Tipps zur Figurenentwicklung

Tipps zur Figurenentwicklung

„Und plötzlich zog er ein Messer“ … Ein BoD-Lektor verrät, wie Autoren ihre Figuren kennenlernen und von ihnen trotzdem noch überrascht werden können. Gemeinsam mit Beemgee sucht und prämiert BoD das ausdrucksstärkste Figurenkonzept.

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Text: Marcel Lacher

Haben Sie auch schon die Erfahrung gemacht, dass man Menschen erst in einer Krise richtig kennenlernt? Der Hektiker im Alltag zum Beispiel, der bei einem Unglücksfall plötzlich die Ruhe selbst ist. Der Tugendbold, der einem in einer Notlage im Stich lässt – oder die Egomanin, die dann doch für einen da ist, wenn es drauf ankommt: Geraten Leute in eine Situation außerhalb ihrer Alltagsroutine, zeigen sie häufig überraschend Züge, die sie glänzen lassen oder aber sie blamieren können. Manche freilich reagieren auch genau wie erwartet.

Figuren finden statt erfinden

Wenn Sie einen Roman schreiben, führt kein Weg daran vorbei, Ihre Figuren in solchen Krisensituationen zu zeigen – ohne Konflikt gibt es nichts zu erzählen. Wie viel müssen Sie dafür vorher über die Figuren wissen? Autoren berichten oft von der Erfahrung, beim Schreiben von ihren eigenen Schöpfungen überrascht zu werden. Quentin Tarantino will sich beim Verfassen eines Drehbuchs heftig erschrocken haben, als eine seiner Figuren plötzlich ein Messer zog – damit habe er nie gerechnet. Ist solche Behauptung bloße Koketterie? Schließlich entsprangen Figur wie Messer seinen eigenen Synapsen. Und doch, fast jeder, der sich einmal darin versucht hat, wird es bestätigen: Eine Figur wird erst lebendig, wenn man nicht mehr den Eindruck hat, sie sich beim Schreiben auszudenken – sondern wenn man sie gleichsam schreibend entdeckt, wenn sie von selbst ins Scheinwerferlicht tritt, wenn man sie findet statt erfindet. Solange sie sich ausgedacht anfühlt, so lange wird sie auch dem Leser schlecht konstruiert erscheinen.


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Dossiers anlegen

Der Modus des Findens, gemeinhin Inspiration genannt – wie er sich erreichen lässt, das kann man jemandem im engen Sinne so wenig beibringen wie das Fahrradfahren und den beglückenden ersten Moment, im Gleichgewicht zu sein. Doch lassen sich auf dem Weg dorthin Hindernisse abbauen, die sich gerade Schreibanfänger gern selbst errichten – von Stützrädern ist ebenso abzuraten wie vom Freihändigfahren im ersten Anlauf: Ein gänzlich planloses Drauflosschreiben ist für die Entwicklung Ihrer Erzählung ebenso fatal wie ein zu detaillierter Plan, der Ihren Figuren schon vorab die Luft abschnürt. Sie sollten, wenn Sie loslegen, eine Vorstellung von Ihren Protagonisten haben, von den charakterlichen Eigenarten ebenso wie von den schnöden biografischen Eckdaten, und welche Motivation sich zu Beginn der Handlung daraus ergibt. Sie sollten schon ungefähr wissen, wie sich die Figuren im Gang der Erzählung zueinander verhalten werden. Es kann hilfreich sein, für jede Figur ein kleines Dossier anzufertigen – gerade bei handlungs- und figurenreichen Stoffen sichern Sie so die Übersicht und die logische Kohärenz (nutzen Sie hierfür z.B. das praktische Tool auf der Seite beemgee.com). Aber es ist besser, diese Dossiers eher nach und nach aufzufüllen, als schon vor der ersten Zeile des ersten Kapitels jedes Detail festzuklopfen – die Ängste und Träume Ihrer Figuren, ihr Begehren, ihre Aggressionen, woher wollen Sie all das genau kennen, bevor Sie sie nicht eine Wegstrecke schreibend begleitet haben?

Erzählperspektiven entwickeln

Für wie lebensecht Sie Ihre Vorstellung von einer Figur auch halten mögen, bewähren muss sie sich auf dem szenischen Parkett. Führen Sie in einer Übung drei unterschiedliche Charaktere in einem Konflikt zusammen – etwa einem Auffahrunfall an der Kreuzung vorm Supermarkt. Wie entwickelt sich die Situation? Eskaliert sie im Streit, gar einer Schlägerei? Schreiben Sie die Szene aus allen drei Perspektiven – drei kleine Ich-Erzählungen, je eine Seite lang; drei Temperamente, drei Blicke auf die Welt. So lernen Sie spielerisch und ganz ohne Seminarbesuch viel über Erzählperspektive und den Wahrnehmungshorizont Ihrer Figuren.

Nicht immer realistisch, aber immer glaubwürdig

Vorbilder für interessante Figuren haben Sie überall um sich. Wenn Sie sich Gerichtskosten sparen wollen, sollten Sie Ihre Lieblingsfeinde vielleicht nicht gerade eins zu eins porträtieren, aber niemand hindert Sie daran, sich ein paar ihrer Macken für eine Figur auszuborgen. Für die meisten Autoren ist ihr eigenes Umfeld erste Inspirationsquelle – auch hinter einer Gestalt, die Ihnen in einem Fantasy- oder SF-Roman begegnet, mag jemand stecken, den der Verfasser an der Tankstelle beim Bierholen getroffen hat. Auch ein noch so fantastisches Szenario entbindet Sie nicht von der Aufgabe, Ihre Figuren glaubwürdig zu gestalten, ihr Handeln nachvollziehbar aus den äußeren und inneren Umständen zu entwickeln. Wobei „glaubwürdig“ nicht zwangsläufig „realistisch“ heißt. Je nach Beschaffenheit Ihrer erzählten Welt werden Ihre Figuren auch glaubhaft fliegen, Röntgenblicke schießen oder durch Wände gehen können. Solche Eigenschaften dürfen Sie ihnen aber nicht erst andichten, wenn Sie nicht mehr anders aus einer Situation herauskommen – dann fühlen sich Ihre Leser verschaukelt. Auch um solche Fallen zu umgehen, eignet sich, wie oben vorgeschlagen, ein Dossier.

Show, don’t tell

Müssen Sie beschreiben, wie Ihre Figuren aussehen? Vermeiden sollten Sie jedenfalls Bewertungen. „Lisa war bildhübsch“ ist eine Behauptung – im Kopf Ihrer Leser soll aber das Bild einer hübschen Lisa entstehen. Show, don’t tell lautet ein Slogan amerikanischer Schreibratgeber: Zeigen, nicht reden. Dafür wiederum ist es nicht nötig, Lisa ellenlang zu beschreiben; Haarfarbe, Augenfarbe, Gesichtszüge, Größe, Figur, Kleidung usw. – flechten Sie solche Details eher beiläufig, und wenn es zur Handlung passt, ein. Eine Handbewegung, ein Nasekrausziehen im rechten Moment können schon reichen, damit sich Ihre Leserin ganz heftig in Lisa verguckt. Wenn Sie auffällige Körpermerkmale ausstellen wollen, tun Sie es, bedenken Sie aber, dass hier schnell das Klischee lauert – den Ganoven mit dem Zinken überlassen Sie lieber den Groschenheften.
Blättern Sie in ein paar Ihrer Lieblingsromane, und Sie werden feststellen, dass die allermeisten verblüffend wenig Äußerlichkeiten ihrer Protagonisten preisgeben. Und wenn Sie schon dabei sind: Tippen Sie doch mal ein paar der ersten Auftritte von Figuren ab – schon um ganz direkt zu erfahren, auf wie wenig Raum und mit wie wenig Worten sich wie viel zeigen lässt. Sie werden erstaunt sein. Für die Entwicklung der Figuren gilt wie allgemein für die Gestaltung eines Erzähltextes: Vertrauen Sie auf die Einbildungskraft Ihres Lesers – strapazieren Sie nicht seine Geduld.

 

Fantasie-blau
Watercolor Banner Depicting Logical Vs Creative Thinking

„Show, don´t tell“ – beschreiben Sie Ihre Figuren, ohne sie zu bewerten. Die eigentlichen Bilder sollen in den Köpfen Ihrer Leser entstehen.

Gewinnspiel

Entwickeln Sie jetzt Ihren Helden!

Sie können es kaum abwarten, mit der Entwicklung eigener Figuren und dem Schreiben Ihrer Geschichte zu beginnen? Dann legen Sie jetzt los! BoD und Beemgee helfen Ihnen bei der dramaturgischen Arbeit an Ihren Titeln – und prämieren die spannendste Figur im Rahmen eines gemeinsamen Wettbewerbs.

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