Erfahrungen mit Schreibwerkstätten

Euer Forum rund um kreatives Schreiben, lesergerechtes Texten und spannende Plots.


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hawepe
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Re:

von hawepe (07.12.2008, 15:03)
Hallo Siegfried,

Siegfried hat geschrieben:
Lass uns an deinem Wissen, deiner Kompetenz teilhaben. cheezygrin


Geht doch nicht, denn dann würde er zu einem dieser von ihm verachteten "dubiosen Lehrer" mutieren.

Ich finde es immer sehr ärgerlich, wenn mit unumstößlichen Weisheiten argumentiert und keine Schattierungen zugelassen werden.

Es gibt aber nun einmal eine sehr breite Palette an Seminaren und Werkstätten, an Lehrbüchern und nicht zuletzt auch an Lernenden. Jeder muss hier seinen individuellen Weg finden.

Ich bin kein Freund von Seminaren, weil mir das Learning by doing unter Zurhilfenahme, nicht Abarbeitung von Büchern mehr liegt. Dafür sind mir anschließende Diskussionen extrem wichtig.

Will man nur eine Idee halbwegs vernünftig zu Papier bringen, möchte man einfach mal seine Möglichkeiten ausloten, möchte man wirklich von der Pike auf das Schreiben lernen? Die Motive sind unterschiedlich und somit auch die geeigneten Lernangebote.

Von daher lässt sich auf die Ausgangsfrage natürlich auch keine wirklich hilfreiche Antwort geben, sondern nur mit Gegenfragen und Überlegungen antworten.

Beste Grüße,

Heinz.

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noteingang
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Re:

von noteingang (07.12.2008, 15:25)
hawepe hat geschrieben:
Hallo Siegfried,

Siegfried hat geschrieben:
Lass uns an deinem Wissen, deiner Kompetenz teilhaben. cheezygrin


Geht doch nicht, denn dann würde er zu einem dieser von ihm verachteten "dubiosen Lehrer" mutieren.


Auch dein Zynismus schützt nicht davor, dass es einfach falsch ist, was du schreibst. Nie habe ich behauptet alle Lehrer seien dubios.

Aber in dem Punkt, dass ich meine Kompetenz nicht vermitteln kann, stimme ich mit dir überein. Das geht eben nicht.

Desweiteren argumentiere ich nicht mit unumstößlichen "Weisheiten" sondern mit ganz normalen Argumenten, die wohl unumstößlich scheinen, weil sie so plausibel sind :D

Kontroverse Diskussion kann man lernen, Akzeptanz von anderen Meinungen auch, und ein Troll akzeptiert keine anderen Meinungen und will nur Unfrieden stiften.

Ich will fruchtbar diskutieren, dazu gehört eben auch, dass man nicht wie von dir, mit leichtem zynischen Zungenschlag, sogar falsch wiedergegeben wird.

Nekromant
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Re:

von Nekromant (07.12.2008, 16:27)
hawepe hat geschrieben:
Hallo,

noteingang hat geschrieben:
...


Was willst du uns mit all dem eigentlich mitteilen?

Für dich sind doch sowieso alle, von denen andere etwas lernen könnten, "dubiose Lehrer".

Langsam gewinne ich den Eindruck, du möchtest dich hier lediglich als Forumstroll profilieren.

Beste Grüße,

Heinz.



Nein, das möchte ich natürlich nicht. Ich dachte nur immer, dass Schreibseminare einem wirklich irgendein Geheimwissen vermitteln, welches man nur dort bekommt.
Beispielsweise habe ich vor kurzem gelesen, dass in Österreich ab nächstem Wintersemester ein neuer Studiengang namens "Schreibkunst" gestartet wird. Die dortigen Professoren behaupten heutzutage könne kein Schriftsteller in Österreich vom Talent allein leben, daher seien derartige Kurse notwendig. Ich verstehe diese Aussage nicht. Was haben die erfolgreichen Autoren der Vergangenheit denn anders gemacht?


Ich stehe Schreibkursen nicht feindselig gegenüber. Ich werde bald an einem teilnehmen, weil es da sicherlich einiges gibt, dass mir helfen könnte. Fertigkeiten, die ich noch nicht kenne etc.
Nur kommt es mir jetzt auch so vor, als ob das meiste Wissen auch im Internet umsonst verfügbar ist. :wink:

hwg
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Re:

von hwg (07.12.2008, 16:38)
Etliche "Professoren" derartiger Schreibkurse/"Dichterschulen" sind selber meistens nicht gerade berauschend erfolgreiche Autoren, sitzen aber in Gremien, von denen aus an mit öffentlichen Geldern großzügig geförderte Kleinverlage Absolventen dieser Schreibkurse weiterempfohlen werden.

Und diese "Lehrmeister" und ihre "Eleven" bedienen sich dann gegenseitig in Literaturzeitschriften mit wohlwollenden Rezensionen oder sind Jurymitglieder bei diversen Literaturpreisvergaben.

So rennt's eben auch in unserem Poetenland - aber glücklicher Weise nicht nur so! :lol:

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hawepe
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Re:

von hawepe (07.12.2008, 16:41)
Hallo Hans,

hwg (Moderator) hat geschrieben:
Etliche "Professoren" derartiger Schreibkurse/"Dichterschulen" sind selber meistens nicht gerade berauschend erfolgreiche Autoren,


Ich spinne deinen gedanken mal weiter. Etliche erfolgreiche Thriller-Autoren sind selber nicht gerade berauschend erfolgreiche Serienmörder ... cheezygrin

Noch einen schönen Adventsonntag,

Heinz.

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noteingang
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Re:

von noteingang (07.12.2008, 16:45)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
Etliche "Professoren" derartiger Schreibkurse/"Dichterschulen" sind selber meistens nicht gerade berauschend erfolgreiche Autoren, sitzen aber in Gremien, von denen aus an mit öffentlichen Geldern großzügig geförderte Kleinverlage Absolventen dieser Schreibkurse weiterempfohlen werden.

Und diese "Lehrmeister" und ihre "Eleven" bedienen sich dann gegenseitig in Literaturzeitschriften mit wohlwollenden Rezensionen oder sind Jurymitglieder bei diversen Literaturpreisvergaben.

So rennt's eben auch in unserem Poetenland - aber glücklicher Weise nicht nur so! :lol:


Das kann ich voll unterschreiben. Wenn denn die Weltformel des Erfolgs gefunden würde, dann wären die "Finder", die ersten, die damit Bestseller schreiben würden.

Ich glaube diese Lehrer taugen oft nicht zu Lehrern, weil sie eben Wissen weitergeben, was in ihrer Realisierung auch zu "nichts" getaugt hat.

Überspitzt formuliert, wirklich erfolgreiche Autoren werde nie Lehrer, die schreiben nämlich lieber.

Nun steinigt mich...

Ich glaube nämlich, dass Handwerkskunst die kleinste Hürde ist, die bekommt man nebenher mit, wenn man den viel und lange schreibt.
Zuletzt geändert von noteingang am 07.12.2008, 16:54, insgesamt 2-mal geändert.

hwg
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Re:

von hwg (07.12.2008, 16:46)
Hallo Heinz,

Serienmörder können aber gute Autoren sein (in Österreich gab's ein Beispiel dafür.... :lol: ).

Nun aber weg von derart grauslichen Sachen und hin zu einem
friedvollen Ausklang des 2.Adventsonntags!

Herzlichen Gruß!
Hans

Arachne
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Re:

von Arachne (07.12.2008, 16:57)
@noteingang
Entschuldige, dass eines meiner wissenschaftlichen Spezialgebiete Wissen vs. Kompetenz ist und ich sehr lange Zeit in der Coaching bei VW tätig war (2 Jahre Nebenjob dort) und ich mich sehr genau mit dem Thema auskenne. Und vieles hier sind Versprechungen, die eben nichts bringen.

Wissen und Kompetenz als Gegensatz im Zusammenhang mit Auto-Verkaufen (oder irgendetwas anderes verkaufen) empfinde ich gerade als anstößig! Und Aussagen immer wieder gebetsmühlenartig zu wiederholen machen sie nicht wahrer.

@Nekromant
Nur kommt es mir jetzt auch so vor, als ob das meiste Wissen auch im Internet umsonst verfügbar ist.


Nach dem Prinzip müßte man ja nie in eine Vorlesung gehen, weil ja alles auch im Buch steht (erinnert mich an die Feuerzangenbowle). Tatsächlich gab es zu meiner Studienzeit vor 25 Jahren auch viele (männliche) Studenten, die diesen Satz von sich gaben. Komischerweise verschwanden sie irgendwann nach der Zwischenprüfung ... cheezygrin

Sigrid

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noteingang
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Re:

von noteingang (07.12.2008, 17:01)
Arachne hat geschrieben:
Wissen und Kompetenz als Gegensatz im Zusammenhang mit Auto-Verkaufen (oder irgendetwas anderes verkaufen) empfinde ich gerade als anstößig! Und Aussagen immer wieder gebetsmühlenartig zu wiederholen machen sie nicht wahrer.
d


Die Coaching ist eine interne Weiterbildungseinrichtung, fern ab von Autoverkäufen und dort werden in enger Zusammenarbeit mit der TU-Braunschweig Lernmethoden erprobt.

Würde das nun in Form eines Literaturseminars kommen, würden alle hier schreiben, wow was für eine Erkenntnis, wenn ich das schreibe wird es kritisiert.

Es gibt halt unzählige Forschungen in letzter Zeit zu "sinnvoller Vermittelung von Kompetenz" und davon habe ich hier einiges geschrieben. Das ist kein Wahrheitsanspruch sondern eine Meinung unter vielen, die bekommt man aber fast kostenlos in Büchern. Andere Meinungen die X-faches kosten werden unreflektiert angenommen.

Da ist es wohl verständlich, dass es Menschen gibt, die da anderer Meinung sind. Mag es sein, dass einige hier einfach recht eingefahren sind?

Nekromant
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Re:

von Nekromant (07.12.2008, 17:22)
Nun ich behaupte jetzt mal ich weiß schon die entscheidenden Dinge über die Kunst des erzählerischen Schreibens.
Da wäre zum einen die Handlungsstruktur, die schon in den Theaterstücken der alten Griechen genauso vorhanden war: Anfang, animierendes Ereignis, Komplikationen, Schluss.
Die Geschichte muss laut Aristoteles "in media res" beginnen. Das heißt in der Mitte eines Geschehens. Dem Beginn des Romans muss ein entscheidendes Ereignis vorangehen, das Bewegung in die Story bringt.

Die meisten Romane bestehen aus drei Akten (manchmal sind es auch vier). Im ersten Akt sollen die handelnden Figuren einem vertraut und der Hintergrund der Story erläutert werden. Das jetzt folgende animierende Ereignis treibt die Geschichte in eine komplett neue Richtung mit der keiner gerechnet hätte. Je wirkungsvoller und überraschender dieses Ereignis ist, desto besser. Im zweiten Teil fangen die Dinge an ihren Lauf zu nehmen. Je mehr die Figuren leiden müssen und je mehr sie zum Scheitern verdammt sind, desto interessanter ist das Ganze für den Leser. Dann folgt der zweite große Wendepunkt und leitet gleichzeitig den Schlussteil ein. Hier müssen nun alle noch ungeklärten Fragen beantwortet werden.

Beim Szenenaufbau muss man darauf achten, Dialoge und Ortsbeschreibungen geschickt abzuwechseln. Allein vom Gesprochenen entsteht keine Stimmung.
Beim Erschaffen von Charakteren soll man darauf achten zu zeigen und nicht zu erzählen. Ich meine, man selber als Autor weiß wie die Charaktere sind, dem Leser als Außenstehenden muss man es vor Augen führen.
Letztendlich sind Andeutungen immer wirkungsvoller als ausführliche Beschreibungen.



Bitte nicht falsch verstehen. Ich hab das nur geschrieben um klarzustellen, was ich über erzählerisches Schreiben schon weiß. blink3
Zuletzt geändert von Nekromant am 07.12.2008, 17:27, insgesamt 1-mal geändert.

hwg
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Re:

von hwg (07.12.2008, 17:23)
Noch einmal melde ich mich hier zu Wort:
Es gibt erfreulicher Weise eine Vielzahl von Aus- und Weiterbildungsangeboten, die auch von mir genutzt worden sind und auch jetzt noch genutzt werden.

Meine Stellungnahme bezog sich ausschließlich auf die aufgeworfene Frage nach dem Wert und Sinn von "Dichterschulen" und dergleichen.

Auch die an US-Lehranstalten angebotenen Creativ Writing Lehrgänge haben ihren Sinn, sind aber mit den hierzulande praktizierten Schnellsiederkursen a la "So werden Sie rasch ein berühmter Autor" nicht vergleichbar.

Und wenn es um Ausbildungsfragen geht, fällt mir immer wieder die uralte "Weisheit", übrigens von einem erfahrenen Pädagogen in die Welt gesetzt, ein: Es gibt keine schlechten Schüler, jedoch schlechte Lehrer. :lol:

Dabei habe ich auch einmal eine Lehrerbildungsanstalt besucht, den
Beruf als "beamteter Wissensvermittler" jedoch nie ausgeübt. Ein gewissenhafter Autor kann ja oft auch ein idealer "Lehrer" sein, ohne dass er an seine Lesern Zensuren verteilen muss... cheezygrin

LOFI

Re:

von LOFI (07.12.2008, 17:40)
hwg (Moderator) hat geschrieben:
Auch die an US-Lehranstalten angebotenen Creativ Writing Lehrgänge haben ihren Sinn, sind aber mit den hierzulande praktizierten Schnellsiederkursen a la "So werden Sie rasch ein berühmter Autor" nicht vergleichbar.


Vor langer Zeit hatte ich an der Uni im Anglistikstudium einen creative writing Kurs belegt. Der damalige Prof erklärte uns, dass es nicht Sinn und Zweck eines solchen Kurses sei, einem nicht oder wenig talentierten Schreiber das Schreiben beizubringen, sondern die Basis, das Talent und der eigene Stil müssten schon vorentwickelt sein und eine Grundfähigkeit darstellen, damit das handwerk des Schreibens darauf aufbauen könne. Er wollte damit sagen, dass ein technischer Kurs nicht das Schreiben beibringen kann, sondern Anlagen verfeinern, ausfeilen und weiterentwickeln soll.

Ich glaube, ein solcher Kurs kann Leuten das Schreiben nicht wirklich beibringen, wenn sie keinen eigenen Sinn dafür haben. Aber er kann sehr wohl als Werkzeugkasten dienen, um dem Werkinteressierten zu helfen.

VG

Lorenz

hwg
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Re:

von hwg (07.12.2008, 17:50)
Guten Abend Lorenz!

Du schreibst genau das, was ich ebenfalls versucht habe, hier "anzubringen".

Herzlichen Gruß!
Hans

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hawepe
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Re:

von hawepe (07.12.2008, 17:56)
Hallo Sigrid,

Arachne hat geschrieben:
Nach dem Prinzip müßte man ja nie in eine Vorlesung gehen, weil ja alles auch im Buch steht


Und trotzdem stimmt es, dass sich heute alles im Internet und in Büchern finden lässt.

Die Frage ist nur, wie findet man diese Informationen und wie bewertet man sie. Und nicht zuletzt bleibt noch die Anwendung.

Beste Grüße,

Heinz.

hwg
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Re:

von hwg (07.12.2008, 18:01)
Zum Lernen gehört auch der Wissensvergleich mit Kollegen.
Nur allein sich mit Wissen anzuhäufen, vermeintlich oder
tatsächlich, führt meistens in eine Sackgasse, denke ich.
Oder liege ich total daneben? :wink:

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