Absätze und Kapitel in einem Buch?

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Duplo

Absätze und Kapitel in einem Buch?

von Duplo (15.02.2011, 11:33)
Wer kann mir erklären, wann ich einen Absatz mache und wie lange ein Kapitel ist? Ich habe bis jetzt immer einfach nach meinem Gefühl einen Absatz gemacht, aber sicherlich gibt es dafür auch Regeln, wann man einen machen muss.

Und wie sieht es bei einem Kapitel aus? Ich denke, ein Kapitel ist so lange, wie ein Abschnitt einer Geschichte. Doch ich habe festgestellt, dass manche Abschnitte von mir 20-40 Seiten lang sind, aber für mich persönlich wäre so ein Kapitel etwas zu lang. Wenn ich ein Buch lese, dann sind mir Kapitel schon wichtig. Ich liege manchmal im Bett und sage mir: Ach, dieses Kapitel lese ich noch schnell fertig, sind ja nur noch vier Seiten. Doch wenn ich schon müde bin und sehe, es sind noch 15 Seiten, dann habe ich keine große Lust mehr weiter zu lesen. Oft höre ich dann einfach auf und am nächsten Tag, wenn ich wieder anfange zu lesen, muss ich das angefangene Kapitel wieder von vorne zu lesen, weil ich mich an diesen Teil nicht mehr erinnern kann.

Vielleicht kennt ihr ja das Problem auch?! Daher würde ich schon gerne wissen, wann und wo genau man ein Kapitel festlegt?

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Siegfried
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Re: Absätze und Kapitel in einem Buch?

von Siegfried (15.02.2011, 12:15)
Duplo hat geschrieben:
Wer kann mir erklären, wann ich einen Absatz mache und wie lange ein Kapitel ist? Ich habe bis jetzt immer einfach nach meinem Gefühl einen Absatz gemacht, aber sicherlich gibt es dafür auch Regeln, wann man einen machen muss.


Es gibt keine Regel, wann ein Absatz zu machen ist und wie viele Seiten ein Kapitel umfasst. Es gibt Autoren, die schreiben ihre Texte ganz ohne Absätze und ohne Kapitel. Es gibt Autoren, die viele Absätze machen und kurze Kapitel schreiben. Das ist individuell bis Geschmackssache.

Ich mache in einem Text einen Absatz, wenn eine logische Einheit beendet ist, also ein Textblock mit einem eigenen Sinnzusammenhang als abgeschlossen markiert werden soll. Dabei benutze ich die europäische Form des Absatzen, d. h. der neue Absatz folgt dem vorherigen und wird nur durch Einzug der ersten Zeile des Absatzes um zwei bis drei Buchstaben gekennzeichnet. Die amerikanische Absatztechnik benutzt eine Leerzeile zwischen den Absätzen und keinen Erstzeileneinzug (interessanterweise wird amerikanische Belletristik nach dem europäischen System gesetzt).

Was in Büchern ebenfalls als Absatz üblich ist, betrifft die direkte Rede. Wenn in einem Dialog der Sprecher wechselt, sollte ein Absatz gemacht werden. Letztlich unterliegt auch dies aber der Wahlfreiheit des Autors.

Also ohne Absätze sieht das so aus:

    Karl blickte Willi einen Moment lang an, drehte sich dann um und öffnete den Schrank. Er holte eine Flasche hervor. »Willst du auch einen?« - »Was hast du denn?« - »Ein edles Tröpfchen. Aus einer kleinen Destillerie bei Inverness. 30 Jahre alt.« - Willi pfiff anerkennend. »Wie bist du denn an die Flasche gekommen?« - "Das, mein Bester, ist eine sehr merkwürdige Geschichte.«

Wie ich es machen würden (und wie es in den meisten Büchern zu sehen ist:

    Karl blickte Willi einen Moment lang an, drehte sich dann um und öffnete den Schrank. Er holte eine Flasche hervor. »Willst du auch einen?«
    »Was hast du denn?«
    »Ein edles Tröpfchen. Aus einer kleinen Destillerie bei Inverness. 30 Jahre alt.«
    Willi pfiff anerkennend. »Wie bist du denn an die Flasche gekommen?«
    "Das, mein Bester, ist eine sehr merkwürdige Geschichte.«


Was die Kapitel angeht - ein Kapitel dauert so lang, wie es eben dauert.

Oftmals richten sich Kapitel nach der aristotelischen Einheit von Raum, Zeit und Handlung, was aber kein zwingender Grund sein muss (ein Kapitel kann sehr wohl den Wechsel des Raumes oder die Veränderung der Zeit zum Inhalt haben, also wenn eine Figur eine längere Reise macht, ohne dass man diese Reise im Detail schildern will, bzw. wenn Tage, Wochen, Jahre vergehen, weil die Handlung einen Zeitsprung vollzieht - beides kann in eigenen Kapiteln geschehen).

Für mich sind Kapitel größere Handlungseinheiten (als Abgrenzung zum Absatz) mit einem bestimmten Anfang, einer Mitte und einem zu erreichenden Ziel (jedes Kapitel sollte ein klar definiertes Ziel besitzen). Am Ende eines Kapitels muss sich die Situation verändert haben, es müssen neue Konflikte auftreten oder es müssen sich neue Fragen bzw. deren Lösungen ergeben. Für mich ist ein Kapitel auch immer unmittelbar mit der Erzählperspektive verbunden. Wechselt die Erzählperspektive, ist dies für mich ein Zeichen, auch das Kapitel zu wechseln. Kapitel können aber auch anhand der dramaturgischen Struktur ausgerichtet werden; wenn das Ziel des einzelnen dramaturgischen Schrittes erreicht ist, dann kann man in das nächste Kapitel wechseln.

Grüße
Siegfried
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Duplo

Re: Absätze und Kapitel in einem Buch?

von Duplo (15.02.2011, 12:31)
Siegfried hat geschrieben:
Die amerikanische Absatztechnik benutzt eine Leerzeile zwischen den Absätzen und keinen Erstzeileneinzug.


Eigentlich habe ich das auch immer so gemacht. Gerade auf Internetseiten wird das ja so gehandhabt. Ich finde auch, dass man das auch so besser lesen kann. Doch in Büchern wird das wohl nicht angewendet. Sondern man schreibt einfach in der nächsten Zeile dann weiter.

1. Beispiel (Bücher):

Die Hersteller Archos und Pearl bringen Mini-Tablets zum Kampfpreis auf den Markt. Nach dem Motto "billiger geht immer" wird fröhlich weggelassen, eingespart und alte Technik verwendet - Hauptsache, der Preis passt. Bleibt dabei auch der Spaß auf der Strecke? Matthias Kremp hat es getestet.
Tablets sind teuer. Daran hat man sich in dem einen Jahr, seit Apple sein iPad vorgestellt hat, längst gewöhnt. Das Vorzeige-Tablet kostet, je nach Ausstattung, zwischen 500 und 800 Euro. Konkurrenzprodukte sind kaum billiger: Samsungs Galaxy Tab etwa startete mit einem Verkaufspreis von 800 Euro und ist mittlerweile für rund 600 Euro erhältlich. Auch das neue Motorola Xoom dürfte in dieser Preisklasse spielen: 800 Dollar werde es wohl kosten, wird gemunkelt.

2. Beispiel (Websites und amerikanische Variante):

Die Hersteller Archos und Pearl bringen Mini-Tablets zum Kampfpreis auf den Markt. Nach dem Motto "billiger geht immer" wird fröhlich weggelassen, eingespart und alte Technik verwendet - Hauptsache, der Preis passt. Bleibt dabei auch der Spaß auf der Strecke? Matthias Kremp hat es getestet.

Tablets sind teuer. Daran hat man sich in dem einen Jahr, seit Apple sein iPad vorgestellt hat, längst gewöhnt. Das Vorzeige-Tablet kostet, je nach Ausstattung, zwischen 500 und 800 Euro. Konkurrenzprodukte sind kaum billiger: Samsungs Galaxy Tab etwa startete mit einem Verkaufspreis von 800 Euro und ist mittlerweile für rund 600 Euro erhältlich. Auch das neue Motorola Xoom dürfte in dieser Preisklasse spielen: 800 Dollar werde es wohl kosten, wird gemunkelt.

3. Beispiel (eingerückt, so wie du das machst?):

Die Hersteller Archos und Pearl bringen Mini-Tablets zum Kampfpreis auf den Markt. Nach dem Motto "billiger geht immer" wird fröhlich weggelassen, eingespart und alte Technik verwendet - Hauptsache, der Preis passt. Bleibt dabei auch der Spaß auf der Strecke? Matthias Kremp hat es getestet.
..... Tablets sind teuer. Daran hat man sich in dem einen Jahr, seit Apple sein iPad vorgestellt hat, längst gewöhnt. Das Vorzeige-Tablet kostet, je nach Ausstattung, zwischen 500 und 800 Euro. Konkurrenzprodukte sind kaum billiger: Samsungs Galaxy Tab etwa startete mit einem Verkaufspreis von 800 Euro und ist mittlerweile für rund 600 Euro erhältlich. Auch das neue Motorola Xoom dürfte in dieser Preisklasse spielen: 800 Dollar werde es wohl kosten, wird gemunkelt.

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