Demokraten und Despoten - Aufsatz aus dem Jahr 2005

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Adriana
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Re:

von Adriana (29.04.2007, 13:20)
Hallo Siegfried, liebe Heidi,

es ist schon richtig, dass man sich als professioneller Autor keine monatelangen Schreibblockaden leisten kann, weil der Verlag Termine setzt. Und sicher sind viele Probleme beim Schreiben die Folge handwerklicher Unzulänglichkeit. Dann ist es aber auch nur vernünftig, wenn der Autor erst mal Pause macht, um sich das nötige Handwerk anzueignen.
Dass es mit dem Schreiben nicht voran geht, kann aber auch mit persönlichen Lebenskrisen oder einfach Zeitmangel zu tun haben. Ich würde jedenfalls niemandem, der unter einer Schreibblockade leidet, vorwerfen, er/sie sei undiszipliniert oder bequem.

Und eine wichtige Ursache für Schreibblockaden hast du vergessen, Siegfried:
Manchmal ist man einfach ausgebrannt und hat keine guten Ideen mehr. Für den Schriftsteller, der davon leben muss, natürlich eine Katastrophe! Aber ein Hobbyautor kann in diesem Fall den Griffel aus der Hand plumpsen lassen und sagen: "Ich mach erst mal Pause." Was ist daran schlimm? Besser, als wenn er etwas zu erzwingen versucht und uninspirierten Mist schreibt.

Ja, ich glaube noch an die gute, altmodische Inspitation beim Schreiben :D . Allerdings hab ich die Erfahrung gemacht, dass man sie auch bewusst herbeiführen kann: Indem man bestimmte Musik hört, spazieren geht, ein passendes Buch liest etc.
Ich denke, jeder von uns weiß, dass das Romanschreiben (bzw. das Schreiben überhaupt) harte Arbeit ist, die einiges an Durchhaltevermögen erfordert. Und dass man sich manchmal selbst einen Tritt in den Hintern geben muss, um voran zu kommen :-). Aber simple Lustlosigkeit und Schreibblockade ist für mich nicht das gleiche.

dbs (Moderator)]
Für mich ist das eher ein Zeichen, dass man seine Figuren nicht ausreichend kennt bzw. sich nicht intensiv genug mit ihnen befasst hat.
Ganz abgesehen davon glaube ich nicht der Theorie, dass sich Romanfiguren beim Schreiben selbstständig machen können. [/quote]

Es ist dein gutes Recht, irgendwas nicht zu glauben und das auch zu sagen. Hier herrscht schließlich Meinungsfreiheit :D . Allerdings muss man dann auch akzeptieren, dass andere Leuten anderen Grundsätzen folgen. Viele Autoren mögen Erfahrungen gemacht haben, die ihnen sagen, dass das beste Handwerk nichts nützt, wenn man den "Schreibgenius" nicht hat oder die Muse nicht küsst. Ich kann das akzeptieren.

[quote="dbs (Moderator) hat geschrieben:
Sorry, falls das alles zu hart klingt, aber ich kann mit diesem selbstbefindlichen Schreiben oder dem Schreiben, um ein Abenteuer zu erleben, von dem man nicht weiß, wo es endet, herzlich wenig anfangen.


Auch das ist dein gutes Recht. Aber lass doch den Anderen ihr Vergnügen des "selbstbefindlichen Schreibens" :wink: . Jeder muss selbst die Entscheidung treffen, ob er/sie ein Vollprofi werden will bzw. sich dafür eignet.

Anneliese hat recht: Es gibt keine absolute Wahrheit! Schließlich zählt nur das Endergebnis und nicht, wie es entstanden ist. Den Leser interessiert der Weg jedenfalls herzlich wenig, wenn er das "Ziel" in den Händen hält und begeistert verschlingt. :P
Und welchen Weg man wählt, hängt wohl vom Menschentyp ab. Vielleicht besteht ja wirklich ein Unterschied zwischen Männern und Frauen :wink: .

Siegfried, du wirst womöglich gegenhalten, dass es effizienter sei, Plot & Charaktere am "Reißbrett" zu konstruieren und bis ins kleinste durchzuplanen, bevor man sich überhaupt an die Tastatur setzt.

Allerdings kann es sein, dass ein stark emotionaler und intuitiver Mensch mit dieser Zeit des Schreiben nicht klarkommt. Möglicherweise bringen Autoren von diesem Schlag gar nichts mehr zustande, wenn man ihnen eintrichtert, sie müssen alles vorher planen, durchdenken, und im Griff haben.

Aber sind sie deshalb schlechtere Autoren? Selbst auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole: Das kann man erst entscheiden, wenn man das Endergebnis vor sich sieht. Also, Heidi, schreib weiter mit dem "Herzen", wenn du fühlst, dass es für dich richtig ist!

Ich kenne eine Fantasyautorin, die in einem Presseinterview gestanden hat, dass sie oft Geschichten anfängt und selbst gespannt ist, wie sich die Handlung entwickelt . Ihre Charaktere machen, was sie wollen, und sie meint, sie müsste ihre Romane einfach beenden, sonst wüsste sie ja gar nicht, wie sie ausgehen :) .
Für mich wäre eine solche Schreibweise nichts, aber diese Frau ist damit sehr erfolgreich. Ihr Name ist - haltet euch fest - Cornelia Funke.

Wie gesagt, es gibt viele Wege zum guten Buch und auch zum kommerziellen Erfolg.

Liebe Grüße an alle,

Adriana.

dbs

Re:

von dbs (29.04.2007, 16:24)
Hallo!

Adriana (Moderator) hat geschrieben:
Dass es mit dem Schreiben nicht voran geht, kann aber auch mit persönlichen Lebenskrisen oder einfach Zeitmangel zu tun haben.


Das mit den Lebenskrisen ist sicher ein wirklich fundamentaler Grund. Das mit dem Zeitmangel ist - mit allem gebotenen Respekt dir und allen anderen hier gegenüber - ganz, ganz großer Unsinn.

Der Satz "Ich hatte keine Zeit" ist - auch außerhalb des Schreibens - eine sehr beliebt Ausrede. Ob es um das Schreiben geht oder vielleicht um sportliche Aktivitäten oder den verschobenen Besuch bei Freunden oder was einem sonst noch so einfällt - immer wieder wird der Satz "Ich hatte keine Zeit" als Entschuldigung benutzt.

Ganz ehrlich: Solchen Leuten glaube ich nicht.

Das klingt jetzt vermutlich sehr böse oder äußerst überheblich. Aber ich will begründen, warum ich solchen Leuten nicht glaube - und warum ich diesen Satz "Ich hatte keine Zeit" für großen Unsinn halte.

Jeder Mensch hat pro Tag das gleiche Quantum an Zeit zur Verfügung. 24 Stunden. Das sind 1.440 Minuten. Oder 86.400 Sekunden. Unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Glauben, Wohnort, Alter. Wieso also haben manche Leute Zeit für etwas Bestimmtes, andere hingegen nicht?

Ganz einfach: Leute, die behaupten, sie hätten für dieses oder jenes keine Zeit, belügen sich selbst. Die Wahrheit ist nämlich, dass sie für die Aktivitäten, für die sie angeblich keine Zeit hatten, eine niedrigere Priorität angesetzt haben. Oder mit anderen Worten: Etwas anderes war ihnen wichtiger.

Das ist per se überhaupt nichts Schlimmes, seine Tagesaktivitäten mit Prioriäten auszustatten - aber warum gesteht man sich und andere das nicht einfach ein? Wenn man sich nicht dazu aufraffen kann, eine halbe Stunde Jogging zu betreiben, dann liegt der Grund nicht darin, dass einem die Zeit fehlt, sondern dass einem etwas anderes wichtiger war. Manche Leute schlafen lieber eine halbe Stunde länger, statt durch den Wald zu laufen. Andere sitzen lieber vor dem Fernsehe, statt drei Seiten ihres Romanes zu schreiben. Wieder andere hocken lieber mit Freunden vier Stunden in der Kneipe und klönen, anstatt sich mit ihren Romanfiguren zu befassen.

Nochmals: Es ist nichts Verwerfliches darin, länger zu schlafen, vor dem Fernseher zu sitzen oder mit Freunden unterwegs zu sein. Nur sollte man dann so ehrlich sein und sagen: Das Schreiben an meinem Roman ist mir weniger wichtig als z.B. die Sportschau im Fernsehen oder der neueste Film mit Brad Pitt im Kino. "Ich hatte keine Zeit" ist eine Ausrede vor sich selbst, nichts weiter. Jeder Mensch hat 86.400 Sekunden pro Tag. Es liegt an jedem selbst, was man damit anfängt.

Adriana (Moderator) hat geschrieben:
Aber ein Hobbyautor kann in diesem Fall den Griffel aus der Hand plumpsen lassen und sagen: "Ich mach erst mal Pause." Was ist daran schlimm? Besser, als wenn er etwas zu erzwingen versucht und uninspirierten Mist schreibt.


Auch da muss ich widersprechen. Ich habe seitenweise "uninspirierten Mist" geschrieben. Na und? So lange ich es nicht veröffentliche, geht der uninspirierte Mist niemanden was an. Manchmal aber wird aus dem uninspirierten Mist eine Art Steinbruch, der Ideen liefert für eine ganz andere Story. Allein der Gedanke, man schreibt uninspirierten Mist, ist bereits der erste Schritt auf der Flucht in Richtung "Schreibblockade". Ich kann nur jedem empfehlen, seitenweise uninspirierten Mist zu schreiben. Schlecht schreiben ist immer noch besser als gar nicht schreiben. Oder wie der amerikanische Schriftsteller Jack Bickham es mal auf den Punkt brachte: "Schriftsteller schreiben. Alle anderen machen Entschuldigungen".

Adriana (Moderator) hat geschrieben:
Allerdings kann es sein, dass ein stark emotionaler und intuitiver Mensch mit dieser Zeit des Schreiben nicht klarkommt. Möglicherweise bringen Autoren von diesem Schlag gar nichts mehr zustande, wenn man ihnen eintrichtert, sie müssen alles vorher planen, durchdenken, und im Griff haben.


Es ging mir nicht darum, emotionalen oder intuitiven Menschen vorzuschreiben, dass sie alles bis ins kleinste Detail planen und durchdenken müssen, bevor sich sich ans Schreiben setzen (jeder möge sich so ans Schreiben machen, wie er oder sie es für richtig hält). Mir ging es vielmehr um die Relativierung solcher Aussagen wie "meine Figuren machen, was sie wollen, und deshalb wird mein Text nicht fertig" oder "Ich stecke nach 60 / 80 / 100 Seiten Romanschreibens fest, weil ich jetzt eine Schreibblockade habe". Ich halte beide Begriffe einfach für Legenden in der Schriftstellerei, die wunderschön klingen, aber das eigentliche Problem nur kaschieren.

Adriana (Moderator) hat geschrieben:
Ich kenne eine Fantasyautorin, die in einem Presseinterview gestanden hat, dass sie oft Geschichten anfängt und selbst gespannt ist, wie sich die Handlung entwickelt . Ihre Charaktere machen, was sie wollen, und sie meint, sie müsste ihre Romane einfach beenden, sonst wüsste sie ja gar nicht, wie sie ausgehen :) .
Für mich wäre eine solche Schreibweise nichts, aber diese Frau ist damit sehr erfolgreich. Ihr Name ist - haltet euch fest - Cornelia Funke.


Ich kenne auch einen solchen Autoren, der genau so arbeitet. Am Anfang hat er eine tolle Idee, die er möglichst schnell in einen Roman umsetzen will. Dann produziert er Seite um Seite. Irgendwann zerfasert die Handlung. Es gibt immer mehr Probleme, weil Anfang und Mitte nicht mehr so recht zusammenpassen wollen. Und nach 300 oder 400 Seiten hat er nur noch das Verlangen, den Roman irgendwie zu Ende zu bekommen. Und genau so lesen sich seine Bücher auch. Sein Name ist Wolfgang Hohlbein, der mit mehr als 200 Büchern wohl produktivste deutsche Fantasy-Autor.


Grüße
Siegfried

dbs

Re: Es gibt keine absolute Wahrheit

von dbs (29.04.2007, 17:04)
Hallo!

Anneliese hat geschrieben:
Einen Kollegen zu dominieren und ihm seine Ansichten aufzuzwingen schafft eine Hierarchie ... ein Oben und Unten. Der erhobene Zeigefinger wackelt drohend vor des anderen Nase und ...


Ich habe, so weit ich mich erinnern kann, nirgendwo geschrieben "So ist es zu machen, und basta"? Ich habe immer darauf hingewiesen, dass jede/r so schreiben möge, wie er oder sie es für richtig hält; das alles von mir gesagte immer ein "Kann" und nie ein "Muss" ist.

Was ich hingegen klar und deutlich ablehne - und zwar unabhängig von diesem Forum hier -, sind die üblichen, immer wiederkehrenden Entschuldigungen, dass irgend etwas nicht funktioniert hat, angefangen von der "Schreibblockade" oder dem Außer-Kontrolle-Geraten der eigenen Figuren.

Ob man darin einen "erhobenen Zeigefinger" sehen kann oder will - das mag jeder für sich entscheiden. Ich kann in "beim Schreiben gibt es keine Regeln" auch einen Zeigefinger sehen, der warnend erhoben wird, wenn es um die Frage des puren Handwerks geht.

Die Kernfrage, die Lyrik- und Belletristik-Autoren betrifft, ist doch diese: Warum wird mein Manuskript nicht von einem "normalen" Verlag herausgebracht?

Ein Lektor hat mir gegenüber ganz klar gesagt, warum 99% aller unverlangt eingesandten Manuskripte abgelehnt werden: Weil es dem Autor am einfachsten Handwerk fehlt. Er sagte damals ganz konkret: "Wenn der Roman mit einem Wetterbericht beginnt, landet er sofort auf dem Ablehnungsstapel." (Als Folge dieses Satzes habe ich meine Texte durchgeschaut, wie oft ich mit dem Wetter angefangen habe - und wurde mehrfach fündig)

Andere Macken, die einem Lektor sofort aufstoßen, sind falsch benutzte Sprecherverben in Dialogen, schiefe Bilder, Textteile mit reinem Info-Dumping, wenn der Autor im Text etwas behauptet, statt es konkret zu zeigen, oder der fehlende Einsatz aller menschlichen Sinne. Das alles hat - nach meiner Meinung - nichts mit Inspiration, Emotion oder intuitivem Schreiben zu tun, sondern ist reines Handwerk. Das klingt jetzt vermutlich wieder einmal dogmatisch oder nach Zeigefinger. Ich bin aber gerne bereit, mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen, wenn mir jemand beweisen kann, wie man durch emotionales und intuitives Schreiben solche K.O.-Kriterien vermeiden kann. Ich kenne viele, die beim Thema "Schreibhandwerk" in eine automatische Abwehrhaltung gehen. Aber wie werden dadurch konkrete Probleme gelöst, die beim Schreiben aufgetreten sind?

Grüße
Siegfried

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Heidi Gotti
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Re:

von Heidi Gotti (29.04.2007, 18:13)
Geeeenau, so seh ich es doch auch.
Der Geschmack ist verschiedeng.
Auch mir geht es so, wie schon erwähnt.
Werde von "allem" inspiriert.
Der "Stoff" zum Schreiben liegt wirklich auf der Straße, in der Natur, bei Schicksalen, in Zeitungsberichten und und und
Ich schreibe auch - aber weniger für die Medien - mit vorgegebenen Themen.
Zum Glück kann ich auch hier das passende abrufen, was mich natürlich freut. Und wenn dann statt einer Geschichte drei genommen werden und Gedichte ebenso, freut mich das.
Das Honorar ist dann auch dementsprechend, hurra.
Kann also ebenfalls nur animieren, Mut zum Schreiben zu haben.
Es ist herrlich, Eindrücke zu Papier bzw. zum PC zu bringen.
Heidi
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Anneliese
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Ein letztes Wort!

von Anneliese (29.04.2007, 18:20)
Hmmmm ...

Lieber Siegfried. Wie es scheint, habe ich Dich irgendwie gekränkt. Mein erster Beitrag sollte tatsächlich nur die etwas einseitige Orientierung der ganzen Rubrik aufbrechen. Ich habe dieses Essay bereits Ende 2005 geschrieben und es, da ich damit einem jungen Autor helfen konnte, wortwörtlich eingestellt.

Hinter dem Inhalt stehe ich heute noch.

Anneliese

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Adriana
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Ein paar nicht ganz ernst gemeinte Gedanken zum Thema Zeit

von Adriana (29.04.2007, 18:54)
dbs (Moderator) hat geschrieben:
Jeder Mensch hat pro Tag das gleiche Quantum an Zeit zur Verfügung. 24 Stunden. Das sind 1.440 Minuten. Oder 86.400 Sekunden. Unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Glauben, Wohnort, Alter.


Davon schläft ein Durchschnittmensch ca. 7-8 Stunden. Weitere 8 Stunden ist er mindestens auf Arbeit. Wären also schon 16 Stunden weg. Bleiben 8 Stunden übrig. Das klingt viel, aber mindestens 1-2 Stunden braucht er noch zum Essen, Duschen und aufs Klo zu gehen :oops: . Bei Frauen kann man - je nach Eitelkeit - noch 20-40 Minuten Gesichts- und Haarverschönerung dranhängen :P . Bleiben 6 Stunden. Familie und Haushalt beanspruchen - wenn man zu den ca. 90% der deutschen Bevölkerung gehört, die sich kein Dienstmädchen leisten können und zu viele Skrupel haben, sich einen Sklaven zu halten - auch so ihre Zeit. Je nach Größe der Familie, Quengligkeit der Kinder und Anzahl der Haustiere ca. 2-4 Stunden. Ausruhen muss man sich von dem ganzen Stress auch noch. Mindestens eine Stunde vorm Fernseher :P . Oder 2 Stunden in der Kneipe mit Freunden :wink: . Bleiben noch ca. 50 Minuten. Und die gehen für Diskussionen im Internet drauf :evil: .
Ich sehe, ich sollte meine Prioritäten wirklich anders setzen :shock: .

dbs

Re: Ein paar nicht ganz ernst gemeinte Gedanken zum Thema Ze

von dbs (30.04.2007, 00:51)
Adriana (Moderator) hat geschrieben:
Ich sehe, ich sollte meine Prioritäten wirklich anders setzen.


Warum solltest du das?

Eine Freundin von mir hat zwei Fantasy-Romane geschrieben, Der erste ist 1.300 Seiten stark, der zweite 800. Ich habe sie gefragt, wie sie das gemacht hat, wie man zwei so dicke Romane schreiben kann und nebenbei den Job als wissenschaftliche Biochemikerin und Familie (samt zwischenzeitlichen Hausbau) unter einen Hut bekommt.

Ihre Antwort: "Ich bin drei Jahre lang jeden Morgen um 5.30 Uhr statt um 6.30 Uhr aufgestanden und habe diese eine Stunde lang geschrieben."

Der Spätnachmittag und der Abend gehörten der Familie bzw. den sozialen Kontakten. Sie gibt aber auch offen zu, dass sie relativ wenig vor dem Fernseher hängt und meist gegen 22 Uhr ins Bett geht.

Tief in meinem Inneren bewundere ich sie für ihre Disziplin.

Grüße
Siegfried

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Re: Ein paar nicht ganz ernst gemeinte Gedanken zum Thema Ze

von Adriana (30.04.2007, 09:53)
dbs (Moderator) hat geschrieben:
Tief in meinem Inneren bewundere ich sie für ihre Disziplin.


Die ist natürlich bewunderswert, keine Frage!

Allerdings werd ich das Gefühl nicht los, du hast meinen letzten Beitrag zu ernst genommen :wink: . Wie die Überschrift schon sagt, war das nicht meine Absicht. Vielmehr wollte ich die Diskussion ein bisschen entkrampfen.

Wir wissen natürlich alle, das wir den Spruch "keine Zeit" öfter mal als Ausrede nehmen :wink:, aber man kann seine Prioritäten auch nicht in jeder Lebenslage zugunsten des Schreibens setzen.

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Heidi Gotti
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Re:

von Heidi Gotti (30.04.2007, 10:02)
Hallo Adriana,
das stimmt, man muss im privaten Bereich ebenfalls Prioritäten setzen.
Auch muss man sich hin und wieder "entspannen", einfach gar nichts tun und die Seele baumeln lassen.
Wir sehen auch nicht unbedingt viel fern und deshalb schreibe ich nachts. Da habe ich die meiste Ruhe, schon wegen des Telefons.
Oft gehen wir erst um 2 Uhr morgens zu Bett.
Natürlich stehen wir dann auch erst etwas später 8:30 Uhr oder 8 Uhr morgens auf.
Nur stelle ich beim nachts schreiben fest, dass mich manchmal meine "Handlung" nicht loslassen möchte.
Ist zum Glück aber relativ selten und meistens entschlummere ich dann sofort.
Ich finde es auch schön, einfach über seine Gepflogenheiten hier plaudern zu können und sich die der anderen anzuhören.
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Adriana
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Re:

von Adriana (30.04.2007, 12:40)
Hallo Heidi,

ich sehe, du gehörst auch zur Sezies der "Nachtwesen". 2 Uhr ins Bett gehen, 8.30 aufstehen. Kommt mir bekannt vor :) .

Heidi Gotti hat geschrieben:
Auch muss man sich hin und wieder "entspannen", einfach gar nichts tun und die Seele baumeln lassen.


Stimmt. Man kann nicht immer nur schaffen, das ist unnatürlich. Ich schätze, der Steinzeitmensch hat manchmal auch nur vor seine Höhle gesessen und meditiert :P . Wenn wir jedesmal schlechtes Gewissen haben, weil wir längere Zeit ausspannen, sind wir schon ziemlich kaputt. Obwohl ich zugebe, dass mir solche Gedanken auch nicht fremd sind.

Außerdem gibt es ja kein Gesetz, dass wir automatisch das Gehirn ausschalten müssen, wenn wir unsere Seele baumeln lassen. Man kann diese Momente auch dazu nutzen, die Eindrücke um sich herum aufzunehmen, in sich hinein zu "horchen" oder auch ne Runde über das Leben und das Universum zu philosophieren 8). Das klappt erfahrungsgemäß am besten, wenn man nicht von Arbeit und Gedöns abgelenkt ist.
Und wenn man Glück hat, entsteht aus diesen Eindrücken ein neues Gedicht oder das Fragment einer Geschichte.
Und so wird aus dem scheinbar "faulen" Moment ein produktiver :) .

Ich würde einem Schreibanfänger sogar raten, sich einfach mal in die Hollywoodschaukel zu pflanzen, alle Viere von sich zu strecken, in den Himmel zu gucken, die Eindrücke um sich und in sich aufzunehmen und sie anschließend zu Papier zu bringen. Das muss kein "uninspirierter Mist" werden. Im Gegenteil - auf die Weise kann man zu tollen Inspirationen kommen :D .

Hab übrigens unter Textvorstellungen ein zur Diskussion passendes Gedicht eingestellt. Überschrift: "einfach faul".

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Heidi Gotti
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Re:

von Heidi Gotti (30.04.2007, 22:59)
Hallo Adriana,
wie schön, dass du das mit dem "Seele baumeln lassen" so siehst wie ich.
Geschmunzelt habe ich wegen des Abtauchens und dass daraus oft ein schönes Gedicht oder eine Geschichte entstehen kann.
So geht es mir, wenn ich abtauchen will, dann auf einmal kommen wir die besten Ideen und Gedanken. Gedichte und Geschichten entstanden schon so. Deshalb habe ich immer einen Zettel mit Schreiber neben mir. Wenn ich das dann notiert bzw. aufgeschrieben habe, dann tauche ich ab.
Laufe über Wiesen, durch den Wald, ersteige einen Berg, oder liege auf einer Blumenwiese, um hinterher richtig Kraft getankt zu haben.
Ich wünsche euch allen morgen einen schönen Feiertag.
Wir sind mit unserem Internetklub unterwegs auf einer Burg.
Gute Nacht - Heidi
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Re:

von Heidi Gotti (02.05.2007, 23:28)
Hallo Adriana,
hab was übersehen bei deinem Eintrag.
Hahaha, ja ich gehöre auch zu denen, die morgens erst ins Bett verschwinden. Bin trotzdem morgens halbwegs zeitig putzmunter, freu.
Im Moment ist es draußen aber auch herrlich!
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hwg
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Re:

von hwg (03.05.2007, 07:25)
Interessante Diskussion. Zwar hat jeder von uns die selbe Zeit zur Verfügung, für mich ist sie trotzdem ein relativer Begriff.

Das kennt doch jeder - wenn man auf etwas (Angenehmes) wartet, kommen einem Minuten wie Stunden vor. Und beim Schreiben von Auftragsarbeiten, besonders wenn der Redaktionsschluss naht, vergeht eine Stunde viel zu rasch.

Deshalb sage auch ich am Telefon, wenn wer zu unpassender Zeit anruft, "tut mir leid, melde Dich bitte später, ich habe momentan keine Zeit" :lol: Für den anderen mag das eine Ausrede sein - von mir ist es aber ehrlich gemeint.

Was das "Vermarkten" von eigenen Arbeiten anbelangt, stimme ich dbs überwiegend zu, obwohl der Müßiggang zwischendurch manchmal auch für die Ideenfindung ganz gut sein kann.

Ein gewisses Maß an Selbstdisziplin (Disziplin - ein Begriff, den ich nicht mag, mir fällt momentan aber kein passendes Wort ein) ist, wenn man ernsthaft Autor sein will, allerdings erforderlich. Ansonsten bleibt das Schreiben tatsächlich ein privates Freizeitvergnügen (was es ja auch sein darf) ohne Aussicht auf breitenwirksamen Erfolg. Und diesen wünscht sich im Grunde ja jeder Autor, oder?

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Heidi Gotti
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Re:

von Heidi Gotti (05.05.2007, 11:29)
Ich schreibe vorwiegend aus "Spaß an der Freud" wie man so schön sagt. Trotzdem muss ich mich sputen, wenn ich wieder mal einen "Auftrag" bekomme, freu.
Selbstdisziplin finde ich gut und tendiere dazu, sie einzuhalten.
Im PC schlummern noch zwei Buch-Manuskripte, noch nicht ganz fertig, aber fast.
Viele Geschichten sind fertig und - wer weiß ...
Habe erst wieder eine für eine Anthologie angeboten und sie wurde genommen, hurra.
Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende.
Wir warten auf den Regen, aber es tut sich nichts.
Grüße von Heidi aus BW
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hwg
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Re:

von hwg (05.05.2007, 12:15)
Hallo Heid!

"...viele Geschichten sind fertig und - wer weiß...." klingt gut und nach Fleiß. In Anthologien blättere ich ganz gerne. In einigen bin ich auch vertreten, allerdings nur dann, wenn ich keinen "Seitenpreis" berappen muss. Derartige Methoden der Autorenausbeutung lehne ich ab. Auf ein Honorar muss man, vor allem, wenn viele Autoren im Buch vertreten sind und es sich nicht gut verkauft, ohnehin verzichten (was mir schwer fällt :lol: ), doch ein bisschen nutzt eine derartige Veröffentlichung - neben der Selbstbauchpinselei (nicht böse gemeint) auch der Publicity, was garantiert nicht schadet.

Lieben Gruß!

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