Eine andere Art von Fabel

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matthiasgerschwitz

Eine andere Art von Fabel

von matthiasgerschwitz (23.01.2008, 11:07)
Guten Tag allerseits,

wir hatten ja gerade das Thema "Fabel" in einem anderen Thread. Seit langem überlege ich schon, wie man Geschichten "fabelhaft" verfremden kann, in dem man statt Tieren mit Pflanzen arbeitet. Auch Blumen und Pflanzen werden ja gewisse Adjektive (da ham wir's wieder...) zugeordnet, mit denen sie eigenschaftlich beschrieben werden, z. B. die "schöne Rose" oder die "empfindliche Mimose". Welche Pflanzen könnten für "vermenschlichte" Eigenschaften stehen? Welche Ideen oder Vorstellungen habt Ihr? Oder gab/gibt es das etwa schon und ist an mir - sozusagen - vorbeigewachsen?

Über Anregungen freut sich
Matthias

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Adriana
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Re:

von Adriana (23.01.2008, 11:24)
Fabeln ... hm. Ich hab mal eine über sprechende Kellerasseln geschrieben :twisted:.
Aber Pflanzen? Ist mir noch nicht untergekommen. Aber das heißt nicht, dass es so was noch nicht gab ;).

dbs

Re:

von dbs (23.01.2008, 16:26)
Adriana (Moderator) hat geschrieben:
Fabeln ... hm. Ich hab mal eine über sprechende Kellerasseln geschrieben :twisted:.
Aber Pflanzen? Ist mir noch nicht untergekommen. Aber das heißt nicht, dass es so was noch nicht gab ;).


Dir ist in der Literatur noch keine sprechende Pflanze untergekommen? Glaube ich nicht! :D

Da gibt es z.B. Tolkiens "Der Herr der Ringe". Im Fangorn-Wald leben Ents - da kann man noch streiten, ob Ents Bäume sind oder nicht. Auf jeden Fall sind die Huorns aber Bäume - und die können reden.

Zum zweiten gibt es Exuperys "Der kleine Prinz", wo genau dieser kleine Prinz mit seiner Blume Gespräche führt, und später kommt er noch in Kontakt zu einem ganzen Rosenbusch, der sprechen kann.

Ich schätze, mindestens eines der beiden Bücher kennst du - wenn nicht beide! thumbbup

LG
Siegfried

matthiasgerschwitz

Re:

von matthiasgerschwitz (23.01.2008, 16:52)
Bitte genau schauen ... mir geht es nicht um "sprechende Pflanzen" ... mir geht es nicht einmal darum. wo Pflanzen schon einmal eine Rolle spielten ... dass sogar dbs das nicht merkt - schade ...

Mir geht es um die Idee, dass - und ob - es Fabeln gibt, in denen nicht TIERE die Funktion von Menschen übernehmen,. sondern PFLANZEN... und wenn nicht: welchen Pflanzen könnten menschliche Eigenschaften zugeordnet werden ... also z. B. dbs = Mimose ... muss aber kein Mitglied hier sein...

Sorry - Siegfried - lesen hilft manchmal - und wer lesen kann, ist klar im Vorteil - aber wer's nicht tut, liegt halt daneben... Und noch einmal - auch wenn manche das nicht glauben: Ich meine die Frage ganz ernst - und es muss niemand fürchten, auf einen "Trick" hereinzufallen.

Beste Grüße
Matthias
Zuletzt geändert von matthiasgerschwitz am 23.01.2008, 18:22, insgesamt 1-mal geändert.

Versailles
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Re:

von Versailles (23.01.2008, 16:59)
Hallo zusammen,

Matthias, du hast ja schon die Klassiker genannt.
Mir fällt dazu noch ein:

Orchidee - divenhaft, empfindsam
Eiche - standhaft

Blumige Grüße
Amalia
DIE COMTESSE ab sofort als "EDITION BOD"
www.comtesse-heloise.de

Autorenphoto von J. Nemeth, Photostudio Kannengiesser, 58095 Hagen (2007)

matthiasgerschwitz

Re:

von matthiasgerschwitz (23.01.2008, 17:11)
Danke Amalia, das ist eine der Antworten, die ich erhofft habe. Hoffentlich gibt noch mehr Konstruktives...

Beste Grüße
Matthias

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skipteuse
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Re:

von skipteuse (23.01.2008, 17:49)
Hi, ich find den Ansatz sehr interessant - kann mich an keine Pflanzenfabel erinnern, denke, ist innovativ ;-)
Also mir fällt noch die stolze Rose (hatten wir di eschon?) die treue Margharite, das ewige Efeu, die wilde Orchidee natürlich, grins ;-)) das fleißige Lieschen (hm, ist glaub ich gar keine Pflanze, sondern ein Handarbeitsding) ein. Bei Bäumen gibts ja Bedeutungen ohne Ende (Trauerweide, zarte Birke, liebe Linde...) smart2

meld mich, wenn noch mehr mein Hirn erreicht ;-))

matthiasgerschwitz

Re:

von matthiasgerschwitz (23.01.2008, 18:01)
Hey ... und schon geht's los :-)

Das "fleißige Lieschen" ist eine Pflanze ... und die heißt ganz bestimmt aus einem einfachen Grunde so ... weil sie schnell (fleißig) mit wachsen ist..

Danke für den Hinweis!
Matthias

Rita Hajak

Re:

von Rita Hajak (23.01.2008, 22:48)
Vielleicht auch das "flammende Kätchen". Die mag ich sehr gerne.





LG, Rita

dbs

Re:

von dbs (23.01.2008, 23:35)
matthiasgerschwitz hat geschrieben:
Sorry - Siegfried - lesen hilft manchmal - und wer lesen kann, ist klar im Vorteil - aber wer's nicht tut, liegt halt daneben... Und noch einmal - auch wenn manche das nicht glauben: Ich meine die Frage ganz ernst - und es muss niemand fürchten, auf einen "Trick" hereinzufallen.

Beste Grüße
Matthias


Wo habe ich denn mit dir zu diesem Thema gesprochen? :shock::

Adriana schrieb, sie hätte mal was über eine sprechende Kellerassel geschrieben, aber Pflanzen, das sei ihr noch nicht untergekommen.

Kellerassel (sprechend ==> ja), Pflanze (sprechend ==> nein)

Dazu - und nur dazu - habe ich die zwei Beispiele angeführt.

Du magst mir an den Kopf werfen, lesen hilft - dann werfe ich den sprechenden Blumentopf an deinen Kopf zurück und behaupte: Manchmal hilft auch nachdenken, bevor man andere kritisiert.

Anhand deines Kommentares bleibe ich bei der Auffassung der "bewussten Fallenstellerei". Ohne mich!

LG
Siegfried
Zuletzt geändert von dbs am 23.01.2008, 23:36, insgesamt 1-mal geändert.

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Bärentante
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Re:

von Bärentante (23.01.2008, 23:35)
Die Lotusblume steht für Reinheit, die Rose für Schönheit, Anmut, Liebe (auch käufliche), Unschuld, Geheimnisse und Verschwiegenheit. (Habe ich online in einem Tätowier-Magazin gelesen.) :lol:
Liebe Grüße
Christel

dbs

Re:

von dbs (23.01.2008, 23:44)
skipteuse hat geschrieben:
Hi, ich find den Ansatz sehr interessant - kann mich an keine Pflanzenfabel erinnern, denke, ist innovativ ;-)


aus dem Verzeichnis der DNB:

Titel: Die Pflanzenfabel in der Weltliteratur / von Aug. Wünsche

Verfasser: Wünsche, August
Ausgabe: Fotomechan. Neudr. d. Originalausg. 1905.
Verleger: Leipzig : Zentralantiquariat der Dt. Demokrat. Republik
Erscheinungsjahr: 1974
Umfang/Format: 184 S.; ; 23 cm
Einband/Preis: Lw. : M 58.00
Schlagwörter: Fabel / Geschichte
Sachgruppe: 07a Sprach- und Literaturwissenschaft


"Ein Solo für sechs Soja-Pflanzen" vom 25.November 2006 in der Neuß-Grevenbroicher Zeitung:

Ein Solo für sechs Soja-Pflanzen

Hätten Konsumgüter eine menschliche Stimme, dann hätten sie nach ihren Zickzack-Parcours in der globalisierten Welt eine Menge zu berichten. Genau dies ist der Fall im politischen Theaterstück „Terra! Terra! Eine Sojabohne packt aus“, das jetzt in der Aula des Gymnasiums aufgeführt wurde. In der reinrassigen Pflanzenfabel der Berliner Compagnie wird ein zartes Pflänzchen namens „Sojaja“ von Mr.Gift, einem ausländischem Investor der „Global International Food Trust Bank“, mit der Aussicht verführt, die Welt vom Hunger zu befreien. „Ihr werdet, gedüngt mit der geilsten Chemie, geschützt mit den reinsten Pestiziden und am Ende geerntet mit den schärfsten Maschinen der Welt“, verspricht der ebenso schleimige wie tückische Strippenzieher im feinen Zwirn, bevor er auch den Großgrundbesitzer Don Pedro von der profitablen technisierten Monokultur nebst Exportgeschäft nach Europa überzeugt. Die Kleinbauern bleiben erwartungsgemäß auf der Strecke, und auch die Protagonistin Sojaja lässt auf ihrer Mission ihren geliebten Schwarzbohnerich am Wegesrand zurück. Doch schnell zeigt der vermeintliche Heilsbringer sein wahres Gesicht: Das lateinamerikanische Volk wird entzweit und Sojaja landet nicht im Mund eines hungrigen Kindes, sondern im Magen einer deutschen Kuh und endet als Bestandteil ein Gammelwürstchens am Ende wieder in ihrer Heimat. Dort proben die Kleinbauern unter der Führung von Schwarzbohnerich die Revolution gegen den Großgrundbesitzer. Welche Botschaft sich hinter den farbenprächtigen Kostümen verbirgt, ist klar: Mit der Sojapflanze als Platzhalter werden den Zuhörern in gerade einmal 70 Minuten die komplexen Züge einer ungerechten Weltordnung dargestellt, übrigens mitsamt ihren Auswirkungen auf die Umwelt und das Recht von Naturvölkern. Einfach verständlich, höchst informativ und unterhaltsam gehalten, zeigt das Stück jenen Preis auf, den die Entwicklungsländer für europäische Billigprodukte zahlen.



Tirolische Pflanzensagen.
Von Angelika v. Hörmann.

Leider hat sich von dieser Gattung der Sage wenig mehr erhalten, und nur der Volksmund hat uns einige überliefert, oft sind es, wie bereits gesagt, nur die Namen, welche auf einen ursprünglich reichen Vorrat von Pflanzensagen schließen lassen. So z.B. Himmelsschlüssel, Frauenschuh, Wohlgemut und Wohlverlei, Wachholder, Tausendgüldenkraut, Stolzheinrich, Heilallerwelt, Allermannsharnisch, Neunmannskraft und viele andere. Weiter gibt es eine große Anzahl von Bäumen, Sträuchern und Kräutern, die das Volk als wunderkräftig verehrt oder mit geheimer Scheu als Hexen- und Teufelspflanzen meidet, ohne mehr den eigentlichen Grund davon zu wissen. An wieder anderen haften noch einzelne Züge ehemaliger Mythen und Sagen. So ist zum Beispiel nach dem Volksglauben an die Linde, die auf einem Dorfplatz oder in einem Schloßhofe steht, das Glück der Bewohner geknüpft; verdorrt sie, so sterben die Menschen, und deren Wohnungen verfallen zu Schutt. Den heiligen Holunderbaum fragt der Holzhauer um Erlaubnis, ehe er ihn fällt. Ebenso heißt es, die Erle fühle beim Umhauen Schmerzen, wie ein Mensch, und ächze und vergieße Blut dabei. Die vielen Knöpfe und Auswüchse des Eschenbaums sollen vom Truddrücken herrühren. Denn die bösen Hexen oder Truden, die oft Nachts die Menschen im Schlafe ängstigen, fahren, von diesen vertrieben, voll Zorn auf den hilflosen Baum los und kühlen an ihm ihre Rache. Für besonders heilig wird ferner die Mistel gehalten, die auf Bäumen wuchernde Schmarotzerpflanze, von der man ehemals glaubte, sie sei vom Himmel gefallen. Der moosartige Auswuchs an Rosensträuchen, Schlafapfel genannt, zaubert jeden, unter dessen Kopfkissen er liegt, in fortdauernden Schlaf. Wer die Zukunft erforschen will, befragt den weissagenden Klee, wem nach Reichthum gelüstet, der legt Farrensamen, in heiliger Mitternachtsstunde gesammelt, zum Gelde; dann nimmt dieses nie ab. Auch die zauberkräftige menschlich gestaltete Alraunwurzel bringt Glück und Reichtum.


LG
Siegfried

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Joana
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Sprechende Pflanzen gibt es sicher

von Joana (23.01.2008, 23:56)
denn, wie kommt es dann, dass viele Menschen mit ihnen sprechen? Sie bekommen sicher Antwort.
Ich spreche mit einem Olivenbaum. Ich liebe sie allgemein, aber einen besonders. Ich habe auch das Gefühl, dass er mich versteht.
Ich habe das in Gedanken gefasst:

Kann ein Olivenbaum sexy sein?

Natürlich kann jedes Objekt welches gewisse Emotionen oder Erinnerungen erweckt, sexy sein.
Doch ein Olivenbaum hat schon was Besonderes zu bieten.
Zum einen laden seine weit verzweigten ausgestreckten Äste zur Umarmung ein. Seine beweglichen leicht silbrig schimmernden Blätter bewegen sich bei jedem Lufthauch und simulieren Zärtlichkeit. Und zum andern wispert und flüstert er in vielen Sprachen, so dass er von jedem verstanden werden kann. Man muss nur zuhören können.

Der knorrige Stamm steht fest verwurzelt im Boden da, man kann sich anlehnen und seinen aromatischen Holzgeruch einatmen, und sich in seine Nähe verlieren.
Für mich ist der Olivenbaum nicht nur grammatikalisch männlich, er strömt auch Männlichkeit aus.

Die Wärme des Stammes durchdringt die Haut, die raue Oberfläche erinnert an Seefahrer, wilde See und Schiffe, weit draußen am Meer, kämpfend mit Sturm und Wellen. Wie viele Philosophen sind im Schatten der Olivenhaine gewandelt und haben den Sinn des Lebens gesucht?
Ich fühle mich Eins mit dem Stamm, mit dem Baum, fühlte mich im Geiste mit ihm verwoben, integriert, für ewig an ihn gebunden.

Ein Maler würde mich in diesen Augenblicken, aufgehend in den Stamm, mit den Armen nach oben strebend, teilweise von Holz und Zweigen bedeckt, darstellen.

Warum sollte man immer nur an Häschen, Mausi oder Bärli denken, wenn man zärtlich sein will, warum nicht auch an einen Baum. Auch wenn er einige hundert Jahre alt ist?

Joana
Erst die kleinen Dinge erfreuen die Seele

julia07
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Re:

von julia07 (24.01.2008, 06:29)
... und ich mag den wehrhaften Dornenbusch und die standhafte Eiche :wink:

dbs

Re:

von dbs (24.01.2008, 07:03)
matthiasgerschwitz hat geschrieben:
Sorry - Siegfried - lesen hilft manchmal - und wer lesen kann, ist klar im Vorteil - aber wer's nicht tut, liegt halt daneben... Und noch einmal - auch wenn manche das nicht glauben: Ich meine die Frage ganz ernst - und es muss niemand fürchten, auf einen "Trick" hereinzufallen.

Beste Grüße
Matthias


nachträgliche Ergänzung:

Ich finde es schon ziemlich dreist, mir ein

"lesen hilft manchmal - und wer lesen kann, ist klar im Vorteil - aber wer's nicht tut, liegt halt daneben"

vorzuhalten, wenn man selbst von "Fabeln" redet und dann bei Lieferung von "Fabel"-Argumenten so einen Spruch losläßt - denn, so stellt sich mittlerweile heraus, es geht ja gar nicht um Fabeln oder Fabelhaftes. Gesucht werden Allegorien im Pflanzenbereich. Und Allegorien sind etwas ganz Anderes als Fabeln. Wenn man von Fabeln spricht, aber Allegorien meint, darf man sich nicht wundern, wenn man Fabeln bekommt.

Aber wer weiß - vielleicht habe ich ja auch nur den Wandel in der inhaltlichen Bedeutung von Fabel und Allegorie nicht mitbekommen.

Ende vom Gelände.

Siegfried

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