Bibeltexte sind rechtlich geschützt?

Verträge, Rechte und Pflichten: Was man als Autor beachten sollte.


Bensid
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Bibeltexte sind rechtlich geschützt?

von Bensid (06.08.2010, 15:24)
Hallo zusammen,

habe folgende Frage .
In meinem Sachbuch welches Religiöse Teilabschnitte hat, sollten Bibelstellen zitiert werden.
Nun habe ich gelesen, das alle Bibeln ( es gibt ja zig versch. Auslegungungen ) Copyright auf die Bilbeltexte haben.

Wie kann ich Bibeltexte nun verwenden, ohne die Rechte zu verletzen...

Ebenso verstehe ich nicht, wieso Bibeltexte nicht verwendet werden dürfen, wenn diese doch lt. Krche und Inhalt der Bibeln Gottes Worte sind ?

Gruß Bensid

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hawepe
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Re: Bibeltexte

von hawepe (06.08.2010, 15:33)
Hallo Bensid,

Bensid hat geschrieben:
In meinem Sachbuch welches Religiöse Teilabschnitte hat, sollten Bibelstellen zitiert werden.
Nun habe ich gelesen, das alle Bibeln ( es gibt ja zig versch. Auslegungungen ) Copyright auf die Bilbeltexte haben.

Wie kann ich Bibeltexte nun verwenden, ohne die Rechte zu verletzen...


Wenn du nur in dem Umfang zitierst, wie es nötig ist, um deine Argumentation verständlich zu machen, darfst du das nach dem Urheberrechtsgesetz. Für alle Zitate, die darüber hinausgehen, benötigst du eine Nutzungserlaubnis.

Ebenso verstehe ich nicht, wieso Bibeltexte nicht verwendet werden dürfen, wenn diese doch lt. Krche und Inhalt der Bibeln Gottes Worte sind ?


Weil Gott zu faul war oder ist, sie selbst aufzuschreiben, sondern diese Arbeit den Menschen überließ cheezygrin

Aber du darfst natürlich auf ältere Bibelausgaben zurückgreifen. Wenn der Bearbeiter mindestens 70 Jahre tot ist, dürfen diese uneingeschränkt verwendet werden. Genauso darfst du eigene Übersetzungen anfertigen und diese unter eine Lizenz stellen, die eine uneingeschränkte Nutzung gestattet.

Beste Grüße

Heinz

Bensid
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Re:

von Bensid (06.08.2010, 15:44)
Hallo Heinz,

danke für die Ausführungen..

a) gibt es ältere Bibelausgaben, wo der Verfasser schon 70 Jahre tot ist.

b) darf ich zumindestens die Orig. Bibelstelle nennen, und diese dann mit eigenen Worten beschreiben ?

Gruß Bensid

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hawepe
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Re:

von hawepe (06.08.2010, 15:52)
Hallo bensid,

Bensid hat geschrieben:
a) gibt es ältere Bibelausgaben, wo der Verfasser schon 70 Jahre tot ist.


Das solltest du eigentlich selber wissen, wenn du etwas zum Thema Bibel schreibst. Ansonsten mal in die nächste große Bibliothek gehen und dort nachfragen. Bücher, die vor 1900 erschienen sind, dürfen allerdings in der Regel weder ausgeliehen noch fotokopiert werden.

b) darf ich zumindestens die Orig. Bibelstelle nennen, und diese dann mit eigenen Worten beschreiben ?


Nennen und mit eigenen Worten wiedergeben darfst du alles. Wobei: Wenn du ein komplettes Buch nacherzählst, könnte es vielleicht doch Ärger geben.

Beste Grüße

Heinz

Bensid
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Re:

von Bensid (06.08.2010, 15:55)
Hallo Heinz,

ich erstelle kein Buch zum Thema Bibel, sondern in dem Buch sind einige Bibelpassagen vorgesehen.

Gruß Ben

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Siegfried
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Re: Bibeltexte sind rechtlich geschützt?

von Siegfried (06.08.2010, 16:04)
Bensid hat geschrieben:
Ebenso verstehe ich nicht, wieso Bibeltexte nicht verwendet werden dürfen, wenn diese doch lt. Krche und Inhalt der Bibeln Gottes Worte sind ?


Die Bibel hat keinen Urheberrechtsschutz - was das Original angeht. Denn das Original ist 2.000 und mehr Jahre alt. So lange du also die Bibel im hebräischen/aramäischen und altgriechischem Original zitierst, kann dir keiner was.

Problematisch wird es allerdings, wenn du deutschsprachige Bibelstellen benutzt. Hier greift das Urheberrecht für die Übersetzung. Es sei denn, der Übersetzer ist seit mehr als 70 Jahren tot. Gleiches gilt für bestimmte Präsentationsformen des Bibeltextes, etwa einer "Online Bibel", wo der Webseiten-Betreiber Regeln aufstellen kann. Das begründet sich darauf, dass "Online-Bibeln" ihrerseits Urheberrechte für Übersetzngen berücksichtigen müssen.

Grüße
Siegfried

Nachtrag: Ansonsten gilt das Zitierrecht gemäß Urheberrechtsgesetz, insbesondere §51. Mach dich da mal schlau!

http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/index.html

holz

Re:

von holz (06.08.2010, 16:13)
Bensid hat geschrieben:

a) gibt es ältere Bibelausgaben, wo der Verfasser schon 70 Jahre tot ist.


http://www.zeno.org/Literatur/M/Luther, ... Bibel+1545
Zuletzt geändert von holz am 07.08.2010, 19:03, insgesamt 1-mal geändert.

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hawepe
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Re:

von hawepe (06.08.2010, 16:23)
Hallo Ben,

Bensid hat geschrieben:
ich erstelle kein Buch zum Thema Bibel, sondern in dem Buch sind einige Bibelpassagen vorgesehen.


Okay, du schriebst "religiöse Teilabschnitte". Und da unterstellte ich natürlich, dass dir z.B. die Lutherbibel ein Begriff ist. Seit Luther ist sie allerdings wiederholt angepasst worden.

Alternativen wären die Elberfelder, Züricher und Meyer-Bibel, deren Erscheinen auch weit genug zurückliegt. Auch hier gibt es natürlich Anpassungen, für die möglicherweise noch ein Urheberrechtsschutz gilt.

Mehr als diese Stichworte kann ich dir allerdings nicht liefern, weil mich das Thema Bibel nur mal sehr kurz vor einigen Jahren interessiert hat und ich mein Wissen nie vertieft habe.

Beste Grüße

Heinz

büchernarr

Re:

von büchernarr (06.08.2010, 16:33)
Hallo,
die Zeugen Jehova haben eine eigene Bibelübersetzung gemacht und behaupten, es sei eine wortwörtliche Übersetzung. Vielleicht hilft so etwas weiter. Jehova-Bibeln findet man manchmal auf den Flohmärkten.
Gruß
Bernd

Bensid
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Re:

von Bensid (06.08.2010, 16:40)
@ Heinz

alle von Dir genannten Bibeln sind mir ein Begriff.. aber alle werden immer wieder neu aufgelegt - sodass das Urheberrecht weiter geltend bleibt

@ Bernd

ich denke auch die Bibel von den Zeugen Jehovas sind urheberrechtlich geschützt, und dürfen nicht wortgetreu zitiert werden
Ich besitze u.a. auch eine Zeugen Jehova Bibel

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hawepe
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Re:

von hawepe (06.08.2010, 17:39)
Hallo Ben,

Bensid hat geschrieben:
alle von Dir genannten Bibeln sind mir ein Begriff.. aber alle werden immer wieder neu aufgelegt - sodass das Urheberrecht weiter geltend bleibt


Nein, durch Neuauflagen verlängert sich die Schutzfrist nicht. Nach 70 Jahren ist Schluss.

Allerdings würde ich immer versuchen, auf ältere Auflagen zurückzugreifen, weil natürlich nicht auszuschließen ist, dass aktuelle Auflagen nicht mit den alten identisch sind, so dass eventuell ein neue Urheberrechtsansprüche begonnen haben.

Wie gesagt, in Bibliotheken nach Ausgaben vor 1900 suchen.

Oder bei den Rechteinhabern fragen, ob du kostenlos zitieren darfst.

Alle diese Verrenkungen sind aber nur notwendig, wenn deine Zitate über den vom Gesetz zugelassenen Umfang hinausgehen. Ob das für dein Buch zutrifft, kannst natürlich nur du selbst wissen.

Beste Grüße

Heinz

Helge

Re:

von Helge (06.08.2010, 17:40)
Ich verabschiede mich hiermit aus dem Forum und wende mich an ein anderes Literaturforum, in dem man sich mit Respekt und Würde begegnet ... fG
Zuletzt geändert von Helge am 28.11.2010, 20:35, insgesamt 2-mal geändert.

holz

Re:

von holz (06.08.2010, 17:45)
Projekt Offene Bibel
Frei kopier- und nutzbar

http://www.offene-bibel.de/

Bensid
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Re:

von Bensid (06.08.2010, 19:36)
@ allen bis jetzt erst einmal herzlichen Dank..

hier offenbaren sich ja ungeahnte Infos und Schätze auf :D :D

freue mich über weitere Infos...

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hawepe
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Re:

von hawepe (06.08.2010, 21:07)
Hallo helge,

Helge hat geschrieben:
Die Stuttgarter Bibelgesellschaft fordert einen bestimmten Satz im Impressum und ist nicht so streng mit einer "Geldforderung".
Ich muss zum Beispie für jedes Zitat einmalig einen Euro zahlen, sofern mehr als ungefähr 1000 Bücher verkauft werden.


Solange sich das Zitieren im Rahmen des gesetzlich Zulässigen bewegt, dürfen sie das fordern, solange sie wollen - zahlen muss man nicht.

Eine kleine Anmerkung: Wenn du denkst, es gäbe kein Copyright für z.B. eine Lutherbibel von 1900, so ist das nicht richtig. Das Copyright liegt trotz des Alters bei der Stuttgarter Bibelgesellschaft. Es ist zwar ein altes Buch, jedoch ist es dieselbe Übersetzung, deren Vervielfältigungsrechte nun einmal bei dem Verlag liegen ...


Auch wenn sie sich auf göttliche Weihen berufen und gerne eine Parallelgeschaft zu installieren versuchen, noch gilt zumindest das Urheberrecht auch für die Kirchen. Und nach 70 Jahren ist eben Schluss mit dem Kassieren.

Wie schon weiter oben geschrieben, muss man nur aufpassen, dass durch Veränderungen keine neuen Urheberrechte entstanden sind. Einfach eine aktuelle Ausgabe der Lutherbibel zu kaufen, könnte deshalb teuer werden. Auf der sicheren Seite ist man nur, wenn man auf originale Ausgaben von vor 1900 oder auch vor 1850 (wenn man Pech hat, war der Übersetzer damals erst 20 und wurde 100) zurückgreift.

Beste Grüße

Heinz

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