den Leser zum Lachen bringen

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Axel
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den Leser zum Lachen bringen

von Axel (26.02.2008, 18:17)
Hallo,

gibt es irgendwelche Tipps für den Umgang mit Humor, bzw. wie man seinen Leser zum lachen bringt? Und zwar nicht mit Slapstick-Humor, sondern eher auf die feinsinnige Art. Bei einem Buch, das sowieso im Comedy-Bereich angesiedelt ist, stelle ich mir das ja noch einfach vor. Aber auch in einem sonst ernsten Roman sollte der Leser ab und zu etwas zu lachen haben. Vielleicht tue ich mich damit besonders schwer (den Leser zum weinen zu bringen finde ich wesentlich leichter).
Hat jemand eine Idee?

Grüße
Axel

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Claire
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Re:

von Claire (26.02.2008, 19:29)
Ich denke, das ist eine schwierige Frage. Was bei dem einen ein Lachen bewirkt, ringt dem anderen vielleicht noch ein Schmunzeln ab und wieder ein anderer verzieht noch nicht einmal die Mundwinkel. Man könnte höchstens mal Formulierungen vor Publikum testen und deren Reaktion beobachten. Ich glaube kaum, dass es da ein Patentrezept gibt (lasse mich aber gern eines Besseren belehren).

LG Claudia
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Jede Katze ist ein kleiner Druide! Sie leben im Hier und Jetzt. Wir sollten uns ein Beispiel daran nehmen! Wir müssen ja nicht unbedingt schnurren.

Weasel

Re:

von Weasel (26.02.2008, 21:04)
Ich denke auch nicht, dass es da ein Rezept gibt. Es gibt so viele unterschiedliche Arten von Humor, da muss man halt ein händchen für haben. Und ob der Gag dann zündet, entscheidet allein der Leser...

Selbst bei den "Profis" in sachen Comedy zündet nicht jeder Witz.

Gruß Weasel

CeKaDo

Re:

von CeKaDo (26.02.2008, 21:50)
Im Grunde ist es der normale Spannungsbogen, der sich in Gelächter entladen sollte. Eigentlich recht normales Handwerk, oder?

Vorgetragen kommt es besser, doch hier ein Auszug aus "Übernächtliches":


Lustvoll

Da liege ich nun. Am frühen Morgen schon. Es ist eine ungewöhnliche Zeit für uns und ich bin ein wenig irritiert.
Seit wie viel Jahren sind wir zusammen? Seit 15, sagst Du. Und niemals
war es so wie heute. Ich streichele mit der flachen Hand prüfend über all diese kleinen, und ach so bekannten Erhebungen und Vertiefungen.

Alles ist so vertraut und dennoch heute neu. Denn in dieser Position war ich noch niemals. Ich knie vor Dir, mein Schatz und Du schaust auf mich herab. Von ganz tief unten schaue ich zu Dir hinauf und ich habe Lust dazu. Lust, das zu tun, wozu Du mich heute gebeten hast. Ich streichele weiter und nehme nun beide Hände. Mit sanft kreisenden Bewegungen erweitere ich meinen Radius.

Du wirst langsam nervös und ich sage sanft »Hab Geduld, gleich bin ich
soweit.« Du stöhnst voller Erregung und ich spüre, dass Du es kaum erwarten kannst. Trotz meiner demütigen Pose fühle ich meine Macht über Dich. Ich koste es voll aus. Ich bin der Mann, der Macho, der wahre Herr im Haus. Auch wenn mein Hinterteil grad etwas albern in die Luft ragt und Du schwer atmend vor mir stehst und auf mich herabschaust.

Deine Spannung wird spürbar unerträglich und meine Hände kreisen mit sanftem Druck weiter und weiter. Ich spüre jedes Detail unter meinen Fingern und jetzt ... jetzt ist es soweit! Die unendlich scheinende Anspannung löst sich.

Mit einem Ruck reiße ich meinen Oberkörper vom Boden hoch und halte meine Hände triumphierend nach oben, während Du lustvoll aufstöhnst und voller Inbrunst schreist: »Du hast sie gefunden! Oh, Du bist mein Held! Ich wäre blind ohne meine Kontaktlinsen!«

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Axel
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erwarte das unerwartete

von Axel (26.02.2008, 22:12)
Gutes Beispiel, aber die Technik des Spiels mit dem Unerwarteten war mir schon vertraut. Mir geht es jedoch mehr um den feinen, tiefsinnigen Humor, der den Leser zum Lachen zwingt. Es gibt solche Bücher, in denen man unerwartet laut lachen muss. Aber den Trick habe ich noch nicht durchschaut. Wie gesagt, es geht mir nicht um Comedy sondern um das Erzeugen von echtem, herzhaftem Gelächter aus einer ernsten Stimmung heraus. Stimmt aber schon, dass das auch sehr vom Leser abhängt, jeder reagiert ja anders.
Was mir gefällt ist vor allem auch die feine Ironie. Die hat jedoch (in meinen Augen) mit dem Unerwarteten oder Kalauern wenig zu tun.


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Versailles
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Re:

von Versailles (26.02.2008, 23:51)
Mit einem Ruck reiße ich meinen Oberkörper vom Boden hoch und halte meine Hände triumphierend nach oben, während Du lustvoll aufstöhnst und voller Inbrunst schreist:
Ein Sch(w)elm, wer Böses dabei denkt :wink: angle:

Mir geht es jedoch mehr um den feinen, tiefsinnigen Humor, der den Leser zum Lachen zwingt. Es gibt solche Bücher, in denen man unerwartet laut lachen muss. Aber den Trick habe ich noch nicht durchschaut.
Ich weiss es auch nicht, aber ich vermute, es ist Situationskomik oder eine sich aufstauende Spannung, die sich in einem befreienden Gelächter entlädt oder Schadenfreude oder eine witzige, weil abgedrehte Alltagsszene.
Beispiel (nicht von mir, aber auf Realität beruhend) Dialog. Alte Dame an der Supermarktkasse zahlt für zwei Artikel. Fragt die Frau an der Kasse: "Wollen Sie noch ein Tütchen dazu?" Klar, gemeint ist eine Einkaufstüte in ca. Din A5-Größe.
Sagt die alte Dame: "Nein danke, mein Kind. Aber wenn ich jetzt eine rauche, ist der Weg nach Hause so weit."

Claires Tipp ist gut: Szene vorlesen und Reaktion prüfen thumbbup Wenn sich das Testpublikum ausschüttelt vor Lachen: prima.

Liebe Grüße
Amalia
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hwg
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Re:

von hwg (27.02.2008, 09:12)
Guten Morgen Axel!

Mit dem von Dir angesprochenen Thema beschäftige ich mich schon seit Jahrzehnten. In meinen Kolumnen versuche ich, dem Humor-Anspruch einigermaßen gerecht zu werden. Die mich direkt erreichenden Leserreaktionen sind logischer Weise unterschiedlich, überwiegend aber doch positiv, was mich natürlich freut. Ich denke, so lange die Zeitschriften meine Texte veröffentlichen, mache ich nichts gänzlich falsch.

Ein Rezept weiß ich allerdings auch nicht, gäbe es eines, wäre das ja auch z u einfach... :lol:

Ich lese gerade den Roman "Das bin ja ich" von Thomas Glavinic, einem österreichischen Autor (Hanser-Verlag). Es ist eine Art "Selbstentblößung" des Schriftstellers voller "gnadenloser Komik" (wie ein Kritiker meint). "Thomas Glavinic hat einen beeindrucktenden Roman über Einsamkeit, Verlassenheit und die unberechenbaren Nachtseiten des Lebens geschrieben", urteilt Iris Radisch in der "Zeit".

Vielleicht gibt Dir die Lektüre dieses Buches etliche Anregungen?!

Gruß aus der Steiermark!

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Judith
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Re:

von Judith (27.02.2008, 12:16)
Hallo Axel,

das ist wirklich nicht so einfach! Manchmal hat man ein Kapitel oder eine Kurzgeschichte schnell heruntergeschrieben, stellt dann aber fest, dass der Witz fehlt und es zu trocken ist. Es kann dann nochmal genauso lange dauern, das ganze aufzulockern. Man muss nicht immer laut lachen können, schmunzeln tut's auch.

Das jüngste Beispiel, bei dem ich dasselbe Problem hatte:

Kürzlich schrieb ich eine spannende Vorlesegeschichte zum Thema Freibad, die ich jetzt zur Erstlesegeschichte umgemodelt habe. Sie sollte nicht mehr als 5.000 Zeichen haben, ich musste einige Abschnitte und vor allem Gags streichen. So musste u.a. der Absatz weg, in dem die kleine Schwester der Protagonistin beim Warten an der Kasse ungeduldig herumhüpfte mit einem dicken Mann zusammenstieß. Das ganze war aber zu lang (mit Reaktion des Mannes usw.). Ohne was Witziges dazwischen war es aber zu öde. Nun steht da: "Lea hüpft ungeduldig herum und gröhlt das Lied vom Bi-Ba-Butzemann."

Was könnte in einer Situation geschehen, worüber man in der Realität schmunzeln würde?

Grüßle,
Judith
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Bärentante
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Re:

von Bärentante (27.02.2008, 15:36)
Ich denke, dass jeder über andere Dinge lacht oder schmunzelt. Bei manchen Comedy-Sendungen vergeht es mir, andere können sich köstlich amüsieren.

Wenn man eine Situation schildert, die der Leser selbst in dieser Art erlebt hat, kann er mitempfinden und wahrscheinlich auch mitlachen. So als Beispiel: Ein Wasserrohrbruch. Drei Autos mit städtischen Mitarbeitern, zwei Bagger, drei Lkw, zehn Bauarbeiter, vierzig Nachbarn, die die Arbeiten begutachten und kommentieren, Polizei, da der Bus umgeleitet werden muss, usw. Also ... vor drei Jahren, als ich das selbst hatte, konnte ich nicht darüber lachen, aber als sich die Szene vor ein paar Wochen bei einem Nachbarn abgespielt hat, sehr herzlich. Da war ich bei den Schaulustigen dabei und fand das alles nur komisch. :lol:
Liebe Grüße
Christel

Versailles
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Re:

von Versailles (27.02.2008, 16:07)
Christel, ich gebe dir Recht cheezygrin auch Humor ist relativ.

Ich weiß nicht, wie ihr zu Ephraim Kishon steht. Er hatte einen wunderbaren Humor und seine Bücher sind für mich ein Quell der Lachattacken. Alltägliches, das zu "Abenteuern aus Absurdistan" mutiert. Da wandern Waschmaschinen im Schleudergang in den Sonnenuntergang, da wird mit ein wenig Lack die gesamte Wohnung vergoldet oder der Gang aufs Amt wird zum Spießrutenlauf.

Einen amüsanten Nachmittag wünscht
Amalia
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hwg
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Re:

von hwg (27.02.2008, 16:26)
Also, ich sprach mit Kishon seinerzeit mehrmals und verfolgte etliche seiner Bühnenauftritte - jedesmal ein Erlebnis.

Mit seinen Büchern habe ich allerdings Probleme , einzig "Der Blaumilchkanal" hat mir wirklich gefallen (und auch der Film). Enttäuscht bin ich gewesen über Kishons reaktionäre Einstellung moderner Kunst (Malerei) gegenüber.

Soviel nur als Beispiel dafür, dass Humor nicht so einfach "übertragbar" ist.

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Birgit Fabich
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Re:

von Birgit Fabich (27.02.2008, 16:37)
mich hat der "Kontakt mit Linsen" sehr abgeschreckt in der Phase, mir welche verschreiben zu lassen, aber nun bin ich sowieso altersstarrsinnig und trainiere halt auf lange Arme...
gut finde ich Bücher im Großdruck, sollten wir uns als Idee wirklich überlegen, denn Ältere (also die auch viel lesen) finden Großdruck sehr entspannend
Gruß Birgit
{ich bin glaube ich am Thema vorbei geschliddert, aber das wahre Leben schreibt sowieso die komischsten[was für ein Wort, komisch kann man bestimmt nicht steigern] Geschichten und mit ein wenig Abstand vom eigenen Standpunkt wird (zumindest bei mir) jede Geschichte, ob erzählt oder geschrieben, zu einem potentiellen humorvollen Geschehen.}

hwg
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Re:

von hwg (27.02.2008, 16:59)
...und ich esse gerne eine Soße aus Linsen, vor allem, wenn etwas Selchfleisch oder Braunschweiger-Wurst darinnen vorkommt. An meine Augen lasse ich jedenfalls keine Linsen. :lol:

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Claire
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Re:

von Claire (27.02.2008, 18:05)
Axel hat geschrieben:
Was mir gefällt ist vor allem auch die feine Ironie.

Ironie ist mit Vorsicht zu genießen. Was mancher unter Ironie versteht, sieht ein anderer schon als Sarkasmus an. Da kann man sich ganz unangenehm in die Nesseln setzen.

LG Claudia
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Re:

von skipteuse (27.02.2008, 23:00)
Hallo,
aus meinem Literaturstudium kenne ich ganze Seminare über Komik und Humor in der Literatur. Es gibt unglaublich interessante theoretische Werke dazu: Angefangen bei Freuds Thesen zum Witz über Humor in der Antike und um Mittelalter bis zu den einzelnen Humorarten ... Lohnt sich sicher langfristig mal die Nase reinzustecken; vieles ist erhellend, manches ist sogar (unfreillig) komisch geschrieben...

Ein Patenrezept in der Praxis fehlt aber ...
Meine Leser schreiben auch oft, dass sie herzhaft gelacht haben ... oft folgt der Satz: "weil ich mich (oder meinen Hund) darin sofort wiedererkannt habe ..." Identifikation kann also sicher auch ein Anhaltspunkt sein.
Hm, sehr spannendes Thema ...

In dem Buch "Die Asche meiner Mutter" musste ich auch oft weinen und lachen gleichzeitig - tragisch-komisch eben...

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