bin gespannt....

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roma
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bin gespannt....

von roma (19.12.2008, 02:44)
....aber nicht zu sehr auf rechtschreibfehler achten! das wird -so hoffe ich- irgendwannmal ein lektor für mich erledigen

hier ein auszug aus meinem werk

Neugierig beobachtete er den Fremden, der suchend nach oben blickte und plötzlich direkt in seine Augen starrte. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. Nach wenigen Augenblicken wand der Fremde seinen Blick wieder vom Hotel ab und begab sich in die Bar, die sich etwa hundert Meter entfernt befand und deren rötlich blinkende Leucht-reklame sämtliche Räume und Zimmer im näheren Umkreis beleuchtete.
Er beobachtete die Strasse, auf der noch reges Treiben herrschte und das dunkle, weite Meer. Das monotone Rauschen der Wellen und das Rascheln der Pinien, das durch den leichten Seewind hervorgerufen wurde, vermischte sich mit Kindergeheul und jener Stimme, die ihm so vertraut war.
Die Stimme war nun nicht mehr flehend, sondern tröstend. Wie in Trance lauschte er der Stimme und plötzlich befand er sich in mitten einer kleinen Küche und in einer völlig anderen Zeit.

Er saß weinend am Schoße seiner Mutter, die ihm zärtlich den Rücken streichelte und ihn beruhigte. Rund um ihn am Boden, lagen zerbrochene Teller und zerbrochenes Glas. Es war feucht und kalt in der Küche und der Regen prasselte laut ans Fenster.
Draußen erkannte er von Rauch und Dunst verschleiert, riesige Türme aus rostigem Stahl. Die verrußte Scheibe des Fensters, bot keine klare Sicht nach draußen. Er vernahm das rattern von Zahnrädern, die ineinander griffen und das knirschen von brechendem Stahl.
Etwas Warmes tropfte in gleichmäßigen Abständen auf seinen linken Unterarm. Es war Blut. Wohlig warmes, dunkelrotes Blut. Er blickte hoch und sah das Gesicht seiner Mutter. Sie lächelte ihn an und senkte danach ihren Kopf. Das Blut triefte aus ihrer Nase und ihre Augen schwollen allmählich zu.
Er stand auf und ging zum Fenster und blickte nach unten. Dort erkannte er in einem Gewirr von Geleisen duzende, schwarze Lokomotiven, die aus all ihren Öffnungen Dampf abließen und somit die Umgebung noch trister aussehen ließen, als sie es ohnehin schon war.
Riesige, stählerne Bauwerke türmten sich in den trüben Himmel. Mit schaudern blickte er auf die Strasse, die direkt unter dem Fenster verlief. Und da erblickte er ihn.
Er hatte eine Flasche in der Hand und er schlenderte stark wankend in Richtung Eingangstür.
Angst stieg in ihm auf, denn er wusste, was in wenigen Augenblicken folgen würde. Wie vom Teufel besessen rannte er zur Wohnungstür und stürzte das Treppenhaus hinunter zur Toilette. Zitternd verriegelte er die Tür. Er kauerte sich in die Ecke und hielt inne. Erbärmlicher Gestank trat ihm entgegen und es ekelte ihn.
Er hielt sich die Nase zu, als er Schritte vernahm die immer näher kamen und immer lauter wurden. Bald würden diese Schritte an der Toilettentür vorüberziehen und die letzten Treppen zur Wohnungstür hinauf stapfen. Tränen traten aus seinen Augen, denn er wusste, was nun passieren würde. Mit unheimlicher Kraft presste er seine beiden kleinen Finger in die nicht viel größeren Öffnungen seiner Ohren. Er wollte nicht mit anhören, was nun geschah.
Doch es war jedes Mal vergebens. Das Gepolter und Geklirre, die Schreie und Hiebe schlangen sich erbarmungslos um seine Finger herum und bohrten sich über seine Gehöhrgänge direkt in sein Gehirn.

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Siegfried
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Re: bin gespannt....

von Siegfried (19.12.2008, 12:09)
Hi!

Ich habe mir den Text einmal auf die Schnelle vorgenommen und mich ausschließlich auf das Handwerkliche konzentriert, allerdings Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung dabei nicht berücksichtigt.



Neugierig beobachtete er den Fremden, der suchend nach oben blickte und plötzlich direkt in seine Augen starrte. [Dieser Satz legt die Erzählperspektive fest: personale Erzählperspektive in der dritten Person, hier "er"] Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. [Klischee] Nach wenigen Augenblicken wand der Fremde seinen Blick wieder vom Hotel ab [falscher Bezug; der Fremde hat die andere Person ("er") angesehen und nicht das Hotel] und begab sich in die Bar, die sich etwa hundert Meter entfernt befand und deren rötlich [besser: rot] blinkende Leucht-reklame sämtliche Räume und Zimmer im näheren Umkreis beleuchtete.
Er [unklare Personenbestimmung; ist "er" das "er" aus dem ersten Satz oder ist das jetzt der Fremde in der Bar?] beobachtete die Strasse, auf der noch reges Treiben [unglücklicher Ausdruck; zu allgemein; besser spezifizieren; was ist los auf der Straße: Fußgänger? Autoverkehr? Touristen? Fliegende Händler?] herrschte und das dunkle, weite Meer [Doppelung von Adjektiven; zwei Adjektive für ein Substantiv sind immer ein Alarmzeichen; welches der beiden ist stärker? Das andere dann streichen]. Das monotone Rauschen [Substantiviertes Verb] der Wellen und das Rascheln [Substantiviertes Verb] der Pinien, das durch den leichten Seewind hervorgerufen wurde [zu technische Beschreibung], vermischte sich mit Kindergeheul und jener Stimme [Nr 1], die ihm so vertraut war. [Substantivierte Verben wieder zu Verben machen, dadurch wird der Satz stärker]
Die Stimme [Nr. 2] war nun nicht mehr flehend, sondern tröstend. Wie in Trance lauschte er der Stimme [Nr. 3; Wiederholung] und plötzlich befand er sich in mitten einer kleinen Küche und in einer völlig anderen Zeit.

Er saß weinend am [besser: auf dem] Schoße seiner Mutter, die ihm zärtlich den Rücken streichelte und ihn beruhigte. Rund um ihn am Boden, lagen zerbrochene Teller und zerbrochenes Glas. Es war feucht und kalt in der Küche und der Regen prasselte laut ans Fenster. [Irgendwas stimmt nicht in der Beschreibung; zu unpersönlich; das "Es war" schafft starke Distanz]
Draußen erkannte er von Rauch und Dunst verschleiert, riesige Türme aus rostigem Stahl. Die verrußte Scheibe des Fensters, bot keine klare Sicht nach draußen. Er vernahm [Beamtensprache] das rattern von Zahnrädern, die ineinander griffen und das knirschen von brechendem Stahl.
Etwas Warmes tropfte in gleichmäßigen Abständen auf seinen linken Unterarm. Es war Blut. Wohlig warmes, dunkelrotes Blut. Er blickte hoch und sah das Gesicht seiner Mutter. Sie lächelte ihn an und senkte danach ihren Kopf. Das Blut triefte ["triefen" hat die Bedeutung von "gänzlich nass sein", ist das hier der Fall?; besser: "tropfte" (Achtung, Wiederholung) oder "lief"] aus ihrer Nase und ihre Augen schwollen allmählich zu.
Er stand auf und ging zum Fenster und blickte nach unten. Dort erkannte er in einem Gewirr von Geleisen duzende, schwarze Lokomotiven, die aus all ihren Öffnungen Dampf abließen und somit die Umgebung noch trister aussehen ließen, als sie es ohnehin schon war.
Riesige, stählerne Bauwerke [Was für Bauwerke?; konkreter benennen] türmten sich in den trüben Himmel. Mit schaudern blickte er auf die Strasse, die direkt unter dem Fenster verlief. Und da erblickte er ihn.
Er hatte eine Flasche in der Hand und er schlenderte stark wankend [kann man gleichzeitig "schlendern" und "wanken"; "wankte" ist eindeutiger] in Richtung Eingangstür. [Damit tritt das dritte "Er" auf - eigentlich das vierte, da ein "Er" zum Kind geworden ist; ich verliere die Übersicht; wenn der Beobachter die Person kennt, warum nicht mit Namen benennen?]
Angst stieg in ihm auf [in wem? Dem betrunkenen Mann (Rückbezug zum vorhergehenden Satz-Subjekt)? Dem beobachtenden Jungen? Dem in Trance befindlichen Mann? Und vor allem: Wie sieht das aus, wie fühlt sich das an?], denn er wusste, was in wenigen Augenblicken folgen würde. Wie vom Teufel besessen rannte er zur Wohnungstür und stürzte das Treppenhaus hinunter zur Toilette. Zitternd verriegelte er die Tür. Er kauerte sich in die Ecke und hielt inne. Erbärmlicher Gestank trat ihm entgegen [zu konstruierter Satz; einfach halten; "Es stank"] und es ekelte ihn. [der Gestank wirkt stärker als die Furcht vor dem Betrunkenen? Ist das so gewollt?]
Er hielt sich die Nase zu, als er Schritte vernahm die immer näher kamen und immer lauter wurden. [der Satz geht so gar nicht; hier wird ein akustischer Eindruck (die Schritte) mit einem olfaktorischen Sperre (Nase zuhalten) verknüpft; wenn der Junge Angst vor dem Mann hat, würde er sich die Ohren zuhalten] Bald würden diese Schritte an der Toilettentür vorüberziehen und die letzten Treppen [gemeint sind wohl Stufen] zur Wohnungstür hinauf stapfen. Tränen traten aus seinen Augen [Tränen treten in die Augen oder laufen über das Gesicht; den Ausdruck "traten aus den Augen" kenne ich nicht], denn er wusste, was nun passieren würde. Mit unheimlicher Kraft presste er seine beiden kleinen Finger in die nicht viel größeren Öffnungen seiner Ohren. Er wollte nicht mit anhören, was nun geschah.
Doch es war jedes Mal vergebens. Das Gepolter und Geklirre, die Schreie und Hiebe schlangen sich erbarmungslos um seine Finger herum und bohrten sich über seine Gehöhrgänge direkt in sein Gehirn.



Generell ist mir nach dem Anfang nicht klar, wer diese Geschichte erzählt. Ist es das "er", das zu Beginn den Fremden sieht? Dann frage ich mich allerdings, welche Funktion das Auftreten des Fremden hat und weshalb mir dessen Besuch in der Bar geschildert wird. Handelt es sich jedoch um den Fremden, dann haben wir einen Wechsel der Erzählperspektive: vom ersten "er" in den Fremden hinein. Das ist dann aber höchst problematisch.

Die vielen "Er"-Bezeichnungen verhindern einen klaren Überblick.

Die hier vorgestellte Geschichte arbeitet mit einer sehr großen Rückblende. In Rückblenden steckt immer die Gefahr, den Leser aus der aktuellen Szene herauszuziehen (die Eingangsszene) und ihn somit auf eine andere Ebene zu bringen (die aktuelle Handlung wird damit unterbrochen).

Größte Schwäche des Textes ist die m. E. unzureichende Emotionalität. Die Angst des Jungen wird für mich nicht ausreichend intensiv dargestellt. Was der Junge wirklich fühlt - und ganz besonders: was er denkt -, wird mit großer Distanz und nur äußerlich beschrieben: der Junge hat Angst (behauptet, aber nicht gezeigt), die Toilette stinkt und es ekelt den Jungen (behauptet, aber nicht gezeigt), die Furcht um seine Mutter lässt ihn weinen (die Furcht wird behauptet, aber nicht gezeigt). Der Text muss tiefer in die Personen hinein. Dichter an sie heran. Was fühlt der Junge in seinem Inneren - und nicht nur: Was kann ein Unbeteiligter von außen sehen.

LG
Siegfried

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haekelschwein
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Re:

von haekelschwein (19.12.2008, 12:41)
Besser als Siegfried kann man die Verbesserungsmöglichkeiten Deines Textes nicht herausarbeiten, deshalb beschränke ich mich auf den ergänzenden Hinweis, dass es riskant ist, die Rechtschreibung dem späteren Lektor überlassen zu wollen, falls damit ein Verlagslektor und nicht ein selbst bezahlter freier Lektor gemeint ist.

Einen Verlagslektor mag es nämlich abschrecken, wenn er pro Seite zu viele Fehler findet, weil er von diesen - und sei es unbewusst - auf die inhaltliche Qualität schließen wird. Wenn hingegen schon Grammatik und Orthografie auf einen gebildeten, sorgfältigen Schreiber schließen lassen, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass mehr als eine Seite des Manuskripts gelesen wird.

Ich würde also empfehlen, die paar Rechtschreib- und Kommafehler noch auszumerzen, denn es scheint sich vor allem um Flüchtigkeitsfehler zu handeln, da das meiste ja durchaus korrekt ist. Beispiele wären: Straße statt Strasse, Gleise statt Geleise und Dutzende statt duzende sowie Gehörgänge statt Gehöhrgänge.

roma
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vorerst danke...

von roma (21.12.2008, 17:31)
.....für die verbesserungsvoschläge!

ich habe bewusst jenen teil meiner geschichte (anfang) in dieses forum gestellt, da er einer der schwierigsten zu schreiben und wie ich jetzt sehe, schwer zu verstehen ist.

meine geschichte erzählt von zwei blickwinkel betrachtet:
1. aus der sicht des kommisars, 2. aus der sicht des mörders.

der text ist ein auszug aus dem ersten kapitel. "er", der mörder erzählt.
"er", deshalb, weil ich den namen des mörders nicht schon in den ersten seiten nennen will.

beim überarbeiten des textes sind mir diese, von euch angeführten probleme aufgefallen. ich habe sie gelöst, in dem ich das "er" (mörder) kursiv gesetzt habe.

wie findet ihr diese lösung? eine "freie lektorin" findet es von nun an übersichtlicher und leichter zu verstehen.
ich weiß aber, dass man kursiv so gut es geht, vermeiden sollte

liebe grüße!!

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Siegfried
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Re: vorerst danke...

von Siegfried (23.12.2008, 15:21)
roma hat geschrieben:
beim überarbeiten des textes sind mir diese, von euch angeführten probleme aufgefallen. ich habe sie gelöst, in dem ich das "er" (mörder) kursiv gesetzt habe.

wie findet ihr diese lösung?


Klare Antwort: Nicht gut.

Warum?

Weil ich nicht nachvollziehen kann, warum diese unterschiedlichen "Er" in dem Text überhaupt vorkommen. Warum werden die Personen nicht klar und deutlich benannt? Gibt es dafür einen Grund? So etwas ist für mich nicht künstlerisch, es ist artifiziell.

LG
Siegfried

roma
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ok....

von roma (23.12.2008, 18:19)
....Siegfried, bergüße dich!

schwer zu erklären, was du von mir wissen willst. Egal, Ich versuche es. Der text ist etwas aus dem Zusammenhang gerissen.

1. Kapitel:

" Er", der Mörder (den ich erst am Ende der Geschichte namentlich nennen will), seit geraumer Zeit von Albträumen gebeutelt, wacht im Hotelzimmer auf. Er wird akustisch Zeuge einer Misshandlung im Nebenzimmer.
Der Mörder beobachtet den Fremden (2. "er"), der das Nebenzimmer verläßt und in die Bar geht. Gleichzeitig vernimmt er die Stimmen, die ihm so vertraut sind. Stimmen von früher. (tröstende Stimmen einer Mutter, Kindergehäul)
Der Mörder verfällt in einen Trancezustand und wird zurückversetzt in seine Vergangenheit. Er sieht Bilder von früher, als er noch klein war. (3. "er")
Der Mörder, der jetzt ein Kind ist, sieht einen Mann (4."er"), den er aus seinen Träumen kennt, ihn jedoch nicht zuordnen kann! Das Kind (er) hat angst vor dem Mann, weil dieser seine Mutter Misshandelt.
All die Szenen, die sich früher abgespielt haben erlebt er in Trance und in diesem Moment und auch immer wieder in seinen Träumen, die je länger die Geschichte spielt, konkreter werden. (Der Mörder findet im Laufe der Geschichte seine Vergangenheit.)
Der Fremde im Nebenzimmer (2. "er") wird in dieser Nacht sein erstes Opfer.

jetzt habe ich vermutlich alle Klarheiten beseitigt!

liebe Grüße

Hanna
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Re: bin gespannt....

von Hanna (23.12.2008, 19:23)
Kompliment Siegfried.
Die Korrekturen sind auch für mich sehr lehrreich.
Manchmal, wenn man so richtig "im Schuss ist", entgehen einem halt logische und andere Details. Ist mir auch schon passiert.

@ Roma
Mir hilft es jeweils, wenn ich meine Texte ein Weilchen weglege, etwas Distanz gewinne und dann nochmals sorgfältig durchgehe. Das kann manchmal bis zu vier Mal sein.
Eine Riesenarbeit, aber es lohnt sich immer.
Grüessli Hanna

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