Adjektive - ja oder nein

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dbs

Adjektive - ja oder nein

von dbs (16.01.2008, 10:32)
Hi!

Es gibt immer wieder Diskussionen darum, ob und wie viel Adjektive ein Text enthalten darf. Einige große Schriftsteller haben zum Thema Adjektive eine sehr radikale Meinung:

Wenn Sie ein Adjektiv sehen, bringen Sie es um!
(Mark Twain, US-amerikanischer Schriftsteller)


Schreiben Sie kurze Sätze: Hauptwort, Verbum, Objekt: fertig! Bevor Sie ein Adjektiv schreiben, kommen Sie zu mir in den dritten Stock und fragen, ob es nötig ist!

(George Clemenceau, Herausgeber der Zeitung "L'Aurore" und Publizist des berühmten "J'accuse!" von Emil Zola; später franz. Premierminister )


Das Adjektiv - ein Sündenfall? Tod dem Adjektiv? Ganz so hart ist es nun doch nicht gemeint, und selbst Mark Twain relativiert seine Aussage:

Wenn Sie ein Adjektiv sehen, bringen Sie es um! Nein, ich meine natürlich nicht alle, aber die meisten davon - dann wird der Rest wertvoll. Sie sind schlecht, wenn sie dicht beieinander stehen. Sie sind stark, stehen sie weit auseinander. Die Angewohnheit, Adjektive zu setzen, oder wortreich, diffus und blumig zu schreiben, wird man so schwer los wie jedes andere Laster.
(Mark Twain in einem Brief an D. W. Bowser)


Adjektive sind wie ein Medikament für den Text. In der richtigen Dosis wirken sie Wunder; nimmt man zu viel davon, bekommt man Ärger wegen der Risiken und Nebenwirkungen. Nehmen wir ein Beispiel:


Es war eine dunkle, stürmische Nacht.


Und? Ein guter Satz? Ein schlechter Satz?

Mit "dunkel" und "stürmisch" haben wir zwei Adjektive. Clemenceau und Twain würden jetzt nach dem Bleistift greifen und streichen - nämlich das "dunkel". Eine Nacht ist in der Regel immer dunkel. Also weg damit.
Optimal wäre es natürlich, die statische Beschreibung einer stürmischen Nacht in ein lebendiges Bild aufgehen zu lassen (der Sturm macht ja etwas in der Nacht). Auch hierzu ein Beispiel. Zunächst der Satz mit Adjektiven:

Seine große Hand strich über meine warme, fast heiße Brust.


Und nun fast ohne Adjektive:

Seine Fingerspitze kroch meine Brust hinauf und schoss Hitze in jeden einzelnen Nerv.


Jeder mag selbst entscheiden, was direkter und eindrucksvoller wirkt.


Sicher werden beim ersten Beispiel einige aufheulen und behaupten, das "dunkel" müsse stehen bleiben, da es ja auch hellere Nächte gibt, etwa bei Vollmond oder bei sternenklarem Himmel. Richtig!

Aber ...

... "dunkel" ist ein sehr allgemeiner Begriff und kommt dem Leser nahezu automatisch beim Begriff "Nacht" in den Sinn. Wenn das Dunkel der Nacht als etwas Besonderes dargestellt werden soll, dann sollte es auch besonders benannt werden. Daher geht es hier nicht um das Adjektiv an sich, sondern um das wirklich treffende Wort. Wie wäre es mit einer "mondlose Nacht" oder einer "wolkenverhangenen Nacht" statt der "dunklen Nacht"?

Und noch ein Beispiel, wie man es häufig zu lesen bekommt:

Karen zappelte hektisch und nervös mit allen verfügbaren Gliedmaßen, als sie angespannt zusah, wie sich Jack konzentriert und schwitzend über die tickende Bombe beugte und die mattschwarz glänzende Flachzange zwischen zwei dünnen Drähten, einem roten und einem blauen, hin und her schwenkte, während die große Digitalanzeige des heimtückischen Zeitzünders dramatisch ihre letzten Sekunden zählte und die Gesichter in gespenstisches rotes Licht tauchte.


Befürworter der Wortart "Adjektiv" müssten von dieser Art des Schreibens begeistert sein. Schließlich dient das Adjektiv ja zur Erzeugung von Atmosphäre und Bildern - so wird jedenfalls argumentiert.

Stil-Puristen hingegen wird es bei dem Beispieltext schütteln. Warum?

Nehmen wir einfach mal den ersten Teil:

Karen zappelte hektisch und nervös mit allen verfügbaren Gliedmaßen

Was in diesem Satz löst im Kopf des Lesers das Bild aus? Die Adjektive "hektisch" und "nervös"? Die erweiterte Beschreibung "mit allen verfügbaren Gliedmaßen"? Oder dieses simple, kurze Verb "zappeln"?

Bei mir jedenfalls ist es das Verb.

Kann man anders zappeln als hektisch und nervös? Kann man mit was anderem zappeln als mit seinen Gliedmaßen? Ich glaube nicht - von daher kann der Satz stark eingedampft werden.

Eine ganze Menge der Adjektive können meiner Meinung nach aus dem Text raus, ohne dass er verliert. Im Gegenteil. Wenn die Adjektive verschwunden sind, wird man feststellen, wie sehr sie den Text gebremst haben:

Karen zappelte, als sie zusah, wie sich Jack schwitzend über die Bombe beugte und die Flachzange zwischen zwei dünnen Drähten hin und her schwenkte, während die Digitalanzeige des Zeitzünders ihre letzten Sekunden zählte und die Gesichter in rotes Licht tauchte.


Wie sagt der Lateiner: Sola dosis facit venerum!

Der Lackmus-Test für den eigenen Text:
Man nehme einen eigenen Text von zwei Seiten Umfang und streiche rigoros jedes Adjektiv heraus. Dann vergleiche man die beiden Versionen. Wie wirkt der Text jetzt? Wo gewinnt er, wo verliert er? Und vor allem: Welche Wirkung haben Adjektive insgesamt auf den Text?

LG
Siegfried

P.S.: Alle gemachten Äußerungern in diesem Beitrag sind meine persönlichen Meinungen und stellen keine allgemeingültigen Regeln dar. Dieser Beitrag dient nur zur Anregung. An einer möglichen Diskussion werde ich mich nicht beteiligen.

derhagen
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Re:

von derhagen (16.01.2008, 12:18)
Vielleicht ein kleiner Zusatz:

Wer unter "Hypnotischer Sprachgebrauch" googlet, findet so einige Beispiele - die Adjektive "überflüssig" machen.

Wie obiges Beispiel von dbs zeigt: Nacht bedeutet für uns dunkel.
Eine dunkle Nacht ist aber bedrohlicher.
Demnach können gerade solche "Füllwörter" die Fantasie beim Lesen und dieses ins Buch "gefallen" sein helfen.

Dies' hypnotische Sprachgebrauch erleben wir täglich und wir nutzen es. In meinen Seminaren gebe ich zwei Beispiele:

"Können Sie das Fenster aufmachen?" Logische Antwort wäre: "Ja, kann ich", oder "Nein, kann ich nicht" - aber was machen 99%? Genau sie stehen auf und öffnen die Luke ;) (Und das ganz ohne Füllwort)

Das zweite "Versuchen Sie mal aufzustehen" - macht es mal und wertet es aus - weder sitzen noch stehen - meist stellt man sich aber hin.

Nun mit Adjektiv: Versuchen Sie mal gerade aufzustehen! Können Sie das Fenster weit öffnen?
Der Unterschied - ein in sich geschlossenener Denkbefehl wird erweitert.

Stelle dir "Nacht" vor ist etwas anderes als stelle dir "die Nacht" vor - oder stelle dir "die dunkle Nacht" vor. Eigentzlich das gleiche - doch dank Denkmuster 3 Nächte.

Ich hoffe jeder Leser sieht da durch, was ich sagen wollte - wenn nicht-
ich liebe solche Spielchen - und da müssen Adjektive rein!

Möge Goethe oder Twain Rotor spielen ;)

LG
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Judith
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Re:

von Judith (16.01.2008, 12:23)
Hallo Siegfried,

ich war am vergangenen Samstag zum ersten Mal in einer Schreibgruppe. Man musste spontan einen Text schreiben nach einer Vorgabe (die zickige Blondine mit Handtaschenhund), schnell, in der Gruppe. Das war ich absolut nicht gewohnt. Mein Ergebnis: eine Kurzgeschichte im Frauen-Groschenroman-Schreibstil, überhäuft mit Adjektiven. :oops:

Zum Abgewöhnen und als Negativbeispiel mein erster Abschnitt:

„Diana! Komm, meine Süße!“ Arabellas Blick schweift über den Garten. Doch ihr kleiner Liebling, der niedliche Chihuahua mit seiner großen leuchtendrosa Schleife ist nicht zu entdecken. Entnervt schlüpft sie aus ihren pinkfarbenen Stöckelschuhen. Mit nackten Füßen stakst die Blondine mit den langen rasierten Beinen über den kurzen Rasen.

Grüßle,
Judith
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Re:

von Bärentante (16.01.2008, 12:26)
Menno, Siegfried, da stellst du einen meiner Meinung nach wirklich hilfreichen Beitrag ein und distanzierst dich gleich von einer Diskussion. Schade!

Die "Problematik" mit den Adjektiven hatten wir schon einmal. Ich, als literarischer Neuling, habe mir deine Ausführung zu Herzen genommen und meine Texte daraufhin überarbeitet. Ich finde, sie sind dadurch besser geworden, irgendwie "klarer". Zu viele Adjektive auf einmal erklären zwar genau die Umstände, Zustände, Situation, Lage oder was auch immer, aber man muss sich beim Lesen sehr konzentrieren, diese überhaupt zu erfassen. Der Zeitzünder-Satz ist dafür das beste Beispiel. Vor lauter Farben der Kabel usw. weiß man am Ende überhaupt nicht mehr, worum es eigentlich ging, was für den Fortgang der Story wichtig ist. Das war damals einer meiner Verbesserungspunkte an Biancas Text. Wenn man genau beschreibt, dass jemand die Post in die rechte Hand nimmt, um mit der anderen den Schlüssel herauszuholen und aufzuschließen, geht man davon aus, dass es wichtig sein könnte, dass die Person Linkshänder ist. Ansonsten ist das zwar genau beschrieben, aber absolut überflüllig, wenn es nicht mehr aufgenommen wird. Bei dem Zeitzünder-Satz könnte man das auf die Farben der Kabel übertragen. Wenn im späteren Text eine Entscheidung gefällt werden muss, welches Kabel man durchschneiden sollte, das blaue oder das rote, dann ist die Erwähnung an dieser Stelle bereits empfehlenswert. Es geht ja auch nicht um die Eliminierung von jedem Adjektiv, sondern nur von den überflüssigen oder doppeltgemoppelten.

Die "dunkle und stürmische Nacht" ist ebenfalls ein gutes Beispiel. Man spricht das so dahin, wenn man es aber schriftlich sieht und etwas nachdenkt, ist eine Nacht tatsächlich dunkel.

Es kommt natürlich auch auf die Art des Textes an. Ein Roman darf schon etwas ausführlicher sein, das sind dann die Gelegenheiten, die Adjektive in Verben umzuwandeln und die Gegebenheiten auf eine andere Weise rüberzubringen. Eine Kurzgeschichte soll, wie der Name schon sagt, kurz sein, aber nicht nur in der Zeichen-/Seitenzahl, sondern auch der Wortwahl. Nur das, was wirklich wichtig ist.

Ich habe hier im Forum gestern eine Leseprobe angeschaut, bei der ich persönlich jedes zweite Adjektiv gestrichen und der Text damit sicher gewonnen hätte. Ich kann diese Methode wirklich empfehlen, wer sie nicht sowieso beherzigt oder prinzipiell keinen Hang zu Beifügungen hat. :wink:
Liebe Grüße
Christel

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Re:

von Bärentante (16.01.2008, 12:38)
Judith hat geschrieben:
Zum Abgewöhnen und als Negativbeispiel mein erster Abschnitt:

„Diana! Komm, meine Süße!“ Arabellas Blick schweift über den Garten. Doch ihr kleiner Liebling, der niedliche Chihuahua mit seiner großen leuchtendrosa Schleife ist nicht zu entdecken. Entnervt schlüpft sie aus ihren pinkfarbenen Stöckelschuhen. Mit nackten Füßen stakst die Blondine mit den langen rasierten Beinen über den kurzen Rasen.


Hihi, Judith, das ist aber wirklich etwas zuviel. :lol: Aber ... einige Adjektive finde ich für die Themenstellung "zickige Blondine" schon als absolut notwendig, beispielsweise die pinkfarbenen Schuhe, die rosa Schleife des Hundes. Ob der Rasen allerdings kurz sein muss, die Beine rasiert, die Schleife groß, der Hund wirklich niedlich - das muss man selbst entscheiden. angle:
Liebe Grüße
Christel

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Re:

von Bärentante (16.01.2008, 12:47)
derhagen hat geschrieben:
Wie obiges Beispiel von dbs zeigt: Nacht bedeutet für uns dunkel.
Eine dunkle Nacht ist aber bedrohlicher.


Das ist das Problem von Beispielen aus Einzelsätzen. Selbstverständlich kommt es auf den Gesamtzusammenhang an. Wenn die Nacht wirklich bedrohlich sein soll, die weitere Handlung im Freien stattfindet, muss meiner Meinung nach eine Beifügung dazu. Wenn es aber nur um einen Einleitungssatz geht, dass die Leute nach Hause kommen und feststellen, dass der Sturm die Antenne vom Dach geweht hat, ist die "Farbe" der Nacht völlig egal. :wink:
Liebe Grüße
Christel

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Re:

von derhagen (16.01.2008, 12:47)
Ob der Rasen allerdings kurz sein muss, die Beine rasiert, die Schleife groß, der Hund wirklich niedlich - das muss man selbst entscheiden


Wirklich eine Streitfrage:
das der Rasen kurz ist, zeigt mir das jemand diesen pflegt - vielleicht der Gärtner (der später mehr will als nur Rasen mähen?) [ja - ich bin männlich]

dass die Beine rasiert sind, zeigt mir dass sie sich pflegt - nicht alle Blondienen achten darauf bzw. wollen sich rasieren

dass die Schleife groß ist, verbindet sich bei mir mit dem Bild der Millionärstöchter die einen Hund zur Imagepflege benutzen

dass der Hund niedlich ist, zeigt mir die Geschmackswelt (obwohl niedlich nun wirklich Ansichtssache ist)

Klar - für eine Kurzgeschichte zuviel - aber wenn es ein Aufhänger ist, dann könnten die Beschreibungen schon wichtig sein.

"Er trank heissen Kaffee" - was bedeutet es?
Er trank Kaffee könnte doch auch reichen, oder?
Aber mit dem heiß suggeriere ich doch, das er frisch aufgebrüht wurde und noch nicht lange stand. Kann unwichtig sein, für den nächsten Geschichtsverlauf, aber beschreibt doch eine Situation in kürzeren Zügen. Schlimmer wäre doch: "Er trank Kaffee. Um sich nicht die Lippen zu verbrennen, pustete er leicht in den Kaffeebecher, bevor er ihn trank"
Oder sehe ich das verkehrt?
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Re:

von Bärentante (16.01.2008, 12:59)
Wirklich eine Streitfrage:
das der Rasen kurz ist, zeigt mir das jemand diesen pflegt - vielleicht der Gärtner (der später mehr will als nur Rasen mähen?) [ja - ich bin männlich]


Nein, keine Streitfrage, sondern einfach eine Konsequenz der Folgehandlung. Klaro, wenn der Gärtner an ihre rasierten Beine will, kann man an dieser Stelle bereits den kurzen Rasen erwähnen. Aber wenn sie sich später in ihren Frisör verlieben sollte, ist es wichtiger, ihre noch ungewaschenen Haare zu erwähnen. cheezygrin
Liebe Grüße
Christel

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Re:

von derhagen (16.01.2008, 13:08)
hihi
deshalb schrieb ich ja:
Klar - für eine Kurzgeschichte zuviel - aber wenn es ein Aufhänger ist, dann könnten die Beschreibungen schon wichtig sein.


Aber bei ungepflegten Haaren will auch der Frisör von neben an nichts ;)

Nun bitte wieder On Topic , werter Hagen!
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Adriana
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Re: Adjektive - ja oder nein

von Adriana (16.01.2008, 21:04)
Karen zappelte, als sie zusah, wie sich Jack schwitzend über die Bombe beugte und die Flachzange zwischen zwei dünnen Drähten hin und her schwenkte, während die Digitalanzeige des Zeitzünders ihre letzten Sekunden zählte und die Gesichter in rotes Licht tauchte.


Noch jemand, der meint, hier wär die Dramatik rausgezischt wie die Luft aus einem angepiekten Ballon cheezygrin?

Ich stimme ja Siegfried zu, dass die Ursprungsfassung auch nicht gerade das Gelbe vom Ei ist und zu viele Adjektive den Text erschlagen. Aber man kann's auch mit dem Streichen übertreiben angle:.
kann man nicht auchfreudig aufgeregt, energiegeladen, erwartungsvoll rumzappeln? Ist doch was anderes als nervös. :wink:
Von mir aus braucht man nicht zu schreiben, in welcher Farbe die Flachzange glänzt, aber das gespenstisch rote Licht könnte drin bleiben. Es schafft Atmosphäre thumbbup.

Mal ne ganz andere Variante:

"Feine Schweißperlen rannen über Jacks Gesicht, während er die Zange zwischen zwei dünnen Drähten hin und her schwenkte: rot, blau, rot, blau ...
Karen zappelte nervös. Sie wünschte, er würde endlich einen dieser verdammten Drähte durchkneifen! Es war ihr beinahe egal, welchen.
Der Zeitzünder zählte unaufhaltsam rückwärts. Auf dem Display leuchteten ihre letzten Sekunden rot."

Nur so als Adjektiv-Kompromiss. Darf auch auseinandergenommen werden cheezygrin.

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BlackSheep
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Re:

von BlackSheep (16.01.2008, 22:24)
blink3 Für Romane und dergleichen finde ich Adjektive auch nur begrenzt in Ordnung...
Dazu kommt es darauf an ob ein Leser Bunt umschmücktes mit Adjektiven(Phantasie-Hilfe-Stellung)mag, oder eher dezent hingewiesenes.

book: Es schien, als spiele mir mein Sehvermögen streiche in dieser Eingangshalle.

book: Es schien, als spiele mir mein Sehvermögen beängstigende streiche in dieser dämonisch wirkenden und mit Kerzenschein belichteten Eingangshalle.


smart2 Nun jedem das seine...Der eine schreibt durchweg "einen" Stil und der andere wechselt je nach Thematik seine Schreibweise..

Da dies ja mitunter aus der Kritikanfrage von Mir über meinen Text entstanden ist, Fühle ich mich geehrt wieder etwas in gang gesetzt zu haben.. thumbbup

Bsp: In meinem derzeitigen Projekt ist alles überschwenglich und bunt mit vielen fragwürdigen Gedankenläufen behaftet. Ich freue mich wenn ich es hinbekomme so viele umschreibungen wie möglich in einem satz zu packen ...Die Planung Sonntags in Südbaden seine Seele baumeln zu lassen und Sich in Wahnwitzige Theorien (mitunter Paranoiden Gedankenkonstrukten) zu verstricken.
Humor hat viele Gesichter...

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hawepe
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Re: Adjektive - ja oder nein

von hawepe (16.01.2008, 22:42)
Hallo,

dbs (Moderator) hat geschrieben:

Es war eine dunkle, stürmische Nacht.


Und? Ein guter Satz? Ein schlechter Satz?

Mit "dunkel" und "stürmisch" haben wir zwei Adjektive. Clemenceau und Twain würden jetzt nach dem Bleistift greifen und streichen - nämlich das "dunkel". Eine Nacht ist in der Regel immer dunkel. Also weg damit.


Sorry, wer Nacht = dunkel setzt, der war nachts noch nie draussen oder ist ein miserabler Beobachter.

Fast moechte ich schreiben, keine Nacht ist wie die andere: wenn alles weiss verschneit ist, wenn es gerade schneit, bei Vollmond, bei auf- oder untergehendem Mond, bei Neumond, bei Regen, wenn dicke Wolken den Blick auf die Sterne versperren, im Standzentrum, am Stadtrand, im Dorf, auf einer Wiese, am Meer, im Wald. Und das alles natuerlich in den verschiedensten Variationen.

Mir scheint auch in dieser Diskussion wieder, dass nur eigenes Unvermoegen vertuscht werden soll - hier, die richtigen Adjektive zu finden. Wenn Literatur und Adjektive nicht zusammenpassen, dann braucht man sich darueber natuerlich keine Gedanken zu machen.

Beste Gruesse,

Heinz.

Versailles
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Registriert: 22.05.2007, 21:57

Re:

von Versailles (16.01.2008, 23:03)
Aber mit dem heiß suggeriere ich doch, das er frisch aufgebrüht wurde und noch nicht lange stand.
das lässt sich doch wunderbar einflechten: er nahm die Tasse und verbrannte sich die Lippen an dem frisch gebrühten Kaffee...

Fast moechte ich schreiben, keine Nacht ist wie die andere: wenn alles weiss verschneit ist, wenn es gerade schneit, bei Vollmond, bei auf- oder untergehendem Mond, bei Neumond, bei Regen, wenn dicke Wolken den Blick auf die Sterne versperren, im Standzentrum, am Stadtrand, im Dorf, auf einer Wiese, am Meer, im Wald. Und das alles natuerlich in den verschiedensten Variationen.
Heinz, du bist'n Romantiker
:wink:
Ich gebe dir allerdings recht, dass man sich als Textschmied schon die Arbeit machen sollte, entweder unverbrauchte Vergleiche oder die passenden Adjektive zu finden, und derer nicht zu viele!
Beispiel: ich habe gerade in einem Roman etwas von einem "riesigen, buttergelben Vollmond" gelesen und hatte sofort ein Bild. Riesig sollte wohl an jene Nächte erinnern, in denen der Mond der Erde wirklich sehr nah ist - buttergelb ist immerhin auch eine Farbe. Nun, um bei dem Mond zu bleiben: der Vollmond kann auch weiss sein wie ein Leichentuch oder man kann in klaren Nächten die Krater deutlicher sehen oder er erinnert an frisch gekochte Polenta.

"Feine Schweißperlen rannen über Jacks Gesicht, während er die Zange zwischen zwei dünnen Drähten hin und her schwenkte: rot, blau, rot, blau ...
Karen zappelte nervös. Sie wünschte, er würde endlich einen dieser verdammten Drähte durchkneifen! Es war ihr beinahe egal, welchen.
Der Zeitzünder zählte unaufhaltsam rückwärts. Auf dem Display leuchteten ihre letzten Sekunden rot."
Hi Adriana. Ich denke bei rinnenden Flüssigkeiten an feine Fäden, weniger an Perlen. Dabei ist dein Text schon ziemlich dicht. Dass der Zeitzünder sich von nichts aufhalten lässt - ausser vom durchgekniffenen Draht - ist logisch. Dennoch finde ich, dass das Wort "unaufhaltsam" in deinem Text eine zusätzliche Spannungsspitze hergibt. "ihre letzten" im letzten Satz finde ich brutal - da nehmen die beiden Worte, so kommt es mir vor, die Konsequenz einer Fehlentscheidung vorweg. Wenn es ihrer beider letzten Sekunden sind, wird Jack wohl den falschen Draht genommen haben?
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hawepe
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Re:

von hawepe (16.01.2008, 23:18)
Hallo Amalia,

Versailles hat geschrieben:
Beispiel: ich habe gerade in einem Roman etwas von einem "riesigen, buttergelben Vollmond" gelesen und hatte sofort ein Bild. Riesig sollte wohl an jene Nächte erinnern, in denen der Mond der Erde wirklich sehr nah ist - buttergelb ist immerhin auch eine Farbe. Nun, um bei dem Mond zu bleiben: der Vollmond kann auch weiss sein wie ein Leichentuch oder man kann in klaren Nächten die Krater deutlicher sehen oder er erinnert an frisch gekochte Polenta.


Genau das ist es. Diese Bilder (oder auch Klaenge) heben einen Text aus dem Journalistischen heraus und lassen ihn sich zu Literatur erheben.

Beste Gruesse,

Heinz.

CeKaDo

Re:

von CeKaDo (16.01.2008, 23:29)
Das Hauptwort zeigt das Tor, das Adjektiv den Weg dorthin. So einfach ist das cheezygrin

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