Echte Namen oder nur Synonyme der Handelnden im Tagebuch?

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Caspar
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Echte Namen oder nur Synonyme der Handelnden im Tagebuch?

von Caspar (04.08.2009, 10:08)
Hallo,

diesmal keine Frage zum Synonym als Autor sondern zu echten oder geänderten Namen von Personen in einem Tagebuch.

Ich will ich ein längeres medizinisches Problem beschreiben, das ich erfolgreich hinter mich gebracht habe.

Meine Frage: Bisher habe ich immer alle Beteiligten bei ihren wahren Namen genannt. Jetzt müsste ich Ärzte namentlich nennen, die keine gute Arbeit geleistet haben. Dabei ist der Name einer Person nicht entscheidend. Ich will ja nicht die Arbeit des einzelnen Arztes anklagen. Ich will typische Charaktere beschreiben. Für die Aussagen des Buches wäre es nicht wichtig, die echten Namen zu nennen.
Jetzt bin ich mir unsicher: Schreibe ich die echten Namen, bekomme ich ggf. Ärger mit den negativ beschriebenen Ärzten, benütze ich Preudonyme, ist die Authentität des Buches weg.
Können Ihr mir einen Vorschlag oder zumindest weitere Denkanstöße geben? Wie haben andere Tagebuch-Autoren diesen Zwiespalt überwunden?
Vielen Dank.

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (04.08.2009, 11:45)
Wer sollte denn ein Interesse an echten Namen haben?
Unter welcher Rubrik willst du dein Tagebuch veröffentlichen? Sachbuch oder Roman?

Ich habe in meinem Sachbuch "Klänge aus dem Schneckenhaus" echte Namen verwandt, allerdings habe ich mir vorher von jeder einzelnen genannten Person die schriftliche Einwilligung dafür geben lassen. Im konkreten Fall wäre es der Sache nicht dienlich gewesen, mit Pseudonymen zu arbeiten, zumal es ein wissenschaftliches Buch ist.

In dem Roman, an dem ich derzeit arbeite und in dem es um eine wahre Geschichte und reale historische Sachverhalte geht, habe ich die Namen der Protagonisten verändert, so dass niemand sie wieder erkennen würde. Allerdings habe ich die Namen historisch relevanter Persönlichkeiten real übernommen, da es keinen Sinn machen würde, diese umzubenennen.

So wie ich dich verstehe, würde ich dir raten, eher Pseudonyme zu verwenden, oder aber, wenn Realnamen unbedingt sein sollten, dir
eine schriftliche Absicherung aller genannten Personen geben zu lassen.
Ansonsten läufst du Gefahr, dass du massiven Ärger bekommst.

Viel Erfolg

Haifischfrau
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

Caspar
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Danke !

von Caspar (04.08.2009, 13:17)
Ganz herzlich DANKE,

Du hast meine Frage richtig verstanden und mir die Antwort gegeben, die ich gut verstehe und gut umsetzen kann.

Jetzt habe ich zwar das Problem, den Menschen Namen zu geben, die sie gar nicht haben. Aber da fällt mir bestimmt etwas Geschicktes ein.

Man wird es lesen.

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (04.08.2009, 13:47)
Hallo Caspar,
Namen erfinden kann sehr spannend sein - zumal hier die Möglichkeit besteht, (reale) Eigenschaften einer Person mit dessen erfundenem Namen zu verknüpfen. Z. B. Dr. Lispel für einen Arzt mit Sprachfehler,
Margerete Wunderlich für eine sich wundersam verhaltende Frau ...;
Spiele einfach mal mit Namen.
Und ein Tipp, damit du am Ende bzw. während des Schreibens noch weißt, wer wer ist: mach dir eine Namensliste mit 2 Spalten, in welche du die Real- und die dazugehörigen Pseudonamen einträgst.
Und zur Vermeidung unangenehmer Fehler: gehe immer wieder mal mit den Realnamen in die Such-Funktion, um auszuschließen, dass dir ein wirklicher Namen irrtümlich in den Text geflutscht ist.

Viel Glück

Haifischfrau
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Birgit Fabich
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Re:

von Birgit Fabich (04.08.2009, 14:28)
Telefonbuch ist auch klasse, man glaubt ja nicht, welch eigentümliche Namenskonstellationen es gibt, neue Variationen von Vor- und Zunamen,
charakterliche Beschreibungen als Namen helfen dem Leser doppelt,
aber wie Maryanne schon sagt, unbedingt zwischendurch gucken, ob es ihn in echt gibt...


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Mimi und der große Brand
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JMertens
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Re:

von JMertens (04.08.2009, 17:58)
Bei solchen Abhandlungen in Form von Tagebüchern oder Erlebnisberichten wird aber auch allgemein viel mit Initialen gearbeitet - ist fast schon üblich. Dabei müssen die Initialen gar nicht unbedingt stimmen, es kann also durchaus aus einem Dr. Meier im Buch Dr. A. werden.

Das mit den beschreibenden Namen a' la Dr. Lispel etc. ist zwar auch eine Option. Bei einem sehr ernsthaften und seriösen Text würde ich aber davon Abstand nehmen. Es hängt also davon ab, in welchem Stil Du das Buch verfasst.

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Conny
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Re:

von Conny (04.08.2009, 19:05)
Die reellen Namen würde ich auch nur verwenden, wenn du gerade Geld zuviel hast und unbedingt deinem Anwalt etwas davon abgeben möchtest.

Ansonsten denke ich auch, dass es ganz auf den Schreibstil und auf das Genre ankommt.
Roman?
Dann ist es völlig wurscht, wie du deine Personen nennst. Der Leser wird nicht das Buch in die Ecke pfeffern, wenn er feststellt, dass die Namen nicht authentisch sind.

Sachbuch?
Abkürzungen finde ich da auch eine galante Lösung, wie Mertens es bereits geschrieben hat.

Wenn du mit diesem Buch keine Aufklärung betreiben möchtest, Journalistisch tätig wirst und Skandale aufdecken willst (Voraussetzung dafür ist dann aber der Anwalt und das gut gefüllte Bankkonto s.o.) ist es mir als Leser völlig egal, ob der Dr. Meier tatsächlich auch Dr. Meier oder Dr. Schmitt heißt.

LG, Conny
"Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann."
Antoine de Saint- Exupéry

www.kundenkoller.over-blog.de

einKnopf

Re:

von einKnopf (04.08.2009, 19:13)
Hallo Caspar

Um welches medizinische Ereignis handelt es sich denn? Ich habe selbst auch Jahre lang mit Ar*******-Ärzten zu tun gehabt, deswegen kann ich ein Stück weit mit dir mitleiden

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JMertens
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Re:

von JMertens (04.08.2009, 19:20)
Ar*******-Ärzte...

Ich tippe jetzt mal auf die Schimpfworthypothese - ansonsten klingt es mir stark nach Hämmorhoiden cheezygrin

einKnopf

Re:

von einKnopf (15.08.2009, 22:04)
JMertens hat geschrieben:
Ar*******-Ärzte...
Ich tippe jetzt mal auf die Schimpfworthypothese


Rrrrrrrröchtööööch! cheezygrin

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (13.06.2010, 16:13)
Haifischfrau hat geschrieben:
In dem Roman, an dem ich derzeit arbeite und in dem es um eine wahre Geschichte und reale historische Sachverhalte geht, habe ich die Namen der Protagonisten verändert, so dass niemand sie wieder erkennen würde. Allerdings habe ich die Namen historisch relevanter Persönlichkeiten real übernommen, da es keinen Sinn machen würde, diese umzubenennen.

So wie ich dich verstehe, würde ich dir raten, eher Pseudonyme zu verwenden, oder aber, wenn Realnamen unbedingt sein sollten, dir
eine schriftliche Absicherung aller genannten Personen geben zu lassen.
Ansonsten läufst du Gefahr, dass du massiven Ärger bekommst.

Hallo allerseits,
das ist genau mein Thema im Moment.
Ein kurzer Überblick:
Es geht um die letzte Hexe, die 1706 im Ruhrgebiet hingerichtet wurde. Den Spitznamen der Hexe, „Hexen-Änneken“, möchte ich auf jeden Fall beibehalten, da er durch mündliche Überlieferung noch heute in den Köpfen einiger Recklinghäuser, Hertener und Gelsenkirchener Bürger existiert.
Anna S. wird zum politischen Spielball zwischen dem Grafen zu Westerholt und dessen Untertanen, den Bewohnern der Freiheit Westerholt. Ein hundertjähriger Streit geht seinem Höhepunkt entgegen und gipfelte in dieser Hinrichtung.
In dem Roman sollen verschiedene Familien und der Graf ihr Fett abbekommen. Ich möchte mit meinem Buch dem Opfer ein spätes Denkmal setzen.
Da die besagten Familien noch heute existieren, werde ich natürlich die Namen ändern.

Mein Problem ist folgendes:
Ich würde gerne den realen Namen der angeblichen Hexe und des Grafen nennen. 1924 wurde ein Theaterstück darüber geschrieben. Darin wird eine herzzerreißende Geschichte erzählt, in der die Angeklagte allerdings nicht ganz unschuldig ist. Meine Geschichte soll realistischer und brisanter werden, indem ich den politischen Teil mitbeleuchten möchte. Der Name der angeblichen Hexe, Anna Spiekermann, wurde in den Prozessakten fälschlicherweise „Spickermann“ geschrieben. Vielleicht schreibe ich ihn genauso.

Wie würdet Ihr vorgehen? Ich würde mich über Tipps von Euch freuen.
Grüße
Thomas

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (13.06.2010, 16:23)
Hallo Thomas,
ich kann dein Bedürfnis, den bis heute überlieferten Namen der "Hexe" zu benutzen, bestens nachvollziehen. Allerdings bietest du damit die Möglichkeit, dass die Nachkommen der Grafen & Co. sind "identifiziert" fühlen - das könnte dir Ärger eintragen.

In meinem Fall war es "nur" so, dass sich Nachkommen bestimmter Leute, die in meinem Buch (mit anderen Namen) vorkamen, gemeint fühlten. Natürlich sind ihnen juristisch die Hände gebunden, aber es hat in der Region einigen Wirbel hervorgerufen. Der Vorteil dabei war, dass mein Buch heiß begehrt und die erste Auflage innerhalb weniger Monate verkauft war.

Wenn du den Namen nur geringfügig (aber nicht nur den Nachnamen) ändern würdest, so dass er natürlich noch in die Region passt, wärst du m.E. besser beraten.


Gruß
Haifischfrau
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

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Thomas Becks
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Re:

von Thomas Becks (13.06.2010, 18:07)
Hallo Maryanne,
erst einmal Danke für die schnelle Antwort.
Man möchte natürlich bei seinem Projekt auf der sicheren Seite sein, deshalb werde ich Deinen Rat auch beherzigen.
Jedoch, wenn ich die Bücher, DIE HEXE und DER HEXENANWALT von Wolfgang Lohmeyer aus dem Jahre 1976, zu Rate ziehe, nennt der Autor alle Mitspielenden beim richtigen Namen. Nun gehe ich davon aus, dass sich Lohmeyer dabei hart an die Fakten hielt. Das möchte ich zwar auch, doch gleichzeitig enge ich mich damit auch selber ein.
Und was ist mit dem Grafen aus Westerholt? Selbst wenn ich den Namen nicht erwähne, so ist er doch geoutet. Soll ich aus ihm den Graf von Osterholt machen, oder lieber gleich den Adelstitel ändern? Der Graf hat eine Schlüsselrolle und muss natürlich her. Alles nicht so einfach.
dozey:

Gruß
Thomas

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mtg
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Re:

von mtg (13.06.2010, 18:24)
Hi Thomas,

in welcher Weise engst Du Dich ein? Solange Du Dich – die realen Personen betreffend – an die Fakten hältst, die historisch belegbar sind, sehe ich kein Problem.

Ich gehe aber wohl richtigerweise davon aus, dass Du den Stoff mit fiktionaler Handlung anfüttern möchtest. Kannst Du das nicht evtl. in der Form aufteilen, dass Du den realen Teil wie eine Art Berichterstattung am Beginn des jeweiligen Kapitels erzählst, den fiktionalen Bereich aber deutlich absetzt und ihn so entsprechend kenntlich machst? Hier kannst Du dann erfundene Namen verwenden, ohne in – im günstigsten Falle – Fettnäpfchen zu treten und hast doch eine Verbindung zwischen Realität und Fiktion.

Das würde ich z. B. als »Roman über eine Begebenheit, wie sie sich in Herten und Umgebung abgespielt haben könnte« anlegen – also ausgehend von der nachprüfbaren Historie eine Geschichte entwickeln.

Bonne Chance!

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Haifischfrau
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Re:

von Haifischfrau (13.06.2010, 18:34)
Hallo Thomas,
ich kann da mtg nur beipflichten, insbesondere hinsicht des letzten Absatzes.
Wichtig ist doch, dass dein Buch interessierte Leser und Käufer findet. Wer sich geoutet fühlt, obwohl er definitiv nicht namentlich genannt wird, ist ja völlig egal.
Ich finde dein Projekt sehr spannend, denn ich habe mich im Studium mit dem Thema "Hexen" befasst - aber das ist lange her. In meinem aktuellen Roman spinne ich das Thema weiter, d.h. es geht nicht um "Hexen" sondern um eine, die in jeder Hinsicht aus der Reihe tanzt - und deswegen über die Verhaftung durch die Gestapo in eine Odyssee gelangt ... Aber die dahinter stehende Philosophie ist dieselbe: wer gegen den Strom schwimmt ...

Alles Gute für dein Buch
maryanne
NEU: Die Baumwollfarmerin. Roman

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