Amazon und sein Umgang mit Mitarbeitern und Händlern

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (11.01.2017, 16:03)
Udo Ehrich hat geschrieben:
@ Monika

Legst Du alles unter Troll ab, was nicht Deiner Meinung oder Deinem Weltbild entspricht?


Nein, sondern alles, was in fremden Threads abgeladen wird und nicht zum eigentlichen Thema passt. Beispiel: Jemand fragt in einem Kochforum nach einem Gänsebratenrezept und bekommt von einem überzeugten Veganer die Antwort, Fleischverzehr sei unsozial und für viele Übel der Welt verantwortlich. Das ist inhaltlich nicht falsch, passt aber nicht zur Frage. Seine Thesen in themenfremden Threads abzuladen ist eine Unart. Dahinter steckt aber die Erkenntnis, dass man ein größeres Publikum erreicht als mit dem Start eines eigenen Threads. Gegenfrage: Findest du diese Vorgehensweise in Ordnung?
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Udo Ehrich
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Re:

von Udo Ehrich (11.01.2017, 16:29)
Zumindest stört es mich nicht. Ich kenne das auch aus anderen Foren, und so lange die Diskussion nicht völlig zerschossen wird, finde ich es nicht so schlimm.

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Udo Ehrich
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Re:

von Udo Ehrich (11.01.2017, 22:27)
Nebenbei: ich finde das Thema Amazon und der Umgang mit den Mitarbeitern auch wichtig. Das zu betonen ist für mich keine Trollerei. Und aus meiner Sicht darf man auch getrost in anderen Diskussionen mal darauf hinweisen, in den gerade über Amazon geschrieben wird.

Die Reaktionen auf das Thema finde ich übrigens sehr interessant. Schwingt da vielleicht das schlechte Gewissen mit? Man weiß, daß Amazon die Mitarbeiter nicht nach dem im Vergleich zum Logistik-Tarif höheren Einzelhandelstarif bezahlen will und akzeptiert es dennoch, weil man nicht mit jedem über Amazon verkauften Buch ein schlechtes Gewissen haben will? Das geht dann bis dahin, daß Richard jetzt ein schlechtes Gewissen haben soll, weil er sich nicht für die Arbeitsbedingungen der Autoren interessiere?

Aber heißt das jetzt, daß es hinnehmbar ist, daß Amazon die Mitarbeiter schlecht bezahlt, weil sich die Autoren anderenfalls darüber Gedanken machen müßten, zu welchen Konditionen ihre Bücher über den Tisch gehen?

Natürlich: Amazon hat bereits eine sehr dominante Stellung, aber muß man deswegen wegschauen? Bist Du selbst so konsequent, wie Du es von Richard forderst? Nur mal so gefragt.

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mtg
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Re:

von mtg (12.01.2017, 09:32)
Udo Ehrich hat geschrieben:
Nebenbei: ich finde das Thema Amazon und der Umgang mit den Mitarbeitern auch wichtig.


Niemand in diesem Forum hat bislang bestritten, dass das Thema wichtig sei. Aber wenn Richard oberlehrerhaft und gebetsmühlenartig in jedem Thread, in dem auch nur ansatzweise das Wort »Amazon« fällt, wie weiland Cato d.Ä. mit »Ceterum censeo Carthaginem esse delendam« seine Amazon-Kritik unterzubringen sucht, erreicht er genau das Gegenteil. Es ermüdet, es nervt, lenkt vom eigentlichen Thema des jeweiligen Threads ab und wird so dermaßen beliebig, dass man Richard die Ernsthaftigkeit seiner Kritik schon gar nicht mehr abzunehmen gewillt ist. Genau genommen, erreicht Richard also das Gegenteil von dem, was er möchte – und da er das merkt, verstärkt er seine Anstrengungen, die dazu führen, dass er letztlich in einer Spirale landet, in der sich sein Anliegen pulverisiert.

Udo Ehrich hat geschrieben:
Man weiß, daß Amazon die Mitarbeiter nicht nach dem im Vergleich zum Logistik-Tarif höheren Einzelhandelstarif bezahlen will und akzeptiert es dennoch, weil man nicht mit jedem über Amazon verkauften Buch ein schlechtes Gewissen haben will?


Und das genau ist das Ärgerliche an Richards stetem Bashing. Er verschiebt die Täterschiene hin zu den Autoren. Wer ein Buch veröffentlicht, das im VLB gelistet ist, wird automatisch auch bei Amazon gelistet – ob er oder sie es will oder nicht. Und wer ist jetzt schuld daran, dass Kunden bei Amazon kaufen? Die Anbieter, die sich im Prinzip gar nicht gegen eine Listung bei Amazon wehren können? Oder ist es doch vielleicht das Prinzip der Marktwirtschaft, dass Kunden sich den Anbieter selbst aussuchen können – und zwar nach den von ihnen favorisierten Maßstäben? Was wäre die Alternative? Will Richard Amazon vielleicht verstaatlichen?

Udo Ehrich hat geschrieben:
Bist Du selbst so konsequent, wie Du es von Richard forderst? Nur mal so gefragt.


Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wenn Richard uns erklären würde, wie man verhindern kann, dass Amazon mit den eigenen Büchern handelt, könnte jeder für sich selbst entscheiden, ob er oder sie diesen Vertriebskanal nutzen möchte und müsste sich dieser Entscheidung auch stellen. Richard selbst ist doch nicht konsequent: Er beklagt die Verhältnisse bei Amazon, aber wehrt sich nicht gegen Verkäufe dort.

Übrigsn: Catos Beharrlichkeit hat den Dritten Punischen Krieg ausgelöst. Mit etwas Phantasie könnte man Richard also auch als Kriegstreiber bezeichnen …

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Vivi
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Re:

von Vivi (12.01.2017, 19:03)
Wer hat Dich denn gezwungen, Vivi?


Der Betriebsrat als ich dort meine Ausbildung anfing. Man hat uns nicht erzählt, das wir eine Wahl hätten, sondern, daß es ein muss sei. Schon mal sehr unsympathisch.
Jahre später bin ich dann in die Tarifkommission gerückt und habe gesehen, was die Leute der Gewerkschaft tun und was nicht. Eigene Meinung war fehl am Platze, Hauptsache der Abschluss hat der Gewerkschaft Presse eingebracht.
Natürlich haben wir Lohn Erhöhung bekommen und Eingeständnisse und darüber meckere ich auch gar nicht.
Eventuell lag es auch an der Gewerkschaft wo ich Mitglied war oder an unseren Abgesandten.

Vivi
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MichaelHA
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Re:

von MichaelHA (13.01.2017, 07:00)
mtg hat geschrieben:
Und das genau ist das Ärgerliche an Richards stetem Bashing. Er verschiebt die Täterschiene hin zu den Autoren. Wer ein Buch veröffentlicht, das im VLB gelistet ist, wird automatisch auch bei Amazon gelistet – ob er oder sie es will oder nicht. Und wer ist jetzt schuld daran, dass Kunden bei Amazon kaufen? Die Anbieter, die sich im Prinzip gar nicht gegen eine Listung bei Amazon wehren können? Oder ist es doch vielleicht das Prinzip der Marktwirtschaft, dass Kunden sich den Anbieter selbst aussuchen können – und zwar nach den von ihnen favorisierten Maßstäben?


Da muß ich Dir ausnahmsweise einmal voll und ganz Recht geben, Richard macht es sich mit seinem Autor "als Täter" zu einfach, denn, wie heißt es doch so schön: "Der Kunde ist König".

Beste Grüße

MichaelHA

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Richard Bercanay
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Re:

von Richard Bercanay (13.01.2017, 11:00)
Ich habe nie geschrieben, daß Autoren »Täter« seien. Wenn man diesen Begriff schon verwenden möchte, paßte er eher auf Amazon, denn es liegt in deren Hand, ihre Mitarbeiter vernünftig zu bezahlen. Meine Kritik bezog und bezieht sich stets darauf, daß Autoren sich hier ständig auf Amazon konzentrieren und so tun, als würden ihre Bücher nirgendwo anders verkauft werden. Jedenfalls gewinnt man aus manchen Beiträgen den Eindruck.

Bevor ich aber nun vielleicht gar noch für den dritten Weltkrieg verantwortlich gemacht werde, ziehe ich mich aus diesem Forum zurück. Dies nicht als beleidigte Leberwurst, sondern aus der Erkenntnis, daß manche mich hier bewußt mißverstehen oder gar als Troll wahrnehmen. Das muß ja nicht sein.

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Monika K.
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Re:

von Monika K. (13.01.2017, 11:24)
Richard Bercanay hat geschrieben:
Bevor ich aber nun vielleicht gar noch für den dritten Weltkrieg verantwortlich gemacht werde, ziehe ich mich aus diesem Forum zurück. Dies nicht als beleidigte Leberwurst, sondern aus der Erkenntnis, daß manche mich hier bewußt mißverstehen oder gar als Troll wahrnehmen. Das muß ja nicht sein.


Teilzeittroll. Neben deiner Kampagne, die in letzter Zeit in Form von Thread-Kaperungen die Oberhand gewann, hast du in der Vergangenheit auch ganz normale Beiträge geschrieben. Ich würde mich freuen, wenn irgendwann der "alte" Richard wieder ins Forum zurückkehrt, und wünsche dir alles Gute.

Gruß,
Monika
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Udo Ehrich
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Re:

von Udo Ehrich (13.01.2017, 17:04)
Ja. Mist. Allerdings finde ich durchaus, daß die Kritik an Richard zuletzt doch maßlos geworden ist.

Mein Eindruck in dieser Diskussion ist allerdings, daß hier durchaus ein Wegducken zu beobachten ist, und alles am Ende doch auf den Überbringer der Nachricht abgeladen worden ist. Ich kann keine Beliebigkeit erkennen, sondern finde, wie oben schon angemerkt, daß dies ein wichtiges Thema ist, über das wir Autoren uns getrost auch Gedanken machen können.

Bei Michael habe ich gelsen: Der Kunde ist König. Auch das zu einfach. In einem seiner Bücher rechtfertigt Hans-Olaf Henkel niedrige Löhne damit, daß es der gnadenlose König Kunde sei, der die Unternehmen zu solchem Handeln zwinge. Das ist, in der Tat, zu einfach, weil es die Verantwortung der Unternehmensleitung für schlechte Bezahlung und miese Arbeitsbedingungen leugnet und die Verantwortung auf die Kunden abschieben will.

In einer Fernsehdiskussion um die Schlecker-Pleite ließ der Direktor des arbeitgeberfinanzierten Instituts der Deutschen Wirtschaft und INSM-Botschafter Michael Hüther wissen, daß über die Existenz von Schlecker die Bürger mit den Stimmzetteln abgestimmt hätten, die sie von der EZB bekämen (vulgo: Geldscheine). Schlechte Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter hätten sich so nicht ausgezahlt. Auch das halte ich für einen Irrtum und den Vergleich, den Hüther hier zwischen Geld und dem Wahlrecht zieht, sogar für grotesk - soweit man nicht Anhänger des Zensuswahlrechts ist (mehr Stimmen für die Reichen als für die Armen).

Ich glaube nicht, daß die Menschen von Schlecker ferngeblieben sind, weil die Verkäuferinnen dort so schlecht behandelt wurden, sondern weil die Konkurrenz mit saubereren, freundlicheren und helleren Läden angetreten waren, ohne preislich spürbar höher zu liegen.

Eine Zeit lang lief in Deuschland fast jeden Abend ein Bericht über die miese Behandlung, die verschiedene Discounter ihren Mitarbeitern angedeihen ließen. Die Menschen fanden das alles schrecklich und gingen am nächsten Morgen doch wieder dort einkaufen. Ein ähnliches Verhalten meine ich auch hier zu beobachten.

Es wird auf die Gewerkschaften geschimpft, es wird nach dem Motto diskutiert: die machen das doch auch! Und so weiter. Alles nur, um sich nicht eingestehen zu müssen, daß es irgendwie nicht so richtig läuft, wie es laufen sollte bei Amazon. Weil man vielleicht auch nicht mitverantwortlich sein will. Ich finde das bedauerlich, denn auch wir sollten vielleicht bei sich ergebenden Gelegenheiten darauf hinweisen und wenn schon nicht Solidarität zumindest doch Empathie zeigen. Gerade im Bereich der Bücher fällt dies doch wegen der Buchpreisbindung leicht.

Natürlich gibt es genug Amazon-Kunden, die dort aus Bequemlichkeit, aus Tradition oder aus welchen Gründen auch immer dort bestellen und davon auch nicht wegen der Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter nicht abkommen werden. Damit wären wir auch schon wieder am Ende der Macht des Königs Kunden, wenn hier auch wirklich kein bißchen kritischer Geist zu erwarten ist.

Ich schreibe schon wieder einen Aufsatz. Also belasse ich es mal bei diesen Gedanken und schaue mal, was da so an Reaktionen kommt.

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