"Echter" Verlag um jeden Preis?

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MW
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Re:

von MW (11.01.2009, 12:26)
hallo jens

den aufwand eines verlages unterschätzt hier glaube ich niemand. wie ich bereits weiter oben schrieb, stehen einer vö erhebliche kosten gegenüber, die der verlag (jedenfalls zum teil) übernimmt. schaut man sich den buchmarkt an und weiß aus eigener erfahrung, was für ein aufwand betrieben werden muss, um ein einziges buch an den mann zu bekommen, ist es schon fast verwunderlich, das überhaupt kleine verlage den schritt riskieren, über literatur geld (für sich und für den autoren) zu verdienen.

andererseits: dass dich eine vö bei bod als verleger nicht interessiert, ist bedauerlich - und meines erachtens auch "betriebsblind". du solltest berücksichtigen, dass bod-autoren nicht "mal eben" eine geschichte runtertippen und damit dann verlage bombardieren, sondern sich vor dem schritt in die öffentlichkeit in der regel sehr gewissenhaft mit ihrem stoff beschäftigen, sich über das cover, die gestaltung, die vermaktung gedanken machen. das eine oder andere ist vielleicht nicht auf verlagsniveau - aber ebenso auch nicht jedes eingereichte manuskribt, oder?! dafür bekommt der verlag nicht nur zehn seiten vor den latz geknallt, sondern (zumindest vom autor) eine durchdachte geschichte - mit konzept

dass nicht jede geschichte und auch die konzepte nicht immer gefallen oder dem standard entsprechen und/oder in ein verlagsprogramm passen, liegt in der natur der sache.

aber 90 % der bezahlautoren sollen keine autoren sein? unsinn. da stellt sich zunächst die frage, wer ein autor ist?! wird dies an der qualität der schreibe gemessen? nun, ich habe verschiedene awards und den landesliteraturpreis gewonnen, schreibe für renommierte verlage und veröffentliche meine texte unter anderem bei internationalen verlagen ... schreibe ich jetzt schlecht oder bin kein autor, weil ich auch bücher bei bod veröffentliche? oder bedarf es einer besonderen vorbildung, um als autor zu gelten? gut, meine freundin ist studierte literatur- und kulturwissenschaftlerin und veröffentlichte bereits mehrere bücher bei bod, die unter anderem bis in die bod-bestseller-liste gekommen sind ... schreibt auch sie jetzt schlecht, weil sie bei bod ihre bücher herausbringt?

ich denke, man sollte mit voreiligen rückschlüssen über die qualität von autoren und deren werken etwas feinsinniger umgehen ... gerade als verleger sollte man doch auf der "suche" nach den perlen sein - und im seltensten fall kommen diese einfach so per post :-)
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hawepe
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Re:

von hawepe (11.01.2009, 12:47)
Hallo Marco,

MW hat geschrieben:
aber 90 % der bezahlautoren sollen keine autoren sein?


Der Meinung bin ich allerdings auch. Da es für viele ihrer Bücher Search inside gibt, schaue ich sehr viel in diese Bücher hinein - und bin oft entsetzt, was auf die Menschheit losgelassen wird.

Damit meine ich jetzt nicht, dass mir die Themen oder die Schreibe nicht gefällt. Das sind Geschmackssachen.

Aber unabhängig davon gibt es etwas wie die Schreibweise (unbeholfen, hölzern, flüssig), Logikfehler, Grammatik, an die ich Erwartungen ganz unabhängig von meinem individuellen Geschmack habe.

nun, ich habe verschiedene awards und den landesliteraturpreis gewonnen, schreibe für renommierte verlage und veröffentliche meine texte unter anderem bei internationalen verlagen ... schreibe ich jetzt schlecht oder bin kein autor, weil ich auch bücher bei bod veröffentliche? oder bedarf es einer besonderen vorbildung, um als autor zu gelten? gut, meine freundin ist studierte literatur- und kulturwissenschaftlerin und veröffentlichte bereits mehrere bücher bei bod, die unter anderem bis in die bod-bestseller-liste gekommen sind ... schreibt auch sie jetzt schlecht, weil sie bei bod ihre bücher herausbringt?


Jens schrieb nicht 100 Prozent. Natürlich gibt es auch andere Bezahlautoren bzw. Bezahlveröffentlichungen.

ich denke, man sollte mit voreiligen rückschlüssen über die qualität von autoren und deren werken etwas feinsinniger umgehen ... gerade als verleger sollte man doch auf der "suche" nach den perlen sein - und im seltensten fall kommen diese einfach so per post :-)


Aber ob man sie findet, indem man Tausende von BoD-Büchern liest?

Ich würde als Kleinverleger z.B. deinen Ventriiloquisten nicht mehr veröffentlichen. Und das nicht, weil ich ihn schlecht finde, sondern weil ich davon ausgehe, dass der von dir bereits erschlossene Markt sich zu wenig von dem mir als Kleinverleger zugänglichen Markt unterscheidet.

So ist es meiner Meinung nach nicht überraschend, dass BoD-Autoren, die für ein bereits veröffentlichtes Buch einen Verleger findet, fast immer bei größeren Verlagen landen.

Beste Grüße,

Heinz.

Hanna
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Re:

von Hanna (11.01.2009, 12:56)
Ein bekannter Verleger schrieb mir mal, das 90% dieser (Bezahl-)Autoren/innen keine sind, und ich stimme dem zum Teil zu.

Hallo Jens
Es ist sehr spannend, einmal die Ansicht eines "richtigen Verlegers" zu lesen. In vielen Punkten muss ich Dir recht geben.
Als ehemalige "Bezahlende" aber empfinde ich den im Zitat erwähnten Satz abwertend und pauschalisierend. Zum Glück stimmst Du dem nur zum Teil zu.

In diesem Forum gibt es Autoren und Autorinnen, die ausgezeichnet schreiben. Die bis jetzt vielleicht das Pech hatten, nicht zur richtigen Zeit an die richtige Stelle gelangt zu sein. Auch Follett musst mit vielen Büchern erst mal unten durch, bis er die richtige Person traf. Nämlich seinen Lektor A. Z. Würde man sich genauer umsehen, liesse sich die Liste beliebig verlängern. Also, lieber "richtiger" Verleger, versuche doch, auch uns ein wenig ernst zu nehmen und nicht pauschal als "sind gar keine Autoren" abzuhaken.
Herzliche Grüsse Hanna

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cosmopolit
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Re:

von cosmopolit (11.01.2009, 13:46)
Heinz schrieb folgendes:
Der Meinung bin ich allerdings auch. Da es für viele ihrer Bücher Search inside gibt, schaue ich sehr viel in diese Bücher hinein - und bin oft entsetzt, was auf die Menschheit losgelassen wird.

Heinz du hast Recht ,aber das gilt doch für das gesamte Internet.
Ich persönlich denke es wird mit dem Begriff Autor ein bisschen leichtfertig umgegangen.Autor ist doch für mich eine Bezeichnung eines Berufes.Ich würde die Menschen,auch mich als Schreiber bezeichnen. Genauso würde ich mich ja auch verhalten wenn jeder Heimwerker weil er eine Schraube eindrehen kann sich direkt für den größten Techniker halten würde.Es gibt natürlich bei den Schreibern super Talente,die zu finden ist doch die Aufgabe eines Verlegers.Aber unbestritten sollte jeder das Recht haben seine WERKE per Bod oder DKZV zu veröffentlichen.Es muss ja keiner Kaufen. Vielleicht regt das ja zur selbst Hinterfragung an.
Und wenn nicht?was ist dann verloren?Erst mal ist das doch mal eine Spielwiese.Wer sich verbessern will bekommt hier im Pool ja genug Anstöße,so er die dann annimmt.Ich denke wenn es auch nur für mich hier etwas bringt und ich möglicherweise nie etwas veröffentliche,lernen kann ich auf jedem Fall.
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MW
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Re:

von MW (11.01.2009, 13:47)
hawepe hat geschrieben:
Aber ob man sie findet, indem man Tausende von BoD-Büchern liest?


hallo heinz,
das lesen von tausenden seiten gehört nun einmal zum tagesgeschäft des verlegers. ich glaube nicht, dass 100 % der eingereichten manuskribte derart genial sind, dass der verleger vor freude in die luft springt. im alltag wird man dort ebensoviel gutes oder unsinniges finden, wie woanders auch.

mein argument war ja, dass über bod bereits eine gewisse selektion stattgefunden hat, da zumindest der autor selbst sich soweit mit dem stoff auseinadergestzt hat, dass er es auf die menschheit loslässt (was nicht immer gut sein muss). ob dies bei manuskribten immer der fall ist, wage ich zu bezweifeln. dass unterm strich vieles/manches lieber in der schublade hätte bleiben sollen, trifft auf beide szenarien zu.

zu bereits veröffentlichten werken/zum ventriloqusiten im speziellen: ich denke, das bei vielen bod-büchern der markt noch lange nicht erschlossen ist. in der tat wird doch meistens maximal das direkte umfeld beworben. da ist der ganze markt noch lange nicht erschlossen!
zum beispiel habe ich beim ventriloquisten mal gerade in potsdam/berlin ein wenig werbung gemacht. hier anzunehmen, da wäre nichts mehr zu holen, wäre etwas kurz gedacht! konkret: derzeit stehe ich mit einer recht renommierten produktionsfirma in verhandlungen, den stoff zu verfilmen. sollte dies tatsächlich klappen (was allerdings eeeeeewig dauern würde), würde die story mit einem mal weitaus bekannter werden, was dem buch mehr als nur gut tun würde. anderes beispiel: ich hatte vor fast 10 jahren eine CD (texte und musik) selbst produziert und in kleiner stückzahl auf den markt gebracht. hier wäre das projekt für einen kleinverleger nach obiger theorie ja schon uninteressant. nun hat sich aber ein kleiner verlag gefunden und wir haben die musik als filmmusik unterbekommen. der film wurde ein erfolg auf dem filmfestival toulouse, und die musik lief schließlich im fernsehen über alle kanäle von zdf, wdr, hr, orb (damals noch) bis sfb. hier haben wir alle kräftig profitiert! daraufhin ist ein großer verlag aufmerksam geworden und besagte cd wird heute über das major sonybmg vertrieben. all dies wäre nicht geschehen, würde man die arbeit pauschal als minderwertig abstempeln., nur weil man die anfänglichen produktionskosten übernommen hat.

ich bleibe dabei: zu behaupten, 90 % der autoren, die ein buch/eine CD/ein projekt aus eigener kraft stämmen und auf den markt bringen, seien deshalb nicht fähig, ein buch zu schreiben, halte ich für sehr gewagt. sich diesen potentiellen chancen des marktes aus prinzip zu verschließen, halte ich für nicht wirklich raffiniert. eigentlich kann es für einen verleger doch gar nicht bessser laufen, als einem fahrenden zug aufzusrpingen, oder?

@cosmopolit: die frage, wann jemand ein autor ist, kann glaube ich nur jeder für sich selbst beantworten :-) keine ahnung, ob die zeit, die quantität oder die qualität jemanden zum autoren macht. ich hatte neulich eine spannende diskussion mit einem (drehbuch-)autor, der meinte, er nennt sich autor, "weil er schreibt". erst der erfolg würde ihn auch zum schriftsteller machen. mmh. auch darüber kann man nachdenken :-)

@af-verlag: hallo jens, oben gesagtes ist nicht auf dich gemünzt!!! ich weiß / hoffe / glaube, dass du die ohren - und vor allem augen - offenhälst: sonst wärst du ja nicht in diesem pool. gesagtes betrifft eher die immer wiederkehrende diskussion, ob autoren, die das heft selbst in die hand nehmen, deshalb schlechter wären. und diese argumentation finde ich absolut irrsinnig und schrecklich - daher meine (eigentlich unübliche) aufbrausende art. sorry!

mensch... heute schreibe ich aber viel.
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Thesken

Re:

von Thesken (11.01.2009, 14:24)
Vielen Dank für die schöne, interessante und lesenswerte Diskussion, zu der ich jetzt auch mal meine Meinung und Erfahrung beitragen möchte:

Ich selber bin eine große Leseratte, habe bereits vor der Einschulung meine Kinderbücher verschlungen und in der Grundschule die ersten Geschichten und ein Theaterstück geschrieben.

Mit zwölf oder dreizehn habe ich ein Kinderbuch à la Enyd Blytons Abenteuer- oder 5 Freunde- Reihe angefangen und mit sechzehn oder siebzehn überarbeitet und bis auf das letzte Kapitel fertig gestellt. In der Ausbildung ist mir dann die Idee zu meinem Erstlingswerk, einem Fantasy-Roman, gekommen. Ich habe zwei Jahre daran geschrieben, unterbrochen von meinen Prüfungsvorbereitungen, und das Buch selber Korrektur gelesen. Vor der Veröffentlichung hat es also niemand außer mir gelesen (bis auf kurze Ausschnitte).

Natürlich hatte ich auch Angst, Fehler übersehen zu haben oder mich schlecht ausgedrückt zu haben.

Die Reaktionen bisher bestätigen mir aber, dass mir das Schreiben im Blut liegt. Von einer Leserin habe ich eine sehr ausführliche Kritik bekommen, sie ist über ein paar Dinge gestolpert beim Lesen, lobte aber meine Ort- und Personenbeschreibungen. Viele andere Leser haben mir allerdings bescheinigt, mein Buch lese sich sehr gut und sie wollten wissen, wann endlich die Fortsetzung kommt cool5

Bisher wurden erst zwei Rechtschreibfehler entdeckt (trotdemschäm), die allerdings in zwei hintereinander liegenden Sätzen. An dem Tag muss ich wohl geschlafen haben :cry:

Ich habe für mein Buch den Shaker Media Verlag gewählt. Sie produzieren auch im PoD-Verfahren, können bei Bedarf aber auf Offset-Druck umsteigen, weil sie mit dem Shaker Verlag (einem renommierten Sachbuchverlag) eng zusammenhängen. Was mir wichtig war:

- ich habe keinerlei Kosten, sofern ich mein Buch druckfertig abliefern kann (sogar mein verunglücktes Cover haben sie unentgeltlich versucht, zu retten)
- den Vertrag konnte ich mit gestalten; ich habe ihn dreimal ändern lassen :lol:
- Shaker Media druckt nicht alles, sie wählen aus!!! Die Kriterien sind zwar längst nicht so streng wie bei den "Großen", aber es werden auch Bücher abgelehnt.

Mein Buchpreis liegt mit 14,90 EUR knapp an der Grenze des Machbaren, ich finde ihn aber für 244 Seiten noch in Ordnung.

Mein Buch ist für den Deutschen JugendLiteraturWettbewerb 2009 angemeldet (großen Dank an Shaker Media, die es auf Anfrage möglich gemacht haben) und mein Traum wäre es natürlich, es zumindest unter die sechs Nominierungen zu schaffen. Das würde nicht nur meinem Bekanntheitsgrad gut tun, sondern auch das Image von Shaker Media als Verlag verbessern.

Leben kann ich natürlich nicht vom Schreiben, aber ich bin noch jung, und was nicht ist ... angle:

Zur Idee: Natürlich steht am Anfang eine Idee, die sich durch die Geschichte zieht. Aber während meiner Schreibarbeit wurde ich mehrfach von meiner Geschichte überrascht, da sie plötzlich nicht eingeplante Wendungen nahm. Zwei der vier Hauptcharaktere waren überhaupt nicht eingeplant; sie haben sich irgendwann einfach vorgestellt. Es war wirklich eher so, dass ich eine Grundidee hatte und meine Geschichte mir unterwegs zugeflüstert hat, wie es weitergeht. Mein Schluss ist meilenweit vom anfangs überlegten Schluss entfernt und gefällt mir deutlich besser.
Ich habe relativ früh angefangen, den Fortschritt der Geschichte auf die verbleibenden Kapitel aufzuteilen, so dass ich einen roten Faden hatte und nicht zu schnell oder zu langsam vorangeschritten bin. Ansonsten hatte ich sehr wenig im Voraus festgelegt.

Den Text hatte ich heute Nacht schon versucht, reinzustellen, aber mein Internet wollte nicht so recht ...

Liebe Grüße,
Theresa

Hanna
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Re:

von Hanna (11.01.2009, 14:39)
Cosmopolit schreibt:
Aber unbestritten sollte jeder das Recht haben seine WERKE per Bod oder DKZV zu veröffentlichen.Es muss ja keiner Kaufen.
Vielleicht regt das ja zur selbst Hinterfragung an.
Und wenn nicht?was ist dann verloren?Erst mal ist das doch mal eine Spielwiese.Wer sich verbessern will bekommt hier im Pool ja genug Anstöße,so er die dann annimmt.Ich denke wenn es auch nur für mich hier etwas bringt und ich möglicherweise nie etwas veröffentliche,lernen kann ich auf jedem Fall.

Finde ich auch! thumbbup
L.G. Hanna

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Siegfried
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Re:

von Siegfried (11.01.2009, 14:43)
MW hat geschrieben:
ich bleibe dabei: zu behaupten, 90 % der autoren, die ein buch/eine CD/ein projekt aus eigener kraft stämmen und auf den markt bringen, seien deshalb nicht fähig, ein buch zu schreiben, halte ich für sehr gewagt.


Ich halte die Aussage der 90 % für ziemlich zutreffend - so wie ich das, was Heinz oben weiter ausführte, für richtig erachte. Wer in der Lage ist, Buchstaben an Buchstaben und Wort an Wort zu reihen, muss noch lange nicht in der Lage sein, ein ganzes Buch, dazu noch ein gutes oder interessantes, schreiben zu können.

Um ein belletristisches Werk zustande zu bringen, da gehört eben mehr dazu, als jene Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung, die man uns in der Schule beigebracht hat. Leider ist genau das der Irrglaube vieler, die Text zwischen zwei Buchdeckeln quetschen: Ich habe in der Schule Aufsätze geschrieben, also kann ich auch Autor (im Sinne von Schriftsteller) sein.

Ein gutes, unterhaltsames und verkaufbares Buch zu schreiben, ist vor allem eines: Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit. Genau davor schrecken aber jene 90 %, die oben genannt werden, letztlich zurück. Jedenfalls ist das meine Erfahrung seit Jahren.

LG
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cosmopolit
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Re:

von cosmopolit (11.01.2009, 15:16)
Siegfried schrieb folgendes:
Ein gutes, unterhaltsames und verkaufbares Buch zu schreiben, ist vor allem eines: Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit. Genau davor schrecken aber jene 90 %, die oben genannt werden, letztlich zurück. Jedenfalls ist das meine Erfahrung seit Jahren.
Dieser Verallgemeinerung widerspreche ich.Wenn mann weis 3x3=9, kann man da weitermachen,und erst da zählt Arbeit?
Der erst mal lernen muss was 3 ist Arbeitet doch auch,oder nicht?
Er wird wahrscheinlich andere Ergebnisse haben,aber das Arbeiten würde ich ihn nicht absprechen.Um etwas mitteilen zu wollen muss ich doch nicht immer Belletristische Bestleistung liefern.Wenn dem so währe würde sich unser Pool ad absurdum führen.Deine Logik ist ja dann,alle sind gut,aber leider nur faul.Dem kann ich mich nicht anschließen.Und das nur die Besten sich mitteilen dürfen würde ich als sehr Elitär betrachten.
Aber wie gesagt das drückt nur meine Meinung aus.
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MW
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Re:

von MW (11.01.2009, 16:34)
@siegfried. grundsätzlich hast du und heinz ja recht.

ABER das bezieht sich NICHT allein auf bod-autoren, sondern auf alle, die die feder zur hand nehmen und schreiben! hier macht es m.e. wenig sinn, zwischen jemanden zu unterscheiden, der bei bod & co, einem kleinst-verlag oder noch gar nicht veröffentlicht hat. murks kann bei jedem rauskommen ... oder eben auch nicht! also warum sollte ein verlag von unbekannten no-name-autoren manuskripte sichten, aber vor autoren, die bei bod veröffentlicht haben, zurückschrecken? verstehe ich nicht.
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Conny
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Re:

von Conny (11.01.2009, 19:31)
MW hat geschrieben:
also warum sollte ein verlag von unbekannten no-name-autoren manuskripte sichten, aber vor autoren, die bei bod veröffentlicht haben, zurückschrecken? verstehe ich nicht.



Na dann sind wir ja schon zwei ... :wink:
"Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann."
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MW
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Re:

von MW (11.01.2009, 20:01)
nach einmal kurz zu der behauptung, 90% der bodtitel wären schlecht:

bod hat derzeit über 85.000 bücher im verlagsprogramm.


ich bezweifle, dass weder ein verlag, noch ein mitstreiter aus unseren reihen auch nur halbwegs repräsentativ diesen bestand durchforstet hat, um derartiges behaupten zu können. selbst bei einer "stichprobenartigen" bewertung sollte man nach gängiger praxis mindestens 1-3 % gesichet haben, heißt konkret: schlappe 850 bis 2500 bücher von bod-autoren gelesen haben! und selbst dann kann man allenfalls eine tendenz erkennen. zudem müsste diese prozedur schon von mindestens 2 qualifizierten menschen durchgeführt worden sein, da ja in der literatur - wie immer in der kunst - die geschmäcker recht unterschiedlich sind.

mmh. da ich dies nicht getan habe, kann ich die qualität der kollegen nicht wirklich beurteilen (möchte ich auch nicht). ich würde mich aber freuen, wenn andersherum kollegen nicht mit prozentzahlen umherwerfen, die allein einem gefühl entnommen sind.

sollte sich wirklich jemand die mühe gemacht haben und stichprobenartig auch nur 1.000 repräsentative bücher bewertet haben - nehme ich gerne alles zurück :-)
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Siegfried
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Re:

von Siegfried (11.01.2009, 20:16)
cosmopolit hat geschrieben:
Der erst mal lernen muss was 3 ist Arbeitet doch auch,oder nicht?
Er wird wahrscheinlich andere Ergebnisse haben,aber das Arbeiten würde ich ihn nicht absprechen.Um etwas mitteilen zu wollen muss ich doch nicht immer Belletristische Bestleistung liefern.Wenn dem so währe würde sich unser Pool ad absurdum führen.Deine Logik ist ja dann,alle sind gut,aber leider nur faul.Dem kann ich mich nicht anschließen.Und das nur die Besten sich mitteilen dürfen würde ich als sehr Elitär betrachten.
Aber wie gesagt das drückt nur meine Meinung aus.


Die Mehrzahl ist nicht gut, aber faul. Die Mehrzahl ist Durchschnitt oder gar schlecht, ist aber nicht in der Lage (aus Bequemlichkeit, aus Selbstüberschätzung, aus Einbildung oder sonst irgend welchen Gründen), sich qualitativ zu verbessern. Denn sich verbessern zu wollen, das macht Arbeit. Und das scheuen eben sehr viele. Warum, muss jeder selbst für sich klären.

Das hat aber nichts damit zu tun, dass auch das Schreiben von Geschäftsbriefen Arbeit ist. Jedoch: Viele Leute schreiben eine Geschichte - und das war's. Glauben sie. Da wird nichts mehr Korrektur gelesen (deshalb bekommen wir hier ja so viele Texte vorgestellt, die bei Rechtschreibung, Grammatik oder Zeichensetzung so fehlerhaft sind), da werden sich keine Gedanken über die Wortwahl gemacht, da werden bei der direkten Rede Sprecherverben benutzt, die nicht funktionieren. Bei vielen habe ich den Eindruck, sie stellen ihre Texte vor mit dem Gedanken: "Es wird schon stimmen". Und zur Not wird das Argument vorgebracht, der erste Entwurf ist immer der beste, weil dabei ja die künstlerische Originalität am größten sei. Da fehlt mir die Bereitschaft zur Arbeit. Das ist das, was ich meinte mit "Arbeit, Arbeit, Arbeit".

Ich habe jetzt gerade am Wochenende die Unterlagen bekommen zum Thema "Autobiographie schreiben". Ich will wissen, welche Besonderheiten das Schreiben von Autobiographien aufweist. Nicht weil ich meine Autobiographie schreiben will, sondern um älteren Menschen zu helfen, wenn die ihre Autobiographie schreiben wollen (ich bin bereits mehrfach gefragt worden und konnte nicht entsprechend helfen - vielleicht kann ja hier jemand was zu dem Thema sagen, was die elementaren Bestandteile beim Schreiben einer Autobiographie sind, aber das setzt wieder einmal Arbeit, Arbeit, Arbeit voraus cheezygrin ).

Ich persönlich halte es mit dem Sprichwort "Das Bessere ist der Todfeind des Guten". Als arbeiten und lernen, lernen und arbeiten.

LG
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Re:

von Siegfried (11.01.2009, 20:26)
MW hat geschrieben:
nach einmal kurz zu der behauptung, 90% der bodtitel wären schlecht:

bod hat derzeit über 85.000 bücher im verlagsprogramm.


ich bezweifle, dass weder ein verlag, noch ein mitstreiter aus unseren reihen auch nur halbwegs repräsentativ diesen bestand durchforstet hat, um derartiges behaupten zu können. selbst bei einer "stichprobenartigen" bewertung sollte man nach gängiger praxis mindestens 1-3 % gesichet haben, heißt konkret: schlappe 850 bis 2500 bücher von bod-autoren gelesen haben! und selbst dann kann man allenfalls eine tendenz erkennen. zudem müsste diese prozedur schon von mindestens 2 qualifizierten menschen durchgeführt worden sein, da ja in der literatur - wie immer in der kunst - die geschmäcker recht unterschiedlich sind.


Hmmm ... und umgekehrt wird ein Schuh daraus? cheezygrin
Niemand hat den Buchbestand von BoD prüfen können, um die Aussage zu erhärten, dass der allergrößte Teil von minderer Qualität ist.

Daraus leitest du nun das Gegenteil ab, dass der allergrößte Teil eben doch von höherer Qualität ist? Hat denn für diese Aussage jemand den Buchbestand untersucht? cheezygrin

Nehmen wir an, dass die Qualität der Manuskripte wirklich hochwertig oder zumindest überdurchschnittlich ist, dann wäre das Interesse der Publikumsverlage doch höher. Folglich würde die guten Manuskripte von den Publikumsverlagen veröffentlicht und damit der Anteil der schlechten bei den Selbstveröffentlichungen höher werden. Was eigentlich für die Aussage spricht, Selbstveröffentlichungen haben ein Qualitätsproblem.

LG
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JessM
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Re:

von JessM (11.01.2009, 20:38)
Ich verstehe nicht wirklich wieso man sich über eine Prozentzahl so aufregen kann. Irgendwie scheint die Mehrheit (nein ich sehe keinen an) angesprochen zu fühlen. blink3

Ich meine dabei geht es um eine Statistik. Die 90 % können sich auf alles beziehen ohne genaure Angaben. Also wieso sich auf den Schlips getreten fühlen?
Wenn man sich vorstellt (als Beispiel) es geht um die 85.000, sind 90 % 76500, bleiben noch die 10%, was ungefähr 8500 sind (wenn mich Mathe jetzt nicht so im Stich lässt). Dann bleibt die Frage übrig wozu zählt man sich nun? Auch wieder eine Betrachtungsweise.

Ich meine, jetzt nur um niemanden zu nahe zu treten, wer sich angesprochen fühlt auf die "sogenannten 90 %" scheint ja selber doch etwas an seiner Schreibkunst zu zweifeln. Soll jetzt nicht bedeuten, dass man jetzt so Selbstbewusst sein soll, dass man sagt ich bin Profil.
Aber es sollte einem persönlich zu denken geben.
Denn wer weiß, dass er an seinem Werk sitzt und hart daran gearbeitet hat, würde sich nicht zu der schlechteren Quote zählen.
Schon ein wenig sollte man von sich überzeugt sein.


Ich kann dem wie gesagt zu stimme, der größte Teil ist Schrott, das können 90 % sein 80 % oder 70%, es ist auf jeden Fall die Mehrheit. (Man sollte immer seiner eigenen Statistik glauben, die man selber gefälscht hat, heißt es doch so schön)

Nehmen wir mal als Beispiel ich hätte 10 Bücher gelesen die von BOD stammen und 8 waren Schrott und nur 2 gut, so könnte ich behaupten 80 % aller Bücher sind Mist, eben weil es laut Statistik das wäre. (haha)



Ich muss gestehen, ich selber habe mich nie zu den 90 % gezählt, jetzt mögen einige rümpfen und sagen woher nimmst du dir das Recht heraus so etwas zu denken, doch ich bin ein Perfektionist.
Ich selber bin in dieser Hinsicht von meinem Schreiben überzeugt, dass ich auch ein breites Publikum faszinieren könnte, bleibe aber auf dem Boden der Tatsachen, dass ich dieses nie gekonnt hätte, hätte ich mich nicht täglich hingesetzt und mir so manches Mal wirklich harte Kritik anhören müssen und es mir immer noch anhören muss.

So manches Mal wurden meine Texte, obwohl ich in Deutsch so hervorragend war, auseinander gerissen, dass es schon wehtat, aber die Leute hatten Recht, nicht mit allem aber zum größten Teil. Sich selber das einzugestehen, ist am Anfang schmerzhaft, jedoch wenn man es weiß hilft es einem.

Ich habe auch nie viel von dem Deutschunterricht in der Schule gehalten. Er ist einfach gesagt Mist. Ich lerne Grundkenntnisse und in meinem Job, frage ich mich jeden Tag, wo sind diese Grundkenntnisse bei meinen Kunden geblieben.

Ich bekomme Sachen an den Tag vorgelegt, wo man sich denkt, Satzstellung sollte doch so einfach sein.
Ich persönlich habe auch schon Manuskripte vorgelegt bekommen, da hätte ich fast den Kaffee wieder ausgespuckt.
Der Autor mochte zwar das Herz am rechten Fleck haben, war jedoch noch Meilen von einem Buch entfernt.
Viele, die sehr gut schreiben, haben nachträglich extra Kurze belegt, um eben nicht nur das "typische Deutsch" zu lernen, sondern auch gezielt zu schreiben. (Höhen und Tiefen, der Aufbau von Konflikten, die Lösung von Konflikten, gezielte Spannung setzten, den Lesern Sachen vortäuschen)

(Um mal auf ein Thema ein zu gehen, was ein paar Seiten vorher zu sprechen kam.)



Ich glaube, niemand von uns hier ist faul, das glaube ich ganz sicher nicht. Aber ich glaube, dass es doch hier und da feine Unterschiede gibt. Jeder sollte stolz sein, auf das was er geschafft hat, denn das kann er alleine dafür, dass er sein Manuskript zu Ende geschrieben hat.
ABER wir sollten uns niemals auf diese Tatsache ausruhen.
Und darin besteht der feine kleine Unterschied.


Indirekt könnte man das veröffentlichen bei BOD auch mit diesen Talentshows vergleichen, von all den Leuten die dort auftreten, ist es nur ein Bruchteil der mit seiner Gesangsstimme begeistern kann, aber dennoch hat jeder der dort Auftritt eine Stimme, aber die alleine reicht noch nicht aus perfekt singen zu können.



P.S.: Und yup, ich bin mit meiner großen Klappe auch schon heftig auf die Nase geflogen, aber wieder aufgestanden, habe an mir gearbeitet und am Ende es dann gezeigt. cheezygrin (hehe)

Und ich habe auch noch nicht bei BOD etwas veröffentlich, weiß wohl auch ein Grund ist, weswegen ich mich bei der Quote nicht dazu gezählt habe. ^^; (haha)

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