Bauchschreiben, oder Planen

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (16.02.2009, 01:49)
Dalma Lee hat geschrieben:
Ich zähle mich auch zu den Bauchschreibern :)


Offenbar ist die Mehrzahl hier "Bauchschreiber", oder sie bezeichnen sich zumindest so.

Die Arbeitsweise, wie man als "Bauchschreiber" einen 200-Seiten-Roman schreibt, ist mir aber völlig unklar. So wie ich das bisher verstanden habe, habt ihr eine auslösende Szene im Kopf (okay, so was habe ich auch). Damit fangt ihr an zu schreiben, und der Rest kommt dann irgendwie irgendwann dazu (und genau das kann ich nicht).

Gibt es einen Zielpunkt in der Geschichte, die ihr schreibt (also wisst ihr bei Beginn des Schreibens, wie eure Geschichte ausgeht)? Wisst ihr beim Schreiben der ersten Szene, welches Personal ihr in der Geschichte braucht und welche Figur wann wo im Text auftauchen muss - oder entscheidet ihr das aus dem Moment heraus, frei nach dem Motto "Und wenn mein Held in größter Gefahr ist, dann geht die Tür auf und der Retter springt herbei"?

Wann legt ihr fest, welche Stärken und welche Schwächen eure Figuren haben und wie sich das in der Handlung auswirkt? Alles erst in dem Moment, wo die Figur das allererste Mal auftritt?

Ich habe da eine Idee für einen Roman:

Zeit:
Heute.

Ort:
Ein fiktiver zentralafrikanischer Staat.

Vorgeschichte:
Die Regierung ist korrupt ohne Ende, kontrolliert aber ein Land mit bedeutenden Rohstoffe, ist also für eine Reihe von Konzernen wichtig. Die rigorose Ausbeutung der Bodenschätze sowie die brutale Unterdrückung der Bevölkerung hat zu Aufständen geführt, und die Truppen der Rebellen sind unmittelbar davor, die Hauptstadt zu überrennen. Der Staatspräsident und seine Familie haben nur noch eine Fluchtmöglichkeit: Den Zug aus der Hauptstadt in die größte Hafenstadt - eine Fahrt von 18 Stunden. Dort im Hafen wartet ein Schiff, das den Präsidenten, dessen Familie sowie eine Reihe von Freunden und wichtigen Verbündeten außer Landes bringen soll. Ein Waggon des Zuges ist vorgesehen für neun Weiße: Europäer und Nordamerikaner. Sie alle spielen eine wichtige und ominöse Rolle rund um den Präsidenten und den Rebellen.

Handlungsidee:
Die neun Weißen (fünf Frauen und vier Männer) sind im Waggon angekommen und untergebracht worden. Kurz nach Abfahrt am späten Nachmittag verschwindet eine Frau spurlos. Die Suche bleibt erfolglos. Eine Stunde später erreicht ein Funkspruch die Zugleitung: An der Bahnstrecke wurde eine weiße Frauenleiche gefunden - offenbar erstochen und dann aus dem Zug geworfen. Da der Waggon an beiden Ausgängen durchgängig bewacht wurde, muss einer der acht anderen Weißen der Täter sein. Die sieben Unschuldigen sollen den Täter ausfindig machen, bevor der Zug in der Hafenstadt ist, ansonsten wird ihnen allen der Zugang zum Präsidentenschiff verweigert (das aus gutem Grund, denn der Präsident hält einige von ihnen für Verräter). Und die Rebellen würden die Weißen zu gerne in ihre Hände bekommen.


So weit die Idee. Würden sich jetzt alle, die sich als Bauchschreiber sehen, einfach hinsetzen und losschreiben?

LG
Siegfried

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frauGeier83
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Re:

von frauGeier83 (16.02.2009, 06:59)
Hallo,

eindeutig bin ich ein Bauchschreiber. Aber ich versuch mir vorher einen "Roten Faden" zu machen, der aber meist ziemlich leidet. Auch stell ich schnell einen Plan auf, der mir die ganzen Charaktäre sammt Familien Freunden und Orten griffbereit hält. Aber ich denke Anfangs einfach alles Raus lassen was im Kopf rum geistert, auch wenn es manchmal ohne Zusammenhang ist. Nur so bekommst du einen Eindruck wie deine Story verlaufen könnte. Betonung liegt auf könnte, weil es sich ändert. Aber der rote Faden soll dich an eine bestimmte Richtung binden, da es sich sonst sehr schnell im Sand verlaufen kann und du einfach nicht mehr weiter kommst.
Ich hoffe das hilft dir etwas.


Gruß Simone thumbbup
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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (16.02.2009, 07:54)
Ich schreibe vieles, wie es mir aus den Fingern fließt, meinetwegen auch aus dem "Bauch". Das sind meist später die besten Szenen überhaupt. Der Plot, der rote Faden, ist teils unterbewusst vorhanden, teils habe ich Skizzen, Schnipsel, unzusammenhängende Fragmente, die wie Puzzlesteinchen erst nach und nach ihren Platz finden.

Irgendwann muss ich anfangen, Lücken zu schließen - und dann kann es durchaus sein, dass einzelne fertige Szenen nicht mehr passen, dass die Logik nicht stimmt. Dann hilft nichts: 'raus damit, um- oder neu schreiben.

Meine Charaktere dürfen sich entwickeln. Muss ich die sexuelle Orientierung wissen? Welcher Mensch kennt denn anfangs seine eigene? Es gibt einen Anfangsverdacht, die gesellschaftliche Norm, aber jeder Jugendliche entdeckt irgendwann selbst, ob dies zutrifft oder nicht. Romanfiguren dürfen dieselbe Freiheit genießen, wenn entsprechende Charakterzüge keine Schlüsselfunktion im Roman haben (dann ist die Frage, ob man überhaupt darauf eingehen muss).

Ich habe wesentliche Prinzipien aus dem Rollenspiel übernommen: es gibt einen Hintergrund, einen roten Faden, an dem die Story entlang läuft, und die Spieler / Handlungspersonen dürfen innerhalb gewisser Grenzen frei agieren, da ist genug Raum für den Bauch. Wenn die Story dann aus dem Ruder läuft, dann gibt es zwei Möglichkeiten: ich muss die Protagonisten wieder "einfangen" - oder der ursprüngliche Plan hat eine Macke. Wenn ich die Hauptfigur zwingen müsste, etwas unglaublich Dämliches zu tun oder etwas Offensichtliches zu unterlassen, dann liegt ein Fehler vor, den mein Held gefunden hat. Dann ist Neuplanung angesagt.

Tja, und wenn die Story in großen Teilen steht, dann kommt der wirklich schwierige Teil: alles nochmal durchgehen und die "Continuity" überprüfen.

Grüße,
Valerie
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Dozen-Roses

Re: Bauchschreiben, oder Planen

von Dozen-Roses (16.02.2009, 07:59)
Hanna hat geschrieben:
Diese drei Fragen brennen mir schon lange unter der Zunge:

1. Wer von Euch ist Bauchschreiber?
2. Wer schreibt nach Plan.
3. Was stimmt für Euch?

Selber zähle ich mich zu den Bauchschreibern. Nachdem sich die Idee in meinem Kopf eingenistet hat , beginne ich mit Schreiben und bin dann oft selber überrascht, was sich daraus entwickelt.

Freue mich auf Eure Meinungen


Hallo Hanna!

Die dritte Frage versteh ich nicht? Bisschen plemplem, musst du wissen. cheezygrin (Ich, meine ich)

Ansonsten ist Schreiben bei mir eine Mischung aus Bauch und Organisation.

Eine Idee zündelt, ich beginne zu schreiben, dann zu ordnen. Je nach Größe des Werkes beginne ich mit der Organisation früher oder später.
Das eigentliche Schreiben muss aus dem Bauch heraus kommen.
Zuletzt geändert von Dozen-Roses am 16.02.2009, 14:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Judith
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Re:

von Judith (16.02.2009, 12:00)
Hallo Siegfried,

es kommt darauf an, ob man etwas "Geradeliniges" schreibt oder einen Krimi/Thriller, der um mehrere "Ecken geht". Ich habe zwar auch Nebenstränge in meinen Kinderbüchern, aber die sind doch sehr überschaubar. Wenn es sich um einen eher unkomplizierten Roman bis zu 200 Seiten handeln würde, dann könnte ich mit deiner Info zumindest schon mal 1 - 2 Kapitel schreiben.

Wie bereits geschrieben, eine grobe Inhaltsangabe und einen vorläufigen Kapitelaufbau mache ich, bevor ich beginne oder nach dem ersten Kapitel. Auch habe ich die Protagonisten im Kopf bzw. auf einem Block, Nebenfiguren kommen später hinzu. Den Schluss weiß ich zumindest im Groben, beim derzeitigen Manuskript sogar sehr genau.

Ich kann mir auch gut vorstellen, einen gründlicheren Plot zu machen, wenn ein Projekt es erfordert. Bei Schulaufsätzen hatte ich immer vorbildliche Gliederungen. Aber bei meinen doch eher schlicht gestrickten Büchern war das bisher nicht (von vorneherein) notwendig, jedoch, wie ich auch schon geschrieben habe, meist nach ca. zwei Dritteln des Manuskripts. Der Höhepunkt der Geschichte sollte ja schließlich gut durchdacht und als solcher erkennbar sein und das Ende zufriedenstellen (oder provozieren, zum Nachdenken anregen oder was auch immer man damit erreichen will).

Grüßle,
Judith
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Eisbär
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Re:

von Eisbär (16.02.2009, 12:53)
Ich bin selbst noch nicht sehr erfahren, was das Schreiben von Büchern anbelangt, kann mir aber nicht vorstellen, dass eine Geschichte ohne vorherige Planung richtig "funktioniert". Von einem guten Buch erwarte ich einen konstanten Spannungsbogen, unerwartet Wendungen, die im Nachinein trotz allem stimmig und nicht aufgesetzt wirken, und vor allem sollte es in sich geschlossen sein. Wenn ich die letze Seite hinter mir habe, möchte ich die Gewissheit haben, ein geniales Buch gelesen zu haben, das einen gedanklich noch eine Weile beschäftigt. Angedeutete Nebenhandlungen, die am Ende keine Rolle mehr spielen oder gar Widersprüche halte ich beim Drauflosschreiben für vorprogrammiert. Vielleicht habt ihr das bei Fernsehserien schon mal bemerkt, wo es zum Staffelende den spannungsgeladenen Cliffhanger gibt. Zum Staffelauftakt ein Jahr später wird dann alles so unglaubwürdig, rasant und unlogisch aufgelöst, dass man sich nur noch ärgern kann. Serienautoren denken nämlich nicht immer darüber nach, wie sie das alles auflösen wollen (sei es, weil der Zeitdruck zu hoch ist), wenn denn derselbe Schreiber überhaupt die Folge weiterführen darf, und stellen dann zu oft unweigerlich fest, dass ihre Idee nicht richtig funktioniert. Nur blöd, wenn die Folge da schon gesendet wurde.

Hanna
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Re: Bauchschreiben, oder Planen

von Hanna (16.02.2009, 12:55)
Die dritte Frage versteh ich nicht? Bisschen plemplem, musst du wissen. cheezygrin

Liebe Rose
Du bist nicht plemplem :D
Meine Fragestellung ist unklar (habe jetzt das Avatar-Bild mit dem Weinglas ausgewechselt cheezygrin) .

Es müsste heissen: Wie stimmt es für Euch?
Übrigens freue ich mich extrem über das vielseitige Echo.
Danke! Euch allen!
Herzliche Grüsse
Hanna
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Hanna
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Re:

von Hanna (16.02.2009, 13:02)
Hallo Eisbär
In meinem ersten Roman verlaufen die Spannungsbogen in Wellenlinien.
Es ist eine typische Bauchschreibe. Gerade weil ich nicht wollte, dass irgendwann die grosse Ausschüttung und dann nichts mehr kommt. Kritiker beurteilten das Buch als "unruhig".
Beim darauffolgenden Roman lasse ich die Spannungslinie langsam ansteigen und am Schluss leicht absinken.

Das Spiel mit den Spannungsbogen ist wirklich faszinierend.
Herzliche Grüsse

Hanna

www.hanna-steinegger.ch

Maya

Re:

von Maya (16.02.2009, 13:15)
Siegfried hat geschrieben:
Ich habe da eine Idee für einen Roman:

Zeit:
Heute.

Ort:
Ein fiktiver zentralafrikanischer Staat.

Vorgeschichte:
Die Regierung ist korrupt ohne Ende, kontrolliert aber ein Land mit bedeutenden Rohstoffe, ist also für eine Reihe von Konzernen wichtig. Die rigorose Ausbeutung der Bodenschätze sowie die brutale Unterdrückung der Bevölkerung hat zu Aufständen geführt, und die Truppen der Rebellen sind unmittelbar davor, die Hauptstadt zu überrennen. Der Staatspräsident und seine Familie haben nur noch eine Fluchtmöglichkeit: Den Zug aus der Hauptstadt in die größte Hafenstadt - eine Fahrt von 18 Stunden. Dort im Hafen wartet ein Schiff, das den Präsidenten, dessen Familie sowie eine Reihe von Freunden und wichtigen Verbündeten außer Landes bringen soll. Ein Waggon des Zuges ist vorgesehen für neun Weiße: Europäer und Nordamerikaner. Sie alle spielen eine wichtige und ominöse Rolle rund um den Präsidenten und den Rebellen.

Handlungsidee:
Die neun Weißen (fünf Frauen und vier Männer) sind im Waggon angekommen und untergebracht worden. Kurz nach Abfahrt am späten Nachmittag verschwindet eine Frau spurlos. Die Suche bleibt erfolglos. Eine Stunde später erreicht ein Funkspruch die Zugleitung: An der Bahnstrecke wurde eine weiße Frauenleiche gefunden - offenbar erstochen und dann aus dem Zug geworfen. Da der Waggon an beiden Ausgängen durchgängig bewacht wurde, muss einer der acht anderen Weißen der Täter sein. Die sieben Unschuldigen sollen den Täter ausfindig machen, bevor der Zug in der Hafenstadt ist, ansonsten wird ihnen allen der Zugang zum Präsidentenschiff verweigert (das aus gutem Grund, denn der Präsident hält einige von ihnen für Verräter). Und die Rebellen würden die Weißen zu gerne in ihre Hände bekommen.


So weit die Idee. Würden sich jetzt alle, die sich als Bauchschreiber sehen, einfach hinsetzen und losschreiben?

LG
Siegfried


Ich muss dir gestehen Siegfried (ich als bekennende Bauchschreiberin), dass ich mit noch viel weniger anfange als du aufgelistet hast. Im Prinzip hast du schon beinah einen kompletten Handlungsbogen aufgestellt, eine feste Bahn, in der die Geschichte laufen soll.

Meist fängt es bei mir mit etwas ganz winzig kleinen an, zum Beispiel ein Zitat oder etwas, das ich in den Nachrichten gesehen habe. Dieses kleine Ding geistert dann durch meinen Kopf, fasziniert mich und ich muss es aufschreiben.
Nach und nach kommen dann im Aha-Effekt (ich springe in den unpassensten Momenten auf und renne zu meinem Schreibtisch cheezygrin ) die Charaktere, Handlungsideen und auch der Schluss dazu - so ein bisschen nach dem Schneeballprinzip. Am Anfang ist es eine kleine Schneeflocke und am Ende ist es eine riesige Lavine. :wink:

Bei meinem jetzigen Projekt ist es mir z. B. so gegangen, dass anfängliche Nebencharaktere plötzlich zu Hauptcharaketern mutiert sind, obwohl ich das nicht geplant habe.

Ich muss gestehen, dass dieses "planlose" Schreiben manchmal ein bisschen anstrengend ist. Aber ich merke ganz genau, dass es bei mir nicht funktioniert, wenn ich mich hinsetzte und sage: So, du hattest eine tolle Idee, jetzt schreib alles ganz genau auf. Das Ergebnis ist meist ein Fall für die Mülltonne...

Ich hoffe ich konnte dir (und natürlich dem Rest) nahe bringen, wie es funktionieren kann. cheezygrin

Grüße
Maya

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Silvia Kirschner
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Re:

von Silvia Kirschner (16.02.2009, 13:45)
ich denk auch, dass es vor allem auch drauf ankommt, WAS ich schreiben will. bei mehreren-hundert-seiten-büchern braucht man, meiner meinung nach, wirklich schon vorher eine gute struktur. ich könnte mir vorstellen, dass man vielleicht sonst auch dazu neigt, vom hundertste ins tausendste abzuschweifen und so völlig den faden verliert.

bei meinem buch erübrigte sich die frage nach einem grundgerüst - dadurch dass es einige jahre eines lebens schildert, war für mich klar, dass ich alles in chronologischem ablauf schreibe. für mich war eher die frage, aus welcher sicht ich die geschichte schreibe (also in ich-form, oder eben als "aussenstehende" erzählerin..).

bei mir selber ist es so, dass ich permanent und in den unmöglichsten situationen und zeiten irgendwelche infos zu einem neuen buch in meinem kopf ausspucke und versuche, sie irgendwo abzuspeichern. und wenn ich irgendwann genug zeit hab - also wenn der tag irgendwann mal mindestens 35 stunden dauert - dann werde ich mir sicher alles zu einem grundgerüst zusammenschreiben, bevor ich mit dem eigentlichen buch beginne... cheezygrin

viele grüßlis an euch alle,
eure silvia

Hanna
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Re:

von Hanna (16.02.2009, 13:58)
Siegfried schreibt:
So weit die Idee. Würden sich jetzt alle, die sich als Bauchschreiber sehen, einfach hinsetzen und losschreiben


Hallo Siegfried
Für mich wäre das unmöglich, weil ich zu Deinem Vorschlag null Beziehung habe. Die Protagonisten und die Handlungen müssen in meinem eigenen Kopf entstehen und wachsen. Nur so entsteht in meinem Fall eine Geschichte.
ps. Übrigens eine tolle Idee! Warum schreibst Du den Roman nicht gleich selber, Siegfried? Wäre doch naheliegend :D
Herzliche Grüsse

Hanna

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Valerie J. Long
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Re:

von Valerie J. Long (16.02.2009, 14:12)
Ich glaube, Siegfried, worauf du hinauswillst: wenn es darum geht, ein kompliziertes Logikpuzzle und/oder eine sehr stark verschlungene Handlung aufzubauen, geht es nicht ganz ohne Plan.

Ich habe das gemerkt, als ich mehrere Handlungsstränge - mit Ereignissen innerhalb weniger Stunden - rund um die Welt synchronisieren wollte. Die verschiedenen Zeitzonen/Tageszeiten kriegt man ohne Plan nicht zusammen.

Da mache ich es lieber anders: ich notiere die Kreuzungspunkte, schreibe jeden Handlungsstrang hintereinander weg und sortiere die Kapitel danach in die "richtige" Reihenfolge.

Gruß,
Valerie

FraRa
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Re:

von FraRa (16.02.2009, 14:16)
Manchmal lasse ich mich machen, und es kommt zufällig etwas planvoll Wirkendes heraus.
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noteingang
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Re:

von noteingang (16.02.2009, 14:26)
Ich verweise hierzu gerne mal auf die Seite:

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/28003

Interview mit Philip Roth einem der wichtigsten noch lebenden amerikanischen Schriftsteller.

Dieser offenbart sich als Bauchschreiber und zu sagen es gehe nicht ist halt schlicht Blödsinn. Ich würde mich nie vorher in ein enges Korsett zwingen, dann wäre mir ja beim Schreiben langweilig. Gerade das Bauchschreiben überrascht doch beim Schreiben wie das Lesen eines unbekannten Buches.

Ich schreibe für meinen Teil einfach drauf los und korrigiere eventuell beim nacharbeiten, vorher genau planen hat eher etwas von Sachbüchern oder einer wissenschaftlichen Arbeit. Natürlich hat man einige Ideen im Kopf, die können aber jederzeit geändert werden.

Pro Bauchschreiben, irgendwelche durchkalkulierten Mainstreamfilme und Bücher gibts es schon zu genüge.

M-F Hakket
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Re:

von M-F Hakket (16.02.2009, 14:36)
Ich glaube Dean Koontz hat auch mal gesagt, dass er einfach "macht". Er lässt sich von dem, was sich beim Scheiben so entwickelt, überraschen.

Ich glaube aber auch, dass es auf den Menschen ankommt, der schreibt.

Der eine ist schon immer eher ein "Planer" gewesen. Er will genau wissen, wie/was/wann wo passiert. Er ist eher analytisch. Diese Leute schaffen es dann vielleicht sogar, nach exakt 135 Seiten den Spannungsboge genau dahin zu bekommen, wo sie ihn hinhaben wollen.

Andere sind gefühsbetont. Sie machen einfach, und denken sich "passt schon". Wenn ich selber auf einmal anfange zu heulen, isses gut.
Sie schubsen ihre Helden in irgendwelche gefährliche Situationen und denken dann: "Okay, und wie kriege ich den da jetzt so wieder raus, dass mich der Leser nicht für völlig durchgeknallt hält?"
Man muss halt ein bisschen mehr "wurschteln".
cheezygrin

Was besser oder schlechter ist, kann ich nicht beurteilen. Jeder halt so, wie er kann.

Gruß
Hakket

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