Blut von Albion

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Thomas von Kienperg
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Blut von Albion

von Thomas von Kienperg (28.03.2015, 10:38)
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Titel: Blut von Albion
Autor: Thomas von Kienperg

Verlag: Autumnus
ISBN: 978-3-944382-47-0
Seiten: 326
Preis: € 14,90

Der Autor über das Buch:

“Blut von Albion” – so heißt das jüngste Manifest des romantischen Historienromans. Im Mittelpunkt steht die Geschichte zweier verfeindeter Geschlechter während der Zeit des englischen Mittelalters, deren Kinder in heftiger Liebe zueinander entbrennen.
„Blut von Albion“ läßt das alte, doch ewig neue Motiv von Shakespeares Romeo und Julia wiederauferstehen und entführt uns in jene ereignisreiche Zeit, wo wackere Ritter noch um die Minne edler Frauen stritten und der unvergängliche Geist der großen Heldenepen wieder lebendig wird.
„Blut von Albion“ erzählt vom Schicksal der jungen Claire de Gaiforte, die von den Gesetzlosen des Sherwood Forest entführt wird. Auf ihrer abenteuerlichen Suche nach der verschwundenen Lady kommen der junge Ritter Godefroy und der Graf von Gaiforte dem Geheimnis allmählich auf die Spur: diese führt nach Blacktower, der Burg des Barons von Boisvert …
„Blut von Albion“ ist ein Hohelied auf die Poesie und jenes ewige und wunderbare Mysterium der Minne, das auch nach Jahrhunderten nichts von seiner unvergleichlichen Faszination verloren hat!


Klappentext:

Seit über einem Jahrhundert besteht die erbitterte Feindschaft zwischen den beiden Geschlechtern Boisvert und Gaiforte. Beim großen Turnier des Königs von England entbrennen Godefroy und Claire, der verfeindeten Familien Kinder, in heftiger Liebe zueinander.
Eines Tages wird Claire von den Räubern des Sherwood Forest entführt. Auf ihrer abenteuerlichen Suche nach der jungen Lady kommen Godefroy und der Graf von Gaiforte dem Geheimnis allmählich auf die Spur: diese führt nach Blacktower, der Burg des Barons von Boisvert ...
"Blut von Albion" erzählt von Kampf, Tod und jenem ewigen und wunderbaren Mysterium der Minne, das auch nach Jahrhunderten nichts von seiner unvergleichlichen Faszination verloren hat!

Inhalt:

***

Gaiforte Castle und die Königin der Ehre und der Minne

Ein junger, unbekannter Ritter aus der Gascogne erscheint …

… gewinnt die Krone des Turniers und stiftet durch seine geheimnisvolle Herkunft große Verwirrung!

Eine Entführung und zwei Betrübte

Unerwarteter Besuch auf Blacktower

Normannenblut

Eine seltsame Entdeckung

Fountaindale und die „Merrymen of the Forest“

Abenteuer bei Major Oak und Rufford Abbey

Die Flucht

Der Sturm

Der Untergang von Blacktower

Versöhnung und Ende

***

Aus: Thomas von Kienperg, Blut von Albion, Kapitel I

Gaiforte Castle und die Königin der Ehre und der Minne

Manch wundersame Geschichte verdanken wir den Mären der alten Zeit, wo tapfere Recken um Ehre und die Minne edler Frauen stritten, wie uns dies die berühmten Dichter und Troubadoure in ihren Liedern und Gesängen verkündet haben. Ob nun der alte Germanenfürst Karl in den trefflichen Versen des Chanson de Rolande, den die Geschichtsschreibung später mit dem Ehrennamen „Der Große“ behängt hat; der Langobardenherrscher Theoderich, dem dieselbe Würde des Namens zuteil ward und der uns in der Sagenwelt als Dietrich von Bern gegenübertritt; der vielbesungene König Artus mit seiner berühmten Tafelrunde; die ruhmbekränzten Ritter der Nibelungen und noch viele andere Helden ehrenvollen Angedenkens, die sich in diesem Pantheon tummeln – sie alle hatten in den Anfängen des Christentums gelebt; allein ihre zahllosen Ruhmestaten wurden erst in späteren Tagen zum allgemeinen Gegenstand der Barden und Sänger, in jener Zeit, als das Rittertum zu seiner höchsten Blüte sich emporgeschwungen hatte und nun allmählich seinem sicheren Untergang entgegensah! Wahrhaft, das Rittertum, es glich einem Greis, der in Ehren grau geworden und der, ein flüchtiger Schatten seiner einstigen Pracht und Herrlichkeit, noch ein alles verklärendes Licht auf die Gegenwart warf, obwohl sein Schicksal längst besiegelt war; und in der Tat, fast schien es, als wollten die alten Barden mit ihrem Schwanensang nochmals all jene glänzenden Tugenden preisen, welche die Ritterschaft in solch erhabenen Flor gebracht, und eine geheimnisvolle Wehmut klang zuweilen in ihren Versen wie ein Lied aus längst vergangenen Tagen! Wohl mochten sie ahnen, die Zeit jener hohen Ideale wäre nun vorbei und ein neues Zeitalter stand vor den Toren, um das Alte, das sich gleichsam selbst überlebt hatte, mit den mannigfachen Wandlungen einer neuen, in den Geburtswehen liegenden Welt abzulösen. Das Alte vergeht, und das Neue tritt anstelle des Alten, so lautet das unwandelbare Gesetz der Zeiten!
In dieselbe Zeit, in jene Zeit des großen Wandels, fällt auch unsere Geschichte, die im Angesichte einer großen und stattlichen Burg beginnt, die damals noch am Rande eines ausgebreiteten Waldlandes lag und den Namen Gaiforte Castle führte! Inmitten der anmutigen Heide von Ashfield erhoben sich ihre trotzigen, altehrwürdigen Mauern, von einem breiten Burggraben umgeben, der von einem unweit vorbeiströmenden Flüßchen mit Wasser gespeist wurde. Weithin sichtbar überblickte der hohe Bergfried das ringsum gelegene Land, und sooft sich jemand auf der breiten Allee von hochaufragenden Pappeln, die den Anfang jenes Weges bezeichnete, der den Wanderer in einer kurzen Wegstunde gen Nottingham führte, der Feste nahte, sah er den mächtigen, wimpelgeschmückten Turm schon lange über die Wipfel des Forstes hereinragen, noch ehe er den kleinsten Teil der Burg zu Gesicht bekam; und füglich durfte Gaiforte Castle den Ruf einer starken, schwer einzunehmenden Feste für sich in Anspruch nehmen, die über mächtige Befestigungsanlagen und wuchtige Vorwerke mit allerlei Wachtürmen, Wehrgängen und Basteien verfügte: erfreute sich in jenen gefahrvollen Tagen doch nur derjenige der Ruhe und des Friedens, der sich seiner Haut zu wehren wußte!
Ein ebensolcher Mann, der sich seiner Haut zu erwehren wußte, war der Burgherr, Graf Robert de Gaiforte, nun freilich – eine stolze, hochgewachsene Gestalt, der bei seinem höchsten Lehensherrn, König Eduard Plantagenet, in hohem Ansehen stand und außerdem das Amt eines Aldermans oder Sheriffs der Grafschaft Nottinghamshire versah! Da auch seine Vorfahren stets treue Anhänger der königlichen Partei gewesen waren, hatte man die Königstreue der gräflichen Familie mit mancherlei Gunstbezeigungen belohnt, sodaß bereits der Urahn von Graf Robert in jenen Tagen, als Richard Löwenherz noch über England geherrscht hatte, in den Besitz von Gaiforte Castle gelangt war! Diesen Namen hatte die Burg allerdings erst durch ihre neuen Besitzer erhalten; ehedem hatte sie Fenwick geheißen, da sie noch aus der Zeit vor der Normannenherrschaft stammte und in jener Zeit sogar als einer der ältesten Herrensitze Altenglands angesehen wurde, deren ehrwürdige Mauern noch alte, angelsächsische Geschlechter von edlem Geblüt beherbergt hatten; allein fast alle derartigen Besitztümer waren nachmals in die Hände der normannischen Eroberer gefallen, sodaß es allgemein nur mehr eine höchst geringe Anzahl von Burgen und Schlössern gab, die sich nicht im Besitz des normannisch-französischen Adels befanden und noch ihre ursprünglichen, angelsächsischen Namen trugen.
Graf Robert de Gaiforte war in jener Zeit, in welcher der geringere Adel überall bestrebt war, dem Interesse seiner eigenen Machtvollkommenheit zu dienen, für den englischen König, der sich überdies häufig genug um die Wahrung und Festigung seiner Erblande in Frankreich bekümmern mußte, ein Mann von unschätzbarem Wert; lag doch die allgemeine Sicherheit und Ordnung Englands in Zeiten, in denen der König anderwärts verweilte, in den Händen von Männern wie Gaiforte, die in unverbrüchlicher Treue zu ihrem Könige verharrten und die ärgsten Anschläge des stets zum Aufruhr geneigten Volkes nach ihren Möglichkeiten zu verhindern suchten. Überall nämlich lauerten die kleinen Barone und Fürsten des Landes nur auf eine passende Gelegenheit, sich größere und umfassendere Privilegien zu verschaffen und sich so der ausgebreitetsten Unabhängigkeit von der königlichen Gewalt zu erfreuen; und derlei Gelegenheiten boten sich eben für gewöhnlich dann am ehesten, wenn die Königsmacht durch die Abwesenheit ihres höchsten Trägers geschwächt war! Außerdem war auch die große Zahl der Landsleute, die zum größten Teil aus Angehörigen der alten, angelsächsischen Stämme bestanden, mit ihrer normannischen Herrschaft häufig unzufrieden – einerseits mit dem König und dessen Vasallen, denen sie tributpflichtig waren und deren strenge Gesetze sie oftmals zu den mannigfachsten Beschränkungen des alltäglichen Lebens zwangen – andererseits mit dem geringeren Adel, der zwar gegen den König konspirierte, der jedoch nicht weniger darauf bedacht war, den gewöhnlichen Landsmann auszubeuten, sooft sich eine günstige Gelegenheit dazu bot!
Der Graf und seinesgleichen hatten also dafür zu sorgen, daß die königliche Macht weder durch die kleinen Barone noch durch das gewöhnliche Volk in Gefahr geriet. Da der Graf, wie wir gehört haben, noch überdies das Amt eines Sheriffs der Grafschaft versah, brachte ihn dies in häufige und unmittelbare Berührung mit seinen Gegnern, denen gegenüber er sich stets gerecht, aber von unerbittlicher Strenge zeigte! Diese Strenge, die er in der Ausübung seines königlichen Amtes gebrauchte und die ihn gleichsam dazu verpflichtete, manchereinen empfindlich zu bestrafen, hatte ihm freilich nicht nur Freunde eingebracht; denn mehr als nur einmal sah er sich in die höchst unangenehme Lage versetzt, harte Bußen gegen Waldfrevler, Diebe und allerlei Räubervolk, aber zuweilen auch gegen manch fürwitzigen Baron und Landesherrn zu verhängen, die sich wenig um des Königs Gesetz kümmerten und taten, was ihnen gefiel. Auf diese Weise hielt es ziemlich schwer, dem allgemeinen Räuberunwesen beizukommen, da beide Seiten es mit dem meum et tuum nicht gar zu genau nahmen und es daher zuweilen vorkam, daß der eine für des anderen Frevel büßen mußte; aber trotz seines bedenklichen Amtes, das die Ursache für allerlei Ressentiments war, welche man seiner richterlichen Würde gegenüber hegte, galt Graf Robert de Gaiforte allgemein als eine Person von großer Ehrenfestigkeit, da er, seiner Stellung ungeachtet, die ihm eine ebenso undankbare wie machtvolle Verpflichtung auferlegt hatte, es dennoch selten versäumte, Hilfe zu gewähren und seine Ritterlichkeit in den Dienst der guten Sache zu stellen, wo immer er sicher sein konnte, mit seiner Vasallenpflicht nicht in Widerspruch zu geraten!
Dennoch besaß Robert de Gaiforte einen unerbittlichen Feind: Baron Dieman de Boisvert, den Herrn von Blacktower! Niemand, nicht einmal die Ältesten, schienen sich genau an die Ursache jener hartnäckigen Feindschaft zu erinnern, ging diese doch, wie man erzählte, bis ins dritte Glied ihrer Ahnen zurück! Es gab diesbezüglich zweierlei Arten von Leuten: da waren die einen, die behaupteten, der alte Graf von Gaiforte, Roberts Großvater, habe zur Zeit Königs Johann Ohneland den damaligen Baron von Boisvert an Hugo de Lusignan, einen Widersacher des Königs, verraten; dann gab es noch die anderen, die erzählten, derselbe Streit wäre vielmehr der alten Gräfin wegen entbrannt, welche einen geheimen Liebeshandel mit dem damaligen Herrn von Blacktower unterhalten habe; zuletzt habe der alte Graf Wind von der Sache bekommen und bei sich geschworen, nicht eher von seiner Rache abzustehen, bis seine Schmach gesühnt wäre und den Baron von Boisvert daraufhin zum Kampf auf Leben und Tod gefordert! Jene beiden Geschichten waren es, die man sich damals unter den Leuten des Volkes erzählte, und obwohl keiner der beiden Widersacher in Gesellschaft jemals ein Wort über der ganzen Angelegenheit verlor, so hielt doch jedermann mit derselben Hartnäckigkeit und demselben Starrsinn an seiner Feindschaft fest, und dies umso mehr, als alle beide Männer von großer Kühnheit und unbeugsamem Willen waren; doch während der Graf von Gaiforte ein treuer Parteigänger des Königs war, rechnete Dieman de Boisvert, der Herr von Blacktower, zu jener großen Zahl Unzufriedener, die nur auf eine Gelegenheit zu warten schienen, des Königs Macht zu stürzen – ja bei nicht wenigen galt er sogar als deren heimliches Oberhaupt! Zur besseren Erhellung der Zustände jener Zeit soll allerdings nicht unerwähnt bleiben, daß diese Opposition gegen den König keineswegs eine offene war oder daß es gar eine Partei gegeben hätte, die sich in aller Öffentlichkeit zu ihrer Gegnerschaft bekannt hätte: es war vielmehr an dem, daß derlei Umtriebe gewöhnlich mit der größten Heimlichkeit gepflegt wurden, sodaß man ihnen umso schwieriger beizukommen vermochte!
Der Schwarze Turm oder die Burg Blacktower, wie sie denn zumeist genannt wurde, war die Feste Barons Dieman de Boisvert und hatte sich schon zu seiner Väter Zeiten in den Händen des Geschlechtes von Boisvert befunden, obwohl deren Besitztümer damals noch um ein Vielfaches ausgebreiteter gewesen waren; der Baron war aus mancherlei Gründen, wobei seine allseits vermuteten Umtriebe gegen die königliche Macht nicht wenig beigetragen haben mochten, bei König Eduard in Ungnade gefallen, und so hatte man ihn denn zuletzt unter mancherlei Vorwänden fast all seiner ehemaligen Ländereien enteignet und sie königsgetreuen Vasallen zum Lehen gegeben. Nur die Burg Blacktower mit ihrem ringsum gelegenen Land, die schon zur Zeit Wilhelm des Eroberers die Stammburg der Barone von Boisvert gewesen war, war ihm aus dem angestammten, väterlichen Besitz verblieben, und es war in der Tat nichts eher als ein glücklicher Umstand zu nennen, daß sich Herrn Dieman de Boisverts Burg in gebührender Entfernung von Gaiforte Castle befand, obwohl keine andere Herrschaft dazwischenlag und sich nur ein dichter, unbewohnter Wald zwischen beiden Besitzungen ausdehnte!
Wie wir bereits eingangs erwähnt hatten, bedeckte jener Forst seinerzeit noch weite Teile der lieblichen Landschaft Mittelenglands, doch der schier unersättliche Bedarf an Holz für den Schiffsbau, der die britische Nation in späteren Jahrhunderten zu einer der führenden Seemächte Europas machen sollte, hatte hinlänglich dafür gesorgt, daß in unseren Tagen nur mehr ein kläglicher Rest jenes einstmals so ausgedehnten Waldlandes übriggeblieben ist! Indessen dürfen wir uns jenes Waldland der damaligen Zeit keineswegs nur als ein weites, dichtbewachsenes und zusammenhängendes Gebiet vorstellen; denn an manchen Stellen wurde der Forst plötzlich von Lichtungen kleineren wie größeren Umfanges durchbrochen – diese waren gewöhnlich mit allerhand Unterholz wie Stechginster und kleinen, schlanken Zwergbirken bedeckt – oder weitete sich mit einemmal zu einer Heidelandschaft von oftmals beträchtlicher Größe, wo sich Moore, kleine Teiche und Seen, ja zuweilen ganze Häuser und Gehöfte inmitten des Waldes befinden konnten! Am Rande jener großen Wälder befanden sich für gewöhnlich die Dorfschaften, zuweilen aber auch kleine Städtchen sowie eine Anzahl von Schlössern und Klöstern, deren Besitzer es aus Gründen der Vorsicht und Klugheit vorgezogen hatten, ihre Wohnsitze nicht in jener abgeschiedenen und oftmals unwirtlichen Waldeinsamkeit zu errichten! Nicht überall also war der Forst so undurchdringlich und wild, wie er sich dem Betrachter nordwestlich von Gaiforte Castle zeigte; und nur, wenn man den großen und wuchtigen Bergfried der Burg bestieg, von dessen ehrfurchtgebietender Erscheinung wir zuvor schon vernommen haben, konnte man am äußersten Rande des Horizontes, wo sich in der Ferne die rauhen Berge von Derbyshire erhoben, über den dichten Kronen des Waldes eine felsige Bergrippe gewahren, auf deren äußerster Höhe die Burg Blacktower ihren klotzigen und düster anmutenden Zyklopenbau dem Himmel wie einen Riesenfinger entgegenstreckte! Wohl mochten an die dreißig Meilen Weges und mehr zwischen Gaiforte Castle und Blacktower liegen; und obwohl man diese Strecke bei gewöhnlichen Verhältnissen und mit einem guten Pferde in zwei, allerhöchstens drei Stunden zurückgelegt hätte, wäre man bei den meistenteils fehlenden Pfaden und dem dichten Unterwuchs, den der Wald an manchen Stellen aufwies, doch schwerlich an einem einzigen Tage dort angelangt! Bei klarem Wetter konnte man die Zinnen von Blacktower mit freiem Auge erkennen, doch haben wir hinlänglichen Grund zur Annahme, daß Graf Robert de Gaiforte, der im übrigen ein Mann von großer Besonnenheit war, die höchste Warte seiner Burg wohl selten in jener zweifelhaften Absicht betreten haben mochte, sich am bloßen Anblick der Burg seines Erzfeindes zu ergötzen – wie er den Turm als ein praktisch geschulter Geist eigentlich kaum jemals müßiger Betrachtung wegen, sondern überhaupt nur dann aufsuchte, wenn gewichtige Gründe dergleichen sinnvoll erscheinen ließen! –
Derselbe mächtige und hohe Bergfried von Gaiforte Castle, dessen beherrschende Größe wir nun schon mehrfach zu rühmen Gelegenheit fanden, blickte an jenem im übrigen recht fröhlichen Maimorgen ganz heiter und unmartialisch auf die glänzende und in festlichem Prunk erstrahlende Reiterschar hernieder, welche soeben durch das weit geöffnete Burgtor über die aus mächtigen Eichenbohlen gezimmerte Fallbrücke der Heide von Ashfield entgegenstrebte, und spiegelte sich fast ebenso anmutig im trüben Gewässer des Burggrabens, dessen Oberfläche schillernde Mücken und Libellen umschwirrten und auf dem Algen und die großen, dunkelgrün glänzenden Blätter der Seerose schwammen. Dem Zug voran ritt der Burgherr, Graf Robert de Gaiforte ...
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Thomas von Kienperg - "Le dernier chevalier véritable du romantisme"!

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