BoD, Selbstverlag und die modernen Zeiten

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laruna
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BoD, Selbstverlag und die modernen Zeiten

von laruna (31.10.2011, 07:13)
HAllo wiedermal,
in letzter ZEit habe ich mich viel mit dem Thema Bod, dessen Ruf, Selbstverlag und so weiter beschäftigt. Aufgefallen ist mir, daß es in der Musikbranche schon lange in die gleiche Richtung läuft.
Viele Musiker, die keinen VErtrag bei den hiesigen LAbels bekommen (warum auch immer) nutzen die GElegenheit und produzieren erstmal selber. Sie stellen Videos ins Internet, produzieren selber CDs und werben für sich mit den bekannten Formen. Eine davon hat sogar ein eigenes LAbel gegründet. ICh selber kenne zwei BAnds die das schon sehr erfolgreich seit vielen JAhren machen. Aber hier sagen die wenigsten: "Haste kein Label und will dich keiner haben, dann taugt deine Kunst nichts".

Der Büchermarkt tut sich da etwas schwerer. Oft heißt es daß BoD-Autoren die wären, die sonst keiner will. Dabei ist das in vielen Fällen einfach falsch. BoD ist, wie andere seiner Art einfach eine zeitgemäße und moderne Variante ein Werk auf den MArkt zu bringen. Früher war das schlichtweg nur mit einem Verlag möglich - punkt. Aber die Zeiten haben sich geändert. Mir ist schon klar daß hier im BoD-Forum die meisten daß eh verstanden haben. Aber vergleicht man die Buchbranche mit der Musikbranche, dann erkennt man hier deutliche Paralellen und sieht, in welche Richtung es zukünftig gehen wird... Und schlechte Werke wird es bei Veröffentlichungen mit oder ohne Verlag/Label onehin immer geben.

Nur so Gedanken

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hawepe
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Re: BoD, Selbstverlag und die modernen Zeiten

von hawepe (31.10.2011, 07:52)
Hallo Laruna,

laruna hat geschrieben:
Aber hier sagen die wenigsten: "Haste kein Label und will dich keiner haben, dann taugt deine Kunst nichts".


Nun gibt es zwischen Bands und Autoren einen ganz wesentlichen Unterschied: den zum Starten notwendigen Kapitaleinsatz cheezygrin

Für ein Buch benötigt man lediglich einen Computer, den heute aber ohnehin sehr viele Menschen besitzen. Und man muss einmalig 39 Euro investieren und dann noch einmal verteilt auf mehrere Jahre die Datenhaltungsgebühr.

Musiker können von solchen Einstiegskosten dagegen nur träumen. Für Instrumente und Technik, die man normalerweise nicht ohnehin besitzt, gehen schnell einige Tausend Euro drauf. Ich habe schon mal eine E-Gitarre in der Hand gehalten, also bin ich Musiker, ist deshalb eine sehr selten anzutreffende Einstellung. Und Bands, die auf das gemeinsame Üben verzichten, habe ich bislang auch noch nicht kennengelernt.

Autoren, die gerade einmal wissen, wie man eine Tastatur bedient, aber keine Rechtschreib-, Zeichensetzung- und Grammatikregeln beherrschen und ihre Gestammel als künstlerische Freiheit ausgeben, kenne ich dagegen etliche.

Beste Grüße

Heinz

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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (31.10.2011, 08:49)
Meiner Meinung nach ist das Niveau der semiprofessionellen Musiker deutlich höher als das entsprechende Gegenstück auf der Autorenseite. Jeder Musiker muss erst jahrelang ein Instrument erlernen und eine Menge Frustrationstoleranz mitbringen bzw. aufbauen - im musikalischen Bereich ist es deutlich schwieriger, sich selbst zu betrügen (bis auf die wenigen Ausnahmen, die zur allgemeinen Erheiterung bei DSDS oder Supertalent beitragen, merken die Leute schon, wenn etwas mies klingt, und arbeiten an sich). Bei der Schriftstellerei ist es hingegen so: Da kann sich jeder mal eben hinsetzen und als Schriftsteller fühlen; lesen und schreiben lernt man ja in der Grundschule, wie überaus praktisch! Was läge demnach näher, als die eigene, "geniale" Gedankenwelt - meist ziemlich unreflektiert - zu Papier zu bringen?

Karouwe
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Re:

von Karouwe (31.10.2011, 08:55)
Ein Musiker verbringt seine zeit mit üben. Täglich verbringt er mehrere Stunden mit üben. Damit verfeinert er die Technik seiner Finger, sie werden geschmeidig ( z.b. Gitarre ) bis hin zur völligen Hingabe an das Instrument. Ein Schriftsteller verbringt seine zeit mit schreiben. Täglich verbringt er mehrere Stunden mit üben. Damit verfeinert er die Technik seiner Finger, sie werden geschmeidig ( z.b. Tastatur ) bis hin zur völligen Hingabe an Papyrus Autor ...

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (31.10.2011, 10:12)
Es gab mal eine Zeit, da war das anders in der Musikszene. Da war die Aussage "Ich kann eine Gitarre in der Hand halten, also bin ich Musiker" durchaus gegeben.

Die Zeit: 1976
Der Ort: London, Großbritannien

Gefrustet durch ihre soziale Situation, der Chancenlosigkeit eines extremen Klassensystems ohne Durchlässigkeit und einer Musikkultur, die immer bombastiger wurde, etablierte sich in den Londoner Clubs eine Musikszene, die alles ablehnte, was die Gesellschaft als gut befand.

Den Gitarrespielern wurden nicht Noten oder Harmonien beigebracht, sondern wie man die Finger auf die Saiten legte, um einen bestimmten Klang zu erzeugen. "Dies ist ein Akkord, dies ist ein zweiter Akkord und dies ist ein dritter Akkord - nun gründe eine Band" war das damlige Credo. Das Zupfen der Gitarrensaite war verpönt, ebenso Gitarrensoli, und erst recht jede Form von Virtuosität. Gitarrensaiten wurden angerissen, auf sie eingedroschen, nahezu vergewaltigt. Nicht-Können wurde zum Programm. Wer Noten lesen konnte, gehörte nicht zur Szene. Nicht die technische Fertigkeit (Handwerk) war ausschlaggebend, sondern das Gefühl: Laut, aggressiv, hässlich.

Das nannte man damals Punk Rock. Nichts zu können und trotzdem erfolgreich Musik zu machen, das hat es durchaus schon mal gegeben. Es gab sogar Bands, die sind, ohne je geübt zu haben, einfach auf die Bühne gestiegen und haben fröhlich drauflos gehämmert cheezygrin
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Klonschaf
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Re:

von Klonschaf (31.10.2011, 10:41)
... aufs Wesentliche reduziert: Kunst kommt nicht von Können, sondern von Müssen - sagt Arnold Schönberg.

Das wissen natürlich auch begnadete Punkrocker. Die anderen wissen nichts vom Müssen und müssen deshalb bisschen was können.

KIonschaf
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Re:

von KIonschaf (31.10.2011, 16:14)
Interessante Gedanken ... ich werde mir das alles durch den Kopf gehen lassen und mich später noch einmal mit einem längeren Kommentar zu Wort melden.

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purple
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Re:

von purple (27.11.2011, 13:58)
Ich frage mich, ob jemand, der anhand seiner Stimme, weiß, dass er Talent hat, sich auch damit auseinandersetzt, ob er es wirklich drauf hat, nur weil kein Label ihn unter Vertrag nehmen will. Musiker sind da meiner Meinung nach einfach lockerer und folgen einfach ihrem Künstlerherzen, gehen kellnern bis sie sich ihre Instrumente leisten können, spielen in Garagen und warten mit scheinbar stoischer Ruhe auf den Durchbruch, während Schriftsteller irgendwie immer einen enorm angestrengten Eindruck hinterlassen.

Letztendlich ist es aber beim Schreiben wie bei der Musik immer das Gleiche, am Ende entscheiden immer die Leser/Fans über Erfolg und Misserfolg, völlig unabhängig von Talent oder eben Nicht-Können. Wenn gerade Trash angesagt ist, kann man noch so talentiert sein, es bringt einem nichts, wenn es grade keiner hören will...

Jeder, der gerne schreibt oder singt, wird das auch so tun, manche werden damit große Stars, andere eben nicht, das allein sagt aber nichts über Talent oder Können aus. Sowas hängt ja auch immer vom Genre ab, das ist im Musikbusiness auch nicht anders und auch die Labels gehen genauso vor, wie die Verlage, sie holen sich die, von denen sie sich den größten Erfolg erhoffen. Der größte Unterschied zur Musikbranche ist doch letztlich nur der, dass die Musiker es geschafft haben, sich von den Labels zu lösen ohne schlecht dazustehen, während Schriftsteller immer noch zu sehr an ihrer heilen Verlagswelt festhalten und sich darüber definieren, anstatt erhobenen Hauptes hinter den eigenen Fähigkeiten zu stehen und einfach mal entspannter zu werden. Ich persönlich finde die ganze Autorenszene viel zu verkrampft und zu fordernd, ständig wird man daran erinnert wie schlecht man sei und wie viel man noch zu üben hat... wer sich mal in die eigene Kindheit zurückversetzt und an seine Hausaufgaben denkt, wird merken, wie wenig das bringt... üben sollte Spass machen und Bestätigung verschaffen, nur so bleibt man motiviert und vor allem mit Liebe dabei. Es ist immer der Mix, der aus einem Autoren einen richtig guten Autoren macht... auch das haben wir mit den Musikern gemeinsam. Eine gute stimme allein reicht nicht, man muss unterhalten, schauspielern, reden, Mensch sein und das auch alles darstellen können. Ein falsches Wort in einem Interview kann das Aus bedeuten, Autoren hingegen können zwar kaum mit Youtube-Videos glänzen, aber dafür über BoD beispielsweise nach und nach ihre Grenzen ausloten und sich selbst als Autor besser wahrnehmen und erforschen...

Ich finde BoD klasse, das hätte es so schon geben müssen, als ich noch jung war, dann hätte ich seitdem bestimmt nie etwas anderes auch nur in Erwägung gezogen... komme ich bei einem Verlag mal unter, freue ich mich und wenn nicht, schreibe ich trotzdem, warum auch nicht? Seit ich weiß, was ein Autor ist, habe ich mich in diese scheinbare Leichtigkeit verliebt... ein Stift, ein Stück Papier und die eigenen Worte verschmelzen zu etwas, was andere dazu bringt, zu weinen, zu lachen, sich getröstet zu fühlen oder sich gar umzubringen. Wo auch immer ich bin, ich brauche nur etwas was schreibt und ich kann loslegen, das allein ist wahre Poesie. Man kann sich auch weiter entwickeln ohne ständig nur von Grammatik zu reden... ein Sänger wird auch nicht ständig an Noten denken und kann trotzdem eine super Stimme haben, da hinterfragt das niemand. Manchmal kommt mir dieses Forum mehr wie eins für Pädagogen und Germanisten vor, als wie eins für Leute, die gerne schreiben. Das ganze erinnert mich immer an eine Einlasskontrolle in der Disco... "Also mit diesem Vers kommste hier nicht rein!" :wink:

Verlage und Labels sind letztlich wie diese knackigen Kirschen auf riesigen, leckeren Torten... ohne die Kirsche bleibt es immer noch eine Torte und wer würde daran zweifeln, nur weil die Kirsche fehlt? Die Musiker machen es richtig, sie genießen ihre Torte und machen den Eindruck, als wollten sie gar keine Kirsche, doch das macht sie letztlich um so begehrter... das sollten Autoren genauso machen, anstatt sich immer noch so ernst zu nehmen.

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Perchta
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Re:

von Perchta (27.11.2011, 15:53)
@ purple: Alles richtig, soweit es sich allein auf das Schreiben als persönliche Erfahrung (oder den Kampf "ich gegen das weiße Blatt Papier") beschränkt. Dein/unser Problem fängt an in dem Moment, in dem du deine "Torte" verkaufen willst. Dann brauchst du ein entsprechendes Fachgeschäft, so du nicht selbst einen Straßenstand eröffnen willst.

Man kann sich auch weiter entwickeln ohne ständig nur von Grammatik zu reden... ein Sänger wird auch nicht ständig an Noten denken und kann trotzdem eine super Stimme haben, da hinterfragt das niemand


Dazu ein paar bekannte Sätze, die wohl ursprünglich vom Konzertpianisten Horowitz stammen (?) und offenbar von vielen anderen Musikern zitiert wurden:

Wenn ich einen Tag nicht übe, dann merke ich es. Wenn ich zwei Tage nicht übe, dann bemerkt es meine Frau. Und wenn ich drei Tage nicht übe, dann bemerkt es die ganze Welt.“
Mein Dilettanten-Projekt. "Dilettant" ist übrigens abgeleitet vom lateinischen "delectare" = "erfreuen".

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purple
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Re:

von purple (27.11.2011, 16:52)
Perchta: Ich glaube manche drehen sich selbst in ein schlechteres Licht als es sein müsste, für mich ist ein Verlag nur ein Dienstleister, so wie eine Werbeagentur. Ihre Hauptaufgabe ist es nicht dir als Autor zu dienen, sondern sich dein Talent zunutze zu machen und damit Geld zu verdienen, mehr nicht. Es wird alles so aufbereitet, dass die Wahrscheinlichkeit dadurch steigt, dass es viele kaufen. Nur dass der, ohne den man nicht arbeiten könnte, weniger verdient, wie die angestellte Putzfrau. Das ist für mich ein ökonomisch bedingter Ablauf und hat für mich nichts mit dem wahren Schreiben zu tun, das unverfälschte, authentische Wort eines Autoren. Ich würde zu gerne mal die Grundfassungen von großen Romanen lesen, das wäre viel spannender als so manches Buch, von dem man weiß, dass da eine Gruppe Lektoren alles so umgeschrieben hat, damit es mein von Geschmacksverstärkern verwirrtes Hirn auch annimmt. Ich habe schon so einige Bestsellerautoren aus der Hand gelegt, weil ich von dem ganzen überzüchteten Geschwafel Kopfschmerzen bekomme... jeder Buchstabe ist perfekt gesetzt, da fehlt mir der Reiz, das Persönliche, das Einzigartige und irgendwann liest sich jedes Buch gleich... und das soll mir dann als Vorgabe dienen, na prima :?

Sorry, aber ich weigere mich, einer von den Autoren zu werden, die sich nur über ihre Erfolge bei Verlagen definieren und glauben ohne die aktuellen Grammatikregeln aus dem FF zu kennen, gehen sie unter... man kann auch um einen guten Stil und korrekte Rechtschreibung bemüht sein, ohne das ständig im Kopf zu haben und sich damit zu rühmen. Das ist für mich nur ein weiterer Arbeitsschritt, aber nicht das, was für mich einen guten Autoren ausmacht, so wie es mancher gerne darstellen will. Jeder setzt für sich eben seine ganz eigenen Prioritäten, aber das sagt doch nichts über Können und Talent aus, das ist das, was mir hier immer so sauer aufstößt.

Und ist es nicht bei jedem Künstler anders? Mancher muss jeden Tag üben, sonst hat er das Gefühl sofort schlechter zu werden, andere üben so gut wie nie und sind trotzdem immer professionell, das ist doch kein Maßstab. Übung gehört dazu, ob in der Kunst, beim Sport oder sonstwo, aber da hat doch jeder unterschiedliche Vorstellungen und seine ganz eigenen Regeln, jeder übt ja auch anders. Der eine fühlt sich wohl, wenn er sich an seine Grammatikbücher setzt und der andere macht ein paar Schreibübungen, warum wird alles immer so pauschalisiert?

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Perchta
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Re:

von Perchta (27.11.2011, 18:17)
Hm, hm. Ja und nein. Das mit der Grammatik sehe ich tatsächlich anders. Ich denke nicht, daß irgendjemand sich dessen "rühmen" darf, daß er die deutsche Grammatik beherrscht. Die deutsche Grammatik zu beherrschen, ist Voraussetzung dafür, schreiben zu können. So wie ein Pianist, selbst wenn er keine Noten lesen kann, doch wissen muß, welche Tasten auf dem Klavier er nacheinander drücken muß, damit eine bestimmte Melodie dabei herauskommt. :wink:

Ob jemand instinktiv "richtig" schreibt, oder ob er vor dem Schreiben im Duden nachgeschlagen hat, das ist mir als Leser natürlich egal. Nur falsch sollte es nicht sein. Fehler werfen mich aus dem Lesefluß, und jedes Mal, wenn das passiert, steigt die Chance, daß ich das Buch zuklappe und weglege.

Was das "unverfälschte, authentische Wort eines Autoren" angeht - ganz ehrlich, da kann ich nicht mitreden. Ich schreibe historische Heimatkrimis. Also, sozusagen unterste Low-Level-Literatur :wink:. Ob mein Wort beim Leser "unverfälscht" ankommt oder ob es vorher jemand aufgehübscht und lesbarer gemacht hat, dürfte nicht von Bedeutung sein. Dazu ist es einfach nicht wichtig genug. - Ich kann mir aber durchaus vorstellen, daß diese Frage für einen Schriftsteller, dem es darauf ankommt, eine "Botschaft" an den Leser zu bringen, sehr wichtig ist.

Ich habe mich in meinem Buch wirklich bemüht, so gut und so witzig zu schreiben, wie ich kann. Im Rahmen meiner Möglichkeiten. Aber ich bin ziemlich sicher, daß jemand vom Fach aus dem Text noch ganz andere Dinge herauskitzeln könnte.

Wo ich dir recht gebe, ist die Sache mit der Gleichförmigkeit. Das ist auch so ein gewisses Problem, das ich mit der ganzen Ratgeber-Literatur habe. Einfache, kurze Sätze, wenig Adjektive, aktiv schreiben, viel mit Verben arbeiten, den Leser nicht mit Nebensätzen überfordern - natürlich alles richtig. Aber wenn man sich sklavisch dran hält, entsteht eine 0815-Prosa, die sich für meinen Geschmack schon in zu vielen Büchern findet.

Wenn ich mich über Buchverkäufe definieren wollte, hätte ich mich schon vor die nächste S-Bahn werfen müssen: Von der zweiten, verbesserten Auflage habe ich tatsächlich vier Exemplare verkauft. (Und ich weiß, Sandra wird mich gleich wieder schimpfen, daß es meine eigene Schuld ist, weil ich mich mit der Werbung so dämlich anstelle etc. :wink: Aber ich kann die Lokalblätter nicht zwingen, was über mein Buch zu schreiben, und als Vertreter in eigener Sache würde ich glatt verhungern cheezygrin). - Und selbstverständlich geht es im ganzen Literaturbetrieb am Ende immer um die Verkaufszahlen und die Verkäuflichkeit eines Texts. Aber du kannst dem Buchhandel nicht vorwerfen, daß er Bücher verkaufen will, oder? Von irgendwas müssen wir armen Buchhändler leben. Ab dem Moment, an dem man aus dem Hobby-Status heraustritt, geht es natürlich in erster Linie um Umsatz und Gewinnspanne.

Daß es dabei auch häßliche Entwicklungen gibt, ist unbestritten. Ich hatte da so ein Erlebnis der anderen Art letzten Freitag, als wir eine Leseprobe in einem Paket als Füllmaterial mitgeschickt bekommen haben (wen's interessiert, ich hab's auf meiner Webseite im Blog kurz beschrieben). Andererseits möchte ich deswegen die Zusammenarbeit mit einem Verlag genausowenig pauschal verteufeln. Ich glaube immer noch daran, daß die meisten Lektoren (auch) aus Liebe zum Buch ihren Beruf gewählt haben. angle:
Mein Dilettanten-Projekt. "Dilettant" ist übrigens abgeleitet vom lateinischen "delectare" = "erfreuen".

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (27.11.2011, 18:55)
Purple, ich habe mich durch dein Posting durchgeackert und frage mich, ob ich es richtig verstanden habe. Bei mir kommt an: "Kümmert euch nicht um Rechtschreibung und Grammatik, ihr wärt eh nur Sklaven des Verlags, der euch ausbeutet, also braucht ihr keinen..." So in diesem Sinne.
Was mir auffällt: Dass Schreiben eine Kunst ist, und Kunst von Können kommt, scheint für dich keine Rolle zu spielen. Du lobhudelst bod, weil du (und ein paar andere) dort veröffentlichen kannst, was du möchtest und wie du es möchtest.
Du hast deutliche Probleme mit Rechtschreibung und Grammatik, beackerst ein Thema, für das es auch Fachverlage gibt (die allerdings Wert auf schriftstellerisches Können legen, wenngleich Lektoren sich des Manuskriptes, so es veröffentlicht wird, annehmen), vergleichst hier Äpfel mit Pampelmusen (ja: zwischen Musik und Literatur liegen nun mal Welten) und schlussendlich frage ich mich, was dein Posting bewirken soll.

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Zuletzt geändert von Haifischfrau am 27.11.2011, 19:27, insgesamt 1-mal geändert.
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

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SandraR
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Re:

von SandraR (27.11.2011, 19:22)
Ich würde es mal so formulieren: eine Torte die im Ofen verbrennt ist noch immer eine Torte...nur wer möchte sie schon essen? Ich schimpfe niemanden weil er für sich nicht genügend Werbung macht Perchta, sondern es ist einfach schade :cry:
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purple
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Re:

von purple (27.11.2011, 21:31)
@Perchta: Mein erstes Buch ist auch ein Ratgeber und daher wenig authentisch im eigentlichen Sinne, aber es ging ja ums Prinzip. Meine Leser wird das auch wenig interessieren, aber dennoch bemüht man sich authentisch zu schreiben, damit sich auch in einem Ratgeber der Leser gut mit dem Inhalt identifizieren kann und so erst der Effekt entsteht, dass ihm das, was im Buch steht, auch etwas nützt.

Natürlich muss der Handel/der Verlag wirtschaftlich denken, genau das ist aber der Grund, warum Bücher so aufbereitet werden und man am Ende vielleicht ein ganz anderes Buch in der Hand hat, als man es sich als Autor gewünscht hat. Es ist nicht herausgekommen um gelesen, sondern um primär gekauft zu werden. Deswegen würde ich aber nie die Zusammenarbeit mit einem Verlag ablehnen, aber ich habe mir das nicht als ultimatives Ziel gesteckt, sondern einfach als Option, die sich mit Glück und Verstand vielleicht ergibt, mehr nicht.

Im Übrigen stehe ich sehr auf historische Romane und finde deine Kurzgeschichte über die roten Tücher sehr gelungen, das wollte ich dir gerne noch sagen. Muss man da irgendwie abstimmen?

@Haifischfrau: Hm, dann hast du das leider fehlinterpretiert. Ich lege sehr wohl Wert auf Grammatik und co., nur muss ich das hier nicht ständig betonen und rot unterstreichen, das gehört für mich dazu und gut, nicht mehr und nicht weniger, ich habe hier genauso meine Wörterbücher und Grammatikhilfen stehen wie viele andere wohl auch, aber das schreibe ich hier nicht jedem fett auf die Stirn, damit alle sehen, dass ich mich ganz fein bemühe, ich bin doch hier nicht in der Schule, wo man Fleißbienchen und "Toll gemacht"-Stempel bekommt... nur weil ich da kein großes Tamtam drum mache, heißt das nicht, dass es mir egal ist. Ich schreibe weil ich es liebe und weil ich es kann... das sehe ich so, das übertrage ich aber nicht automatisch auf jeden anderen, der eine denkt, ich kannst, der andere denkt ich bin unfähig, daher interessiert mich nur meine Meinung, alles andere würde auch keinen Sinn machen :P

Ich wüsste nicht, warum ich BoD nicht loben sollte, schließlich bin ich hier in einem BoD-Forum, also kann ich doch sagen, dass ich das ganze gut finde. Ich habe nie versucht einen Verlag für mein Buch zu finden, weil ich es bewusst allein herausgeben wollte, um für mich einen Anfang zu setzen und einfach auch um zu lernen was alles dazu gehört, wenn ein Buch entsteht, das gehört für mich dazu und hat mich einfach interessiert. Da ich davon ausgehe, dass du mein Buch nie lesen wirst, setze ich mich einfach mal über deine Kritik hinweg, da ich sehr wohl weiß wie ich mich fachlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen habe, meine bisherigen Erfahrungen sprechen da ihre ganz eigene Sprache und da muss ich mich bestimmt nicht hinter "Fachverlagen" verstecken.

Da dein Posting sich nur auf meinen Beitrag bezieht und nicht auf den des Threaderstellers, stellt sich mir doch eher die Frage, was du damit bewirken willst, außer mir mal wieder zu demonstrieren, dass du mich für fachlich inkompetent und dich für etwas Besseres hältst... das hatten wir doch alles schon, Haifischfrau dozey:

@SandraR: Also sind alle Bücher, über die kein Lektor geschaut hat, verbrannte Torten und nichts wert? Oder wie soll man diese Anspielung verstehen?

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mtg
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Re:

von mtg (27.11.2011, 22:56)
purple hat geschrieben:
außer mir mal wieder zu demonstrieren, dass du mich für fachlich inkompetent und dich für etwas Besseres hältst...

Oh Herr, lass' Hirn vom Himmel regnen ...

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