo Gerd,
      danke für dein positives Feedback auf das Interview. Glücklicherweise gibt es nicht nur diese eine Möglichkeit der Buchvermarktung. :) Die Entscheidung, on man als Autor auch in sozialen Netzwerken aktiv ist, richtet sich durchaus auch nach der Zielgruppe.
      Viel Erfolg mit deinem Buch.

      Schöne Grüße
      Anja von BoD

  2. Peter Wedtrat am 14.04.2016, 10:03 :

    Hallo Gerd. Mich würden deine Erfahrungen beim Marketing und nervigen Anpreisen interessieren. Kannst du dazu hier ein paar Worte schreiben?
    Dank dir
    Peter

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