Ausweisung MwST / Kleinunternehmenregelung

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Thesken

Re:

von Thesken (27.11.2008, 15:08)
Gerade bei Büchern, die hier in Deutschland der Buchpreisbindung unterliegen, vergrößert die nicht ausgewiesene Mehrwertsteuer euren Gewinn.

Beispiel:

Ein Buch soll 10,70 EUR kosten.

Ein Selbstständiger ohne MwSt-Befreiung bekommt davon 10,- EUR,
die restlichen 0,70 EUR gehen als MwSt an das zuständige Finanzamt.

Ein Selbstständiger mit MwSt-Befreiung bekommt die vollen 10,70 EUR, da 10,70 EUR der festgelegte Buchpreis ist.

Wenn ein Buch für den Selbstständigen also z. B. 8,- EUR in der Herstellung kostet, hat er

a) ohne MwSt-Befreiung einen Gewinn von 2,- EUR
b) mit MwSt-Befreiung einen Gewinn von 2,70 EUR

So, ich hoffe, das Thema ist nun ein wenig durchsichtiger geworden.

Liebe Grüße,

Theresa

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hawepe
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Re:

von hawepe (27.11.2008, 15:35)
Hallo,

aber für den Computer bezahlt er ohne Mehrwertsteuerbefreiung 1119 Euro, mit dagegen nur 1000 Euro.

Oder ohne bekommst du für eine Lesung 150 Euro, mit 160,50 Euro.

Die Rechnerei mit der Mehrwertsteuer ist leider wirklich alles andere als lustig.

Beste Grüße,

Heinz.

Sabine_Hartmann01
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Re:

von Sabine_Hartmann01 (27.11.2008, 15:53)
Theresa, aber wenn ich das Buch (Ladenpreis 10,70 EUR) an einen Buchhändler verkaufe, dann kann ich doch nur 10,00 EUR als Grundlage nehmen, oder? (abzüglich Rabatt dann natürlich).

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Christoph S.
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Re:

von Christoph S. (28.11.2008, 16:35)
Es gibt letztlich kein Universalrezept. Es kann sich lohnen, auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten, wenn man regelmäßig hohe Ausgaben hat oder mit eigenen oder fremden Büchern selber handelt. Für den typischen BoD-Autor, der seine Startauflage von 25-100 Stück an den Mann/die Frau bringen will und sich nicht gerade einen neuen PC oder einen Autoren-Dienst-Mercedes angeschafft hat, wird die Kleinunternehmerregelung i.d.R. sinnvoll sein.
Die Anschaffung größerer Wirtschaftsgüter fürs Betriebsvermögen oder eines dicken Stapels Bücher wird natürlich erheblich erleichtert, wenn man die Regelversteuerung wählt, weil man dann eben die selber gezahlte Umsatzsteuer ("Vorsteuer") vom Finanzamt zurück bekommt.

Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Kleinunternehmer weisen keine Umsatzsteuer aus und geben sie nicht im Verkaufspreis an. Ein entsprechender Hinweis muss (aus steuerlicher Sicht) allerdings auf der Rechnung/Quittung stehen. BoD darf im Übrigen auch auf der Tantiemengutschrift gegenüber Kleinunternehmern keine USt ausweisen!
Im Zweifel: Steuerberater fragen! smart2
He either fears his fate too much,
Or his deserts are small,
That puts it not unto the touch,
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(Montrose) - www.montrose-de.net

Sabine_Hartmann01
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Re:

von Sabine_Hartmann01 (28.11.2008, 19:57)
Sorry, aber jetzt nochmal ganz klar gefragt:

Angenommen, der gebundene Ladenpreis (Endpreis) eines Buches betrage 10,70 EUR. Wenn nun ein umsatzsteuerbefreiter Kleinunternehmer einer Buchhandlung mit 30% Rabatt ein Buch berechnen will, wie sieht das dann aus:

a) 10,70 minus 30% gleich Rechnungsbetrag 7,49 EUR

b) 10,00 minus 30% gleich Rechnungsbetrag 7,00 EUR

a) oder b)??

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hawepe
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Re:

von hawepe (28.11.2008, 20:44)
Hallo Sabine,

Sabine_Hartmann01 hat geschrieben:
a) 10,70 minus 30% gleich Rechnungsbetrag 7,49 EUR

b) 10,00 minus 30% gleich Rechnungsbetrag 7,00 EUR

a) oder b)??


b :-(

Die Mehrwertsteuer ist für ihn ein durchlaufender Posten und interessiert ihn nicht.

Beste Grüße,

Heinz.

Sabine_Hartmann01
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Re:

von Sabine_Hartmann01 (28.11.2008, 23:08)
Okay, verstehe. Danke, hawepe. thanks:

Wie ist es, wenn ein umsatzsteuerbefreiter Kleinunternehmer einer Privatperson per Rechnung (z.B. über eine kleine Webseite, oder als amazon-Marketplace-Verkäufer) dieses Buch verkaufen will:

c) Rechnung über 10,70 (ohne USt-Auszeichnung)?

d) Rechnung über 10,00 EUR (ohne USt-Auszeichnung)?

c) oder d)?

Sorry für die detaillierten Fragen, aber man muß ja abwägen!

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hawepe
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Re:

von hawepe (28.11.2008, 23:13)
Hallo Sabine,

Sabine_Hartmann01 hat geschrieben:
c) Rechnung über 10,70 (ohne USt-Auszeichnung)?

oder

d) Rechnung über 10,00 EUR (ohne USt-Auszeichnung)?


c, denn das ist der Endverbraucherpreis.

Du bekommst also 10,70 und darfst sie behalten, aber der Käufer keine 70 Cent als Vorsteuer geltend machen. Das stört allerdings die meisten Kunden nicht, nur wer das Buch als Betriebsausgabe absetzen will, hat eben Pech. Er darf es zwar als Ausgabe verbuchen, aber keine Vorsteuer ziehen, zahlt also effektiv 70 Cent mehr.

Beste Grüße,

Heinz.

Sabine_Hartmann01
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Re:

von Sabine_Hartmann01 (28.11.2008, 23:20)
Wow, okay...!

Hmm, jetzt mal anders herum: wenn ich umsatzsteuer abführe, und ich verkaufe sagen wir 50 Bücher pro Jahr, dann müßte ich 50 x 0,70 EUR = 35 EUR zahlen. Soweit korrekt?

Wenn ich aber im selben Jahr ein Notebook für 500 EUR zuzüglich 95 EUR MwSt gekauft habe, und ich verwende dieses Notebook überwiegend zum Schreiben (des Buches, und hinterher der Rechnungen cheezygrin ), könnte ich dann die 95 EUR zurückverlangen, so daß ich ein plus von 60 EUR hätte?

Ja?

Oder wenn ich an meine Druckerei, die das Buch gedruckt hat, 1000 EUR zuzüglich 190 EUR bezahle, bekomme ich die 190 zurück? Könnte ich die 190 EUR auf die Folgejahre "verteilen"?

holz

Re:

von holz (28.11.2008, 23:27)
hier steht eigentlich alles (punkt 8.3.):

http://www.ratgeber-freie.de/index.php3 ... eb3f8bf363


vorteilhaft auch punkt 8.3.3.6. Pauschale Berechnung der Vorsteuer
Zuletzt geändert von holz am 28.11.2008, 23:33, insgesamt 1-mal geändert.

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hawepe
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Re:

von hawepe (28.11.2008, 23:30)
Hallo Sabine,

Sabine_Hartmann01 hat geschrieben:
Wenn ich aber im selben Jahr ein Notebook für 500 EUR zuzüglich 95 EUR MwSt gekauft habe, und ich verwende dieses Notebook überwiegend zum Schreiben (des Buches, und hinterher der Rechnungen cheezygrin ), könnte ich dann die 95 EUR zurückverlangen, so daß ich ein plus von 60 EUR hätte?

Ja?

Oder wenn ich an meine Druckerei, die das Buch gedruckt hat, 1000 EUR zuzüglich 190 EUR bezahle, bekomme ich die 190 zurück? Könnte ich die 190 EUR auf die Folgejahre "verteilen"?


Richtig, dann erhältst du vom Finanzamt eine Umsatzsteuererstattung. Die Vorsteuer kann aber immer nur im Entsthungsjahr gezogen werden. Für die Einkommenssteuer musst du die Kosten für den Laptop dagegen verteilt auf mehrere Jahre (ich glaube fünf) absetzen.

Alles das macht es eben so kompliziert. Wie gesagt, wenn du dich selbständig machen willst, kommst du nicht um eine Pflichtmitglied bei der IHK herum. Der Vorteil ist aber, dass dort oft auch Seminare für alle diese Fragen angeboten werden.

Beste Grüße,

Heinz.

holz

Re:

von holz (28.11.2008, 23:35)
AfA: PC/Laptop = 3 jahre

Sabine_Hartmann01
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Re:

von Sabine_Hartmann01 (28.11.2008, 23:51)
Hmmm, grübel. Mein Umsatz wird so klein sein, daß ich kaum IHK-Beiträge bezahlen will.

Aber na ja, eine andere Überlegung, die bestimmt auch für andere Kleinverlage interessant ist:

Auch wenn es wirtschaftlich betrachtet für die Buchhändler oder Barsortimenter egal ist, ob ich umsatzsteuerbefreit bin:

Sieht es für die nicht komisch aus, wirkt es nicht "unseriös", wenn ich keine USt ansetze?


Wie geht es Euch da?

Kann man Libri oder KNO eine Rechnung senden und drunter schreiben: "USt-frei nach § 19 UStG" ?

Wundern die sich da nicht? Ist jetzt eher ein psychologischer Aspekt.

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hawepe
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Re:

von hawepe (29.11.2008, 11:52)
Hallo Sabine,

Sabine_Hartmann01 hat geschrieben:
Hmmm, grübel. Mein Umsatz wird so klein sein, daß ich kaum IHK-Beiträge bezahlen will.


Meines Wissens gibt es keine IHK, die Kleinstunternehmen nicht von der Beitragszahlung freistellt. Frage einfach mal bei deiner ggfs. zuständigen IHK nach.

Das gute ist, dass man auf die Angebote der IHK auch Anspruch hat, wenn man beitragsfreies Mitglied ist. Manche Angebote kosten natür etwas, aber andere gibt es auch kostenfrei. Über das konkrete Angebot kann man sich meistens auch über das Internet informieren.

Beste Grüße,

Heinz.

holz

Re:

von holz (29.11.2008, 12:43)
Christoph S. hat geschrieben:
Es kann sich lohnen, auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten, wenn man regelmäßig hohe Ausgaben hat oder mit eigenen oder fremden Büchern selber handelt.


lohnt sich auch, wenn man gar keine ausgaben hat, dank pauschaler berechnung der vorsteuer (insoweit tätig als AutorIn, Journalist, Maler, Grafiker etc.).
nach §§ 69 u. 70 Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung kann vorsteuer nach durchschnittssätzen berechnet werden (bei AutorIn = 2,6%).

weiterführender link siehe weiter oben

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