Am Konjunktiv sollt Ihr sie erkennen!

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Vera Wolf
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Am Konjunktiv sollt Ihr sie erkennen!

von Vera Wolf (17.01.2008, 21:06)
Seit Längerem beschäftigt mich ein Thema, das ich in Anlehnung an ein großes Vorbild mal die "Vera-Frage" nennen möchte:

"Wie also hältst Du es mit ... dem Konjunktiv?"

In der Umgangssprache gehöre ich zu der aussterbenden Gattung derer, die überhaupt noch - und dann sehr gerne - den "richtigen" Konjunktiv gebrauchen. Man erntet schon ein paar überraschte Blicke, wenn man "würdelos" spricht:

"Klaus sagte, dass er in die Kneipe gehe", statt "Klaus sagte, er würde in die Kneipe gehen".

Letzteres bezeichnet man dummerweise als den "modernen" Konjunktiv; ich redete lieber von sprachlicher Nachlässigkeit.

Ein besonderes Faible habe ich für die Konjunktiv-Formen von "kennen", wie etwa in dem Satz: "Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn kennte". Dass ich Letzteres als Kind des Ruhrgebiets gerne auch in "kennen täte" ausdrücke, hängt meistens mit zunehmendem Rotweingenuss zusammen.

Soweit der "ugs"-Gebrauch, aber wie schreibt Ihr? Achtet Ihr auf die "altbackene" aber richtige Verwendung des Konjunktivs? Liegen Euch solche grammatikalischen Feinheiten am Herzen?

Gruß
Vera Wolf
www.verawolf.liebe-lebenslust.de

Über Eintragungen der geneigten Leser in mein (neues) Gästebuch würde ich mich sehr freuen!

Arno Abendschön
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Re:

von Arno Abendschön (17.01.2008, 22:20)
Ja, ich achte auf die herkömmliche Differenzierung beim Gebrauch von Modi und Tempora. Ausnahme: Ich will den Sprachgebrauch einer Figur darstellen.
Zugleich muss ich zugeben, mich nicht immer sicher zu fühlen. Der Sprachgebrauch ist in dem Sinn verwildert, dass manche Formen zurückgehen, während andere ihre Funktion mitübernehmen müssen. Im Ergebnis führt das zu Entdifferenzierung und schwindenden Ausdrucksmöglichkeiten. Kein verantwortlich Schreibender kann darüber froh sein. Also, bitte mehr Einsatz für den Konjunktiv.

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Judith
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Re:

von Judith (18.01.2008, 00:02)
Hallo Vera,

ich benutze ihn nicht so häufig. Ich glaube, in meinen Kinderbüchern verstünden mich die Kids kaum, wenn ich darauf bestünde. :wink:

Grüßle,
Judith
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Versailles
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Re:

von Versailles (18.01.2008, 12:51)
Ein besonderes Faible habe ich für die Konjunktiv-Formen von "kennen", wie etwa in dem Satz: "Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn kennte". Dass ich Letzteres als Kind des Ruhrgebiets gerne auch in "kennen täte" ausdrücke, hängt meistens mit zunehmendem Rotweingenuss zusammen.
der war gut thumbbup die Formulierung ist mir nicht ganz unbekannt.

Es heisst ja, die Würde des Konjunktivs sei unantastbar. Ich versuche, mich in literarischen Texten so gut wie möglich daran zu halten. Ausnahme: siehe Arno (Sprache eines Charakters) oder mir ist einfach das würde 'durchs Raster geflutscht'.

Im täglichen Sprachgebrauch (auch so ein tolles Deutsch mit völlig überflüssigem Adjektiv) zähle ich die würde nicht mehr - ich bitte dies allerdings nicht richtig zu verstehen :D
DIE COMTESSE ab sofort als "EDITION BOD"
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matthiasgerschwitz

Re: Am Konjunktiv sollt Ihr sie erkennen!

von matthiasgerschwitz (18.01.2008, 13:46)
Vera Wolf hat geschrieben:
"Klaus sagte, dass er in die Kneipe gehe", statt "Klaus sagte, er würde in die Kneipe gehen".

Hallo Vera,

bei mir klänge der Konjunktiv so: "Klaus sagte, er gehe in die Kneipe." Sicher bin ich mir aber auch nicht. Trotzdem ist der Konjunktiv ein spannendes Pflaster, auf dem man aber leicht ausrutschen kann. Wäre dem nicht so, verarmte die Sprachwelt... Oder so ähnlich.

Und zum Thema "würde": Ich hatte mal einen Hörsaalleiter, der jeden Satzanfang eines Kursteilnehmers "Also ich würde sagen..." mit den Worten kommentierte: "Sagen Sie es doch einfach. Würde haben Sie genug."

Beste Grüße
Matthias

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Birgit Fabich
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Re:

von Birgit Fabich (18.01.2008, 16:17)
Superspruch, ähnlich wie bei 'Kann ich nicht'..
da hieß es bei uns immer, 'stell die Kanne einfach beiseite und leg los'

Für Lautmalereien sind die 'alten Meister' ein gutes Vorbild, laut vorgetragen hat es was.
Sintemal unter den Wallenden..., um auch Dr. Martin Luther mal zu Wort kommen zu lassen.
Shakespeare auf englisch fand ich schon in der Schule einfach genial.

Ich habe jetzt richtig Lust bekommen, auf dem Dachboden in meinen hunderten Kartons nach den alten Meistern zu stöbern und sie mir auf der Zunge zergehen zu lassen, wenn ich vom Staub keinen Niesanfall bekomme.

Bis dann

frangsen
Beiträge: 275
Registriert: 15.12.2007, 17:03

Re:

von frangsen (31.01.2008, 23:08)
Zunächst ist die würde-Form eher umgangssprachlich. Sie ist aber nicht nur umgangssprachlich. Um etwas zu beschreiben, was erst in der Zukunft beginnt, ist die würde-Form gut geeignet: "Sie sagten, sie würden morgen losfahren."
Mit der würde-Form kann man auch eher etwas, das als irreal angesehen wird, betonen ("Sie würden dort leben, wenn es keine Müllhalde gäbe"), und alte Formen vermeiden ("hülfe").

VGe
Frank

hwg
Beiträge: 6034
Registriert: 24.04.2007, 16:39

Re:

von hwg (01.02.2008, 07:00)
Der richtige Gebrauch von Sprache(n) ist voller Hürden.
Deshalb mein Rat: Ist ein Autor sich einer Formulierung
nicht völlig sicher, soll er nach einer anderen, auch ihm
auf Anhieb verständlichen, suchen - vor allem dem künf-
tigen Leser seines Werkes zuliebe.

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