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Klaus D. Klimke

Brigitte Schwaiger

von Klaus D. Klimke (28.07.2010, 11:56)
Autobiographisches. Nichts ist von Bestand, selbst ein Augenblick ist es nicht, jeder Augenblick; er verblasst nach wenigen Sekunden, oder nach einigen Tagen, Wochen Monaten oder Jahren, wenn wir ihn uns nicht immer wieder ins Gedächtnis zurückrufen. Bei der Fülle von Augenblicken und Gedanken, die in unserem Kopf kreisen, ein geradezu unmögliches Unterfangen.
Was treibt die Menschen also, die Schriftsteller, vermeintlich Gesunde, Kranke und vermeintlich Genesene autobiographisch zu schreiben?
Ist es die Einfallslosigkeit, erfolglose Themensuche, die Möglichkeit Vergangenheit für sich selbst aufzuarbeiten, den Weg freimachen für zukünftiges, Lebenshilfe (auch für andere; seht her, ich habe es geschafft)?
Oder etwa die Sehnsucht, endlich bemerkt zu werden, aus der Masse herauszuwachsen, öffentlich zu werden, mit der Möglichkeit auf Missstände und Probleme hinweisen zu können, die wir uns selbst oder die, wie wir Menschen gern glauben, andere geschaffen haben; anderen Mut machen, sich selbst Mut machen, weil das Umfeld, und die Bezugspersonen sich ratlos entziehen, diese sich schlicht überfordert fühlen?
Sehen wir darin die letzte Chance uns selbst zu retten, uns selbst endlich wieder zu spüren, wenigstens ein einziges Mal? Oder Ist es die Möglichkeit, Augenblicke festzuhalten, sie dem Vergessen zu entreißen? Konsequent betrieben, gleich einem Tagebuch, von Beginn an, mag es vielleicht möglich sein. Ohne Kontinuität, Gewissenhaftigkeit, entstehen aber zwangsweise Lücken, die Fragen aufwerfen, welche in der Regel am Ende meist unbeantwortet bleiben.
Keine Autobiografie ist also vollständig, lückenlos. Entweder unauffindbar im Gehirn verkramt oder, wie wir so gern uns selbst entschuldigend annehmen, gar nicht erst wahrgenommen. Letzteres ist eine irrige Annahme, denn wir speichern all unsere Wahrnehmungen, ob nun bewusste und/oder unbewusste. Wir können sie nur nicht abrufen, weil uns (immer noch) der Schlüssel dazu fehlt. Quasi ein Selbstschutzmechanismus? Eine Sicherung, die uns daran erinnert: Bedenke, du bist nur ein Mensch? Eine Frage der Evolution also?
Sich gesund schreiben, die wenigsten schaffen es auf diese Weise. Es gibt Krankheiten, da nützt die ganze Schreiberei nichts, da versagt selbst die bestmögliche Therapie. Es folgt das Erkennen einer zunächst scheinbaren Sinnlosigkeit, die Sinnlosigkeit einer Situation, einer Aktion, weil die Reaktion keinen wirklichen Ausweg darstellt, keinen Fortschritt, kein Entkommen zulässt. Kein Licht am Ende des Tunnels, mit seinen grau getünchten widerstandslosen Wänden die, mit schemenhaften lebensbegleitenden Figuren gepflastert, keinen Halt mehr bieten, die Hand nicht reichen, ängstlich zurückweichen, Wände die den Blick nach draußen nicht mehr zulassen, und diesem nachgebenden Boden unter den nackten Füßen, der feste Schritte nicht mehr zulässt, Tatsachen verschleiert. Manifestierte Sinnlosigkeit lässt keinen anderen Weg mehr zu, endet nach unendlich vielen gescheiterten Heilungsversuchen an einer, warum und wie auch immer, unheilbar erkrankten Seele, die nur noch einen Ausweg zu sehen glaubt, den letzten Ausweg.
Bleibt die Erkenntnis: Wir wissen noch viel zu wenig. Eigentlich wissen wir gar nichts.

http://kurier.at/kultur/2019580.php

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hawepe
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Re:

von hawepe (13.08.2010, 22:55)
In der DDR gehörte er zu den beliebtesten Schriftstellern, im Westen blieb er weitgehend unbekannt: Günter Görlich. 82-jährig ist er jetzt in Berlin gestorben.

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Anke Höhl-Kayser
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Re:

von Anke Höhl-Kayser (13.08.2010, 23:26)
hawepe hat geschrieben:
In der DDR gehörte er zu den beliebtesten Schriftstellern, im Westen blieb er weitgehend unbekannt: Günter Görlich


Tatsächlich. Der Name ist mir vollkommen neu. Interessanter Artikel!

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hawepe
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Re:

von hawepe (18.10.2010, 15:12)
Hallo,

ich möchte eure Aufmerksamkeit gerne wieder einmal auf meinen kleinen Blob auf dem Bücherbrett lenken. Anlass ist eine Kurzvorstellung von Maryannes "Grenzlandfrau".

Beste Grüße

Heinz

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (18.10.2010, 16:31)
dieser buch-/texteinschätzung, lieber heinz,
kann ich mich gänzlich anschließen.

:P
Barbara

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hawepe
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Re:

von hawepe (05.01.2011, 23:32)
Hallo,

zur Abwechslung möchte ich wieder einmal auf einen Blogbeitrag von mir auf dem Bücherbrett hinweisen: Edith Devries erzählt über eine jüdische Familie und die unbewältigte Vergangenheit in Deutschland.

Geschrieben hat das Buch ›Nicht mit zu hassen, mit zu lieben bin ich da‹ Ruth Baader zusammen mit ihrer Mutter. Ruth war vor langer Zeit mal im Forum aktiv, hat sich dann aber wegen eines teilweise antisemitischen Threads zurückgezogen.

Beste Grüße

Heinz

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hawepe
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Re:

von hawepe (28.01.2011, 09:46)
Hallo,

mit sträflicher Verspätung habe ich jetzt endlich auch eine Kurzkritik zu Marcos "Der Ventriloquist" hochgeladen: Brandenburgischer Literaturpreis für »Der Ventriloquist« von Marco W. Linke.

Beste Grüße

Heinz

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hawepe
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Re:

von hawepe (01.04.2011, 16:25)
Hallo,

seit heute Mittag steht nun endlich auch die Kurzkritik zu Ankes »Ronar – Zwei Welten« online.

Beste Grüße

Heinz


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Anke Höhl-Kayser
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Re:

von Anke Höhl-Kayser (02.04.2011, 22:47)
Hallo Heinz,

ich möchte mich auch ganz herzlich bedanken! thanks: thumbbup thanks:

LG, Anke

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hawepe
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Re:

von hawepe (02.06.2011, 12:48)
Hallo,

geplant war der Umzug schon seit vergangenem Jahr. Seit heute Nacht ist mein Blog "Über Literatur und Sprache" - mein sogenannter "kleine" Blog - unter einer eigenen Adresse zu erreichen: http://gedanken.sprachrand.de/ :-)

Da ich auf dem Server des Bücherbretts keinen administrativen Zugang habe, kann ich leider keine Weiterleitung auf die neue Adresse schalten. Die hier im Autorenpool geposteten Links führen also alle ins Leere :-(

Beste Grüße

Heinz

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Re:

von Anke Höhl-Kayser (02.06.2011, 13:17)
Der Blog macht aber echt was her, gefällt mir sehr gut! thumbbup

LG, Anke

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Re:

von Ikarus (02.06.2011, 14:11)
Ich erreiche weder die Seite zur Grenzlandfrau noch die zu Ronar: fehler 404.

Michael

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hawepe
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Re:

von hawepe (03.06.2011, 08:09)
Hallo Michael,

Ikarus hat geschrieben:
Ich erreiche weder die Seite zur Grenzlandfrau noch die zu Ronar: fehler 404.


Ehrlich gesagt kann ich mit dieser Information nichts anfangen :-( Vielleicht kannst du mal etwas konkreter werden und z.B. mal die Links nennen, die ins Leere führen.

Beste Grüße

Heinz

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